Alien Nation

Update: Einige Ergänzungen und Nachbetrachtungen gibt es im Folgeartikel „Schwache Echos“.

Ich habe mich viele Jahre meines Lebens isoliert gefühlt. Wie ein Fremdkörper unter den Menschen. Es war als ob ich etwas sehen kann, was die anderen Menschen nicht sehen. Es war als ob ich etwas fühlen kann, was die anderen Menschen nicht fühlen. Es war als ob ich etwas hören kann, was die anderen Menschen nicht hören.
Die Zeit, bis ich durch Hilfe anderer verstand, warum das alles so war, warum mein Leben so seltsam verlief und sich für mich so schmerzhaft und anstrengend anfühlte, war vorsichtig ausgedrückt schwierig. Ich aß Einsamkeit zum Frühstück, Todessehnsucht zum Mittag und Verzweiflung zum Abendbrot. Jeden Tag.

Der Anfang des roten Fadens

Warum? Wer bin ich? Warum muss das so? Warum darf jeder Spaten an der Schwachsinnsgrenze glücklich werden und ich nicht? Warum hat jedes hohle Tittenmäuschen 7 beste Freundinnen und ich nicht eine? Warum finden die seichten Idioten 20 Gesprächspartner und ich ernte nur verständnislose Blicke, wenn ich aufzähle, was mich interessiert? Habe ich Freundschaft nicht verdient? Habe ich Liebe nicht verdient? Bin ich ein schlechter Mensch?
Das sind Fragen, die auf den ersten Blick wie öliges Selbstmitleid wirken und es wohl auch sind. Als jahrelanges Gift, das in den Kopf tropft, in die Gedanken und Gefühle, können sie einem jede Lebenskraft nehmen. Ich bin es nicht wert, ich bin allein, ich bin allein, ich bin allein, für immer ALLEIN, haha.

In Hannover lernte ich während meiner Doktorarbeit eine Frau kennen, mit der mich sofort seelenverwandt fühlte. Sie war wie ein Glas Wasser in der Wüste für mich. Aber natürlich ersetzt ein einzelner Mensch kein komplettes soziales Umfeld. Ich fühlte mich immer noch einsam und begann, ein Online-Tagebuch zu führen (das hieß damals noch nicht Blog). Ich befand mich auf dem Tiefpunkt meines bisherigen Lebens.
Mein Online-Tagebuch gab mir ein gewisses Ventil, es war ein Versuch zu verstehen, wie die Dinge sind. Wie ich bin, wie die Menschen sind, wie die Welt ist. Das Echo, das meine Beiträge hervorriefen, zeigte mir viel über meine Stellung in der Welt und unter den Menschen. Das meiste tat weh.
Doch eines Abends bekam ich von einem Leser, unaufgefordert und ohne dass ich mich jemals mit diesem Thema beschäftigt hatte, einen Link geschickt. Er führte zu einem Text über die Probleme hochbegabter Frauen. Erst wollte ich ihn nicht lesen, weil er in einem feministischen Blatt stand, aber dann las ich ihn doch.

Danach weinte ich zwei Tage und Nächte lang.
Zum Einen, weil ich mich zum ersten Mal in meinem gesamten Leben erkannt und verstanden fühlte. Zum Anderen, weil mir mit aller Grausamkeit klar wurde, dass das, was mein Leben so schmerzhaft machte, nicht ein kleiner Serotoninmangel war, kein Blutgerinnsel an meinem Gefühlszentrum, sondern etwas, das aus mir kam. Etwas, mit dem ich geboren worden war und das unheilbar war. Den Text zu lesen, war für mich einerseits wie eine lang ersehnte Umarmung und andererseits wie eine völlige Vernichtung. Ich hatte das Gefühl, auf einer Guillotine zu liegen, mit dem Gesicht nach oben, und der Klinge zuzusehen, wie sie sich in Zeitlupe in Bewegung setzt.
Ich brauchte viel Zeit, um diese Erschütterung so zu verarbeiten, dass sie mir helfen konnte.

Hochbegabung, my ass

Wenn ich über Dinge stolpere, die mir so entsetzlich erscheinen, dann versuche ich meist über Anhäufung von Information, sie in ihre (leichter erträglichen) Bestandteile zu zerlegen, diese Bestandteile zu analysieren und am Ende alles wieder zu einem Ganzen zusammenzusetzen. So machte ich es hier auch.

Ich las alles, was ich zum Thema Hochbegabung finden konnte, vor allem über Hochbegabung bei Erwachsenen, und das war gar nicht so einfach. Denn mittlerweile wird zwar jedes Kind schon kurz nach dem Abstillen spezialgefördert, aber für die, die diese Möglichkeiten nicht hatten und schon etwas länger aus dem Säuglingsalter raus waren, wurde die Informationslage sehr dünn.

Ich las „Das Drama der Hochbegabten“ von Jürgen Vom Scheidt und „Ganz normal hochbegabt“ von Andrea Brackmann. Über die Qualität der beiden Bücher mag ich hier nichts sagen, aber sie zu lesen, hat mir sehr geholfen.
Vor allem weil ich plötzlich merkte: ich bin fucking nicht allein! Es gibt mehr von meiner Sorte! Es gibt die Herde, zu der ich gehöre und gehören will! Ich musste sie nur finden. Als erstes schaute ich mal in der Hochbegabtengruppe bei XING nach, aber die Gruppe war voller kleingeistiger Pisser, zerfressen von eitlen Befindlichkeiten, die mich sofort schlimm langweilten, und so verließ ich sie wieder nach meinem Antrittsposting. (Natürlich gab es einige kostbare Ausnahmen.)

Test, test, one, two, one, two

[Natürlich gibt’s hier den obligatorischen Einschub.
Ich weiß nicht, ob ich hochbegabt bin, ich habe nie einen offiziellen, seriösen Test gemacht. Ich hatte immer nur Anhaltspunkte, ich habe Internettests gemacht, die natürlich nicht gelten, ich habe den Test auf der Mensa-Website gemacht und alle haben die Anhaltspunkte bestätigt. Mehr musste ich nicht wissen.]

Ich glaube, dass nur sehr wenige Menschen ohne Schubs von außen darauf kommen, dass sie hochbegabt sein könnten, und sich testen lassen.
Ich glaube, dass von den Menschen, die es wissen oder ahnen, nur sehr wenige offen darüber sprechen, weil das Wort Hochbegabung immer den Ruch von „Ich bin toller als Du“ hat und niemand setzt sich gerne freiwillig dem Verdacht der Arroganz aus.

Aber nach meinen Erfahrungen und Beobachtungen hat Hochbegabung mit „toll“ am allerwenigstens zu tun. Hochbegabung kommt oft, vor allem, wenn sie nicht früh entdeckt, gefördert und in die richtigen Bahnen gelenkt wird, mit einer ganzen Reihe von schweren bis schwersten Problemen einher. Hochbegabung bringt außerdem oft unangenehme Freunde mit, wie z.B. ADHS, Hypersensibilität, bipolare Störungen und einen fatalen Hang zu Selbstmorden. Ich habe Hochbegabung heimlich für mich immer eher als Form von Behinderung oder vielleicht als amputiertes Bein gesehen. Menschen, die das haben, haben „special needs“, und müssen den Umgang mit dieser Behinderung nicht selten erst lernen. Die meisten Hochbegabten, die ich kenne, haben oder hatten massive Probleme im Leben; mit sich, mit den Menschen, mit den Berufen, mit fucking allem.

Das Leben ist kein WunschkonBATSCH!

Das, was ich mir wünsche, ist, dass das Thema öfter und offener behandelt wird. Mit Sensibilität und Vorsicht, mit Respekt und vor allem Verständnis für die Andersartigkeit der betroffenen [sic!] Personen. Ich wünsche mir, dass das Thema so gegenwärtig wird, dass alle Psychologen überall auf der Welt als allererstes die Möglichkeit einer bestehenden Hochbegabung überprüfen, wenn ein Patient mit Lebensschwierigkeiten zu ihnen kommt. Ich wünsche mir, dass man über Intelligenz reden darf, ohne dass es immer sofort darum geht, wie man beruflich so erfolgreich wird, dass man sich siebeneinhalb Yachten leisten kann („Potential ausnutzen, Baby!“). Ich wünsche mir, dass man sagen darf „Ich bin hochbegabt“, ohne Angst zu haben, gehänselt zu werden, ausgeschlossen, abgelehnt (weil wegen „Ich bin toller als Du“). Ich will, dass man es sagen darf wie man sagen darf „Ich bin aus Deutschland“ oder „Ich mag Rotkohl mit Klößen“. Ich wünsche mir, dass niemand sich unter dem Gefühl, ein Außerirdischer zu sein, durch sein Leben quälen muss, ohne zu wissen, warum. Ohne zu wissen, dass es wahr ist. Dass er ein Außerirdischer IST und dass es, verdammt nochmal, okay ist, ein Außerirdischer zu sein. Und dass die Alien Nation viel größer ist als er das vielleicht glaubt.

Und das, was ich eigentlich am allermeisten in meinem Inneren tun möchte, ist, den Isolierten, den Aussätzigen, den Verschrobenen, den Sonderlingen, denen, die sich ihr Leben lang nicht den Menschen zugehörig gefühlt haben, zu sagen: Wir sind hier.
Denn dass ich mir keine siebeneinhalb Yachten leisten konnte, war mir vollkommen egal.
Aber das Gefühl, allein auf einer winzigkleinen Insel in einem riesiggroßen Ozean zu stehen, das hat wirklich wehgetan.

145 Kommentare

  1. Ich finde einen einfachen Klick auf „+1/Gefällt mir“ immer so banal, daher formuliere ich hier einfach meine Zustimmung:
    Mir ging/geht es ähnlich, mit dem Unterschied schon als Kind entsprechend untersucht worden zu sein. Ich glaube aber, dass das am Verstehen wenig geändert hat.
    Eine hilfreiche Beschreibung für mein eigenes Verhalten finde ich bei Gunther Dück. Der spricht öfter von seinem Alltagsautismus. Das passt m.E. gut zu hoher Sensiblität, gleichzeitiger Distanz zu Menschen und all den Verhaltensweisen.

  2. Wunderbarer Text. Ich kenne das „Ich bin toller als du“-Problem und habe die „kleingeistigen Pisser“ (Danke!) kennengelernt, die sich die Mensa-Mitgliedschaft in den Lebenslauf schreiben. Und ein paar Buchtipps, danke auch für die. :)

  3. Kenne das nur zu gut.
    Bei mir wurde es festgestellt, Richtung neunte Klasse. War zwei Jahre lang im Aufnahmeverfahren am Landesgymnasium für Hochbegabte in Schwäbisch Gmünd.
    200 Bewerber auf 3 Plätze, so in etwa.
    Und wer kann dir helfen, dich verstehen? Normalos nicht. Die Erkenntnis tut weh, und führt entweder zu Verzweiflung, Akzeptanz oder Arroganz. Alle drei Fälle kenne ich von anderen Hochbegabten.
    Inzwischen erwähne ich es einfach nicht mehr. Hat noch nie irgendwas zum Positiven verändert. Jetzt bin ich auch schon 20 und jegliche Förderung und Ausschöpfung eines angeblichen Potenzials hat sich so langsam aus den verschiedensten Gründen erledigt. Mich hat das Ganze, das Anderssein, das Unverständnis, in scheiß Lebenslagen und eine Depression getrieben, die, so mein Empfinden, die ganze „Begabung“ sowieso schon vernichtet hat durch die ganzen Gedächtnisprobleme.

    Und jetzt?

  4. Es fühlt sich seltsam an es einfach oder schlicht zu nennen, denn das ist ein Danke irgendwie nicht wirklich. Danke für ein Text der einen dazu bringen muss die eigene Einstellung zu überdenken. Verdammt fucking Danke.

  5. Finde mich da absolut wieder. Auch wenn bei mir irgendwie immer im Raum stand, dass ich intelligent bin, wurde ich nie in die Richtung gefördert. Am Ende bleibt das Gefühl, das du so treffend als „Hochbegabung – my ass“ betitelst. Wenn meine Mutter gefragt wird, warum ich was besonderes für sie sein, hinterlässt „intelligent“ einfach einen schalen Beigeschmack, der mit unter sehr frustrierend ist.

  6. Rotkohl mit Klößen! \o/

    Aber ja, ich kenne das Problem. Hatte aber das Glück, auf eine Gemeinschaft von Leuten zu treffen, der es ähnlich geht. Der nächstgelegene Hackerspace ist keine schlechte Anlaufstelle.

  7. 100% signed.
    Dinge zu sehen, die andere übersehen, tolle Mensa Testergebnisse zu erzielen und tatsächlich hochbegabt zu sein bedeutet – leider – nicht, sich toll zu fühlen und automatisch reich und erfolgreich zu werden. Vielmehr bedeutet es oft, in entgeisterte – selten BE-geisterte – Gesichter zu schauen, wenn man seine Sicht der Dinge erzählt.

    Vielleicht würde es helfen, wenn die „Anderen“ wüßten, dass man als Hochbegabter nicht automatisch nur Einsen schreibt – Neid also fehl am Platze ist. Denn eine Begabung kann auch eine klare oder auch diffuse Richtung haben und abseits dessen Defizite erlauben.

    Ob ich hochbegabt bin, ist genausowenig offiziell wie bei Frau Meike, aber im Text erkenne ich mich sehr oft wieder. Jedoch bin ich oft gebremst statt gefördert worden. Allerdings möchte ich auch mittlerweile nicht mehr anders sein als ich bin. Rückblickend finde ich es heute auch lustig, als 7jähriger meine Eltern, Lehrer und mein gesamtes Umfeld mit der Frage nach dem immer wieder geteilten Sandkorn und ob es da ein Ende gäbe, genervt zu haben, ohne dass mir jemand jemals bestätigt hätte, dass es die von mir vermutete Grenze gibt und sie einen Namen hat. Das Atom. Das Worte lernte ich erst viel später. Vielleicht mit Neun oder so…

  8. Vielen Dank für diesen wunderbaren Artikel! Danke für den Mut, das in Worte zu fassen, was so viele Betroffenen erleben und empfinden, sich aber nicht trauen zu äußern (mich eingeschlossen).

  9. Eigentlich kommentiere ich Blogeinträge nicht, lasse sie wirken, stimme ihnen innerlich zu oder lasse es bleiben.

    Aber irgendetwas hat der Artikel ausgelöst, denn ich laufe in meiner Wohnung auf und ab und überlege was dieser eigentlich für mich bedeutet.
    Ja ich bin so frei Deine Geschichte für den kurzen Augenblick gedanklich an mich zu reissen und soweit zu abstrahieren, dass sie vielleicht oder vielleicht auch nicht auf mich passt.

    Das modifizierte Ergebnis empfinde ich fast etwas verstörend und ich weiss nicht, ob ich Dir nach Lemming-Manier danken oder virtuell eine scheuern möchte.

    Ich formuliere weiter gedanklich einen Tagebucheintrag, eine Email oder was auch immer, den oder die ich vermutlich nicht schreiben werde, aber der oder die mich (hoffentlich) wieder etwas sortiert.

    • So, die innere Dramaqueen hat sich beruhigt.

      Bekommst ein Bienchen für den Artikel und noch eine Hummel dafür, dass es mich nachdenklich gemacht hat.

  10. Ich kann deine Probleme nicht wirklich nachvollziehen. Ich weiß zwar nicht ob ich „Hochbegabt“ bin, aber ich habe zwei Klassen übersprungen, Stipendium, Doktor usw.. Habe meine ganze Jugend in Fußballmannschaften verbracht und auch sonst hatte ich mit Freundschaften nie Probleme. Eine Depression oder Suizidgedanken hatte ich auch noch nie. Vielleicht hast du eine geistige Störung. Eine Freundin von mir hatte ähnliche Probleme und wurde deswegen psychologisch behandelt.

    • @Alex

      Angesichts der Stumpfsinnigkeit deiner letzten zwei Sätze hoffe ich inständig, dass die ersten zwei gelogen sind. Sonst hat Vater Staat eine Menge Geld zum Fenster rausgeworfen.

      (Puh, nach schmerzhafter Zweitlektüre ist mir immerhin klargeworden, dass „Doktor“ ja nicht gleich „Arzt“ heißt.)

    • Liebe/r Alex,

      ich weiß, dass du es nicht bist. Intelligenz ist eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung. Fleißige Stipendiaten gibt es viele, Hochbegabte auch darunter nur wenige.

    • Danke Alex für diesen Kommentar! Ich stimme voll zu. Ich bin nachgewiesen auch mit dieser ‚hässlichen Krankheit Hochbegabung gestraft‘ und hatte nie Probleme damit, ganz im Gegenteil. Es gibt wohl in allen IQ-Schichten gescheiterte Existenzen…. warum sich die Hochbegabten allerdings erdreisten zu behaupten es läge an ihrer ach so hohen Intelligenz finde ich jenseits von widerlich und es beleidigt mich auch persönlich. Mich macht Hochbegabung nicht zum Sozialfall und ich würde mich jederzeit lieber mit den ‚kleinen arroganten Pissern‘ abgeben als mit Menschen, die mit einem derartigen Naturgeschenk nichts besseres anzufangen wissen als zum Assozialen zu mutieren und sich in grenzenlosem Selbstmitleid zu suhlen!

    • *lach* Du bist ja grandios.Ein kleiner Gott…jeder der nicht so toll ist wie Du hat automatisch eine geistige Störung? Alter,erst denken,dann schreiben….!!

    • Hallo,

      diese Kommentare zeigen mir mal wieder, dass Hochbegabung nicht gleich Hochbegabung ist. Für mich heisst Hochbegabung (oder auch Intelligenz), dass man „etwas“ viel besser kann als 99% der Anderen. Manchmal ist das etwas z.B. im mathematischen Bereich, im logischen, im sprachlichen, im musikalischen, im künstlerischen oder im sensorischen (Visuelle Wahrnehmung, Absolutes Gehör, Geruch,…). Wie man hier sieht, müssen bei Hochbegabung nicht alle Fähigkeiten (Empathie, Emotionaler IQ) übermäßig gut ausgebildet sein.
      Eine Hochbegabung muss wohl auch nicht automatisch zu Problemen im Leben führen, aber sie erhöht die Wahrscheinlichkeit dazu.

      Es ist halt wie sonst im Leben: Je komplizierter etwas (jemand) ist, desto wahrscheinlicher oder komplizierter können dessen Fehler sein.
      ABER auch umso brillianter können die Schöpfungen sein.

  11. Das Antrittsposting war mit das Beste, was ich in dem ganzen Social Network Zeug je gelesen habe. Auch wenn es leider gelöscht ist, weiss ich Teile davon immer noch auswendig.

  12. Das Meike hochbegabt ist, war mir nach dem ersten gelesenen Blogeintrag klar und sofort war der RSS-Feed abonniert. Trotz aller Andersartigkeit und individueller Eigenheiten gibt es sie eben doch, die Gemeinde Gleichgesinnter, die sich in diesen Artikeln wiederfinden und befreiend schmunzeln – oh, wie recht sie doch hat!

    Ganz nebenbei wäre ein belletristischer Buchtipp zum Thema der Kurzroman von Martin Page (2002): Antoine oder die Idiotie. Verlag Klaus Wagenbach, Berlin

  13. Unterschreibe ich. Mir hat das erst vor 1 Jahr, da war ich 45, eine Psychologin nahegebracht. Dabei ist es eigentlich kein Wunder, hochbegabt zu sein, wenn frau einen Dr.-Titel hat und 11 Sprachen gelernt. Tatsächlich fühlte ich mich sehr lange eher behindert. Wie du im ersten Absatz. Du bist nicht fucking alone. Den Satz nehme ich mit.

    Liebe Grüsse, Christine

    • Die Vermutng habe ich auch. Ich habe bei Twitter schon so viele Gesicherte getroffen, dass die Zahl an Ungesicherten auch nicht unbedingt klein sein dürfte.

    • Naja, der Anteil der Nochnichtdiagnostizierten ist auch in der Gesamtbevölkerung mit Sicherheit um ein Vielfaches höher als der der Diagnostizierten. Und das Internet gibt HBs ein kleines Stückchen mehr Freihait, als die meisten von ihnen „draußen“ haben. Ich habe die meisten HBs, ob nun diagnostiziert oder mit hoher Sicherheit vermutet, auch online kennengelernt.

  14. schönes post! bloss: hochbegabung ist zwar en vogue, aber wohl eher neusprech dafür, ein alien zu sein. ein „normales“ gehirn ist ein allrounder mit durchschnittlicher begabung. besondere fähigkeiten sind so oder so eine deviation. ob das ein fluch oder ein segen ist, ist individuell unterschiedlich und nicht vorhersehbar, wie du ja selbst feststellst. ich weiss nicht, ob es nützlich ist, „anders zu sein“, auf diese weise zu paraphrasieren.

    • Da ich in meinem Leben an einem Punkt war, an dem ich blind in alle Richtungen gestochert und einfach keine Erklärung gefunden habe, kam mir das Wort wie eine Epiphanie vor. Nicht, weil es mich irgendwie aufgegeilt hat, „mehr“ zu sein, sondern zunächst einmal nur, weil es mir einen Anhaltspunkt geboten hat, in welcher Richtung ich zu suchen hatte. Das hätte auch etwas ganz anderes sein können.
      Aber davon mal abgesehen finde ich es schon nicht verkehrt, eine deutliche Abweichung von der Norm irgendwie zu benennen. Macht man ja bei Hypersensibilität auch und irgendwo muss man ja beginnen, bestimmte Merkmale zu klassifizieren.

  15. Jup. Ich weiß nicht, ob ich „hochbegabt“ bin und scheue mich auch vor einem Wort, dass irgendwie zu implizieren scheint, man wäre besser oder was Besonderes, aber ich kann wohl ganz gut denken. Es gibt Hinweise, dass es in irgendeiner Form irgendwas mit Begabung zu tun hatte, denn ich musste so gut wie nie viel dafür tun, irgendwas zu lernen oder zu verstehen. (Meine Mutter intervenierte, als man mich in der Unterstufe noch mal eine Klasse überspringen lassen wollte, mit: „Das Kind hat schon genug soziale Probleme.“)

    Die zwei Nachteile, die ich bei mir am häufigsten feststelle: Massives Zweifeln an sich selber und an der Welt, meistens in der Reihenfolge. Außerdem: Ein Dauerzustand mittlerer Verzweiflung, weil man die Leute nicht versteht und sie einen nicht verstehen. Dazu immer wieder das Talent, sich selber nicht gut genug anzupreisen, weil man immer noch hoffnungsvoll, aber vollkommen irrigerweise davon ausgeht, die anderen würden schon klug genug sein, Dinge richtig einzuschätzen.

    Ich glaube auch, dass das einer der Gründe war, warum ich im Studium gescheitert bin, weil ich es irgendwann unerträglich fand, in irgendwelche Kursen mit Leuten zu sitzen, von denen ich ahnte, dass sie weniger drauf hatten als ich, die aber mit einer Überzeugtheit auftraten, dass ich mir klein und nutzlos vorkam. (Es gab aber noch diverse andere Gründe.)

    • Siehst Du, ich finde es ziemlich dramatisch, dass das Phänomen so dermaßen negativ belegt ist, dass selbst die, die es (vermutlich) sind, nichts davon wissen wollen. Das Wort „Hochbegabung“ impliziert dieses „Ich bin besser als Du“ so stark, dass diejenigen, die es nicht sind, sich bedroht und gedemütigt fühlen, und diejenigen, die es sind, sich dafür schämen, was sie mit ihrer naturgegebenen Andersartigkeit auslösen könnten.
      Ich finde, das darf einfach nicht sein, dass eine Sache, die so negative Auswirkungen auf das ganze Leben haben kann, totgeschwiegen wird, weil selbst die, die es haben (und durchaus drunter leiden!) von dem Namen Hochbegabung so unangenehm berührt sind, dass sie lieber nichts dazu sagen.
      Du würdest staunen, was für Kommentare ich hier bekommen habe. Vom aggressiven Verneinen des Konzepts der Hochbegabung bis hin zur Bitte einer hochbegabten Person, es nicht weiterzuerzählen. Es bricht mir das Herz, wenn ich sehe, wie peinlich das alles ist. Wie unangenehm. Wie sehr etwas, das man verstecken und herunterspielen muss. Wie so ein schmutziges, kleines Familiengeheimnis.

      Vielleicht sollte man es statt „Hochbegabung“ einfach „Spunk“ nennen, das würde viel vereinfachen. Meine Fresse.

      • Ich war, nachdemich von meiner HB dann endlich schwarz auf weiß erfahren hab, auch entsetzt, wie oft man plötzlich von wildfremden Menschen als arrogant eingestuft wird, nur weil man seine HB bekannt gibt.

        Es braucht schon ein gehöriges Maß an Selbstvertrauen um das durchzustehen. Aber das Gefühl, einen wichtigen, wenn nicht sogar den wichtigsten Grund für mein Anderssein zu kennen, gibt mir Kraft genug dafür.

        Im Übrigen geht mir dieses verkrampft-verklemmte Understatement sowieso schon länger gehörig auf die Eier. Warum darf ich nicht freimütig davon erzählen, wenn ein Messwert bei mir etwas höher ist als bei anderen? Bei meiner Körpergröße z. B. siehts doch sowieso fast jeder auch auf Anhieb. Und die ist nun mal z. B. auf Rockkonzerten einfach „besser“, als wenn ich kleinwüchsig wäre.

        Was haben wir unter dem Ausspruch „Streber!“ unserer Mitschüler gelitten, nur weil wir zufällig, ohne uns anzustrengen, als einzige die Antwort wussten …

        Es ist mir inzwischen egal, ob Leute mich für arrogant halten. Meine Freunde kennen mich besser – zu den anderen sage ich gerne: „Kompetenz sieht nur von unten wie Arroganz aus.“

        Ich bin anders und inzwischen bin ich es gerne – vor allem immer wieder dann, wenn ich sehe, was manche „normale“ Menschen für Verhaltensweisen an den Tag legen können.

      • Ja, das Wort Hochbegabung klingt so unglaublich groß. Selbst wenn man es in der Mitte zerreißt, klingen die übrig gebliebenen Teile immer noch sehr erhaben.
        Jemandem der nicht selbst in der Situation ist klarzumachen, dass diese Eigenschaft ein Nachteil sein könnte, kommt mir unmöglich vor.
        Eine sehr enge Freundin von mir hatte mir oft von ihren Panikattacken erzählt und ich hörte jedes Mal gespannt zu und wollte jedes Detail wissen. Und irgendwann war ich mir ganz sicher, sehr genau zu wissen wie das ist. Einige Jahre später hatte ich selbst meine erste Panikattacke. Es war so viel schlimmer als ich es mir vorgestellt hatte.
        Und weil sich der Begriff Hochbegabung nun mal am IQ orientiert, welcher in absoluten Zahlen gemessen wird, sehen andere nur den Läufer mit vier statt zwei Beinen. Dass er nicht mit der doppelten Geschwindigkeit an allen vorbei rennt, sondern sich ständig selbst auf die Füße tritt, kann man noch nicht mal glauben, wenn man ihm dabei zusieht. Und die Leute sagen: „Da schau, vielleicht ist er ja gar nicht so schlau wie er denkt!“

        • Der Läufer mit vier Beinen ist ein hervorragendes Bild.

          Ich glaube auch, dass all das viel mit der unglücklichen Benennung zu tun hat. Ein neutralerer Name würde es sicher nachvollziehbarer machen, dass viel eben nicht immer viel hilft.

    • Liebe Anne: „Die zwei Nachteile, die ich bei mir am häufigsten feststelle: Massives Zweifeln an sich selber und an der Welt, meistens in der Reihenfolge.“ Ja. Leider.

      • Ich selbst bin wunderbar normalbegabt, aber ich habe einen Bruder, den ich sehr liebe, der wahrscheinlich hochbegabt ist. Er hat seit seiner Jugendzeit depressive Phasen und ist jetzt bereits seit zirka drei Jahren in einer Depression. Dein Posting und auch die Kommentare helfen mir, ihn vielleicht etwas besser zu verstehen. Achje.

    • Genau…. Das ist es, was mich in den Wahnsinn treibt… Das beidseitig fehlende Verständnis und die daraus resultierende permanente Verunsicherung, besonders auf meiner Seite. Bzw. das Verstecken der eigenen Gedanken und Denkwege, um nicht schon wieder herauszustechen….

  16. Ich fühle mich zwar nicht hochbegabt aber doch als „Alien“. Ich konnte mich gut wieder finden in einem Artikel zu Introvertiertheit.
    http://www.zeitzuleben.de/15387-introvertiert-glucklich/
    Der Autor gibt dort auch Tipps, wie man etwas aus seiner Isolation heraus kommen kann. Das ist mir aber meistens zu anstrengend.
    Ich kenne vielleicht 2-3 Menschen in meinem weiteren Umfeld, mit denen man niveauvoll reden kann, immerhin.
    Viele Grüße Tini

    • Ja, Introvertiertheit geht oft mit HB einher. Wie könnte es auch anders sein? Wenn ich niemanden zum Reden finde, vergrabe ich mich eben in Büchern, Filmen, meinem Tagebuch oder sonst wo.

      Ich habe die besonderen Menschen auch gefunden, nach langer Suche – die meisten putzigerweise auf Twitter.

  17. Tittenmäuschen, Spaten und Pisser: Was sind denn das für Leute eigentlich? Die durchschnittlich intelligenten? Die ach so glücklich sind und sich auch nie umbringen? Die so zufrieden mit sich und der Welt sind, dass sie zu jedem freundlich sind…?

    • Wessen willst Du mich mit Deinem Kommentar überführen? Arroganz? Dann bitte nochmal versuchen.

      Ja, ich hasste die Menschen, weil sie glücklicher waren als ich. Weil sie nicht nächtelang grübelnd wachlagen. Weil sie von einer Beziehung in die nächste stolperten, während ich fast 8 Jahre Single war. Weil sie Menschen hatten, bei denen sie sich geborgen fühlten und denen sie vertrauten.
      Ich hasste sie auch, weil sie mich unfassbar langweilten mit ihrem seichten Gewäsch, ihrer Angst vor ihren eigenen Gefühlen und ihrer Unfähigkeit, meine Andersartigkeit einfach zu akzeptieren anstatt mir ständig zu sagen, wie ich zu leben hatte.
      Ich war neidisch und ich habe sie gehasst. Für all die Einsamkeit, für ein Leben in der Defensive, in dem ich meine Art zu sein, zu fühlen und zu denken ständig gegen andere verteidigen musste.

      Komm‘ mir nicht mit Arroganz.

      • Glücklich? Nicht nächtelang grübelnd? Von einer Beziehung in die andere stolpern ist glücklich? Wie kommst du darauf, dass andere sich geborgen fühlen? Ist seichtes Gewäsch nicht ein Zeichen von Unsicherheit, der Versuch einer Kontaktaufnahme? Nenn mir einen, der keine Angst vor seinen Gefühlen hat.
        Mir geht es weder um Arroganz noch darum, dich zu überführen. Mir geht es um Einfühlung in andere, Verständnis statt Missverständnis.

        • Mit Verlaub. Einfühlung in andere? Verständnis? Nach den Erfahrungen, die ich mit anderen Menschen gemacht habe? Geht’s noch?
          Bis Anfang 20 ungefähr habe ich versucht, mich anzupassen, mich einzufügen in diese Teenagerwelt mit Discos, Parties und süßen Jungs. Es hat sich so falsch angefühlt, mich irgendwie in diese Schablone zu pressen, die die Gesellschaft für die richtige hält. Im Zuge des Erwachsenwerdens sah ich immer weniger den Sinn darin, mich in eine Schablone zu pressen, und gab meinem eigenen Anderssein mehr Raum. Das Problem war: ich durfte nicht. Immer musste ich verteidigen, wie ich lebte, als sei ich ein schlechter Mensch, als sei alles an mir völlig inakzeptabel.
          Und Du erzählst mir etwas von Einfühlung und Verständnis?

          PS: Hier, ich. Ich habe keine Angst vor meinen Gefühlen. Es war ein Weg dahin, das gebe ich zu, aber nach meiner ersten Psychotherapie habe ich das abgelegt und nie wieder angenommen.

          • Liebe Meike, du sollst doch nicht sein wie andere. Dich nicht in Schablonen pressen. Ich wünsche mir nur, du versuchtest, sie (die anderen) zu verstehen. Sie sind nicht glücklicher als du: Warum rennen sie denn in Discos und lassen sich volllaufen? Warum stolpern sie von einem Partner zum nächsten? Warum müssen sie sich beweisen und Yachten kaufen und Karriere machen? Warum sind sie denn unfreundlich zu dir, woher kommt denn wohl ihr Hass?

      • Mich würde interessieren, wieviele Hochbegabte ihren Traumberuf ausüben, im akademischen Betrieb tätig sind, noch nie Sozialhilfe beziehen mussten, aus „gutem Elternhaus“ kommen. Das sind prozentual bestimmt auch ziemlich viele.
        Die Idee eines strukturellen(!!) Intelligenzshamings, wie es du zu implizieren scheinst, erscheint mir absurd. Hochbegabung ist „am Ende des Tages“ doch ein Privileg.

  18. Liebe Meike,
    ich war als Jugendliche in entsprechender Förderung und bin mittlerweile „vom Fach“. Ich kann schon ganz gut verstehen, was Du schreibst, möchte aber gerne etwas ergänzen.
    „Hochbegabung“ an sich bezieht sich erstmal nur auf den IQ-Wert, und das ist nur eine von ganz vielen Eigenschaften, die man hat. (Was natürlich nicht heißt, dass die nicht auch allein bereits für viele Probleme verantwortlich sein kann.) Aber ein hoher IQ allein muss nicht zwingend mit Problemen korrelieren. Es gibt sehr viele sehr intelligente Menschen, die nicht mehr Probleme haben als andere. Die von Dir genannten „Begleitdiagnosen“ treten bei Hochbegabten nicht häufiger auf als in der Normalbevölkerung. Und die Mitglieder von Mensa sind nicht zwingend repräsentativ für das Kollektiv IQ > 130.

  19. Vielleicht ist die Bezeichnung „Hochbegabung“ irreführend, weil man dabei gleich an supererfolgreiche Überflieger denkt, die tatsächlich „besser“ sind als der Rest.

    In Wirklichkeit nutzt sicher die Hälfte der Betroffenen ihre Begabung eher dazu, sich selbst im Weg zu stehen und sich selbst das Leben unerträglich zu machen.

    Es ist wie bei den meisten anderen Talenten: ein leicht überdurchschnittliches Maß ist ein Privileg, aber ab einem bestimmten Punkt verkehrt es sich bei vielen ins Gegenteil.

    Ich habe meine ganze Jugend als Alien außerhalb eines normalen Teenielebens verbracht und bekomme bis heute in den ganz normalen Lebensdingen nur mühsam einen Fuß auf den Boden. Ich kann ganz einfache Fragen nicht beantworten, weil ich x verschiedene Möglichkeiten sehe, wie sie nun gemeint sein könnten. Ich kann ganz einfach Aufgaben nicht lösen, weil mir aller möglicher Blödsinn auf das Stichwort einfällt, nur nicht das, was der Auftraggeber von mir möchte.

    Und so mache ich mir und den Menschen in meinem beruflichen und privaten Umfeld das Leben zur Hölle, einfach weil ich so oft nicht verstehe, was die Leute denn eigentlich von mir wollen.

    Das Thema HB habe ich vor etwa 5 Jahren entdeckt, vieles an mir verstanden, Andrea Brackmann gelesen, bei Mensa den Test gemacht und dort unerträglich arrogante empathisch minderbegabte sowie wundervoll liebenswerte schrullige Menschen kennengelernt. Mensa ist eine ganz gute Selbsthilfegruppe für diejenigen Betroffenen, die ihr Potential eher autodestruktiv nutzen.

    Einen Durchbruch zu der Fähigkeit, die dünnen Bretter des Alltags ohne wochenlanges Gegrübel, Selbstvorwürfe und verständnisloses Kopfschütteln der Umwelt zu bohren, habe ich bis heute nicht gefunden. Wie Du denke ich deshalb eigentlich, dass die sog. „Hochbegabung“ eine ICD-10-Nummer haben sollte.

    Alles Gute Dir. Micha

    • „Ich kann ganz einfache Fragen nicht beantworten, weil ich x verschiedene Möglichkeiten sehe, wie sie nun gemeint sein könnten. Ich kann ganz einfach Aufgaben nicht lösen, weil mir aller möglicher Blödsinn auf das Stichwort einfällt, nur nicht das, was der Auftraggeber von mir möchte.“

      Oha, das kenne ich, verdammt. Vor allem das Zweite :o. Mir verursacht das enormen psychischen Stress und es ist einer der Gründe für meine Überlegungen die Selbstständigkeit in meiner Branche aufzugeben. Unangenehm.

      Es ist aber immer erleichternd zu hören, dass es anderen ähnlich geht. :) Das nimmt etwas die Einsamkeit.

  20. Danke, Meike, für den wundervollen Text. Das Schlimmste ist wirklich das Gefühl, so allein zu sein. Nicht einsam, aber allein. Und da tut es gut, von der Alien Nation zu lesen.

  21. Ich kenne diese Probleme. Ich habe mich lange mit dem Thema beschäftigt (bei mir hats allerdings zur Hochbegabung nicht ganz gereicht laut offiziellem Test). Als ich die Einleitung las, fühlte ich mich irgendwie verstanden.

  22. Liebe Maike,
    meine Geschichte in Stichworten: als süßes blondes Mädchen eingeschult, Intelligenz war nicht gewünscht, sondern Liebreiz – im Unterricht zu schlaue Antworten gegeben, in Grundschule mehrfach der Klasse verwiesen, weil Unterrichtsergebnis in erster Minute vorweggenommen, gelernt den Mund zu halten und Intelligenz zu verbergen – in letzten 3 Jahren nur noch Mindestzeiten anwesend gewesen, Abitur bestanden ohne zu lernen – Gleichgesinnte nur in Büchern gefunden, Menschen leicht verachtet. Ein Studium, mit weiterem „sich-blöd-und-blond-stellen“ kam nicht infrage. Bei der Arbeit wusste man dann aber zum Glück meine Cleverness zu schätzen und ich hatte 2 wichtige Mentoren, die mich unterstützt haben.
    Nun zum Wichtigsten, das tw. Ansätze der Vorkommentatoren aufgreift – ich will damit nicht belehren oder die einzige Lösung präsentieren, aber vielleicht ist es etwas zum Nachdenken: Um die 30 merkte ich, so geht’s nicht weiter, und habe mich ganz bewusst entschieden, die Menschen zu mögen und ihnen großzügig die vermeintlichen Unzulänglichkeiten zu verzeihen. Schließlich gibt es unglaublich viele andere menschliche Qualitäten, die mindestens genauso wertvoll sind wie Intelligenz und jemanden als Freund ausmachen können, z.B. Herzlichkeit, Warmherzigkeit, Toleranz, Humor, Tatkraft, Spontaneität, Lebensfreude u.v.m. Ich habe 5 sehr gute Freunde, die wissen, dass ich schlauer bin als sie, das stört aber keinen, ich teile eben anderes Wichtige mit ihnen. Durch meine nun größere Offenheit konnte ich aber auch 2 Freunde auf ähnlichem IQ-Level finden. Es lebe die Vielfalt!
    Zugegeben: an meine gelernte Menschenliebe muss ich mich ab und zu bei Begegnungen mit sehr akuter Blödheit schon noch selbst erinnern.

  23. Dein Text hat mich hieran erinnert: “Since I remember – and that is from my own beginning – I have been pierced and pained by the intensity of life. I knew from my earliest years that I lived in a culture that trains disconnectedness. Even still, though, as an ageing woman, everything – from blackberry leaves to bends in the stream – has a personality to me, a kind of resonance that is an extended reflection of myself inviting friendly familiarity. My world is a place where people are too beautiful and too terrible to look at, where their mouths speak words that sometimes fall silent on my ears while their hearts break audibly. I wonder how the world avoids going deaf from the din of breaking and thrilling hearts and the roar of unshed tears and uncried joy. I don’t have a good sense of where I start and end and where the things around me have boundaries. I am always a living part of a living world.” (Dawn Eddings Prince, Asperger-Frau)

    Viele Dinge, die Du beschreibst, beschreiben auch Asperger-Autisten. Nicht, dass ich Dir das nahelegen möchte, vielmehr denke ich, es könnte so sein, dass es zwischen Hochbegabten und Asperger-Autisten recht viele Gemeinsamkeiten gibt. Es könnte sogar so sein, dass der Anstieg an Asperger-Diagnosen damit zusammenhängt, dass eher Asperger als eine Hochbegabung diagnostiziert wird – es also falsch positive Befunde gibt, die die Hochbegabung nicht erkennen. Das ist aber nur so eine Idee.

  24. Liebe „Frau Meike“,

    leider geil!

    ;o)

    Michaela

    Ps. Auf der molekularen Ebene sind wir uns schon 1000 Male begegnet…aber ich hab´s nicht bemerkt. Du etwa???

  25. Die Gesellschaft will keine Ausreden fürs Versagen – das ist nichts Spezifisches allein für hochbegabte Versager. Das gilt auch für eine ’schlimme Kindheit‘ – da kannst du auch kein Verständnis von Menschen erwarten, die das selbst nicht erlebt haben. Da bekommst du die gleichen Zynismen zu hören.

    Na ja, zu erwarten, dass sich die Menschen diesbezüglich in absehbarer Zeit noch ändern würden, wäre, wie ein Haus in der Antarktis bauen und hoffen, bald die Kartoffeln auspflanzen zu können.

  26. Was bin ich, wenn mir diese besondere Intelligenz fehlt, aber das „anders“ sein, eigen sein, allein sein, nachdenklich sein, hypersensibel sein, suizidal sein… auf mich zutrifft?
    Habe ich dann bloß ein irgendein Psychoproblem?
    Oder bin ich gesund, und die Gesellschaft ist einfach nur total krank (Stichwort „Pathologie der Normalität“)?

    • Wenn Du eine Erklärung brauchst, wirst Du weiter nach ihr suchen müssen.

      Auch, wenn einige Idioten dumme Menschen meine, ich hätte Depression und Hochbegabung in kausalen Zusammenhang gesetzt, das eine als zwingende Ursache/Folge des anderen, ist das natürlich nicht so.
      ‚Ich bin hochbegabt, also muss ich Lebensschwierigkeiten haben‘ funktioniert genauso wenig wie ‚Ich habe Lebensschwierigkeiten, also muss ich hochbegabt sein‘. Nach meiner Beobachtung in meinem weiteren sozialen Umfeld, in dem sich – ohne dass ich bewusst so ausgewählt hätte – erstaunlich viele gesicherte Hochbegabte fanden (ja, mit seriöser Test-Diagnose), habe ich nur beobachtet, dass diese Phänomene regelmäßig miteinander auftreten.
      Depressionen können viele Ursachen haben, Hochbegabung kann viele Ausprägungen haben.

  27. Na gut, ich bin super-hochbegabt (laut ganz offiziellem psych. Test: a-ha!), sehr erfolgreich, und Doktor obendrein. Die andren sind dennoch nicht wie ich, genau wie im Artikel… und nun?

    Das einzige Mittel gegen Einsamkeit ist die Gesellschaft mit Gleichgesinnten. Völlig egal, ob die in einem dämlichen IQ-Test (c’mon Zahlenreihen omg…) schneller oder langsamer sind. Es gibt Leute, die sich für Wissenschaft interessieren, für Philosophie. Oder Modelleisenbahnen oder Bonsais oder Reisen. Oder whatever.

    Die große Kluft besteht – sorry – nicht zwischen Doofen und Schlauen, sondern zwischen Fleißigen und Faulen, zwischen satten Couchpotatoes und den Intressierten, den Rastlosen. Wer sich nicht hinsetzt, schwitzt, lernt, wird, egal ob hochbegabt oder nicht, nicht sonderlich beeindrucken in der Prüfung.

    Es nützt nichts, Dinge nur schnell aufzufassen, Ideen zu haben. Man muss arbeiten, lesen, schreiben, denken. Das dauert und ist anstrengend. Das muss 100% zusammenkommen, Inspiration (1%) und Transpiration (99%), dann kommt auch der Erfolg.

    Hochbegabung ist ein Wort für alles und nichts. Mir hat es nie geholfen. Bessere Worte sind: Sensibilität, Interesse, Neugier, Hingabe, Leidenschaft, Begeisterung….

    • Ich habe mir mein soziales Umfeld nie nach dem IQ ausgesucht (drolligerweise aber nach und nach herausgefunden, dass mehrere dieser Personen gesichert hb sind), sondern immer nur danach, ob ich Vertrauen fassen kann. Und Menschen zu vertrauen steigt und fällt bei mir zu 100% mit dem Gefühl, verstanden zu werden.
      Und genau dieses Verstehen und diese Akzeptanz hat mit Fleiß, mit Arbeit oder einem gemeinsamen Hobby einfach gar nichts zu tun, sondern mit Fähigkeiten, die ich bei funktionierenden Menschen selten finde. Nicht nie, aber selten.

      • Dad Geheimnis dahinter ist unter dem Begriff „Korrelation“ bakannt. Egal, ob man etwas mit den Leuten gemeinsam haben will, die auch gut in „drolligen Zahlenreihen“ sind, man ist es eben (statistisch gesehen relativ häufig).

        Und man kann als „nicht-funktionierender“ HB (aka Underachiever) dennoch auch viele Gemeinsamkeiten mit einem „funktionierenden“ HB herausfinden – vorausgesetzt, man lässt sich darauf ein.

        Zugegeben, das Sich-darauf-einlassen wird umso schwieriger, je mehr unangenehme Erfahrungen man mit „normalen“ bzw. „funktionierenden“ Menschen, ob HB oder nicht, gemacht hat …

    • … ach eigentlich gibt es doch schon viel zu viele Menschen, die mit ihrem Fleiß die Welt verpesten.

      Die Welt ist voll von diesen staubtrockenen Hirn-Flagellanten, die glauben, dank ihrer selbstgewählten Quälereien schuldeten ihnen weniger vertikal ausgerichtete Menschen den täglichen Kotau.

      Da sind mit doch die Erfolgreichen lieber, die einfach mit ganzem Einsatz eine Sache verfolgen, weil sie ihnen Freude macht.

      Ach ja, da fällt mir noch ein anderer Aspekt im Zusammenhang mit Hochbegabung ein. Zumindest war das immer eines meiner Hauptprobleme bzgl. ‚Erfolgsverhinderung‘, vielleicht trifft das ja auch auf Hochbegabte zu: ein überstark ausgeprägtes Opportunitätskostenbewusstsein. Sich einem Thema mit voller Energie zu widmen, bedeutet immer, viele andere Themen ignorieren zu müssen. Das schaffe ich nicht, weder beruflich noch privat. Je mehr Möglichkeiten jemand in der Welt sieht, umso mehr wird er aufgeben müssen, wenn er ‚Erfolg‘ haben will. Und so stehen dann manche Hochbegabte wie Buridans Esel zwischen zahlreichen gleich weit entfernten, lockenden Heuballen und verhungern in einer Welt, die von ihnen fordert, sich für einen Ballen zu entscheiden, statt einfach mal rundum zu naschen.

  28. […] Dummerweise geht ein hoher IQ aber gern mal mit unangenehmen Begleiterscheinungen einher, oder wie Meike sagt: er bringt seine doofen Freunde mit. Als da wären: das Gefühl, fehl am Platz zu sein, […]

  29. Mann, erstaunlich dieses Thema in ganz anderer Ausprägung auf so vielen Seiten wiederzufinden. Eine bekannte Küchenangestelle ist derzeit so enorm stolz auf ihre „Normalität“…

    Ja – und ein Alien bin ich auch. Ich versteck mich, schaffe es sogar dem unbefangenen Beobachter als eher langsam, ja fast zurückgeblieben zu erscheinen. Immer noch die leichtere Wahl in der Arbeitsumgebung, in der ich mich gerade befinde.

    Ich bin Mitte 40 und weiß immer noch nicht, was ich werden will, wenn ich mal groß bin. Verdammte Scheiße.

    Meike, weiter so. Gute und ehrliche Texte wie hier liest man viel zu selten!

    V.

    • Wenn ich groß bin, will ich Löwenbändiger werden. Wir haben also beide noch einen gewissen Weg vor uns.

      Den Blogartikel von Kaltmamsell der bekannten Küchenangestellte fand ich nur dumm, wirklich erschreckend war die Gefühlskälte in ihren Komentaren. Dieses dumpfschwesterliche „Hast Du die gesehen, die hat bestimmt Cellulite!“

      Ach, die Geschichte der Frauen und mir ist eine Geschichte voller … BATSCH!

    • Dito.

      Ich habe mit 38 mal zum Spaß einen Test gemacht.

      Mit dem Testergebnis weiß ich jetzt warum vieles so ist wie es ist, aber viel geholfen hat es mir bisher nicht. Ich habe mich bisher noch immer nicht auf ein Interessensgebiet festlegen können, das mich so ausfüllt dass ich damit den Rest meines Arbeitslebens verbringen will (das sind immerhin noch lange 25 Jahre).

  30. Oh ja.
    Für mich gab es die Erleuchtung vor ein paar Jahren mit Anfang 40. Und plötzlich war es, als ob ich mein fehlendes Puzzleteil unterm Sofa gefunden hätte … Ich bin in der Zeit rumgerannt wie frisch verliebt – was ja irgendwie stimmte.
    Straffere Haut gibt die Erkenntnis nicht, aber ich gehe seitdem viel gelassener durch die Welt. Und wenn ich jetzt mit Menschen Schwierigkeiten habe, weiß ich, es könnte auch daran liegen. Wie schön.

    Danke für den Text.

  31. Liebe Meike,

    danke für die Öffentlichkeit, die Du mit Deinen Postings herstellst.

    Ich habe mich vor ein paar Jahren aus Verzweiflung zu so einem Test angemeldet, nachdem ich die ganzen Onlinetests – Mensa D, USA & Japan – als kurzweilige Unterhaltung mit eindeutigen Ergebnissen absolviert hatte.
    Ich war kurz davor, mich selbst einzuweisen. Weil sich alles so fremd anfühlt, wenn man erwachsen ist und nicht mehr in einer lernenden Umgebung. Da ist nimmersatte Wissbegier auf einmal merkwürdig, und die Unfähigkeit zu Smalltalk macht einen zum Aussenseiter.

    Als der Umschlag mit der Auswertung kam, habe ich stundenlang haltlos geheult – weil ich wusste, ich bin nicht verrückt. Aber auch, weil das nicht heilbar ist.

    Wenn ich Menschen mag, erzähle ich manchmal davon, weil ich irgendwie auf Verständnis hoffe, warum ich „anders“ bin, und dass ich die rechten 2% auf der Gaußkurve ganz ähnlich einschätze wie die 2% auf der linken Seite…
    Ich beneide Dich ein bisschen um die gefundene Herde, denn imho ist nicht nur die entsprechende M-XING-Gruppe voller kleingeistiger P… :)

    Wie gesagt, vielen Dank. Keep up the good work!

  32. Zuerst einmal möchte ich „Hallo“ sagen. Ich habe über Tillas Pingback hergefunden. Respekt für Deinen Artikel!

    Ich würde gerne noch ein paar Gedanken beisteuern.

    Alle Menschen haben eine wundervolle Bandbreite an Fähigkeiten von denen sich die meisten (zum Glück) nicht quantitativ erfassen lassen. Eine der Ausnahmen ist nun mal der „IQ“, der sich mit Tests messen lässt. Mit dem Messen gehen leider Bewertung und eine Erwartungshaltung einher. Beides macht es schwierig die „Ich bin hochbegabt“ Aussage zu treffen.

    Ich bemerke (und erlebte), dass Menschen mit einer bestimmten Kombination von (kognitiven) Fähigkeiten oft einsam sind weil sie die Welt mit einer eher ungewöhnlichen Brille sehen. Diese „Vereinsamung“ wird vielleicht noch verstärkt, weil empathisches Hinterfragen, das Suchen nach Zusammenhängen, tiefe Reflexion gepaart mit Selbstzweifeln nicht dem Idealbild unserer Gesellshaft entsprechen. Dementsprechend schwierig ist es Menschen zu finden, die „ähnlich ticken“. Wenn es dann doch gelingt ist es umso schöner und befreiender.

    Mir fällt auch auf, dass ich einige meiner Vorschreiber schon an anderen Stellen gelesen habe. Irgendwie finden sich die „Ähnlich-Ticker“ doch.

    Ich würde mir grundsätzlich ein anderes Wort als „Hochbegabung“ wünschen. Das „Hoch“ enthält leider schon eine gewisse Bewertung. Jede Begabung hat einen Gegenpart, der sich genauso positiv sehen lässt. Dem empathischen, tief nachdenkenden Abwägen steht z.B. eine schnelle Entscheidungsfähigkeit gegenüber. Nochmal zurück zur potentiellen Einsamkeit: Dass sich die „empathischen Abwäger“ im Kreise der Schnellentscheider oft nicht wohl fühlen (und umgekehrt) scheint mir logisch.

    Was ich mir für alle wünschen würde, dass sie ihre Fähigkeiten erkennen, akzeptieren und Frieden schließen können.

    Noch ein paar Worte zu mir. Ich laufe mit einem ganzen Strauß an seltsamen Fähigkeiten durch die Welt, der hohe IQ ist da nur Beiwerk. Ich schreibe also aus Erfahrung ;-)

  33. Da fühlt man sich so lang auch unter Aliens noch wie eine Aussätzige (denn meine bisherigen Erfahrungen mit anderen Hochbegabten lassen sich überwiegend auch sehr gut mit „kleingeistige Pisser, zerfressen von eitlen Befindlichkeiten“ zusammenfassen) und dann findet man plötzlich gleich zwei Texte von zwei Menschen, die aus Kopf und Seele sprechen.
    Ich bin auch über Tilla hier gelandet und nun auch dir: ein ganz großes Danke. Danke fürs Aussprechen/-schreiben trotz der Konsequenzen. Fürs zeigen, dass ihr doch da seid.

  34. auf einigen umwegen bin ich heute auf diesem blog in diesem artikel gelandet, habe mitgekriegt, dass es eine unschöne, verletzende diskussion gab – und habe die kommentare weiträumig umsurft. stuss & häme mochte ich mir gerade nicht antun. ein andermal, vielleicht.

    mein kommentar ist deswegen möglichst „unbedarft“ :-)

    ich liebe deine art, zu schreiben, und ganz oft habe ich unterwegs heftig genickt und meinem laptop laut erklärt: „same here!“
    zum beispiel schon im ersten absatz „Ich aß Einsamkeit zum Frühstück, Todessehnsucht zum Mittag und Verzweiflung zum Abendbrot. Jeden Tag.“ – das trifft es so gut. leider.

    für mich ist immer wieder wichtig, mir klar zu machen das hochbe-gab-ung eine ‚gabe‘ ist. we are gifted. auf die eine oder andere weise. auf die andere oder eine weise dann auch wieder nicht. und ja, in dieser gesellschaft frau zu sein und dann auch noch klug und gut ausgebildet – das kommt einer behinderung gleich.

    den gegenwind auszuhalten, dem neid zu trotzen und denen, die nur darauf warten dass „die streberin“ einen fehler macht, braucht viel kraft.
    unsereins muss an so vielen fronten stark sein. auch und gerade weil unsere meist ebenso vorhandene hohe empfindsamkeit uns so verletzbar macht.

    aber nichts von alledem gibt den „spacken“ einen grund, sich über vielschichtig begabte menschen lächerlich zu machen.
    es ist wie braune oder grüne augen. die hat man oder hat sie nicht. kein besser/schlechter, keiner sagt: „nun hab doch nicht immer so grüne augen – hab doch endlich mal braune wie die meisten anderen menschen auch!“
    auf meine augenfarbe bilde ich mir auch nichts ein (obwohl die grün ist mit gelben sprenkeln und ziemlich selten), auch nicht auf meine intelligenz. es ist eben so. für beides erwarte ich respekt – so, wie auch ich anderen gegenüber resepktvoll bin.

    eine freundin sagte mal „mach dir nichts draus. jeder IST doch IRGEND wie.“

    genau. ich bin halt irgendwie … und auch nicht jeden tag dieselbe.
    manchmal sprüh ich nur so vor ideen, vor witz und charme – dann wieder bin ich schrullig und seltsam – und ein andermal bin ich eine kratzbürste, die sich auf die palme zickt.
    so what? that’s life.

    alles gute.
    und falls du mal ne halbe yacht übrig hast, ich täte sie nehmen
    ;-)

    • … ach je, same procedure as everywhere, Neidkeule, mal wieder. Liebe Leute, mit der Neidkeule könnt ihr keine Argumente erschlagen, in dieser Hochbegabten- genausowenig wie in der Hochbezahltendebatte.

      Ihr verdammt Etiketten, gebt euch aber nur allzugerne selbst eines. Das Augenfarbenetikett haben uns allen unsere Gene aufgedrückt, das Hochbegabtenetikett klatscht ihr euch aber selbst an die Stirn, das bekommt ihr nicht von außen. Leute, niemand verdammt euch für das Hochbegabtsein, denn es sieht euch niemand an.

      Wenn man die Kommentare zu dem Thema liest, fragt man sich ja schon, ob es überhaupt noch Menschen gibt, die nicht hochbegabt sind, insbesondere, da es ja so unendlich schwer ist, sich mit diesem schlimmen Schicksal zu outen, man also davon ausgehen muss, dass es da noch eine enorme Dunkelziffer gibt.

      Hab mal ein wenig zu dem Thema quergelesen – recht interessant fand ich dieses

      Interview mit Detlef H. Rost

      „Die haben in Frauenzeitschriften gelesen, Hochbegabte hätten mehr Probleme, oh je! Dann klären wir erst einmal auf, dass es keine Last bedeutet, ein hochbegabtes Kind zu haben, sondern ein Geschenk.“

      Könnte mir vorstellen, dass er damit diesen unsäglichen peinlichen Schmidbauer-Text meint. (Eigentlich mag ich Wolfgang Schmidbauer, ganze besonders wegen seines Buches ‚Weniger ist manchmal mehr‘).

      Und das hier:

      „ZEIT: Hochbegabte sind psychisch instabil.“

      „Rost: Ist widerlegt! Hochbegabte sind im Schnitt psychisch genauso stabil oder gar stabiler. Das haben alle Untersuchungen weltweit gezeigt!“

      Das lässt es natürlich seltsam erscheinen, wenn man nun als Grund für die eigenen psychischen Probleme, glaubt, ausgerechnet Hochbegabung entdecken zu müssen. Das ist in etwa so – etwas überspitzt gesagt -, als wenn ein Nichtraucher mit Lungenkrebs auf einen Artikel über Nichtraucher mit Lungenkrebs aufmerksam gemacht wird und fortan meint, Nichtrauchen wäre die Ursache für Lungenkrebs.

      Hochbegabung ist also eher ein Nice-to-have statt Scheiß-to-have. Es ist eine Hilfe fürs Leben, kein Fluch. Vielleicht begehen Hochbegabte auch deshalb deutlich weniger Suizide.

      • Gehen Sie bitte weg und kommentieren Sie woanders. Ihre Respektlosigkeit ist widerlich.

        Es gibt instinktive Aggressionen aufgrund spontaner Unterlegenheitsgefühle bei den Menschen. Das kann man Neid nennen oder Angst vor dem Fremden – ist mir scheißegal, aber es ist da. Man konnte es in den letzten Tagen sehen, man kann es an Ihrem Kommentar sehen, man konnte es in den Berichten Betroffener lesen. Es gibt diese Aggression und sie macht es schwer, offen über dieses Ding zu sprechen. Dieses Ding. Jede psychische/mentale Auffälligkeit bekommt einen Namen, ein Etikett, wenn man so will, und nur bei Hochbegabung ist es das Allerschlimmste und zutiefst verachtenswert, sie zu benennen. Mit Verlaub: geht’s denn noch?
        Dass der Name an sich schlecht gewählt ist, die Kluft zwischen den einen und den anderen vergrößert und Vorurteile eher fördert als abbaut, ist unstrittig, aber es kann doch wohl nicht wahr sein, dass alle Welt wütend darüber ist, dass das Phänomen einen Namen bekommt! Es ist ja nicht ausgedacht oder eingebildet, sondern eine Tatsache. Es gibt einfach Menschen, deren Gehirn anders arbeitet.
        Damit gehen in einigen Bereichen Vorteile einher, in anderen aber z.T. so große Nachteile, dass es für die Betroffenen schwer ist, überhaupt an einem normalen Leben teilzunehmen mit einem festen Beruf und der üblichen gesellschaftlich akzeptierten Alltagsnorm. Googeln Sie mal „Hochbegabung Lebensversager“.

        Hören Sie auf, den hier Schreibenden ihre Erfahrungen abzusprechen. Hören Sie auf, so zu tun, als hätte ich oder irgendein anderer gesagt „Oh, ich hab‘ Depressionen, dann muss ich wohl hochbegabt sein“. Ich hatte mit dem Thema 30 Jahre nichts zu tun, niemand in meinem ganzen Leben hat je darüber gesprochen und ich komme auch nicht aus einem hysterischen Akademikerhaushalt mit überehrgeizigen Eltern. Jemand, der selber getestet hochbegabt ist, hat mich auf das Thema gebracht und ich habe mir die Möglichkeit, dass es tatsächlich sein kann, erst nach langem und intensiven Informationensichten zugestanden.

        Weder in die eine noch in die andere Richtung besteht Kausalität. ‚Ich habe Probleme, also muss ich hochbegabt sein‘ funktioniert genauso wenig wie ‚Ich bin hochbegabt, also muss ich Probleme haben‘. Ich beobachte in meinem Umfeld, in dem es mehrere gesichert Hochbegabte gibt, lediglich eine Häufung. Das mag daran liegen, dass ich mich mit einer ganz bestimmten Art von Hochbegabten umgebe, quasi der Minderheit in der Minderheit, aber ich lasse den Umstand, dass es diese häufigen Probleme gibt, von niemandem bagatellisieren. Und auch die Mütter von gesichert hochbegabten Kindern, die mir mittlerweile in z.T. sehr persönlichen Nachrichten geschrieben haben, schildern in der Mehrzahl die Schwierigkeiten, die die Diagnose für ihr Kind mitbringt.
        Hören Sie also bitte auf, von „Nice-to-have“ und „Hilfe fürs Leben“ zu salbadern. Ich empfinde das als grob verletzend nach allem, was ich und andere hier geschildert habe/n.

      • Ich suche ja immer noch nach dem Argument, das es zu erschlagen gilt.

        Dass alle Humanoide jenseits ihres IQ eine treffliche Lebensuntauglichkeit mitbringen können ist doch unstrittig. Gesicherte empirische Nachweise betreffend der Ursache Hochbegabung haben wir gerade nicht zur Hand und selbst wenn sie vorlägen: warum scheint es zu stören, wenn sich zu Recht oder Unrecht „Betroffene“ beim Gespräch oder Gedankenspiel darüber besser fühlen? Dem Kind, dass eigentlich weiss, dass es keine Monster gibt lassen wir doch auch das Licht zum Einschlafen an…

  35. Vorweg: ich weiss nicht ob ich hochbegabt bin. Ich weiss, dass es meine Schwester ist, sie ist in dem „Studentischen-Kantinen-Zirkel“ dabei. Für mich war das bislang nie wichtig aber ich habe nach Deinem Artikel mal diesen Online Test gemacht, der mir nahelegt ich könnte ebenfalls in dem Verein mitspielen. Fakt ist: ich mag keine Vereine und ich mag keine Opferrolle.

    Der Mob spielt doch auch das Spiel „ich bin toller als Du“ – die Währung ist bloss eine andere – warum also hinter dem Berg halten? Woher die Angst sich zu outen? Ist es nicht scheissegal ob Dich jemand für arrogant hält?

    • Danke! Mir aus der Seele gesprochen!
      BTW: Ich mochte auch keine Vereine, mag sie immer noch nicht. Dennoch bin ich dem “Studentischen-Kantinen-Zirkel” beigetreten. Das Leben ist ein Supermarkt! Bezahlen müssen wir so oder so … und dann versuche ich wenigstens, mir das mitzunehmen, was ich zu brauchen gluabe, und das andere möglichst in den Regalen zu lassen.
      Ich rate stets dazu Dinge möglichst auszuprobieren. Entscheidungen treffe ich besser, wenn ich die Sachverhalte, über die es zu entscheiden gilt, möglichst genau kenne.

    • @ Boris:

      Warum sollte man sich denn outen? Kann man machen, wenn man gewillt ist, den darauffolgenden Blödsinn der leider nicht immer schweigenden Mehrheit zu ertragen.

      Mein Respekt gilt jedem, der das erfolgreich mitmacht.

      Wenn du allerdings neben der HB noch einige andere deviante Eigenschaften mitbringst (Isolation, soziale/psychische Probleme, deutlich andere Interessen, was weiß ich …), dann überlegt man sich das schon öfter, ob das wirklich zweckdienlich ist.

      Ich habe die Erfahrung gemacht, daß ich mich gegenüber anderen HB eigentlich nie erklären musste, der Fall war ohnehin recht schnell klar. Man kennt sich. Das bedeutet natürlich nicht, daß man sich gut versteht oder gar sympathisch findet.

      Aber anderen Menschen erklären, warum man Dinge anders sieht, anders denkt, anders empfindet als die Mehrheit? Ein Ding der Unmöglichkeit! Schon die Andeutung einer gewissen Lärmempfindlichkeit (nein, keine Korrelation mit HB!) führt zu einer Flut von dummen Bemerkungen, idiotischen Ratschlägen und einer ganz speziellen tumben Verständnislosigkeit. Das ganze übrigens in einer Umgebung, die fast ausschließlich von Akademikern geprägt ist.

      Nein – für mich selbst habe ich die Entscheidung getroffen, zwei Leben zu haben. Ein öffentliches (sorry, muß Geld verdienen) und ein sehr privates Leben. Das hat sich bisher als die erträglichste Varante erwiesen.

      Klar – ich träume jetzt mal ein bisschen – kann man unter Umständen vielleicht auch im öffentlichen Leben, im Beruf „wirklich“ sein. Manche schaffen das ja…

      Ansonsten bleibt es dabei: Das Leben ist kein Ponyschlecken und irgendwie geht es immer weiter.

      • @Victor Selbstverständlich kann das jeder halten wie Nolte, der es bekanntlich machte wie er wollte. Ich persönlich neige eben nicht dazu mich zu erklären oder in Rechtfertigung zu verfallen oder geschweige denn das Opfer zu geben. Ich knalle meinem Gegenüber gerne mal um die Ohren, dass ich der geilste Hecht im Karpfenteich bin und erfreue mich an der Reaktion… Frei nach dem Motto: „Ich habe nur einen Fehler: ich weiss, dass ich gut bin“

  36. Schöner Beitrag, ich könnte das alles unterschreiben. Stattdessen:

    Ich hab den Test bei Mensa gemacht, als ich alles andere schon (erfolglos) ausprobiert hatte: Autist zu sein, einfach bekloppt, doof(!), verrückt, ein Alien… Das hat alles nicht erklärt, was ich so wahrgenommen hab bei mir. Na gut, das mit dem Alien wär hingekommen. Ich hab dann ein bisschen was über HB bei Erwachsenen gelesen, also noch vor dem Test, und im Grunde hat das schon viel erklärt. Allerdings war es auch einfach nur ein weiterer Ansatz – bekloppt zu sein hätte auch viel erklärt.

    Den Test zu machen – bzw. das Ergebnis zu bekommen – ist für mich eine ganz spezielle Situation gewesen. Obwohl ich vorher schon „überzeugt“ war, ist dieses „schwarz auf weiß“ ganz wichtig für mich gewesen. Rückblickend. Irgendwie war das für mich der notwendige Schritt, um die HB (und was da noch so dran hängt), anzunehmen. Das ist etwas, was ich vorher nie gedacht hätte, also dass das so wichtig für mich sein könnte.

    Ich bin auch in dem Verein, und man muss wirklich sagen, dass nicht nur die Figuren da bei Xing ein guter Grund wären, das nicht zu sein. Es gibt aber auch andere Mitglieder. Und die freuen sich bestimmt über Verstärkung… Die Online-Kontakte zu Mensa finde ich eher abschreckend, aber auf so einem echten Treffen zu sein, das hat wieder etwas ganz besonderes. Ich hab mich ja immer gefragt, warum beispielsweise meine Klassenkameraden so ein „wir“ darstellen. Bei allen, teilweise krassen, Unterschieden zwischen ihnen: es gab immer ein „ich“ und ein „alle anderen“. Und dieses „wir“ habe ich tatsächlich zuerst bei einem Offline-Treffen mit Mensanern gefunden. Das war ein ganz tolles Erlebnis. Das sind ganz oft Menschen, die überhaupt nichts mit mir gemeinsam haben – also abgesehen vom IQ -, und trotzdem ist da ein „wir“.
    (Und trotzdem kann ich bei Mensa manchmal gar nicht so viel facepalmen, wie ich müsste.)

    Ich will niemandem raten, wie auch, aber für mich war sowohl der Test als auch der Kontakt zu Mensa(nern) sehr anders, als ich gedacht hatte – und hat mich wirklich auch ein ganzes Stück weiter gebracht.

    (Und ich glaub übrigens auch, dass die Bloggerszene einiges an HB zu bieten hätte. Es wär echt spannend, wenn dem mal mehr nachgehen würden.)

    • Bei diesem Satz: „es gab immer ein “ich” und ein “alle anderen”“ möchte ich gerne mal an meinen Artikel „Isolationshaft“ verweisen und den Satz zitieren, mit dem er beginnt: „Wenn ich einen Raum mit Menschen betrete, nehme ich immer “Ihr” wahr, niemals “Wir”.“
      Die Ähnlichkeit ist irgendwie so schrecklich. Schrecklich schön, schrecklich vielsagend, schrecklich deutlich. Danke.

      • Eigentlich ist es ja Dein Blog, aber weil es so schön passt: You are welcome. ;)

        Es gibt noch viel mehr Ähnlichkeiten, denke ich. Im ganzen Isolationshaft-Artikel finde ich mich wieder – von der gefühlten bis zur selbstgewählten Isolation. Nein, sogar bis zum/zur nicht mehr gesuchten, aber gefundenen Partner/in. Und beim Gedanken an die vielen „guten Ratschläge“ könnte ich heute noch im Schwall erbrechen.

        Aber ich halte mich nicht mehr für inkompatibel zu anderen Menschen. Das ist auch eine Folge dieses HB-seins, also von dem Wissen darum. Wenn ich mich heute isoliere, dann ist das nicht mehr Flucht oder Resignation, sondern einfach das, wovon ich mehr brauche als andere. Und wenn ich genug davon hatte, dann geh ich auch wieder raus. Und ich weiß jetzt, dass ich Menschen eigentlich mag. Das war die vielleicht sonderbarste Erkenntnis. (Und manchmal echt schwer umzusetzten.)

        Ich drück Dir die Daumen.

  37. […] Hochbegabung haben übrigens einige schon geschrieben. Erhellendes, Ehrliches, Berührendes. Danke […]

  38. Lese Deinen Blog schon eine ganze Weile, habs aber nicht so mit den pointierten Kommentaren. Ich bin nicht gut im „mich-kurzfassen“.
    Aber hier ein Buchtipp, bei dem ich mir ziemlich sicher bin, dass Du das kleine Meisterwerk gut finden wirst. Ok, das ist anmaßend… gerade wenn man weiß, wie viel Bücher bedeuten können.
    Dennoch: „Antoine oder die Idiotie“ von Martin Page. Lesen! Unbedingt!

    Und ich mag was Du so schreibst. Lese mich gerne durch Deine Gedanken.
    Schöne Grüße.

  39. Wie kommst Du darauf, dass Du nicht sagen darfst Du seist Hochbegabt?

    Das darf jeder Sagen oder tun.

    „Hochbegabtung“ ist ein Sammelbegriff, oder? Ich denke mal, diese wage Aussage trifft auf Unverständnis?

    Wenn Du hochbegabt Klavier spielen könntest, darfst Du doch locker über all davon erzählen und, vor allem, spielen..
    …oder Bilder malen und anderes

    Tausch mal „Hochbegabung“ mit Deiner/en Begabungen aus und die Welt begegnet Dir gleich ganz anders.

    • @ Wolf: Und wenn man keine plakativ anwendbare Hochbegabung wie Malen oder Musizieren hat? Wenn man vielmehr Freude daran findet elektronische Geräte einzurichten und anzuwenden. Wenn es das Höchste ist Netzwerke aufzubauen und zum laufen zu bringen? Und neue Technische Systeme zu ergründen?
      Die meisten Menschen können das nicht nachvollziehen. Und wenn einem selbst dann auch die Gabe fehlt entsprechend zu kommunizieren wirds schwer, sehr schwer.

      Und der „Herr Doktor“ weiter oben hat seinen Doktor offensichtlich nicht in Sensibilität erhalten. Im Fussballverein lernt man das ja auch nicht. Kein Wunder.
      Lieber Doktor Hochbegabung heisst nicht, dass man in allem hoch begabt ist. Hochbegabte sind keine Übermenschen im Sinne Nietzsches.
      Hochbegabte haben auch Defizite und davon auch nicht gerade wenige. Ich wage zu behaupten, dass die Hochbegabung in einem Bereich erkauft wird mit Defiziten in einem/mehreren anderen Bereichen.

      @ Meike
      Danke für diesen Artikel der sich für mich wie ein Baustein in eine ganze Reihe ähnlicher Informationen einreiht.

      Ja, wir sind nicht allein. Doch wie auch eventuell existente ausserirdische Intelligenzen für uns als Menschheit unerreichbar sind, so sind wir auch füreinander unerreichbar voneinander getrennt.

      Jeder auf seiner Insel.

      • @Stefan: Wenn man Freude daran findet elektronische Geräte einzurichten und anzuwenden, sag man: „Ich habe Freude daran elektronische Geräte einzurichten und anzuwenden.“.

        Wenn es das Höchste ist Netzwerke aufzubauen und zum laufen zu bringen und neue Technische Systeme zu ergründen, sag man: „Mir ist es das höchste Netzwerke aufzubauen und zu laufen zu bringen und neue Technische Systeme zu ergründen.“

        Dir mag vielleicht eine Ökö-Bäuerin nicht interessiert in die Augen schauen, Elektro-Techniker und IT-Netzwerker dafür aber sicher.

        Gruß!

  40. Vielleicht gibt es keine Korrelation zwischen Hochbegabung und sozialen Schwierigkeiten und die Hochbegabten merken nur einfach schneller, dass eine Verbindung bestehen könnte (auch wenn sie es vielleicht nicht tut)?

  41. Ein wenig spät, aber auch von mir eine 110%ige Zustimmung.
    Ich sehe das Problem hauptsächlich in der Arroganz von manchen „Performern“, wie sie sich oben selbst outen. Sie sind toll, sie sind immer die Besten, strotzen vor Ego und Testosteron. Sie haben zwar immer ihre Schar von speichelleckenden Satelliten um sich herum, die jedoch nur da sind um ein wenig von ihrem Glanz abzubekommen. Eigentlich kann diese Vollpfosten keine Sau leiden !!!
    Jetzt kommt der Haken für den Rest von uns. Erzählt man irgendjemandem man sei hochbegabt, kann man bei 99% der Leute direkt zuschauen, wie bei denen im Kopf eine Klappe zugeht. Entweder ist man bei denen jetzt ein arroganter Überflieger-Arsch oder das geistig und sozial behinderte Genie, welches die Zahl Pi zur X’ten Stelle auswendig kann, dafür aber nicht weiß wie man eine Waschmaschine bedient. Für Leute die keine strahlenden Performer sind, eine eindeutige lose-lose Situation

    • @Günter und flugs wissen wir, dass wer Selbstbewusstsein offen zeigt und sich nicht in irgendeinem Elend suhlt, ein Vollpfosten-Performer ist, der Speichellecker um sich scharrt, und den eigentlich keiner leiden kann? Ah ja…

      Wie gut, dass hier keine Vorurteile vorliegen, wie beim Rest der Menschheit ggü. den Hochbegabten.

  42. Nach einer gewissen Zeit des Lesens deines Blogges, entfernte ich wieder den Link, da mich das „tägliche reinschauen und nichts weiter passierte“ nervte… ich liebe deine Texte… und nun das… auf einmal bekomme ich über einen Mensa-Link diesen Artikel und erkannte sofort woher…
    Mach den Test, werde Mitglied, ich musste es machen und habe bei meinem ersten Test 2005 ähnlich reagiert, bei den letzten 10 Aufgaben sprang ich auf, weil irgendein Schwachmat so eine dämliche Frage stellte, auf Grund derer ich ihn schon alleine deswegen den Test weggenommen hätte. Mit den Worten „ihr könnt mich mal“ schmiss ich meinen hin und ging. Nach 14 Tagen erhielt ich eine Auswertung und einen Gutschein, da trotzt der fehlenden Aufgaben ich knapp dran war. Das reichte mir damals aus, um Mensa zu vergessen. Ich war auch froh, endlich zu wissen, was los ist… in diesem Jahr erst stellte in Folge einer Untersuchung meines Sohnes ein Neurologe fest, das ich eigentlich der prädestinierte ADHS-Erwachsene bin, und diese Krankheit seit 2011 erst anerkannt ist. Freiwillig und aus Neugier stellte ich mich einer Therapie. Und ich muss sagen, ernsthaft, ohne Übertreibung, ich hab 38 Jahre nicht gelebt. Auf alle Erfahrungen die ich gemacht habe, kann ich heut nicht mehr bauen… Mein Leben begann genau vor einem halben Jahr und ich bin Glücklich… ich kann leben… und dann, als ich es erkannte, kramte ich den Gutschein von 2005 raus und machte ihn nochmal, diesmal in Form eines Menschen… und siehe da, das Ergebnis kam und ich hatte ein Prozentrang von 100% (M´s wissen was ich meine). In diesem Vereins gibt es soviel Texte, Bücher, Empfehlungen, Treffen, Gleichgesinnte… kein Erklären, abschwächen, verstellen, maskieren… Ich entdecke jeden Tag neues und mit dem Brief Schwarz auf Weiß fühlst du auch anders… Texte über das Liebesleben eines HB, über Jobprobleme, über das unerklährlich begrenzte Denken normaler Leute (z.E. Normal = Ihr Glücklichen). Ich hab 38 Jahre meinen Intellekt bekämpft, da ich dachte er war es, der mich zerstört. Ich hab versucht ihn systematisch wegzusaufen, ausgerechnet, wie oft man wie doll sich betrinken muss, um genügend Zellen absterben zu lassen, ohne abhängig zu werden. Ihr seht krankhafte Gedanken… und das ist kein Spaß, wie oft hätte ich mir am liebsten eine Gabel ins Hirn gerammt, nur um endlich Ruhe zu haben. Und nun Stelle ich fest, das mein Hirn mich beschützt hat, mich geleitet und unbewusst Therapieformen für mich realisierte. Mein 38jähriger Erzfeind ist mein Retter. Ich bin genau 122 Tage alt und entschuldige mich hiermit bei allen für mein vergangenes Leben (bzw. mein vergangenen Kampf zu überleben). Chapeau Meike, mach den Test… Richtig…

    • Pippi in meinen Augen :) es tut so gut sowas zu lesen…willkommen in meiner Welt … finde die Ausdrücke soo wunderbar wie „ich bin toller als du“ … toller Artikel und ein fettes DANKE (Y)
      Ich habe einen Weg gefunden all meine Gaben endlich gut und zum Wohle vieler Menschen einzusetzen und wenigstens bei meiner Arbeit erfahre ich meine Begabung als sinnvoll und heilsam. In manch anderer Hinsicht empfinde ich es allerdings eher als Fluch denn als Segen… doch auch hier habe ich gutes Werkzeug, dank guten Lehrern und tollen Büchern, an der Hand. Lebenslang lernen damit umzugehen bleibt wohl nicht aus. Wie oft wünschte ich mir einen Ausschalter :/.

    • @ Jens

      Was hat denn das Testergebnis jetzt genau geändert? Ich bin neugierig, weil ich auch mit dem Gedanken spiele.

      • Im Prinzip ändert so ein Ergebnis nicht viel. Es ist da, schwarz auf weiss, doch das ist schon alles. Wichtig ist, wie du dazu kommst und welche Einstellung du zu Beginn hast: Machst du den Test aus Neugierde, wird sich in deinem Leben nicht so viel ändern, doch machst du ihn aus einer Not heraus, dann hast du einen Namen, einen Begriff, der dich in vielen Bereichen erklärt. Damit bist du einen Schritt weiter in deinem Verständnis. Bei mir selbst war die Ausgangslage: Verstehe ich denn das Leben nicht, weil es nicht für mich geschaffen ist, weil die meisten Lebenden mit etwas Einfachem zufrieden sind? Oder bin ich gar zu dumm, um es zu begreifen und bilde mir selbst die Intelligenz nur ein? Nach dem Test wusste ich, dass ersteres die Lösung ist. Und damit konnte ich mein Leben und meine Wahrnehmung von Grund auf besser bewerten.

        Was sich bei mir bspw. geändert hat? Ich bin eine Kreuzung voller Ampeln weiter.

        Doch, wie gesagt, alles hängt von deiner Motivation ab und bei Jens kann sie schon wieder völlig anders sein.

  43. Ein sehr guter Artikel.
    Ich finde vor allem bewundernswert, wie Meike scheinbar mühelos Argumente findet die mir immer gefehlt haben.

    In der Regel scheitern meine Versuche mein Umfeld auf das Thema zu sensibilisieren. Und so endet es meist damit, dass ich mich sozial einfüge.
    Irgendwie fehlen mir oft die Argumente verständlich zu machen, dass bei mir mit HB (und wahrscheinlich auch mit HS) Probleme mitkommen, bei denen ich auch mal Hilfe vom Umfeld brauche um effektiv(er) arbeiten zu können.

    Soviel zum Jammern.

    Denn trotzdem schaffe ich es mir mein Umfeld stets, in mühevoller Kleinarbeit, so zu gestalteten, dass ich effektiv funktionieren kann und die Kollegen mich akzeptieren.
    Natürlich kommt deshalb nur ein Job mit einem stabilen Umfeld in Frage.

    „Der Stärkste unter den Schwachen ist, wer seine Schwäche nicht vergißt.“

    VG D.

  44. Liebe Maike, ich finde es toll, dass du (und leider muss man dafür wohl immmer noch mutig sein) deine Erfahrungen so offen beschreibst. An manchen Kommentaren wird dann leider auch gleich wieder deutlich, dass Doktortitel nichts über die soziale Intelligenz ihrer Träger aussagen. Und dass Hochbegabte einander an ganz anderen Kriterien erkennen. An Zwischentönen und Zweifeln, am Nicht-Schwarz-Weiß-Denken und am Nicht-so-tun-als-ob-die-Welt-heile-und-man-total-toll-und-ohne-alle-Probleme ist.

  45. Liebe Maike, so verschieden sind die Lebenswege und doch gibt es so viele Gemeinsamkeiten. Ich war ende 30 als das Thema HB mir den Boden unter den Füßen wegzog. Aber ich verstand plötzlich meine Biografie, alles bekam einen Sinn und war für mich nachvollziehbar, ich war absolut richtig, mit mir stimmte alles!! Es ist völlig egal, ob ich ’nachweislich‘ HB bin oder nicht (lauta Mensa bin ich es nicht, für ‚richtigen‘ Test bin ich nicht bereit 300€ oder mehr auszugeben) ist völlig egal, die Auseinandersetzung mit diesem Thema hat mir geholfen mich endlich so anzunhemen wie ich bin! Mein ‚mehr fühlen, mehr denken, mehr wahrnehmen‘ (siehe Brackmann), nutze ich mittlerweile als Ressource und nicht als mehr als Behinderung. Und jedesmal wenn ich solche Artikel wie deinen Lesen, weiss ich, ja- ich bin normal! Danke

    • Nur damit sich wenigstens _dieses_ Gerücht hier nicht weiter fortpflanzt: Der offizielle Mensa-Test ist ein „richtiger“, also ein „normierter, wissenschaftlicher Intelligenztest“. Er kostet etwa 50 Euro und kann über die Webseite von Mensa gebucht werden. (http://www.mensa.de/intelligenztest/)

      Unabhängig davon kann man natürlich glauben, dass man sein Potential in diesem Test nicht voll entfalten konnte. Manchmal mag dann ein anderer Test das erhoffte Ergebnis bringen, und das kann dann tatsächlich viel Geld kosten. Nur muss man deshalb ja einen anerkannten (und vergleichsweise günstigen) Test nicht abwerte.

      Zum Zusammenhang zwischen verschiedenen Tests und unterschiedlichen Ergebnissen ist vielleicht auch das hier interessant:

      http://www.scilogs.de/blogs/blog/hochbegabung/2011-09-06/mengenlehre

  46. Isoliert fühle ich mich auch oft. Da ich mir nicht vorstellen kann, dass ich hochbegabt bin (Mensa gerade: 20 von 33) muss es an was anderem liegen. Leider hab ich noch nicht rausgefunden was es ist.

  47. Mein Sohn, 11j. ist nachgewiesen HB und fühlt sich, glabue ich, auch oft wie viele hier. Ein grüner Mensch auf einem blauen Planeten…

    Eine Frage an euch: Denkt ihr, hängt HB auch mit Hochsensibilität zusammen?

    • Siehe den ersten Kommentar und die Antworten.
      Hochbegabung und Hochsensibilität treten wohl regelmäßig miteinander auf, aber das Eine bedingt nicht das andere.

  48. Liebe Meike,

    eine meiner Lehrerinnen sagte häufig: „Die Gesellschaft ist an allem schuld.“ So ein Quatsch. Erstens gibt es „die Gesellschaft“ nicht und zweitens können wir sie nicht ändern. Auch wenn es zum verzweifeln ist, wie wenig Verständnis „die Gesellschaft“ Menschen mit Hochbegabung entgegenbringt.

    “Worldly wisdom teaches that it is better for reputation to fail conventionally than to succeed unconventionally.” (J. M. Keynes)

    Lass Dir von niemandem Dein Recht auf das Streben nach Glück
    nehmen.

    – Christoph

    PS: Ich kam hierher von einem unsäglichen Artikel in der online-taz, den ich beim Googlen von Hochbegabung gefunden habe. Sicherheitshalber habe ich ihn nicht verlinkt.

  49. Ich habe mich nun durch einige der Posts zum Thema Hochbegabung gelesen und kann nur allerorten Dank loswerden für den Mut Outing-AutorInnen. Wo ich allerdings Trauer bis Wut kriegen könnte, das ist bei so manchem Kommentar.

    Nun gut, nicht alle Hochbegabten haben ein Problem damit. Aber einige wohl doch. Die Normalbegabten tun nun so, als wären sie arm und es würde ihnen ein reicher Bekannter erzählen, er wisse gar nicht, wie er sein vieles Geld richtig anlegen solle. Es gibt nur einen Unterschied: Zu viel Geld kann jeder selbst loswerden. Zu viel Intelligenz nicht.

    Dabei ist es auch vollkommen egal, ob 90% oder 67% oder whatever% der Hochbegabten überhaupt kein Problem haben. Um die könnte sich ja mal die positive Psychologie kümmern. Es fragt sich ja auch kein Mediziner, warum Leute keine Blinddarmentzündung haben, sondern nur, was man macht, wenn einer mit Blinddarmentzündung in die Klinik kommt. Und das ist vielleicht auch ganz OK so: Solange alles OK ist, ist keine Action nötig.

    Jetzt kommen also einige Hochbegabte an und outen sich: Ich hab ein Problem mit meiner Hochbegabung. Und wünschen sich, mehr oder minder freundlich vorgetragen, einfach als das angenommen zu sein, was sie sind. Denn dann hätten sie ein Problem weniger und könnten sich selbst auch besser annehmen. Dieser ziemlich einfache aber sehr essentielle Wunsch, einfach angenommen zu sein, wird dann von einigen pauschal abgelehnt.

    Selbst wenn man den Wunsch nicht erfüllen kann, ihn pauschal abzulehnen finde ich menschlich hässlich. „Als Gegensatz zur Zivilisation wird oft Barbarei genannt, doch ein passendes Wort wäre im Grunde Einsamkeit“, schreibt Wolfgang Herrndorf in seinem Roman „Sand“.

    Ich wünsche den gehässigen Kommentatoren, dass sie nie aus ihrer stinkenden Normalität rausfallen. Schon mal an Unfälle mit Berufsunfähigkeit als Folge, schwere seelische oder körperliche Krankheiten, Sucht oder schlicht Verfall im Alter wie z.B. Demenz gedacht? „Mir wird das ja nicht passieren“ – ich hoffe es für Euch. Hoffe für Euch, dass Ihr nie das Gefühl der Einsamkeit durch Andersartigkeit kennen lernen müsst.

    Wenn jemand sagt: „Ich habe ein Problem“, dann schlägt man ihm in die Fresse und sagt: „Du hast ein Problem“ – ist das also Kultur?

    (Fäkalismen hier entsorgt.) Versuchen wir es lieber positiv – die Diskussion ist gut und richtig, nochmal danke an die Mutigen, die in ihren Blogs die Einsamkeit der weniger Mutigen lindern und den Weg zu einer soliden und gesunden Identitätsfindung frei machen.

  50. Mach doch einfach mal den Test, dann weißt Du Bescheid. Den HAWIE-Test, seit 2013 WAIS-IV, kann man doch jederzeit machen und dann wärs doch mal spannend, was dabei raus kommt, oder? Lass es uns wissen! Viel Erfolg!

    • Warum? Weil nur ein anerkanntes Ergebnis Glaubwürdigkeit schafft? Weil wir nur dann Meike glauben? Weil wir Beweise wollen? Reicht uns nicht ihre Wahrnehmung? Wer weiß denn am besten wer mensch ist? Mensch selbst! Ich vertrau da auf die Selbsteinschätzung…. Eine Zahl macht das Leiden nicht realer!

      …. gerade vermutete Hochbegabte scheuen den Test…

  51. Um ein kompliziertes, unglücklich machendes Leben zu haben reicht schon Querdenken, kritisch Hinterfragen und Nachdenken gelernt zu haben. Ob ich hoch begabt bin? Laut mensas knapp über 50% richtig nicht. Aber brauchs das Label als Erklärung? Dir hilft es offensichtlich, und wenn es „nur“ ist Gleichgesinte zu finden. Das freut mich sehr. Aber noch mehr freuen würde mich, wenn wir an den Punkt kämen Menschen mit „Lebensschwierigkeiten“ nicht zu Labeln. Nur eine weitere Schublade.

  52. […] Und ist dabei, wenig überraschend, allerlei Anfeindungen ausgesetzt. Neulich hat sie sich in einem Artikel ihrer Erkenntnis bekannt, sie könnte möglicherweise “hochbegabt” sein, was von vielen mit der gleichen Besonderheit als Last empfunden wird, so auch von […]

  53. Danke für diesen Beitrag :) sowas ermutigt, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen und sich nicht mehr so sehr wie ein Alien zu fühlen…

  54. meine bewunderung an alle hier, die es schaffen ihre gefuehle & gedanken in worte zu fassen.
    zu gerne wuerde ich mich zu dem thema der hochbegabung und gewissen beitraegen aeussern, auch weil ich glaube es wuerde mich letztendlich weiterbringen. allerdings ueberwiegen momentan leider (mal wieder) zweifel und viele, viele fragen… ’selbstmitleid‘ ueber nicht genutzte chancen wahrscheinlich ebenso.

    am freitag habe ich einen termin beim arbeitsamt bzgl. ‚orientierungsgespraech‘ und es graut mir sehr davor. wie erklaert man, dass in einem potential fuer so viel mehr steckt trotz die fakten dem auf den ersten blick vielleicht nicht entsprechen :(

  55. Hallo, mich würde interessieren, wo und welcher Text über die Probleme hochbegabter Frauen aus dem sog. feministischen Blatt es war, den dir der Leser geschickt hat!?
    Gibt es den Link noch?

    Interessante Diskussion hast du da überigens vom Zaun gebrochen :) Eine Vergnügen!
    lga

  56. Hallo Meike,
    ja, ich weiß, wovon du schreibst.
    Ich kann mit dem Begriff „Hochbegabung“ nicht viel anfangen, auch wenn ich wohl dazu zähle. Ich finde es schwierig, Begriffe zu verwenden, die in der Verstandes-Welt eine gefestige Norm hat. also unbeweglich und unflexibel sind. Ich zähle mich viel lieber zu den Vielbegabten oder bunten Zebras, weil meine Begabung eher in der Empathie liegt – im „Tiefendenken“ – und nicht in Zahlen zu bewerten ist und Intelligenz doch auch nur aussagt, dass man etwas sehr gut kann. Lass uns selbst raus aus den Schubladen steigen und eine neue Sprache formulieren! Vielleicht übernimmt die ja dann auch der ein oder andere Verstandesmensch, falls er sich erkennt! ;O) Und wir lassen ihn ohne Bewertung! Jeder muss doch für sich fühlen, wo er sich zugehörig fühlt. :O)
    Alles Liebe! Mohni

  57. Hallo Meike!

    Danke für den Artikel. Mein ganzes Leben lang fühle ich mich bereits wie ein Alien und bezeichne mich auch als solcher. Der HB-Test wurde bei mir in der Hauptschule gemacht und brachte hohe Begabungen heraus. Vor kurzem habe ich mich getraut mal online wieder ein paar IQ-Tests zu machen (ich dachte ja ich wäre eher dumm) und liege bedeutend drüber, über dem Durchschnitt. Anders als der gute Alex hier in den Kommis, hab ich einer schwere Kindheit gehabt und konnte nicht gleich studieren und mein Potential ausnutzen – auch das ADHS ist erst jetzt seid paar Wochen nach 5 Jahren Fehldiagnose bestätigt. Ich wurde nicht gefördert. Ich wurde nicht ermuntert. Und die Lehrer die es taten scheiterten aufgrund meines Arbeiter-Haushalt-Hintergrundes. Klar ging ich gleich arbeiten, so ist das, wenn es in einem Haushalt kein Geld dafür gibt, das das Kind studieren geht – HB hin, hohe Intelligenz her. Etwas was Klein-Alex hier nicht so ganz gerafft hat, wie mir scheint. Heute studiere ich Soziologie. Das macht mich glücklich und ich weiß das ich mir das verdient habe. Wer weiß, was noch aus mir wird auf meine *alten Tage*. LOL: Danke für den Artikel. Schade das einige Kommentatoren so verständnislos auf den Gefühlen anderer herumtrampeln und damit das Alien-Gefühl noch verstärken. Eine Verhaltensweise die bei son manchen Leuten nie verstehen werde…. Nicht weil ich es nicht könnte, sondern weil ich es von ganzem Herzen nicht will, ausnahmsweiße.

    Lg, lalinchen

  58. Danke für deinen offenen Text und danke für die guten Buchtips – auch einiger Kommentatoren.
    Erfahren zu dürfen, dass ich kein Alien bin, das allein auf diesen Planeten gefallen ist, sondern dass es da draußen noch andere gibt und ich nichts dafür kann und mich nicht dafür schämen muss, komisch zu sein und Antennen auf den Kopf zu haben, war die größte Erleichterung und das größte Glücksgefühl in meinem Leben. Besser als ein Kind zu kriegen und besser als Schokoladentorte bis zum Abwinken.
    Als ich ein Kind war, gab es weder ADHS noch Hochbegabung, Hypersensibilität oder Asperger und entsprechende Förderungen, es gab nur funktionierende Kinder und welche die das nicht taten und aussortiert wurden.
    Eigenartig zu sein fühlt sich heute nicht mehr so schrecklich an wie früher.

    LG, Katja

  59. Intelligent und sensibel – das kann eine sch… Kombination sein…

    Ich wünschte manches Mal ich würde nicht so viel fühlen und nicht so viel verstehen. Aber es ist, wie es ist, und man muss zusehen, dass man das Beste draus macht…

    – Zum Thema „Hochsensibilität“ gibt es auch Bücher von Elaine Aron.

    Lieben Gruß,
    Vivi

  60. Hallo Meike,

    dein Beitrag ist zwar schon 2 Jahre alt, habe ihn leider jetzt erst gefunden.

    Ich habe erst einen langen Beitrag verfasst, nun aber doch wieder verworfen… nur eins soll reichen: Du schreibst mir 1 zu 1 aus der Seele und deine Art dies auszudrücken – so unverschämt direkt – hätte von mir kommen können :)

    Hoffe, es geht dir inzwischen besser – nach der Erkenntniss erfolgt die Besserung..

    Viele Grüße
    Stephi

  61. Genau so!
    Vor vier Jahren lernte ich meinen jetzigen Mann kennen. Nach etwa drei Monaten kam er an und fragte „bist Du eigentlich hochbegabt?“… Ich dachte er will mich verarschen und veräppelt mich grad! Nein, er hatte in der FAZ einen Artikel über hochbegabte Kinder und deren Probleme in der Schule gelesen und meinte nur „das hört sich an wie das was Du von früher erzählt hast“, ich las es, er hatte Recht.
    Das löste bei mir genau diese Gedanken aus die Du beschreibst, alles schien plötzlich Sinn zu machen. Ich las viel im Internet, kam auf die Mensa-Seite, zufällig war zwei Wochen später ein Test in Hannover. Ich überlegte eine Nacht lang und meldete mich dann an.
    Naja und zu nen Mensa-Treffen habe ich mich bisher noch nicht getraut, ich hab Angst dass das alles so Freaks sind, diese Hochbegabten ??

  62. Vielen Dank für diese wunderbar zusammengefasste Beschreibung des Dauerleidens Hochbegabter. Was sich so schnell und witzig liest, beschreibt 1:1 die durchaus lange Leidensgeschichte Betroffener. Selbst nach erfolgreicher Diagnose bleibt das Leben manchmal kompliziert. Alles Gute und liebe Grüße!

  63. Liebe Meike,

    you made my day!!! Ich bin auch eine dieser „besonderen Frauen“ und habe mich in deinen Selbstbeschreibungen so, so, so wiedergefunden. Du weißt selbst am besten, was es einer bedeutet, so etwas zu erleben/erfahren. Danke für deine Offenheit und deinen Mut, das auszusprechen (schreiben), was ich – und vielleicht manche andere – noch immer „bloß“ fühlen/denken/erleben.

    Wollte dich noch hierauf hinweisen (habe ich auch im Zuge meiner heutigen Recherche zum Thema gefunden): 20 Gründe für die Belastung des weiblichen Selbstgefühls durch Hochbegabung (http://www.frida-magazin.de/html/schmidbauer.html).

    Ganz herzlich
    Lilly

  64. Upps – jetzt habe ich beim Scrollen in den Kommentaren bemerkt, dass du die 20 Gründe schon kennst. Auch gut! ;o)))

  65. Frau Meike,

    danke für die Schilderumg deiner Situation. Ich kann das, was du beschreibst, gut verstehen.

    So gar nicht nachvollziehen, kann ich dagegen ein Leugnen möglicher, teilweise ganz gravierender Probleme (siehe den ein oder anderen Kommentar hier), die eine spät oder nicht diagnostizierte oder vielleicht auch früh erkannte HB mit sich bringen kann. Es ist doch nachvollziehbar, wie sehr es diverse Selbstzweifel anfeuern kann, wenn man Dinge und Zusammenhänge wahrnimmt und denkt, die man nicht nach außen kommunizieren darf, weil man sonst entweder so oft schief angeschaut wird, bis man sozial ausgegrenzt ist oder sich selbst für verrückt erklärt. Wissen die Leugner eigentlich, was das mit einem macht? Wenn man seine Wahrnehmungen und Gedanken dadurch nie wirklich mit denen anderer abgleichen kann? Und wenn man es mal wagt, seine persönlichen Grenzen erfahrbar zu machen (einfach, um diese und sich selbst auf kognitiver und/oder emotionaler/sensitiver Ebene so ganz zu spüren) und dafür von anderen (im schlimmsten Fall von vormaligen Freunden o.Ä.) geschnitten, gemieden oder auf Teufel komm raus zur geistig unterlegenen persona non grata degradiert wird… Und es ist den anderen ja auch nicht so ganz übel zu nehmen. Umgekehrt würde mich manches Tempo oder manche Sprunghaftigkeit im Denken vermutlich auch überrumpeln, mindestens seltsam zurücklassen.

    Die Teilnahme an einem IQ-Test ist ein gewagtes Unterfangen… In Wahrheit stampft doch jedes nur erdenkliche Ergebnis erstmal in Grund und Boden.
    Und ist es nicht unglaublich beschämend, sich für intelligent zu halten, wenn man es doch evt. gar nicht ist? Und wenn Mensaner sich unterhielten, ginge man auf Suche nach Gleichgesinnten, und man käme nicht hinterher, wäre das dann die Antwort, dass man eben nicht so ist, oder stiftete das am Ende nur noch mehr persönliche Verwirrung und machte alles noch schlimmer, denn wer sagt denn, dass die dann nicht einfach extrem intelligent sind und zu einer noch größeren Minderheit gehören etc. etc.

    Aber einmal Gedachtes lässt sich nicht mehr so leicht betäuben…

    Traurige Grüße
    Sonnenschein

    (Trauer zu kennen, ist mindestens unabdingbar, will man wissen, was Glück ist. Um Selbstmitleid zu erkennen (etwas, das sich für mich – ich mag mich täuschen – über einen längeren Zeitraum zieht), braucht es aber mehr als eine Momentaufnahme. Das ist eine Momentaufnahme.)

  66. Vielen Dank für diesen großartigen Text, er spricht mir sehr aus dem Herzen und hat mich berührt, so geht es leider vielen von uns, die nicht um ihre HB wissen und was es bedeutet HB zu sein.

  67. He ho,

    dieses Gefühl, irgendwie „falsch“ zu sein, kenne ich seit ich denken kann. Ich weiß nicht, wie oft ich in meinem Leben gehört habe: „sei nicht so empfindlich“, „du denkst zu kompliziert“, du denkst immer um 3 Ecken“, „machs dir doch selbst nicht so schwer“, oder aber: „kannst du nicht mal Ruhe geben“, “ ich kann dir nicht folgen“, „mach mal langsam“ und so weiter und so weiter und so weiter…

    Und wem gibt man die Schuld, dass man nicht passt, dass man sich irgendwie so fühlt, als würde man eine andere Sprache sprechen? Sich selbst.

    Zumindest, wenn man eben nicht weiß, warum man das Gefühl hat, von der Norm abzuweichen. Dieses diffuse Gefühl, nicht „normal“ zu sein und sich zu fragen, ob man eventuell einfach nur ganz kräftig einen an der Waffel hat, ist wirklich unschön und kann zu Ängsten, psychosomatischen Beschwerden, massiven Selbstzweifeln oder Depressionen führen. In meinem Fall waren es die letzten 3.

    Spätestens in der Pupertät beginnt man also sich selbst zu hinterfragen, zu vergleichen und festzustellen: shit, irgendwie bin ich ein Freak.

    Sei es nun ob der Tatsache, dass du in jeder freien Minute zeichnest und malst, während andere knutschen üben und Lippenstift kaufen, vor der Einschulung schon Kurzgeschichten und mit 10 Erwchachsenenliteratur gelesen hast, Smalltalk, Mode und Discobesuchen nicht wirklich was abgewinnen kannst oder ob du mit 2 so sprichst, wie andere 6 Jährige oder mit 6 bereits weißt das menschliche Herz funktioniert (mein Sohn…), eine Obsession für Wölfe hast und jedes Hörspiel, Gedicht und Lied nach 1-3 hören auswendig rezitieren kannst und vor der Schule schon die 4 Grundrechenarten beherrschst. Irgendwie bist eben „anders“.

    De facto war ich nie sonderlich gut in der Schule, was hauptsächlich daran lag, dass ich schlicht andere Probleme hatte (Scheidungskind, schwieriges Elternhaus, Armut…). Meine intellektuellen Fähigkeiten haben sich durch einen breit aufgestellten Eignungs- und Intelligenztest beim Auswahlverfahren für die Ausbildung gezeigt und ich bekam die Rückmeldung, dass ich 99,irgednwas % erreicht hätte.

    Aber auch dann dachte ich noch ich sei dumm, nicht normal (was ja stimmt, aber ich dachte eben in Richtung psychisch nicht normal) und ungeeignet, generell für alles. Das Wort Hochbegabung fiel damals auch nicht. „Damals“ wurde auch noch nicht so ein Wind um dieses Thema gemacht.

    Damals dachte ich einfach nur: yeah, da hatte ich aber „Glück“,jetzt ich hab einen Ausbildungsplatz. Das wars…

    Ich möchte eins klar stellen: ich bin nicht der Meinung, dass Hochbegabung bedeutet, dazu verdammt zu sein in seiner Andersartigkeit für immer gefangen zu sein und man eine verdammt arme Wurst bist, weil man „zu“ schlau ist.

    Es gibt wahrlich schlimmeres!

    Nein. Ich schiebe meine Probleme mittlerweile nicht mehr darauf, dass ich hochsensibel und hochbegabt bin. Sondern darauf, dass ich eine schwere Kindheit hatte UND als hochsensibles und hochbegabtes Kind nicht gesehen, unterstützt oder gar gefördert worden bin und ich in meinem Anderssein immer etwas pathologisches gesehen habe, weil ich es immer gespürt habe, aber nicht benennen konnte.

    Im Grunde haben hochbegabte Menschen die perfekten Voraussetzungen sozial gut integrierte, erfolgreiche Menschen zu werden. ABER: es muss gesehen werden oder man muss es selbst verstehen und nutzen und ein warmes, geborgenes Elternhaus ist auch sehr von Vorteil.

    Es ist doch so: Hochbegabung, ist wie der Begriff schon impliziert, eine GABE. Eine Gabe, die dich dazu befähigt, außerordentliches zu leisten in vielerlei Hinsicht. Zur Belastung wird diese Gabe nur, wenn du sie nicht in Worte fassen kannst, nicht weißt, was genau dich anders machst, sie nicht NUTZT (auf irgendeine Art und Weise) und damit meine ich nicht ein zweiter Stephen Hawking zu werden, sondern vielmehr deine ganz eigene Berufung zu finden oder deinen Begabungen in vielen außergewöhnlichen Hobbies zu fröhnen oder anderen mit deinen Fähigkeiten weiter zu helfen.

    Ich habe meine hohe Begabung leider nie genutzt, was ich nun im Mittel meines Lebens wirklich bedauere. Als mir bewusst wurde, dass ich hochbegabt bin (eigentlich erst wirklich durch meine Kinder), war meine erste Reaktion Erleichterung (zu wissen, dass ich nicht geisteskrank und verschroben bin sondern einfach nur anders denke und wahrnehme), die zweite Bedauern. Denn im Grunde macht mich dieses nicht-nutzen meiner Fähigkeiten nicht zu einem „besseren“ Menschen, sondern zu einem schlechteren.

    Dieses Gefühl hält bis heute an. Zu viel hat mich interessiert, nie konnte ich mich festlegen, mein Perfektionismus und meine Selbstzweifel haben dazu geführt, dass ich bei jedem Berufsfeld, bei jeder Möglichkeit, die sich mir bot immer das Gefühl hatte, nicht gut genug zu sein, noch nicht am Ziel zu sein. Immer, auch heute noch, sehe ich einen Haken, warum ich nicht perfekt geeignet für diesen Beruf bin oder sehe einen Haken, warum dieser Beruf nicht gut genug für mich ist.

    Ich bin noch nicht angekommen. Aber das schaffe ich schon. Ich bin schließlich hochbegabt ;)

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