Schwache Echos

Schwache Echos

Ich schrieb etwas. Genauer: ich schrieb etwas darüber, dass ich mein Sein in dieser Welt immer als schmerzhaft unpassend empfunden habe, was zu langen Jahren voller Einsamkeit und Depressionen führte. Und wie ich ganz langsam und in winzig kleinen Mauseschrittchen einen Weg aus dieser Dunkelheit fand, als mich ein unbeteiligter Blogleser vor einigen Jahren darauf aufmerksam machte, dass ich möglicherweise hochbegabt sei.
Obwohl mir die Möglichkeit, die Königin von Sabaa zu sein, wahrscheinlicher erschien als eine bestehende Hochbegabung, folgte ich seinem Fingerzeig und begann, mich über das Thema zu informieren. Die vielen Berichte Betroffener bestätigten mein eigenes Empfinden und ich merkte zum ersten Mal in meinem Leben, dass es andere gibt. Andere wie mich. Andere Außerirdische.

Über all das schrieb ich letzten Freitag und weil ich in den letzten Tagen viel unterwegs war, entdeckte ich erst gestern Abend, welche Reaktionen das ausgelöst hat.

Diese Reaktionen hat der sehr formidable Christian Fischer in einem sehr formidablen Artikel nicht nur zusammengefasst, sondern auch den Reaktionen bei der #Aufschrei-Aktion Ende Januar gegenübergestellt.
Die Parallelen zu sehen, erschüttert, enttäuscht und beschämt mich.

Es ist mir ein Bedürfnis, einige Reaktionen genauer anzuschauen und zu kommentieren.

Selbst ist die Frau

Viel Kritik bekam der Umstand, dass ich keinen Test, kein Zertifikat, keine Urkunde vorlegen kann, um meine Hochbegabung zu beweisen. Dass ich ein Selbstdiagnostiker bin, was ungefähr auf einer Stufe mit Kinderschändern steht.
Zunächst drückt diese Häme eine solche Obrigkeitshörigkeit aus, dass ich mich ohne weitere Umschweife übergeben möchte. Das ist dumm auf eine Art, die wenig mit dem IQ und viel mit selbstständigem Denken zu tun hat. Wie wenig Vertrauen in sein eigenes Urteilsvermögen muss man denn haben, wenn alles immer erst dann gilt, wenn eine Behörde einen Stempel darunter gesetzt hat? Nur so eine Frage.

Davon abgesehen: die Leute suchen sich ihre Partner nach dem Sternzeichen aus, jeder „Was sagt Ihre Ohrläppchenlänge über Sie aus?“-Test in Frauenzeitschriften wird akribisch ausgefüllt und die Ergebnisse aufmerksam studiert, aber der Online-Test von Mensa, der Elemente seriöser IQ-Tests abfragt und nur eine inhaltliche Bewertung ausgibt, soll hahnebüchener Quatsch sein. Ah ja.
Dass ein solcher Test niemals reicht, um GEWISSHEIT zu bekommen, steht völlig außer Frage, aber eine WAHRSCHEINLICHKEIT, ob eine Hochbegabung vorliegt oder nicht, kann man daran absolut ablesen. Und von mehr als einer Wahrscheinlichkeit habe ich nie gesprochen, sondern im Gegenteil betont, dass ich eben nicht sicher bin.

Tittenmäuschen mit Spaten

Diese drastische Formulierung habe ich bewusst gewählt, um meine damalige Verzweiflung und Wut über meine Einsamkeit auszudrücken, aber auch meinen Neid darüber, dass „die anderen“ eine Einheit waren, zu der ich keinen Zugang fand. Es tut mir leid, wenn das nicht klargeworden ist, verletzen wollte ich nicht, aber ich werde mir von niemandem vorwerfen lassen, dass ich diese negativen Gefühle überhaupt hatte.

Witzigkeit kennt keine Grenzen

Kinder, was haben alle gelacht in den letzten Tagen! Kein Wortspiel war zu flach, kein Kalauer zu verletzend, um ihn nicht zu machen. Twitter war der reinste Ausbund an Witzigkeit. So weit, so erheiternd.

Menschen und das, was sie ausmacht, lächerlich zu machen, hat ja eine lange Tradition bei der Kaschierung eigener Schwächen.
Kinder machen das auch gerne. So auf dem Schulhof. Alle zusammenstellen und gröhlend mit dem Finger auf Einzelne zeigen. War ja letzte Woche auch Thema, als sich zwei bekannte Blogger zu „Arschlochverhalten“ in der Vergangenheit bekannten, und dafür, zu Recht wie ich finde, von vielen Seiten harsche Kritik geerntet haben.

Aber dieses Verhalten ist nicht nur bei Kindern oder Männern armselig, sondern bei erwachsenen Frauen auch. Ja, auch bei solchen, die sich sonst gerne in einen Duktus von Lebensklugheit und gesundem Menschenverstand kleiden und bei Twitter ganz doll beliebt sind.

Das Verhalten dieser Twitterer hat sehr schön illustriert, warum es dringend nötig ist, über Hochbegabung zu sprechen.
Damit die Anfeindungen aufhören, die so weit führen, dass nur wenige Hochbegabte sich öffentlich bekennen. Die Besonderheit löst bei anderen Menschen Häme, Spott, Ausgrenzung und Hänseleien aus und wenn ich es auch schade finde, dass sich viele Betroffene nur in Mails unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu mir gestellt haben, so kann ich doch verstehen, dass sie keine Lust haben, sich dieser Boshaftigkeit auszusetzen. Viele Hochbegabte, vermutete und gesicherte, lernen von klein auf, dass sie nicht dazu gehören, manche werden in der Schule gemobbt, ich hatte etwas mehr Glück. Und so eignen sie sich früh unterschiedliche Überlebensstrategien an, um trotz der Feindseligkeit zurechtzukommen. Einige flüchten sich in eigene Welten, was zwar nicht dazu führt, dass sie dazugehören, aber wenigstens einen kleinen, sicheren Raum schafft, in dem sie sich frei und unbelastet fühlen. Andere verstecken ihre Hochbegabung wie ein schmutziges Geheimnis und verleugnen sie ihr Leben lang.
Reaktionen wie die der Twitterer sind der Grund dafür.

Ihr wolltet treten, Ihr wolltet treffen und es sollte wehtun.
In meinem Fall habt Ihr das geschafft und ich gratuliere Euch von Herzen dafür, dass Ihr mir auf diese charakterstarke Art mal so richtig die Stirn geboten habt.
Bloß Eure Lebensklugheit und den gesunden Menschenverstand mag ich Euch jetzt nicht mehr so richtig abnehmen.
Ihr versteht das sicher.

33 Kommentare

    • Hochbegabung ist definiert als ein Intelligenzquotient von über 130.
      Hochsensibilität dagegen bezeichnet, wenn Menschen empfindlicher wahrnehmen, mehr hören, mehr riechen, Stimmungen erahnen usw. Hochsensibilität kommt regelmäßig im Fahrwasser von Hochbegabung daher, aber beides gehört meines Wissens nicht zwangsläufig zusammen.

      • Liebe Meike,

        Hochbegabung und Hochsensibilität sind zwei paar Stiefel. HB’s sind etwa 2% der Bevölkerung, HS etwa 15% und diese HS gibt es auch bei Tieren… z.B. sind das die Herdentiere die eine Gefahr (z.B. Feuer) schon so früh merken, daß sie die anderen schon warnen, wenn diese noch rein gar nichts bemerken :-)Vielleicht besuchst Du mal meinen blog und liest z.B. „Hochbegabt und glücklich“. Natürlich war mein bisheriges Leben als früh erkannte HB auch nicht nur eitel Sonnenschein, aber es liegt an uns selbst wie wir auf uns schauen. Was die anderen sehen oder nicht nachvollziehen können ist nicht unsere Baustelle…… etc.
        Buchempfehlung: Andrea Brackmann „Jenseits der Norm – hochbegabt und hoch sensibel ?“
        Herzliche Grüße
        Petra

  1. Wenn Leute neidisch sind wegen einer HB, dann wünsche ich ihnen immer ein Jahr mit einer solchen „Begabung“.
    Eltern von HB-Kindern sagen nicht zu Unrecht häufig, HB sei kein Geschenk, sondern eine Last.
    Die verkehrte Wahrnehmung von HB liegt auch daran, dass HB in etwa dieselbe Art von Assoziationskette erfährt wie die Formulierung „zu Hause bleiben“, wenn man ausdrücken möchte, ein paar Jahre für die Kinder zu sorgen. „Zu Hause bleiben“ hat für Menschen, die nur an Feierabend zuhause sind, einen hübschen Klang, etwas Verheißungsvolles und Wärmendes. Wer ist nicht gern zuhause?
    Genau so ist es mit HB. Wer wäre nicht gern begabt, wer würde nicht gern mit links jeden Mathetest absolvieren? Aber das ist ja leider nicht so. Im Gegenteil.
    Wer einmal erlebt hat, wie ein HB-Kind an den üblichen Grundschulmatheaufgaben verzweifelt ist, wird da sehr sehr leise.
    Verständnis kann man leider nicht erwarten, aber man kann sich gegenseitig zunicken und vorsichtig winken.

  2. Liebe Meike,
    Auch heute wird das selbständige Denken einer Frau im deutschsprachigen Raum und das nicht hineinpassen in vorgegebene Schemata mit Argwohn betrachtet. Wir sind ja alle so emanzipiert, aber genau betrachtet sind die wenigsten Menschen dahingehend emanzipiert, dass sie wirklich frei denken und frei sind, ohne sich trotzdem in ein Schema pressen zu lassen. Mir wurde oft vorgeworfen, dass ich schwer einzuordnen sei und das ist auch gut so. Ich bin ich. Ich bin was ich sein will und sofern es in meinen Möglichkeiten liegt, bin ich es auch. Als Hochbegabte sieht man Muster, welche anderen Menschen nicht bewusst sind. Man ist die dauernde Kassandra, welche den Autounfall schon sieht, bevor das Auto um die Ecke gebogen ist (weil man z.B. das Auto schon hört und gleichzeitig Hindernisse und Geschwindigkeit des Autos mit einem Gedanken erfassen kann). Als Hochbegabte ist es sehr schwierig glücklich zu sein, weil man sieht wie viele Mitmenschen aus Unwissen grosse Dummheiten begehen und sich in einem Zustand konstanter Verleugnung von Tatsachen befinden. Als Hochbegabte ist man einsamer als ein Sheldon Cooper, da man auch unter Geeks als Frau immer ein Outsider ist. Aber sorge dich nicht, es gibt viele Hochbegabte, ob nun selbst eingeschätzt oder nicht. Hochbegabt heisst ja auch nur, dass einem einige Sachen sehr leicht fallen, andere wiederum nicht. Ich habe meinen IQ messen lassen, er ist knapp über der Mensa-Grenze und ich kann 8 Sprachen fliessend nicht eingerechnet Programmiersprachen. ;P Dafür bin ich in vielen anderen Bereichen regelrecht behindert, wie z.B. Sport. Als Hochbegabte ist es wichtig nicht Sklave der Begabungen zu sein. Ich z.B. hätte auch ein super Talent im Gestalten, habe mehrere Auszeichnungen für künstlerische Werke in meiner Jugend erhalten, aber ich hatte überhaupt keinen Bock auf eine gestalterische Karriere, obwohl ich sogar Empfehlungen für Meisterklassen hatte. Liegt mir einfach persönlich nicht, ich bin Informatikerin, finde ich interessanter, es fordert meinen Geist heraus und bietet immer neue Herausforderungen, welche Kunst mir nicht bieten könnte. Also sei Herrin deiner eigenen Begabungen und sei Du selbst.

  3. Ich halte persönlich nicht viel von IQ-Tests und ich halte nicht viel von der MENSA, aber nicht, weil ich schlaue Menschen nicht mag, sondern, dass die Kriterien dafür von Menschen festgelegt wurden sind. Habe den Test jetzt aber mal gemacht, den du im Text erwähnst, und folgendes Ergebnis:

    „Vielen Dank, dass Sie den Mensa Online-Test ausgefüllt haben. Sie haben 26 von 33 Fragen richtig beantwortet und haben daher gute Chancen, beim Aufnahmetest das Mensa-Kriterium zu erreichen.“

    Finde ich interessant, sagt aber nichts über die Person dahinter aus. Deswegen sind auch Anfeindungen totaler Schwachsinn, weil doch die Person wichtig ist. Der Charakter der Person und nichts anderes. Der Charakter bestimmt, ob ein Mensch ein „Arschloch“ ist oder nicht. Der IQ sagt darüber nichts aus und aus Anfeindungen wegen einer Hochbegabung spricht nur der Neid oder die Unsicherheit.

  4. Das Leben im Affenkäfig, oh ja. Zum Glück: die Schulzeit ist vorbei und niemand sperrt Dich mehr mit ihnen zusammen, nichts zwingt Dich, an ihren Selbstvergewisserungsritualen teilzunehmen. Was bleibt, ist eine tiefe Verunsicherung darüber, ob man irgendwo hingehört. Aber irgendwann schaust Du Dich um und bist rundum von Freunden und guten Bekannten umgeben, von ganz normalen, klugen Menschen, die es selbstverständlich finden, wofür Du Dich interessierst, was Du vom Leben willst, wie Du sprichst, was Du liest, dass Dein Kopf niemals Ruhe gibt, und Dein Herz deswegen nicht kleiner ist. Willkommen zuhause.

    Wundere Dich trotzdem nicht, wenn Du laut ins Internet rufst, und die Äquivalente Deiner alten Klassenkameradinnen Dich daran erinnern, dass Du für sie eine verschrobene Außerirdische bist.

  5. Da Bashing und Mobbing grundsätzlich nicht ok sind, gebe ich Dir und z.B. auch Christian recht.

    Über die Art der Debatte kann man sprechen (wobei ich zugegebenermaßen ein großer Freund davon bin, durch Humor Dinge aufzuarbeiten. Einige Kommentare habe ich auch so gedeutet.)

    Gleichwohl hatte ich mit Deinem Artikel auch meine Probleme. Ich bin mir sicher, dass die Intention eine andere war, aber auf mich und sicher auch auf viele andere (siehe Reaktion) wirkte der Text von oben herab und Verständnis einfordernd. Daraus resultierte bei mir vor allem erstmal eine Abwehrhaltung.

    Da eine Diskussion über Hochbegabung (oder HB, wie wir Profis sagen) sicherlich sinnvoll ist – wobei ich eine Diskussion über den Normaltätsbegriff insgesamt viel wichtiger fände – ist es schade, wenn statt Verständnis das Gegenteil, nämlich Abwehr, erreicht wird.

    Ein wenig stutzig hat mich in diesem Folgetext gemacht, dass eine Parallele zur #aufschrei-Debatte gezogen wird. Ich hatte den Eindruck, dass Du zu dieser Debatte eher eine kritische Meinung hast.

    Wie dem auch sei, die Kerndiskussion zum Thema Mobbing zwischen Felix Schwenzel, Robert Basic und Kiki Thaerigen konnte konstruktiv geklärt werden. Also spricht auch nichts dagegen, dass auch diese Diskussion zu mehr Verständnis auf allen Seiten führt. Schließlich sind wir alle kluge Leute.

    • Dass mein Text an einigen Stellen zu unsauber war, habe ich auch gemerkt und ich hätte kein Problem damit gehabt, wenn man mir das so gesagt hätte. Hat man aber nicht, sondern stattdessen Spott, oder wie Du es empfunden hast, Humor ausgepackt, was ich gerade angesichts der Ernsthaftigkeit und emotionalen Schwere meines Artikels einfach nur völlig daneben und – gewollt oder ungewollt – sehr verletzend fand.

      Zu #Aufschrei folgendes: ich habe die Aktion* damals in einem langen und möglichst sachlichen Artikel kritisiert, dem ich sogar nochmal einen ähnlichen langen, um Verständigung und Klärung bemühten Folgeartikel nachschob, und ich würde es heute genauso wieder tun.
      Damals gab es auch andere Reaktionen: ein gekaperter Hashtag, frauenverachtende, gewaltverherrlichende Sprüche und natürlich Humor Lächerlichmachen.

      Die Parallele, die hier gezogen wird, ist nicht die Verbleichbarkeit der Themen, sondern die Reaktionen darauf.

      ———————————————-
      *) Debatte will ich es nicht nennen, weil alle Meinungen, die auch nur einen Millimeter von der Opferperspektive abwichen, von den Initiatorinnen und ihren BFFs niedergekreischt oder ignoriert wurden

    • Oh, ich entdecke das erst jetzt – ich muss gestehen ich habe es ein paar Tage lang vermieden, Kommentare zu lesen.

      Und obwohl Meike es eigentlich schon gesagt hat: Genau, es ging um die Vergleichbarkeit der Reaktionen; nicht um die Inhalte der Auslöser.

      Ich fürchte, dass man solche Reaktionsmuster an noch viel mehr Stellen beobachten kann – halt immer dann, wenn eine (vermeintliche) Mehrheit sich (aus was für Gründen auch immer) angegriffen fühlt.
      Patrick Breitenbach hat heute etwas geschrieben, wo ähnliche Muster in einem ganz anderen Zusammenhang auftauchen. Aber das nur nebenbei.
      Warum sich so viele Menschen von Hochbegabung angegriffen fühlen (denn bei allem Respekt vor Meikes Formulierungskünsten: Sooo provozierend waren der Artikel nun wirklich nicht) weiß ich nicht; in anderen Ländern ist das afaik anders.

  6. Hallo Meike,
    sonst lese ich gerne, halte mich aber mit Kommentaren im Hintergrund.
    Der Artikel von Christian Fischer bewegt mich nun aber doch dazu, mich zu äußern.
    Ich habe deinen Blog-Artikel am Freitag sehr genossen, da du mir damit eine neue Perspektive über die Wahrnehmung anderer Menschen eröffnet hast, die ich vorher nicht kannte.
    Ich danke dir, dass du bereit bist diese sehr persönlichen Erfahrungen teilst. Gerade bei dem Gegenwind ist das mit sehr viel, bewundernswertem Mut verbunden.
    Gruß
    Timo

  7. … ich frag‘ mich, ob du das Bedürfnis das Thema aufzumachen auch gehabt hättest, wenn der Mensa-Test dir ’nen IQ nahe der Schwachsinnigkeit attestiert hätte und dir nahe gelegt worden wäre, die Ursache deiner Probleme da zu suchen …

    Also etwa so, dass du nie so richtig wusstest, was mit dir los ist, bis dich ein lieber Blog-Kumpan mal drauf aufmerksam machte, dass du ja vielleicht an einer Form der Schwachsinnigkeit leiden könntest …

    Wenn man Wikipedia glauben darf, steckt
    übrigens schon in der Namensgebung deines Schlaufuchsvereins das Missverständnis, das man bei vielen Anfeindern des ‚Hochbegabten-mit-Lebensschwierigkeiten-Gedankens findet‘

    „Mensa, the High IQ Society, derives its name both from the Latin word for table, „mensa“ as well as a pun on the phrase „mens sana“.

    In so ’nem ‚Mens sana‘ erwartet man halt keine Depressionen … also wenn die Hochbegabten schon diesen Gedankenfehler machen (hoher IQ == mens sana), dann muss man uns geistig weniger gepimpten schon nachsehen, wenn wir mens sana gefälligst auch erwarten, wenn wir auf den IQ-Schildchen Zahlen sehen wie sonst nur aufm Tacho auf der Autobahn.

    Nix für ungut, soll keine Anfeindung sein, nehm dir deine Hochbegabung ja ab, dazu braucht man ja nur hier zu lesen, keine Tests – mal abgesehen davon, dass ich auch den Typ, über dessen Link ich hierherkam, als Testimonial gelten lassen würde. ;-)

      • Ja ja, barbarus hic ego sum, quia non intellegor ulli …

        … was ich sagen eigentlich sagen wollte: Hochbegabung wird mit einem gesunden Geist gleichgesetzt, da darf man sich nicht wundern, wenn man auf Unverstaendnis stoesst, wenn man seine mentalen Probleme ausgerechnet mit so nem men(s)sa(na)-Test begruenden will.

        Anne: Na siehste, geht doch auch verstaendlich.
        Melanie: Was Anne sagt.

  8. Ein Kind in meiner Umgebung überspringt mit 7 Jahren gerade eine Klasse – und erlebt am eigenen Leib, wie sie nicht nur von ihren Klassenkameraden „ausgestoßen“ wird – nein, die Eltern dieser Kinder beteiligen sich aktiv an diesem frühkindlichen Mobbing und raten ihren Kindern, mit „der“ nicht zu spielen und ähnliches – so nach dem Motto, shit im Leben soll das Kind so zeitig wie möglich kennen lernen. Ich wünsche ihr, dass sie in der neuen Klasse besser zurechtkommt – einfach schon deswegen, weil sie dort nicht gleich von Anfang an alles besser und schneller kann als die anderen. Doch was wird, wenn irgendwann auch dort dieser Zeitpunkt kommt? – Wenn sie in eine solche Welt hineinwächst, wie ich sie um mich herum erlebe, dann wird sie es schwer haben.
    Ich bewundere deinen Mut, hier manche Kommentare auszuhalten.

  9. Intelligenztests messen leider nur eine Fähigkeit der Probanden – nämlich den Test zu absolvieren.
    Frau Lobo – Sie schreiben, finde ich – einen bemerkenswerten Blog, der Viele anspricht…
    Sie brauchen keinen Test. Vielleicht sind Sie auch nur kein Massenmensch …

  10. Deine zwei Blog Posts zu Hochbegabung haben mir viel mitgegeben. Ich schreibe Dir das nicht, weil ich ein Schleimer bin, sondern wegen Deinem letzten Absatz. Um allen arschigen Tretern zu trotzen und als vielleciht kleine Linderung: Du hast was Gutes gemacht und bewirkt. Es gibt auch Leute, die Dich dafür knuddeln und nicht treten wollen.

    Lange bevor es Blogs gab, lernte ich die Treter kennen. Heute heißt das in der Schule Mobbing. Deine Wut kenne ich aus früheren Tagen. Aber ab jetzt (und jetzt ist immer) geht das Leben vorwärts.

  11. Hochbegabung ist definiert. Wissenschaftlich anerkannte IQ-Tests messen nach bestimmten Kriterien und bei einem Ergebnis ab 130 spricht man von Hochbegabung. Hochbegabung gibt nicht auf alle Fragen eine Antwort und sie ist auch keine Pauschalentschuldigung für alles. Aber sie kann Ansätze finden. Gerade Hochbegabte haben oftmals eine Scheu davor, diesen Test zu machen. Wer den Test machen möchte, gut. Wer ihn nichtmachen möchte, auch gut. Wer sich zumindest mit dem Phänomen auseinandersetzt, Glückwunsch!!!!

  12. Liebe Meike,

    vielen Dank für die beiden Posts Alien Nation und Schwache Echos. Bin vor über einem Monat durch Sascha Lobos FB-Status darauf aufmerksam geworden. Das Lesen war ein Genuss für mich, weil ich Deine Gedanken so gut verstehen konnte und umgekehrt wusste, dass Du mich verstehen würdest. Wo ich doch sonst immer das Gefühl habe, nicht zu verstehen und nicht verstanden zu werden. Auch wenn es keine wirkliche Neuigkeit ist, möchte auch ich Dir nochmal sagen: Du bist nicht allein!

  13. Ein bemerkenswerter blog. Tauche hier zum ersten Mal auf und werde mich mal durchschmökern. Was ich an dieser „Hochbegabten-mit-sozialen-Problemen-Geschichte“ nicht ganz verstehe und um etwas Nachhilfe bitte, ist Folgendes: Viele Hochbegabte thematisieren, dass sie unter ihrer „Andersartigkeit“ leiden. Aus dieser resultiert zunächst einmal – das ist für mich nachvollziehbar – eine gewisse Einsamkeit, da es schwieriger ist, Gleichgesinnte/Gleichgeartete zu finden. Auf der anderen Seite entnehme ich vor allem Malaidoskops Kommentar eine große Unzufriedenheit darüber, dass die meisten anderen Menschen nicht so sind wie man selbst – und da beginnt mein Problem: ist nicht jeder Mensch in gewisser Weise „anders“, einzigartig, und für keinen anderen vollständig ergründbar/verstehbar? Kann man die anderen nicht einfach in Geduld ertragen mitsamt ihrem engeren Horizont? Ich (nicht hochbegabt) erlebe ja auch, dass ich mit verschiedenen Menschen in meinem Umfeld auf verschiedenen Niveaus kommuniziere und dabei z.B. den geringeren Verständnishorizont anderer berücksichtige, was sie mir jedoch nicht weniger liebenswert macht. Kein anderer versteht mich in all meinen Aspekten und ist bereit, sie „mitzuleben“ aber dafür habe habe ich ja verschiedene Gruppierungen bzw. „Baustellen“. Wenn eines meiner Lebensthemen sich für einen anderen nicht erschließt, dann lasse ich es eben, den anderen damit zu behelligen und werde nicht zum „Weltverbesserer/Besserwisser“ – Warum jemandem etwas erklären, was er nicht begreifen kann? Aber genau das ist es, warum manche Leute „allergisch“ auf Hochbegabte reagieren: es impliziert immer „Diskussion unnötig, ich weiß es ohnehin besser“. Ich würde NIE meinen IQ in irgendeiner Kommunikation in die Waagschale werfen! Nun haben ja gerade Hochbegabte das Glück, dass ihre „Behinderung“ (im sozialen Bereich) ja gar nicht offen sichtbar ist im Gegensatz zu anderen offensichtlichen körperlichen Behinderungen, wo mobbing in unserer Gesellschaft leider immer noch der Fall ist – warum also auch noch extra drauf hinweisen?

    • Eine ganze Menge Fragen. Ich versuche mal, der Reihe nach vorzugehen.

      Ich glaube nicht, dass ich andere Menschen „in Geduld ertragen“ muss. Ich glaube überhaupt, dass Menschen viel weniger ertragen müssen, als gemeinhin angenommen. Warum soll ich mich mit Menschen umgeben, die mich nicht verstehen, die unter meinem Gewicht zusammenbrechen, die im besten Fall hilflos lächeln und im schlechtesten Fall mit Verständnislosigkeit und Grobheit auf meine Empfindungen reagieren? Menschen finden sich meist in Grüppchen zusammen, die ähnlich empfinden, denken, handeln. Gleichgesinnte mit einem ähnlichen Weltbild und Wertesystem. Das ist normal, das ist gesund. Ich habe mir im Internet mein Grüppchen zusammengesucht, weil ich es in der „echten“ Welt nicht gefunden habe. In diesem Grüppchen, das ich auch gerne als meine Familie bezeichne, finde ich Verständnis, Ebenbürtigkeit, Halt.
      Ich finde, es ist überhaupt nichts Schlimmes daran, sich einfach von einem Menschenschlag abzuwenden und sich einem anderen zuzuwenden.

      Die Unzufriedenheit über die Anderen ist ja nichts weiter als Ausdruck einer lebenslangen Frustration. Sofern das hochbegabte Kind nicht das Glück hat, in einer Familie mit mehreren hochbegabten Mitgliedern oder mit hochbegabten Freunden großzuwerden, machen die Isolation und Einsamkeit ja selbst vor der eigenen Familie nicht Halt. Können Sie sich vorstellen wie das ist, wenn man sich – selbst noch im Kindesalter – den Eltern oder größeren Geschwistern überlegen fühlt? Kaum mal jemanden um Rat fragen zu können, weil man in der Regel die Dinge, die einem andere raten, schon selber mit allen möglichen Konsequenzen durchdacht und verworfen hat? Ich hätte ziemlich viel dafür getan, mal jemanden zu haben, vor dem ich absolut offen sprechen kann, ohne auf Ablehnung und Unverständnis zu stoßen.
      Der Frust darüber, dass andere nicht so sind wie man selbst, ist nach einem Leben ohne Gleichgesinnte vielleicht einen Hauch stärker ausgeprägt als bei anderen Menschen. Und dabei geht es ja gar nicht mal darum, dass man sich tatsächlich wünscht, die anderen mögen alle so sein wie man selber.

      Das:
      Nun haben ja gerade Hochbegabte das Glück, dass ihre “Behinderung” (im sozialen Bereich) ja gar nicht offen sichtbar ist im Gegensatz zu anderen offensichtlichen körperlichen Behinderungen, wo mobbing in unserer Gesellschaft leider immer noch der Fall ist – warum also auch noch extra drauf hinweisen?
      empfinde ich als ziemlich grob.
      Was Sie hier anraten, ist ein Leben in der Verstellung, ein Leben im Schatten, wenn Sie so wollen. Schweigen, sich anpassen, nur nicht drüber reden. Damit man nicht gemobbt wird, wie Sie sagen. Das ist nichts anderes als Menschen, die ihre Homosexualität verschweigen, um keine Schwierigkeiten zu bekommen.
      Viele Hochbegabte, die ich kenne, haben tatsächlich Probleme im sozialen Bereich, gut sichtbare Probleme, und solange man nicht dazu steht und offen sagt „Hier, so bin ich und das ist der Grund dafür“, wird niemand jemals so etwas wie Verständnis für diese Probleme aufbringen können. Ich finde es sehr wichtig, dass öfter über das Thema gesprochen wird. Damit andere Außerirdische sich ermutigt fühlen, aus dem Schatten herauszutreten oder wenigstens ihre eigene Andersartigkeit im Positiven akzeptieren zu können.

  14. Der erste Schritt – die Selbstdiagnose – ist, das habe ich selber erlebt, unumgänglich, wenn man den Nebel, der einen sein ganzes bisheriges Leben umgeben hat, endlich lichten will. Der letzte Schritt – zumindest meiner – war, die Selbstdiagnose wieder aufzugeben, mir das Etikett wieder abzustreifen. Die ganze Diskussion um Selbstdiagnosen hat mir mehr und mehr das Gefühl gegeben: ich will das nicht. Ich will nicht von Fremden ausdiskutieren lassen, ob ich dazugehören darf, ich will mich auch nicht mehr darum bewerben, dazuzugehören, ich sehe auch keinen Nutzen mehr darin, dazuzugehören.

    Weil die Diskussion, wer dazugehört, ja etwas normierendes hat – und das, wo ich dem Diktat der Normalität doch gerade entkommen wollte. Ich war also vom Regen in die Traufe gekommen. Hinzukam, dass einige vorsichtige Testballons, mich gegenüber Vertrauten zu „outen“, leider weitergemunkelt wurden und dadurch Leuten zugetragen wurden, von denen ich nicht wollte, dass sie davon wissen. Außerdem hatte sich die Anfangseuphorie, endlich die glückselige Insel der „Mit-Aliens“ gefunden zu haben, im ganzen Diskussions-Klein-Klein wieder verflüchtigt.

    Der Widerruf der Selbstdiagnose war wie ein Befreiungsschlag. Ich muss nichts mehr erklären, beweisen und rechtfertigen. Ich muss in keine (Diagnose-)Kriterien mehr passen. Wenn ich irgendwem merkwürdig oder fehlerhaft erscheine, dann nicht mehr, weil ich XXX „habe“, sondern weil ich halt so bin. Regen muss sich schließlich auch nicht rechtfertigen, warum er nass macht. Er ist halt so.

    Das ganze hat auch einen reinigenden Effekt auf das eigene soziale Umfeld. Die Pappenheimer, die sich für den Prototyp des Homo sapiens halten, erahnte man ja schon früher, aber jetzt kann man sie gelassen bis genüsslich sich selbst aus seinem Umfeld aussortieren lassen. Und die, die einen schon immer so gemocht haben, weiß man noch einmal mehr zu schätzen.

  15. Seit Wochen warte ich schon auf einen neuen Beitrag in meinem Feedreader – und der bleibt immer leer.
    Ich habe wirklich und wahrhaftig schon ENTZUGSERSCHEINUNGEN! Mitte August schreibe ich eine längere Geschichte zu einem Thema, was mich Anfang Juni sehr, sehr stark beschäftigt hat. Damit habe ich dann alles verarbeitet.
    Ganz liebe Grüße von Clara

    • Kommt allet! Ich gebe offen zu, dass mich die Reaktionen auf meine letzten beiden Artikel erschreckt und angewidert haben. Ich brauchte wohl einen Moment, um wieder auf die Spur zu kommen. Aber der nächste Artikel ist in der Mache. ;) Danke.

  16. „Intelligenz und Kreativität sind Bereiche hoher Funktionslust. Erwachsene, die sich hier eingeschränkt und blockiert fühlen, reagieren agressiv auf Personen, die sich lustvoll ausleben.“ (Wolfgang Schmidbauer: Kassandras Schleier – Das Drama der hochbegabten Frau)
    Passt doch schön. Und ist gleichzeitig ein Buchtipp.

  17. Upps! :-) Da bin ich doch eigentlich über den Beitrag „Abschied im Zorn“ hierhergelangt und stolpere mal wieder über das Thema Hochbegabung…

    Im Mensa Internet-Test wurde mir auch eine Testung empfohlen – im Mensa Gruppentest bin ich durchgefallen :D
    Gehöre also auch zu den unbewiesenen Hochbegabten ;-)

    Dadurch aber, dass sich die kreativen, unbequemen Andersdenker anziehen, wie die Fusseln und ein Luftballon, findet man sich doch, letztendlich.
    Zum Glück – ich wüsste nicht, wie man das Leben sonst aushalten sollte…

    • Ja, zum Glück. Ich habe, ohne dass ich es vorher wusste oder irgendwie darauf „hingearbeitet“ habe, tatsächliche viele Menschen, die sich im Nachhinein als gesichert hochbegabt herausstellten. Das sagt natürlich nichts über meine eigene HB aus, aber auffällig ist es doch, dass man sich auf Grund diffusen Verstehens zueinander hingezogen fühlt und plötzlich weist sich, dass viele von ihnen positiv getestet sind.
      Ja. Heute schiebe ich zwar nicht mehr alles auf Hochbegabung, aber die Neurodiversen – HB, Hochsensible, Autisten, AD(H)sler – finden sich doch irgendwie.

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