Female Choice: Reaktion

Female Choice: Reaktion

Den heutigen Beitrag möchte ich einem Leser überlassen, der mir als Reaktion zu meinem Buch „Female Choice – Vom Anfang und Ende der männlichen Zivilisation“ eine ganz außergewöhnliche Nachricht geschrieben hat, die mich gefreut und auch sehr beeindruckt hat. Die Veröffentlichung erfolgt anonym, leicht gekürzt und mit Genehmigung des Schreibers.

Ich wollte Dir (von der Seite eines Mannes) sagen, dass ich Dein Buch großartig finde und mir viele Dinge im Leben klarer geworden sind und mir hilft, mein Leben entsprechend anders zu gestalten. […] Ich möchte nur gewissen Realitäten ins Auge sehen und mir nichts vormachen. Female Choice ist heute für einen Mann bereits harte Realität. Ich kann dies nur aus meiner Erfahrung sagen, dass Frauen in meiner Generation (ich bin 25) sehr wählerisch, anspruchsvoll und selbstbewusst geworden sind. Trotz vieler Versuche mich auf angemessene Art einer Frau anzunähern und ich darum kämpfe, ihren Ansprüchen zu genügen, werde ich an einem bestimmten Punkt IMMER zurückgewiesen.

Als hilfsbereiter Studienkollege, netter Typ von nebenan bin ich zwar den Damen sympathisch, aber für mehr reicht es definitiv nicht. Vor einem Jahr habe ich mit intensiven Krafttraining angefangen (bin immer sehr dünn gewesen) und habe erfolgreich 12 Kilo muskulär zugenommen (also nun sportliche Figur). War richtig stolz auf mich und dachte, jetzt würden mir die Frauen nur noch nachlaufen. Aber geändert hat sich nichts. Die Frauen in meinem Umfeld nehmen meine körperliche Veränderung anerkennend wahr, aber ich kann nun mal nicht gewisse Grundlagen ändern. Ich bin meist zu schüchtern, gewiss nicht der Alphamann, eher der Frauenversteher, als der Fraueneroberer und im Sport wurde ich klassischerweise immer als Letzter gewählt. Ich brauche kein Mitleid, da ich weiß, dass ich grundsätzlich als Mensch sehr gute Qualitäten habe und auf der intellektuellen Ebene bin ich bei Frauen sehr gefragt.

Aber Dein Buch hat mir geholfen zu akzeptieren, dass Sex für Männer nicht die Norm ist und dass es einfach Naturgesetze gibt, die einfach da sind und evolutionär auch Sinn ergeben. Das hat in mir erst mal eine innere Ruhe ausgelöst, da ich vorher immer nur am überlegen war, was kann ich noch an mir verbessern und wie kann ich ggf. einer Frau auf andere Art und Weise gefallen. Dieser Druck ist nun seit letzter Woche geringer geworden, da ich allmählich akzeptiere, dass Mann im Leben nicht alles haben kann (wie es auch bereits in vielen anderen Lebensbereichen der Fall ist) und wenn, will ich auch wirklich von einer Frau erwählt werden und sie zu nichts zwingen oder bedrängen.

Erst mal ein ganz großes Sorry, dass ich Dich so zutexte, aber für einen Mann gibt es hier noch keine Community, in der man solche Gedanken frei äußern kann. Entweder ist man schon ein durchgeknallter Incel und Totalversager als Mann oder die Leute werden dann ganz mitleidsvoll und wollen einen ermuntern, nicht aufzugeben. Ich komme immer mehr für mich zu dem Schluss, mich lieber auf andere Dinge im Leben zu fokussieren und meine Energie hinein zu stecken […], anstatt sich an unerreichbaren Dingen abzukämpfen und immer nur wieder zurückgewiesen zu werden. Zum anderen möchte ich auch bestehende Freundschaften mit Frauen, die ich als sehr wertvoll erachte, auf Dauer durch meinen Frust wegen unerfüllten Sex nicht gefährden.

Wo ich mir jetzt genug Mut angeschrieben habe, komme ich zum letzten Punkt: Ja, ich bin ein Mann, der zwar nicht zum Zuge kommt und noch keinen Sex mit einer Frau hatte, aber der trotzdem einen sehr starken Drang nach sexueller Befriedigung hat. Deine Lösungsansätze im Buch fand ich sehr spannend und erfrischend pragmatisch. Nur Pornografie und Sex-Dolls werden mir aber nicht reichen. Der Gedanke zu einer Frau zu gehen, der ich Geld zahle, um mit mir zu schlafen, hat mich aus zwei Gründen bislang abgeschreckt: Zum einen hätte ich es bisher als Eingeständnis gewertet, dass ich ein totaler Versager bin und bei Frauen nicht ankomme und zweitens könnte ich damit seelisch nicht umgehen, wenn ich das Gefühl hätte, ich würde eine andere Person nur zur Befriedigung meiner Bedürfnisse ausbeuten und ihr schaden. Nach Deinem Buch sehe ich es jetzt etwas differenzierter und überlege nun tatsächlich (nach der Pandemie) mich einmal nach einer Frau, die diesen Job freiwillig und selbstbestimmt ausübt, umzusehen. Leider weiß ich nicht, wo ich sichergehen kann, dass eine Frau diesem Beruf wirklich selbstbestimmt nachgeht. Aber schon allein der Gedanke daran, einmal real Sex mit einer Frau haben zu dürfen, stimmt mich sehr glücklich. Daher DANKE für Dein Buch und die erhellenden Thesen und Fakten. […] Ich bin froh, dass ich diese Gedanken an einer Stelle einmal abladen konnte, wo ich das Gefühl habe, dass diese (zumindest einigermaßen) verstanden werden.

Alles an dieser Nachricht hat Respekt verdient und ich wünsche mir diese Art der Offenheit mit sich selbst von allen Lesenden. Hämische Kommentare werde ich nicht freischalten.

12 Kommentare

  1. Wenn ich über das Buch nachdenke, bin ich mir nicht sicher, ob „Nur 20% der Männer pflanzen sich fort“ das gleiche bedeutet wie „Nur 20% der Männer haben Sex“. Wir haben den Jägern und Sammlern Verhütung voraus. „Ich will mich mit diesem Mann fortpflanzen“ kann getrennt werden von „Ich möchte mit diesem Mann Sex“. Ich vermute die zweite Gruppe ist größer.

    Das ist kein mitleidiges „Nicht aufgeben“, nur ein hier halb unpassendes Grübeln, ob Female Choice wieder zu dem extremen 20/80-Verhältnis führen würde.

    • Ohne den Fortpflanzungstrieb gäbe es ja keinen Sexualtrieb, weshalb ich glaube, dass diese Unterscheidung eine ganz kulturelle ist. Ich sage ja nicht „Oh, mit diesem Mann möchte ich ein Kind“ und schreite dann ganz zielgerichtet zum Geschlechtsverkehr. Sondern das Begehren ist zuerst da – ich will Sex mit jemandem. Ob dabei am Ende Nachwuchs herauskommt, ist für den Sextrieb unerheblich. Ist schwierig, das in Worte zu fassen, aber wenn ich begehre, spielt dabei immer der Fortpflanzungsinstinkt im Hintergrund mit, ohne dass ich mich jetzt bewusst ausdrücklich dafür entscheide, mit einem Mann ein Kind zu zeugen. Ohne die sexuelle Fortpflanzung gäbe es sexuelles Begehren gar nicht.

  2. Nachdem ich das Buch nun auch gelesen habe, sehe ich einige Probleme, die mit einer Einzigart des Menschen zu tun hat.

    Im ersten Stadium hatte der Mensch Hilfsmittel (Waffen) auf Armlänge. Das heißt der Stärkere setzt sich durch. Dann gab es erste Fernkampfwaffen. Dabei setzte sich derjenige durch, der die besten Waffen ersann. Aber heute würde sich der skrupelloseste durchsetzen. Nämlich derjenige der bereit ist die vorhandenen Waffen einzusetzen. Das kann aber sehr wohl der dümmste und einer der schwächsten sein. Somit kann man den Menschen mit den heutigen Mitteln nicht mehr mit dem Tierreich vergleichen.

    Das heißt, das der Punkt der Triebbefriedigung sehr hohen Stellenwert haben muss. Dies widerspricht aber vielen Thesen des Feminismus. Wie man dabei auf einen gemeinsamen Nenner kommen will ohne im Chaos zu versinken, ist mir nicht klar und wird im Buch auch nicht beantwortet.

  3. Lieber anonymer Leser,
    danke für Deinen Text. Mir ging es ganz genauso wie Dir, bis ich mit 26 das erste Mal Sex hatte, mit einer tollen Frau, mit der ich letzten Endes 15 Jahre zusammen war. Genau die gleichen Gedanken, genau die gleichen Gefühle damals. Zum Glück hat mir ein Arzt Viagra verschrieben, das war echt wichtig, damit es irgendwann auch mal wirklich gut funktioniert hat. Danach ging es sehr gut ohne Potenzmittel. Ich habe mich gefragt, ob ich das Buch „Female Choice“ lesen soll oder nicht, Dein Text könnte mich dazu ermuntern. Aber: In den letzten Monaten habe ich mich viel mit der Liebe meines Lebens unterhalten (eine andere Frau als meine Ex-Partnerin, wir haben uns leider nicht ein einziges Mal geküsst), die ich immer für eine emanzipierte Frau gehalten hatte. Was kam dabei raus? Sie hat jahrelang nur mit Männern geschlafen, die dominant waren. Geliebt hat sie mich und sie tut es immer noch. Bei mir hatte sie immer den Eindruck, dass ich keinen Sex mit ihr haben wollte. Ich war nicht dominant genug. Sehr traurige Erkenntnis. Und nach ihren Worten geht und ging es vielen Frauen so: dominante männliche Vorbilder in der Kindheit und Jugend erlebt, also reagieren sie auch eher auf diesen Typ Mann. Die Persönlichkeit der Frauen sei so „verformt“ worden. Die Liebe meines Lebens wünscht sich mehr sensible und empathische Männer wie mich (und vermutlich auch Dich), aber geheiratet hat sie einen anderen Mann, der sie inzwischen mit einer anderen Frau betrügt, und der sie seit Jahren nicht mehr berührt. Zum Dank hat sie ihm zwei Töchter geschenkt. Jetzt darf ich sie nicht mal besuchen, weil sie Angst hat, dass ihre Familie kaputt geht. Als ich ihr gesagt habe, dass ich bereue, damals nicht Sex mit einer Prostituierten ausprobiert zu haben, hat sie mit mir diskutiert, dass Prostitution und Männer, die das ausnutzen, doch scheiße sind. Ich bin mir ziemlich sicher, dass es mit ihr damals geklappt hätte, wenn ich durch Sex mit einer Prostituierten etwas mehr Sicherheit im Umgang mit Sex gefunden hätte. Deshalb möchte ich Dich in dieser Idee unterstützen, das auszuprobieren, unter den Bedingungen, die Du oben nennst. Ich glaube, man sollte Prostitution auch unter diesem Aspekt sehen und diskutieren: „schüchternen“ oder „sensiblen“ Männern erste Erfahrungen und Sicherheit mit Sexualität geben.

  4. Ach so, bevor ich es wieder vergesse: Ich war und bin ziemlich schlecht im Lesen der nonverbalen Zeichen (Körperhaltungen, Verhaltensweisen u.ä.). Angeblich hätten mich damals manche Frauen „mit den Augen verschlungen“, und ich „Idiot“ habe es nicht bemerkt. Falls Du mal Gelegenheit haben solltest, Dich mit einer oder mehreren Frauen über diese Zeichen und das Lesen dieser Zeichen zu unterhalten, könnte Dir das möglicherweise weiterhelfen. (Falls Du das nicht längst getan hast.)

    • Die nonverbale Kommunikation halte ich für einen ganz wesentlichen Faktor der Problematik. Nicht nur das Lesen von nonverbalen Zeichen und Signalen, sondern auch das bewusste und unbewusste Aussenden davon. Schließlich ist Sexualität ja nicht nur Fortpflanzungstrieb und Bedürfnisbefriedigung, sondern tiefgehende direkte körperliche Interaktion. Sozusagen der Gipfel nonverbaler Kommunikation.

      Auch ich war in meinen jungen Jahren schüchtern, introvertiert, scheigsam und zurückhaltend, manche nannten es sogar verschlossen. Trotzdem gab es immer wieder Frauen, die sich für mich interessierten, woraus sich oft auch Gelegenheiten zum Sex ergaben. Nach dem alten Modell, bei dem die Männer Frauen erobern müssen, hätte ich keine Chance gehabt.

      Der Unterschied zu den Problemen heutiger Jungs und Männer liegt zum einen in der Zeit und ihrem Geist (bei mir waren es die 70er und frühen 80er) , aber auch darin, dass ich nie Probleme mit nonverbaler Kommunikation hatte, eher mit der verbalen.

      Betrachte ich die Veränderungen der Vorstellungen von damals zu heute, so bemerke ich eine starke Tendenz zur „Entkörperlichung“, die mit einer steigenden Unfähigkeit zur nichtverbalen Kommunikation einhergeht. Digitalisierung ist ein Teil davon, aber nicht alles. Man redet nicht mehr miteinander von Angesicht zu Angesicht, sogar kaum noch per Telefon, man schreibt sich. Dabei gehen natürlich die nichtverbalen Ausdrucksmöglichkeiten verloren.

      Verloren geht auch das Analoge, das Kontinuierliche, als Gegensatz zum digitalen „Alles oder Nichts“. Zu unserer Zeit war der Weg zum Sex eine kontinuierliche Annäherung mit vielen kleinen gegenseitigen Schritten, vom ersten Lächeln über Umarmungen, Kuscheln, Küssen usw, bis es dann möglicherweise zum Sex kam. Wenn es nicht so weit kam, war es immerhin noch eine tiefe Freundschaft, die auch ein bisschen zum Glück verhilft.

      Jetzt grassiert die „Friendzone“ als unbedingt zu vermeidende Schreckensvorstellung, einmal Freundschaft – niemals Sex. „Ich kam, sah , sprach sie an und hatte Sex“ ist heute die Idealvorstellung. Kein Wunder, dass das nur selten funktioniert. Der Wille zum Sex, angefeuert durch Pornos, ist da, aber ein Weg dahin ist für Viele nicht zu finden. Der Sex ist wie ein Leuchtturm, aber rundherum tiefe Gräben und stürmische See.

  5. Liebe Männer,
    habt Mut, aktiv zu werben, probiert Euch aus im lustvollen und kämpferischen Balztanz, lasst Euch etwas einfallen, seid humor- und phantasievoll und spielt bitte nicht den „lieben Daddy, der alles richtig macht“, denn auch Ihr seid schön, seid begehrenswert, einzigartig, geistreich oder was auch immer. Lernt vom Tierreich (danke Frau Meike!) oder von den Peulh, den Nomanden in Westafrika. Da werben die Männer, tanzen und schmücken sich mit Freude…und beherrschen eine wahre Kunst der Verführung. Besitztümer sind ihnen relativ egal, Ästhetik aber umso wichtiger, auch Blickkontakt, Bewegung, Geruch…
    Ich kenne Männer (besonders solche, in längeren Beziehungen) die wie klein Söhnchen auf die Frau wie auf eine Mami warten, auf dass sie wenigstens einmal pro Woche ihre sexuellen Bedürfnisse befriedige.. , und dann beleidigt schmollen, wenn da nichts kommt, weil die Frau diese Pflichtübung ablehnt. Eine fatale Umkehrung der Natur! Die Frau, liebe Männer, hat keinen Lichtschalter zwischen den Beinen, der da mal einfach so funktioniert, wenn man ihn nur richtig bedient. Sie braucht mehr, braucht Schwingung, Verzauberung und Verführung. Sie will umworben und nicht nur einfach gut versorgt werden. Sie will von Euch hören, warum ihr sie so sehr begehrt. Sex findet im Kopf statt. Wenn ihr also eine Erotik-Lehrerin sucht, liebe jungfräuliche Männer, dann bitte keine, die Euch gut bedient, sondern eine, die Euch zu kreativer und lustvoller Eigeninitiativen (inkl. Romantik) anspornt und Euer Selbstbewusstsein stärkt.

  6. habe in Australien sofort die eBook Fassung bestellt / must read this / Klett Cotta hat ja sehr gut und professionell die Vermarktung begonnen und das wird wohl nach Verena Pausder nder neue HIT / well done and my congrats from the Gold Coast in Queensland Australia

  7. Ich habe ähnliche Erfahrungen wie der hier thematisierte Leser, ich habe lang genug nicht verstanden warum. Ich habe immer vieles gelesen, und es für übertrieben gehalten, aber ihr Buch gibt den Thesen und gefühlten Wahrheiten Brief und Siegel, und diese Gewissheit ist eine Erleichterung mit einigen Auswirkungen, für die ich ihnen danken muss. Ich habe immer die Hoffnung gehabt, meine psychischen Probleme würden sich lösen, und dann würde sich auch mein Leben verbessern, ich habe nie daran gedacht minderwertig zu sein, auch wenn das das Gefühl ist, das sich breit gemacht hat (dass Depressionen nur ein weiterer Grund für Zurückweisungen sind, muss ich sicherlich nicht erwähnen).
    Doch nun habe ich die Gewissheit der genetischen Minderwertigkeit und die Gewissheit, dass sich für mich nie eine Verbesserung einstellen wird. Jede Illusion von späterem Glück und einem besseren Leben in einer guten Familie, und der Wiedergutmachung elterlicher Fehler wurden zerschlagen, und damit haben sie mich von zwei destruktiven Dingen befreit, nämlich der Hoffnung einerseits, und folglich andererseits vom Hamsterrad. Die Erlösung von diesen Illusionen hat mir die Kraft gegeben, mein Leben neu zu evaluieren, und die Möglichkeit, die Welt von meiner Minderwertigkeit und mich selbst vom ewigen Leid zu befreien, zu einer realen Option werden lassen. Und diese Option ist nun ein unausweichlicher, heilbringender, sowie positiv besetzter Ausweg geworden zu dem ich nur noch genug Kraft finden muss, aber das Verlangen nach dem Ende steigt konstant und das ist gut.
    Ihr Buch hat mich erlöst, ich danke ihnen dafür. Minus mal Minus gibt immer noch Plus.

  8. Liebe Meike,

    die Botschaft Ihres Buches weist meines Erachtens sachliche Ungenauigkeiten auf, dazu quälen mich die vielen Widersprüche.

    Zunächst ist Ihre Forderung nach einer „WahlFREIHEIT“ von Frauen bzgl. Sex und Fortpflanzung, im Gegensatz zu „Wahl“, berechtigt und immer noch aktuell, leider. Der Schutz dieser Freiheit muss gewährleistet sein. Im gleichen Maße gilt das für Männer.

    Das Prinzip weibliche WAHL jedoch bildet evolutionär umso größere Unterschiede der Geschlechter heraus, u.a. höhere Aggression, Konkurrenz und Dominanz bei Männchen, je begrenzter die Paarungsmöglichkeit für die Männchen ausfällt. Sowohl Primaten wie auch den ursprünglichen menschlichen Gemeinschaften, liegt ein hochdifferenziertes Spektrum des Paarungsverhaltens auf der Skala zwischen Tournament- und Mate-Prinzip zugrunde. Die Darstellung dieser Komplexität habe ich bei Robert Sapolsky und anderen deutlich präziser gesehen. Dazu kommt, dass das Ausklammern von Psychologie und Kultur keine brauchbare Bestandsaufnahme für die Ausrichtung jeglichen menschlichen Tuns abliefern kann.

    Mir ist nicht ganz klar, wie Sie sich eine Gesellschaft vorstellen, in der die kulturelle und biologische sexuelle Identität der Menschen entgegengesetzte Ziele verfolgt. So sind die gewünschte Auflösung der Geschlechteridentitäten nicht mit einem geschlechtsbasierten Prinzip, wie immer gartet, nicht zu vereinbaren. Sie benutzen ausserdem eine nach traditioneller Geschlechtertrennung sortierten Zuordnung von Begriffen, wie „aggressiv“ und „neugierig“, die nicht allein semantisch sinnlos ist, sondern auch Wertung transportiert.

    Ob nun in Siedlungen zusammengepfercht, sterilisiert oder als Emryonen geschreddert, dem Mann steht die Aufgabe an, sich, wie es Frauen inzwischen sehr gut (im Äusseren) geleistet haben, nämlich ebenso zu emanzipieren, und Männlichkeit für sich neu zu definieren. Denn unter der patriarchischen Tradition leiden alle Menschen wie die Hunde. Das bedeutet für Männer vorallem, emotional unabhängiger von Frauen zu werden. Dabei ist Ihr Buch sicher ein Impuls.

    Ich wünsche mir, dass wir es schaffen, eine Gesellschaftsform zu finden, die es so vielen Menschen wie möglich erlaubt, wunderbarste sexuelle Befriedigung zu finden, wie und so oft und mit wem sie möchten.

    Einen besten Gruß, Gerd

  9. Vielen Dank für das Buch. Sie sprechen mir aus der Seele. Mir geht es wie dem Mann in dem Kommentar oben. Zig Jahre, ja Jahrzehnte investierte ich viel Kraft und Zeit dafür, zu ergründen, warum eine Frau mit mir niemals mehr als Freundschaft wollte und Aktivitäten zur Steigerung meiner Chancen wie Krafttraining, Zähne bleichen und begradigen lassen, neu einkleiden usw. Dank ihrem Buch ist mir jetzt bekannt, dass es schlicht nicht vorgesehen ist, dass jeder Mann eine Familie gründen können wird. Das war mir vorher nie bewusst. Ich und alle anderen in meinen Freundes- und Kollegenkreis gingen davon aus, früher oder später wird es bei jedem so weit sein. Durch das Buch haben sie viel Last von mir genommen.

  10. Liebe Frau Meike Stoverock,
    durch eine Buchbesprechung in einer Wochenzeitung bin ich auf Ihr Buch gestoßen. Nachdem ich anfing es zu lesen konnte ich es nicht mehr aus der Hand legen. Ich (61) seit 35 Jahren verheiratet, seit 3 Jahren unter depressiven Zuständen leidend habe mich auf so vielen Seiten
    „wiedergefunden“. Bzw. mir ist jetzt klar, welche kulturell geprägten bzw. evolutionär bedingten Muster dahinter stehen – beim Mann als auch bei der Frau. Wir Frauen leiden darunter das nicht ausleben zu können, was unsere natürlichen Wurzeln sind. Gedeckt wird das Ganze von der Erwartung, dass eine Ehe ohne Kompromisse nicht möglich wäre. Seit Ihrem Buch bin ich der Meinung, dass wir uns mit der Monogamie selbst belügen… Wir werden wahrhaft Großes tun müssen um das Geschlechterverhältnis in Zukunft auf eine befriedigendere Ebene zu stellen. Fangen wir bei unseren Söhnen an. Danke !

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