Skarabäus Lampe: Ein neuer Detektiv ist in der Stadt

Skarabäus Lampe: Ein neuer Detektiv ist in der Stadt

Manchmal gibt es Zufälle, die so verrückt, absurd und absolut zufällig sind, dass es sich anfühlt, als hätten sich irgendwelche metaphysischen Kräfte soeben die Hände gegeben. Zufälle, die Entwicklungen anstoßen, die sich ohne sie niemals zugetragen hätten. Zufälle, bei denen man das Gefühl hat, folgen zu müssen, weil sie einen Plan zu haben scheinen. Ein solcher Zufall führte dazu, dass die Welt nun um einen Meisterdetektiv reicher und mein Leben als Autorin einen Schritt weiter ist.

(Disclaimer: In diesem Artikel erwähne ich ein Spiel und die Firma, die es produziert hat, und vermutlich muss ich den Artikel deshalb als Werbung kennzeichnen, aber ich schwöre, dass sich alles genau so zugetragen hat.

Pearl in Gefahr

Vor ein paar Jahren, es muss so 2017 oder 2018 gewesen sein, hatte ich eine Phase, in der es mir nicht gut ging. Ich fühlte mich konstant belastet und erschöpft und ich flüchtete mich viel in Tablet-Spiele, um abends genug Ruhe zum Schlafen zu finden. Eines dieser Spiele hieß “Pearl’s peril” von der Berliner Firma Wooga. Es war ein wunderschön gezeichnetes Wimmelbildspiel mit wunderschön beruhigender Musik und einer wunderschön durchdachten Story.

Wer es nicht weiß: Wimmelbildspiele sind Spiele, in denen man in “unaufgeräumten” Szenenbildern nach bestimmten Gegenständen von einer Liste suchen muss. Ich liebe dieses Genre bis heute, weil es erlaubt, die Konzentration ganz auf etwas zu bündeln, das im besten Fall auch noch echtes eye candy ist. Es ist ein sehr positives, harmloses Spielegenre und das war genau das, was ich damals brauchte.

Und eines Tages passierte ein Wunder, anders kann ich das nicht sagen.
In der Liste der in der wunderschön gezeichneten Szene von Pearl’s Peril zu findenden Gegenstände standen die zwei Begriffe ‘Skarabäus’ und ‘Lampe’ direkt nebeneinander und als ich sie da so nebeneinander stehen sah, tat es in meinem Gehirn einen Blitz.

Eine Idee wird zum Glücksort

Ich las die Wörter und was dann passierte, kann ich nur als Magie bezeichnen. Ich wusste, dass Skarabäus Lampe ein Name ist und ich wusste, dass er ein Meisterdetektiv ist. Ich spielte das Spiel zu dem Zeitpunkt schon eine ganze Weile und niemals vorher ist mir so etwas passiert. Sobald die Wörter vor meinen Augen auftauchten, ergänzte mein Gehirn in rasender Geschwindigkeit die ganze zu den Wörtern – dem Namen – gehörige Welt. Die Idee erschuf sich selbst, ich konnte nur zuschauen und mir Notizen machen für den Tag, an dem mir die Fertigstellung von “Female Choice” endlich erlauben würde, mich dieser Idee zu widmen.

Von da an hielt ich bewusst Ausschau nach weiteren magischen Wortkombinationen in dem Spiel und wann immer ich eine fand, die sofort ein Bild in meinem Kopf entstehen ließ, notierte ich sie. Die Liste wurde länger und länger und mich mit ihr und den daran hängenden Geistesblitzen zu beschäftigen, wurde zu meinem inneren Glücksort. Die Arbeit an “Female Choice” war kräftezehrend, erschlagend und oft mutlos machend, meine Beziehung kriselte damals bereits heftig. Ich brauchte diesen Glücksort.

Wenn ich abends auf das Einschlafen wartete, dachte ich an Skarabäus Lampe. Wer er ist, wie er ist, was er erlebt, worüber er lacht, wen er liebt. Pearl’s Peril war dabei nur eine Art Kristallisationskeim, die ersten Begriffe, Namen und Phänomene sammelte ich von dort, doch je länger ich mich gedanklich in der Welt von Skarabäus Lampe aufhielt, desto vertrauter wurde sie mir und die Bezeichnungen kamen immer öfter aus mir selbst heraus, ganz ohne Spiel.

Reise nach Überstadt

Das Frühjahr 2021 kam, “Female Choice” erschien und nachdem die Welle der medialen Aufmerksamkeit über mich hinweggerollt war, blieb ich als schlaffer Ballon zurück. Ich hatte alle Energie in das Buch gesteckt und jetzt absolut nichts mehr übrig. Im Jahr 2020 hatte außerdem meine Beziehung geendet und ich hatte den Dezember mit einem Umzug in eine kleinere Wohnung verbracht, die sehr nackt war, weil mir der Corona-Lockdown mit einer Schließung aller Baumärkte dazwischengrätschte. Ich war völlig am Ende.

Da fiel mir mein Glücksort ein un dass ich jetzt die Zeit haben würde, dort alle Zeit der Welt zu verbringen. Nicht nur in meinem Kopf, sondern in meinem Computer, meinem Textverarbeitungssystem. Ich begann zu schreiben. Ich füllte den Namen Skarabäus Lampe mit Leben, ich malte aus, was bis dahin nur als Umrisse in meinem Kopf existiert hatte. Die Arbeit kostete mich nicht Kraft, sie gab mir welche. Endlich die Welt meines Meisterdetektivs zu beschreiben, war wie Urlaub. Die Ideen sprudelten und sprudelten, Kapitel um Kapitel schrieb sich wie von selbst.
Und als mir der Verlag Klett-Cotta Hobbit Presse ein Angebot machte, das ich nicht ablehnen konnte, habe ich nicht abgelehnt.

Wer gerne schmunzeln, mitfiebern, mit den Augen rollen, lachen, sich ärgern, fühlen oder einfach im Angesicht der Gräuel dieser Welt für einen Moment irgendwo sein möchte, wo Probleme erträglich sind, der wird in Skarabäus Lampe, seinem Partner und Ziehsohn Zacharias Bärlein, seinem ehemaligen Kindermädchen Helene Pick und den vielen anderen absonderlichen Persönlichkeiten von Überstadt gewiss Verbündete finden.

Das Buch ist ab sofort mit Leseprobe bei Klett-Cotta vorbestellbar.

Der Illustrator Max Meinzold aus München hat ein wundervolles Cover geschaffen, das Skarabäus Lampe so zeigte, wie ich ihn in all den Jahren gefühlt hatte. Autor und Illustrator Thilo Corzilius steuerte einen Stadtplan von Überstadt bei, der vorne im Buch stehen wird. Stephan Askani, Programmleiter von der Hobbit Presse, half mir, mein Stil zu verbessern. Die unermüdliche Arbeit aller beteiligten Personen hat mich so ermutigt, so glücklich gemacht und mir gezeigt, dass man Zufälle auch einfach mal als Zeichen deuten darf, ohne sich im Religiösen oder Esoterischen wiederzufinden.

Danke Euch allen.

Und danke an Skarabäus Lampe, der sich so bereitwillig hat finden und mit Leben füllen lassen. Der mir Freund und Gefährte wurde. Der mir aufhalf, als ich jemanden brauchte, der mir aufhilft.

(Dieser Blogartikel entstand unter dem Einfluss von zwei Gläschen Prosecco und mit feuchten Augen, weil ich so unerträglich glücklich bin.)

2 Kommentare

  1. Herzlichen Glückwunsch zum Buch! Ich hoffe, es verkauft sich gut. Schreiben wollen wir ja alle mal was, aber den wenigsten gelingt es und einen Verlag finden – das ist wie nach Sternen greifen. Ich habe im Selfpublishing bei Amazon veröffentlicht und ganze drei Bücher verkauft.
    Alles Gute!

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