Das innere Kind und die Suche nach der großen Liebe

Das innere Kind und die Suche nach der großen Liebe

Psychische Erkrankungen sind, ja, man kann das so sagen, auf dem Vormarsch. Sowohl in Bezug auf das wachsende öffentliche Bewusstsein als auch auf die mediale Berichterstattung und Aufklärung und die tatsächlichen Fallzahlen, die in den westlichen Ländern rasant ansteigen. Das ist eine wunderbare Entwicklung, endlich richten die Wohlstandsländer den Blick nicht nur auf den Kontostand der Bürgerinnen und Bürger, sondern auch auf deren mentale und emotionale Verfassung. Der Weg bis zu einer vollständigen Entstigmatisierung und flächendeckenden Hilfsangeboten ist noch weit, aber der erste Schritt ist getan: anzuerkennen, dass die Psyche so aus dem Gleichgewicht geraten kann, dass der Mensch aufhört zu funktionieren. Wer mir in den Sozialen Medien schon länger folgt, weiß, dass mir genau das ab dem Frühjahr 2018 passiert ist. Damals begann eine Großkrise, die größte meines bisherigen Lebens, die zu einer medikamentösen Behandlung und einer zweijährigen Therapie führte. Doch um diese Krise soll es hier nur am Rande gehen, vielmehr möchte ich über etwas schreiben, das ich in den dicht bewachsenen Uferbereichen meiner Krise kennengelernt habe, das jeder Mensch hat und das das Verhalten von Erwachsenen mindestens genauso stark beeinflusst wie eine Großkrise, nur eben subtiler. Es ist das innere Kind. Alles, was ich jetzt schreibe, ist kein psychologischer Fachbericht, sondern sind persönliche Erkenntnisse, die ich in vielen intensiven und anstrengenden Sitzungen mit meiner wunderbaren Therapeutin gelernt habe. Die psychologischen Beschreibungen mögen daher nicht hundertpronzentig akkurat sein. Trotzdem glaube ich, dass sich in diesen ganz persönlichen und subjektiven Erfahrungen Erkenntnisse stecken, die weit mehr Menschen betreffen.

Das Innere Kind aus Laiensicht

Das innere Kind ist salopp formuliert der kindliche Anteil in unserem Gehirn. Die Summe der Erfahrungen und Lernprozesse, die wir im Kindesalter durchgemacht haben. Dass traumatische Ereignisse wie Misshandlung, Vernachlässigung oder Missbrauch tiefe Spuren im kindlichen Gehirn – die Epigenetik sagt sogar in der DNA – hinterlassen, ist allgemein bekannt. Das Kind entwickelt in dieser extremen Situation Überlebensstrategien, die es emotional schützen. Doch auch weit harmlosere und unauffälligere Erfahrungen im familiären Umfeld beeinflussen, wie das Kind sich und seine Position im familiären Gefüge wahrnimmt. Denn um ein emotionales Defizit zu empfinden oder eine irrationele kindliche Angst, muss man nicht vernachlässigt oder geschlagen werden. Die Strategien, die kleine Kinder entwickeln, sind vielfältig und unter anderem von angeborenen Persönlichkeitsdispositionen abhängig. Bei manchen entwickelt das Kind Schuldgefühle und versucht ständig, diese Schuld wieder gut zu machen, andere übertreten ihre eigenen Grenzen, um das emotionale Defizit auszugleichen, wieder andere werden aggressiv, weil sie etwas nicht bekommen, was ihr kindliches Ich dringend braucht, und wieder andere spalten die kindlichen Bedürfnisse einfach komplett von ihrer Persönlichkeit ab.

Diese kindlichen Prägungen werden in den stammhirnnahen Regionen abgespeichert, weil die äußeren – erwachsenen – Hirnregionen zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht existieren. Ein Menschensäugling kommt lediglich mit 30% des Gehirnvolumens eines Erwachsenen zur Welt und die Entwicklung dauert entsprechend lange. Sie ist erst in der Pubertät abgeschlossen, will sagen: alle funktionalen Bereiche sind dann vorhanden. Bei einem Kleinst- und Kleinkind ist das noch nicht der Fall, weshalb alles, was dem Baby widerfährt, woanders abgespeichert wird als etwas, das wir erst im Erwachsenenalter erleben. Das innere Kind lebt in unserem Gehirn gewissermaßen in einem anderen Zimmer als die erwachsene Person, die wir sind. Das Kinderzimmer enthält Neugier und naive Freude, aber auch Ängste, Trotz und Wutanfälle. Eben all die Reaktionen, zu denen kleine Kinder, die noch keine Vernunft haben, in der Lage sind. Erst mit fortschreitender Entwicklung bilden sich die Nervenverbindungen, die uns ermöglichen, in Konfliktsituationen anders zu reagieren als uns auf den Boden zu werfen und schreiend mit Armen und Beinen zu strampeln. Wir lernen, dass keine Gefahr für Leib und Leben besteht, weil eine liebe Person kurz den Raum verlässt. Unterbleibt dieser Reifungsprozess – etwa, weil niemals eine Aufarbeitung stattgefunden hat -, übernimmt das innere Kind auch im Erwachsenalter regelmäßig die Kontrolle und die erwachsene Person erscheint uns unreif und verhaltensauffällig.

Das innere Kind und die Liebe

Wir alle tragen also einen kindlichen Persönlichkeitsanteil, der durch Ereignisse geformt wurde, die er noch nicht verstehen konnte. Dieser Anteil hat Angst, verlassen zu werden, und sehnt sich nach einer Liebe, die er subjektiv nie bekommen hat. Und er hat Strategien entwickelt, die ihm helfen, mit diesen schlimmen Gefühlen fertig zu werden. Er übernimmt zwanghaft Verantwortung für andere, geht ständig über seine eigenen Grenzen, macht sich emotional abhängig von anderen, verdrängt seine eigenen Gefühle oder versucht immer, die Kontrolle zu behalten.

Jetzt leben wir in einer Zivilisation, die diese emotionalen Bedürfnisse nie zugelassen hat. Die alles Emotionale komplett aus der öffentlichen Sphäre verbannt hat. Die die Menschen zwingt, alles Schwache, Ängstliche, Verletzliche und Irrationale von unserer öffentlichen Person abzuspalten und diese unerfüllten kindlichen Bedürfnisse zu negieren, zu ignorieren und auszuhalten. Es bleibt unserem inneren Kind also nichts übrig, als seine Sehnsucht auf das zu richten, was bleibt: der Privatbereich. Familie. Liebe. Sex. Freundschaften. Wir suchen Frieden für unser inneres Kind in dem einzigen Bereich, den die Zivilisation ihm zugesteht, den intimen Bindungen. Unser inneres Kind und seine emotionalen Defizite beeinflussen alles, was damit zu tun hat. Wir hoffen, wenn wir den richtigen Menschen finden, dann bekommt das Kind in uns endlich, was es braucht. Geborgenheit, bedingungslose Liebe und so viel Sicherheit, dass es keine Angst mehr haben muss. Das wirkt sich sowohl bei der Wahl dieses Menschen aus als auch bei dem Leben, das wir anschließend mit ihm führen. Es ist deshalb kein Zufall, dass wir oft an den gleichen Typus Mensch geraten oder dass wir in unterschiedlichen Beziehungen immer wieder auf die gleichen Probleme stoßen. Denn das ist der entscheidende Faktor: das Kind suggeriert uns, unser Glück sei von einer anderen Person abhängig. Für das Kind stimmt diese Gleichung, weil es die emotionale und physiologische Versorgung durch andere braucht. Es kann sie sich nicht selbst geben. Und weil wir nicht wissen, dass das Kind existiert, oder selbst wenn, aus eigener Kraft kaum mit ihm kommunizieren können, übernehmen wir die Gleichung.

Der Richtige muss kommen. Die Richtige muss kommen. Wenn ich eine eigene Familie gründe, wird der Tumult in mir, den die Scheidung meiner Eltern hinterlassen hat, endlich aufhören. Dann werde ich endlich Ruhe finden und keine Angst mehr haben. Das ist aber nicht unser erwachsenes Ich, das da Angst hat und in ständigem emotionalen Stress lebt, sondern ein Kleinkind, das Verhalten der Eltern aus seiner unterentwickelten Sicht interpretiert hat und jetzt isoliert in seinem Kinderzimmer in unserem Gehirn lebt. Für ein Kind stimmt die Rechnung, für eine erwachsene Person nicht. Sie externalisiert ihre Bedürfnisbefriedigung, indem sie äußere Umstände und Menschen sucht, die ihr Ruhe geben. Aber wie es einmal eine Therapeutin gesagt hat: jeder von uns nimmt sich selbst mit in die nächste Beziehung. Genau das ist der Grund, weshalb viele Menschen in Beziehungen mit unterschiedlichen Partnern und Partnerinnen immer wieder auf die gleichen Probleme stoßen. Ich habe Menschen kennengelernt, die die emotionalen Bedürfnisse in sich so weit abgespalten und verdrängt haben, dass sie nicht therapierbar waren. Aber keine einzige, die diese Bedürfnisse, dieses innere Kind, nicht hatte und in ihren intimen Beziehungen nicht maßgeblich von ihnen beeinflusst waren.

Kind – Internet, Internet – Kind

Darf ich vorstellen? Mein inneres Kind. Mein inneres Kind hatte vor allem mit zwei Dingen extrem zu kämpfen: einer tiefen Sehnsucht danach, nicht ständig die Verantwortung für andere übernehmen zu müssen, und der Angst, nicht mehr geliebt zu werden. Während ich durch Erzählungen meiner Mutter und die Arbeit mit der Therapeutin zumindest ahne, woher das erste kam, liegt die Ursache des zweiten weiterhin völlig im Dunkeln. Meine Kindheit – zumindest der Teil, an den ich mich erinnere, etwa ab dem Kindergarten – empfinde ich als wunderschön. Meine Eltern waren mit ganzem Herzen Eltern, sie empfanden Freude dabei, Zeit in der Familie zu verbringen, und unternahmen viel mit meinem älteren Bruder und mir. Meine Kindheit ist geborgen, vertrauensvoll, mit viel Freude und magischen Momenten. Wir wurden nicht vernachlässigt, weder körperlich noch emotional, meine Eltern waren liebevoll und blieben bis zum Tod meines Vaters zusammen. Und doch hat mein kindliches Gehirn aus ihrem Verhalten emotionale Bedrohungen abgeleitet, die mich bis ins Erwachsenenalter begleitet haben.

Verantwortungsübertragung braucht immer zwei Personen: eine, die die Verantwortung abgeben will, und eine, die sie übernimmt. Und ich übernahm sie. Immer. Das war nicht einfach Hilfsbereitschaft, sondern ein Zwang, anderen Menschen zur Selbsthilfe zu verhelfen. Meine Freundschaften waren nicht Freundschaften, sondern Patient-Psychiaterin-Verhältnisse. Als ich das merkte – damals noch ohne Kenntnis des inneren Kindes – beschloss ich aktiv, mich von diesen Menschen zu trennen. Sie triggerten ein ganz und gar ungesundes Anführertum in mir, das nicht nur weit über meine Energie ging, sondern auch noch selten half, weil ich nun einmal keine Psychologin bin. Und ich begann, die Idee einer Beziehung aufzuladen mit dem überlebensgroßen Wunsch, die Verantwortung, die Führung endlich abzugeben. Mein inneres Kind sagte mir, dass es irgendwo den einen Mann gab, bei dem ich nicht ständig das Gefühl hatte, ihm den Weg zeigen zu müssen. Und als ich ihn fand, ließ mein inneres Kind einfach los. Ich ließ mich fallen. Das klingt vielleicht erst einmal wunderschön, wurde aber hochproblematisch, weil mein inneres Kind kein Maß für Verantwortung kannte. Entweder ich habe sie immer oder ich habe sie nie, dazwischen gab es kaum etwas. Mein inneres Kind bekam immer mehr Kontrolle, ich ließ mich in jedes Unwohlsein fallen, weil es ja jetzt jemanden gab, der sich um mich kümmerte. Der Angstanteil brachte zusätzliche Schwierigkeiten vor allem in Konfliktsituationen. Die Panik, dass der andere sich von mir abwendet, wenn er wütend wird, war so groß, so weltumspannend, dass ich auch nur noch zu Panikreaktionen in der Lage war. Erwachsene Konfliktlösung Fehlanzeige.

Mit der Arbeit an meinem Buch begann ich, mich in eine erwachsene Frau zu verwandeln. Aber erst die Erkenntnis, dass nicht diese Frau, sondern mein inneres Kind meine bisherigen Partner gewählt hatte, führte dazu, dass die Erwachsene in mir endlich Zugang zu dem Kind erhielt. Plötzlich verstand ich alle meine bisherigen Beziehungen, meine Freundschaften, ich verstand meine Sexualität und die Zwanghaftigkeit, mit der ich die Führung übernehme, wenn mir jemand signalisiert, dass er nicht weiter weiß.
Ich würde an dieser Stelle gerne einen singulären Punkt benennen, an dem die Krise begann oder endete. An dem mir alles klar wurde und ich mich wie der Phönix aus der Asche meines zerschmetterten Selbstverständnis erhob. Aber dieses singuläre Ereignis gab es nicht. Ich musste Schritt für Schritt durch einen dreijährigen Prozess mit Aufs und Abs, in dem ich oft dachte, ich hätte es geschafft, dann aber doch wieder der kleine verletztliche, ungeheuer schutzbedürftige Schreihals in mir das Ruder übernahm.

Diese Reise hat mir gezeigt, wie krass das Aufwachsen in dem patriarchalen Konstrukt der Kernfamilie uns dazu bringt, es immer weiter zu tragen. Obwohl es in vielen von uns nahezu unauflösbare Konflikte und emotionale Sehnsüchte auslöst, die uns für den Rest unseres Lebens begleiten, wenn wir sie uns nicht bewusst machen. Dazu ist nicht zwingend eine Therapie notwendig, aber die Aufarbeitung scheint mir mit professioneller Hilfe doch deutlich wirkungsvoller. Ich spreche hier nicht nur als Feministin, die das androzentrische System sm liebsten sofort mit einer beherzten Handbewegung und unter Inkaufnahme aller erwartbaren Opfer vom Tisch wischen würde. Ich spreche vor allem als Mensch, der lange genug unter den rätselhaften Gefühlen meiner frühkindlichen Prägung gelitten hat. Der sich frei und wohl und mit sich selbst genug fühlt, seitdem die erwachsene Frau und das kleine Mädchen in ihm miteinander sprechen. Das Kind in mir schreit nicht mehr ständig nach anderen Menschen, weil es verstanden hat, dass es nicht allein ist. Ich bin da, die erwachsene Frau. Ich bin da, ich vermittele meinem kleinen Mädchen Ruhe und Souveränität, ich nehme es ernst und liebe es, ohne seinen irrationalen Gefühlsausbrüchen zu folgen. Waren die beiden Persönlichkeitsanteile zuvor isoliert in unterschiedlichen Bereichen meines Gehirns, stehen die Türen jetzt offen. Beide können einander besuchen und ich habe oft das Gefühl, dass sie einfach Hand in Hand in meinen Gehirnwindungen sitzen und schweigend vor sich hin lächeln.

Ja, ich fühle mich manchmal allein, ja, es könnte definitiv mehr Sex in meinem Leben geben. Aber die Sehnsucht, dieses ermüdende, alles verzehrende Gefühl, nicht vollständig zu sein, jemanden zu brauchen, der meine andere Hälfte ist und meinem inneren Kind Geborgenheit gibt, hat aufgehört.
Ich bin vollständig.

16 Kommentare

  1. „Ich bin vollständig“ – wer das von sich sagen kann, hat es geschafft. Könnte ich nie von mir sagen. Ich habe immer noch Sehnsucht, so alt ich auch geworden bin. Nein, ich mag nicht ohne Sehnsucht leben. Sie gehört zum Schönsten im Leben! Ich bin nicht vollständig. Ich sehne mich nach Liebe, Zärtlichkeit, Angenommen-Sein…

    Aber ich bin ein Mann, und ich möchte behaupten, das Vollständig-Sein ist für einen Mann anders und schwieriger als für eine Frau. Schon rein biologisch: Frauen sind viel vollständiger als Männer im Sinne der Fortpflanzung, die für die Evolution so eminent wichtig ist, weil sie alles haben, um das Leben weiterzugeben, bis auf die Spermien. Und die kann frau sich im gebärfähigen Alter relativ leicht beschaffen. Für einen Mann ist es ausgeschlossen, körperlich „vollständig“ zu werden. Und das hat meiner Meinung nach Auswirkungen auf die Psyche.

    Universal ist die Suche nach dem bzw. der Richtigen (zur Abwechslung mal kein Genderproblem: der/die/das Richtige) für die große Liebe, und das kann man sicher auf das innere Kind zurückführen, da stimme ich Dir voll zu. Und darunter leiden wir später. Aber da möchte ich auch gleich das innere Kind verteidigen: was haben wir ihm nicht alles zu verdanken! Den Spieltrieb, die Entdeckerfreude, die Neugier – und die Sehnsucht! Als ich fünf Jahre alt war, habe ich sie zum ersten Mal gespürt, als ich auf einem kleinen Hügel stand und in die Ferne schaute: was ist hinter dem Horizont? Bestimmt was ganz Wunderbares…

    Der Abschied von der Illusion der „großen Liebe“ ist freilich schmerzhaft. Bei mir vollzog er sich sehr, sehr langsam, über Jahre hinweg, in unzähligen Streits mit der Frau, die ich heute noch liebe. Wenn Streiten Liebe wäre, dann wären wir beide überreich an Liebe. Man muss auch immer an das Widersprüchliche im Menschen denken: er liebt und hasst gleichzeitig.

    Den Zwischentitel „Kind – Internet, Internet – Kind“ verstehe ich nicht. Im nachfolgenden Text kommt das Internet gar nicht vor. Was habe ich da nicht kapiert?

    • Sorry, Frau vollständiger?
      Gestern Morgen RTL Nachrichten 2 Männer und ein Baby.
      Mensch: Eizelle und Spermium gleichberechtigt du brauchst von jedem eins. Und die Macht vom Schöpfer (Meine Meinung mit der Macht gibt keinen wissenschaftlichen Beweis dafür)
      Tatsächlich Sorgen Männer dafür dass fruchtbare Stunden zu fruchtbaren Tagen werden.
      Vollständig sein kann man übrigens auch als „Profitante“ ohne eigene Kinder

      • Eizelle und Spermium sind gleichberechtigt, was die Befruchtung betrifft. Beide einzeln können nichts, erst zusammen kann was draus werden. Aber wie geht es dann weiter? Eine befruchtete Eizelle ist noch längst kein Embryo, geschweige denn ein Baby. Einem der beiden Männer (in den RTL Nachrichten) kannst du die Eizelle nicht einpflanzen, wenn was draus werden soll. Dafür brauchst du eine Frau, entweder die, in der das Ei befruchtet wurde, oder eine Leihmutter.

        Und daran sieht man, dass Mann und Frau eben nicht gleichberechtigt sind, was die Weitergabe des Lebens betrifft. Die Frauen sind dafür viel vollständiger ausgestattet und könnten viel besser zu einer ungeschlechtlichen Fortpflanzung (Parthenogenese) übergehen als die Männer (was ich, obwohl ein Mann, der Evolution für die Zukunft sehr empfehlen würde!). Wir werden ja alle als „Frau“ geboren, genauer gesagt als Zwitter, denn es sind rudimentär die Anlagen für beide Geschlechter vorhanden. Wenn dann nichts weiter passiert, also nicht die Produktion von Testosteron (ca. 6 Wochen nach der Befruchtung) anläuft, verkümmern die männlichen Keimzellen, und der Embryo wird weiblich.

        Ich bin überzeugt, dass diese fundamentalen biologischen Tatsachen Auswirkungen auf die Seele und das Unbewusste der Männer haben. Was Meike zur Entwicklung der Männerherrschaft nach der neolithischen Revolution schreibt, ist sicher richtig. Ich glaube aber, dass ein weiterer Motor für die Unterdrückung der Frau die größtenteils unbewussten Minderwertigkeitskomplexe der Männer sind, was die Weitergabe des Lebens betrifft. Das konnte erst ab einem gewissen Stand der kulturellen Evolution eine Rolle spielen. Sehr typisch ist dafür der christliche Schöpfungsmythos: die Frau entsteht aus der Rippe des Mannes. Biologisch ist es genau umgekehrt. Reiner Gebärneid! Ebenfalls typisch Mann, dass Freud sich dafür an den Frauen mit seinem berüchtigten Penisneid rächte.

        • Meiner Meinung nach war erst der Mann da. Denn wäre es umgekehrt gewesen wäre die Evolution Bloed denn das erste Wesen war das Perfekteste und hätte sich nur weiter kopieren müssen. Evolutionstechnisch ist der Mensch scheisse. Die Tiere die sich ohne Partner weitervermehren können machen das Rennen. Anpassung ist auch ohne Sex möglich. Also wenn Gene beim weitergeben sich ändern. Also der Ursprung des Lebens das allererste Teil. Aber wie gesagt ich glaube an eine Schöpfung den großen Geist.
          Du gibst den Text als Seite weiter der kann auch ganz neue Texte erstellen sogar bessere als den Text zu halbieren und auf Mann und Frau zu verteilen. So dass du deine Schoepfungsmöglichkeiten bestenfalls halbierst wenn der Meteorit den Mann erschlägt.

  2. Toll dass du die gespaltene Persönlichkeit überwunden hast und erkannt hast dass das Innere Kind nur ein Teil deiner Person ist also alles Eins statt Zwei.
    Aber der Teil wieder mit der patriarchalen Kernfamilie. Ist sie vielleicht nicht Matriarchalisch. Beispiel Frau zwingt Mann zur Ehe und sagt dann „Wenn du die da f@ckst, dann verlass ich dich und nehm das halbe Haus und die Rentenpunkte mit“ Also die Ehe wurde quasi für Frauen geschaffen. Damit Frau nach ihrem Biologischen Tod (Menopause) noch ihr Gnadenbrot bekommt.

    • Alle historischen Hinweise zeigen ziemlich klar, dass die Entstehung der Ehe von Männern ausging und gestaltet wurde, von Vätern und einer von Männern gemachten Gesetzgebung.
      Zu dieser Frage habe ich auch etwas in meinem Buch „Female Choice“ geschrieben. Hiermit Leseempfehlung, falls Dich die Entstehung der patriarchalen Strukturen wirklich interessiert.

  3. Wunderschön!
    Insbesondere der letzte Absatz beschreibt einen Zustand des inneren Friedens und der Gelassenheit, den ich endlich – bedauerlicherweise erst sehr viel später, mit über 60 Jahren – erreicht habe. (Vielleicht mit Ausnahme von „es könnte definitiv mehr Sex in meinem Leben geben“: Meine diesbezüglichen Bedürfnisse haben sich mit zunehmendem Alter reduziert. Mittlerweile kann ich sie problemlos ohne Partner befriedigen – egal, was Dr. Ruth dazu meint. ;-) )

    Leider konnte ich keine therapeutische Unterstützung finden, als ich sie am meisten gebraucht hätte: Als der Mann, von dem ich mir Geborgenheit für den Rest meines Lebens (für mein verängstigtes, nach „ewiger Liebe“ hungerndes inneres Kind) erhofft hatte, mich nach fast 30 Jahren verließ. Und ich in ein tiefes, bodenlos scheinendes Loch fiel.
    Der Weg da wieder heraus, zum „sich vollständig fühlen“, war extrem mühsam und oft sehr schmerzhaft. Trotz der emotionalen Unterstützung durch meine Kinder und Freund*innen habe ich mich an so manchem Abend selbst (bzw. mein verzweifeltes inneres Kind) mit den Armen umschlungen, gewiegt – und geheult, bis es sich nach Katharsis anfühlte.

    Schon als Kind habe ich unter depressiven Episoden gelitten – und das viele Jahrzehnte lang für einen seltenen, seltsamen charakterlichen Defekt gehalten. Die „Episoden“ wurden von Schuldgefühlen begleitet, denn als westdeutsches Wirtschaftswunderkind mit liebevollen Eltern war ich ja privilegiert, und auch später hatte ich eine Vielzahl von Möglichkeiten, die dem größten Teil der Mädchen und Frauen in unserer androzentrischen Welt verwehrt bleiben. Warum also war ich immer wieder so deprimiert?

    Die Diagnose AD(H)S im Alter von 60 Jahren(!) hatte zwar keine Therapie-Empfehlung zur Folge – in so fortgeschrittenem Alter sind die meisten Betroffene entweder bereits ins soziale Abseits abgestürzt oder haben (wie ich) selber „Skills“ zum Leben mit dem Syndrom entwickelt. Und Ritalin ließ mich zwar besser funktionieren, killt aber die Kreativität, die ich für meine Arbeit brauche.
    Sie war dennoch eine große Erleichterung, weil ich endlich verstand, a) dass es nicht mangelnde Willenskraft / Selbstdisziplin ist, die mich immer wieder zur „Chaos-Queen“ werden lässt, und b) dass ich keineswegs die einzige bin.
    Auxch meinen Kindern habe ich die Veranlagung für (eine der Millionen Formen von) ADHS vererbt. Weil Menschen mit diesem Syndrom einander anziehen – andere Partner*innen sind uns oft zu langweilig – und die Veranlagung erblich ist, ist davon auszugehen, dass der Anteil auch dieser psychischen „Erkrankung“ stetig wächst (ich fühle mich allerdings nicht krank, mein Hirn „tickt“ nur anders). Wir könnten vermutlich demnächst die Weltherrschaft übernehmen – würden es aber wahrscheinlich nicht organisiert kriegen… ;-)

    Heute kann ich das Kind in mir lieben.
    Ich kann es besser verstehen und trösten, weil ich jetzt weiß, dass es keine verzogene Göre mit überzogenen Ansprüchen ist, sondern ein Teil meiner Persönlichkeit, den das Leben in einem „falschen“ System nach wie vor in Verwirrung und auch in Verzweiflung stürzt.
    Und ab und zu nehme ich dieses Kind immer noch in den Arm…

  4. Danke für diesen Text. Er erklärt mir so ansatzweise und sehr verständlich, was mir die Frau meines Lebens bisher nicht so gut erklären konnte (oder wollte). Hoffentlich bleibt sie nicht auch dreißig Jahre mit dem falschen Mann verheiratet, sondern kann sich irgendwann für das Ausleben ihrer unterdrückten Gefühle entscheiden bzw. dazu überwinden. Und noch dazu: sie weiß selbst, dass ihr inneres Kind aus ihr spricht, kann und will jedoch trotz jahrelanger Therapie nichts an ihrer Situation ändern. In anderen Worten ausgedrückt: sie lebt ihre eigene Wahrheit nicht, sondern „funktioniert in ihrer Realität“. Und das hat wirklich krasse psychische Auswirkungen. Und MEIN Problem dabei ist: Inwieweit darf ich da emotional eingreifen? Darf ich sie „mit emotionaler Gewalt“ aus ihrer Situation „befreien“ (ihre Ehe und emotionale Situation erinnern in der Tat an das 19. Jahrhundert, nur dass sie das ganze Geld verdienen muss, während der Mann fremdgeht) oder soll ich sie noch ein paar Jahre leiden lassen, bis sie selbst die Kraft findet? Was wäre besser für ihre beiden kleinen Kinder: Scheidung mit befürchtetem „Riesenkrieg um die Kinder“ oder „stabile“ eiskalte entfremdete Elternbeziehung?

    • Wenn ich richtig verstanden habe und es um deine Frau geht eindeutig Scheidung….du sagst ja du bist der falsche Mann….und warum Riesenkrieg um Kinder. Mann und Frau können sich gütlich einigen. Oder willst dich weiter durchfüttern lassen?

      • Oh sorry, Missverständnis. Sie ist leider nicht mit mir verheiratet, sondern mit einem anderen, dem falschen (?) Mann. Sie liebt aber mich. Ihre Kinder jedoch ein bisschen mehr. Ich will ja gar nicht so weit gehen, dass sie sich scheiden lassen soll. Aber nicht mal treffen will sie mich. Denn das würde vielleicht bedeuten, dass dieser Krieg ausbricht . . . Anscheinend glaubt sie nicht, dass sich ihr Mann und sie gütig einigen könnten. Beide haben das mit ihrem inneren Kind noch nicht so auf die Reihe gekriegt. [Gern würde ich mich von ihr durchfüttern lassen, zur Not auch vegan. Sie kümmert sich so gern.]

        • Ohje naja Kalbschnitzel darfst schon essen, aber du projizierst da Zuviel rein. Ihr habt euch nichtmal getroffen. Für Sie vielleicht sowas wie Rosamunde Pilcher Roman oder 50 Shades of Grey. Wenn’s für dich ok ist Mailt und telefoniert halt, aber heirate eine andere ;-)

  5. @Meike: Ich hatte gehofft, dass Du den Zwischentitel „Kind – Internet, Internet – Kind“ erklärst. Mir ist der rätselhaft. Vielleicht bin ich der einzige, der ihn nicht kapiert. Ich bitte Dich trotzdem, ihn zu erklären.

    • Der ist nur als Vorstellungsfloskel gemeint. Sagt man doch so, wenn man zwei Parteien einander vorstellt.

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