Hass.

Hass.

Wenn wir kopfschüttelnd auf die beängstigende Meinungsextremisierung schauen, die die westliche Welt zu spalten beginnt und radikalen Führern in die Hände spielt, und uns fragen: „Heilige Scheiße, wie konnte das passieren, wo ist unsere Mitte hin?“, dann kommt dem kleinen Wörtchen Hass eine entscheidende Bedeutung zu. Oder vielmehr seiner inflationären Verwendung.
Machen wir uns nichts vor: Die Diskussionskultur ist kaputt, man sieht es jeden Tag, Diskussionen dienen nicht mehr dazu, Einigungen zu erzielen, Konsenz zu finden, Lösungen, Kompromisse, von mir aus Waffenruhen. Sie dienen nur noch dazu, sich möglichst weit vom Gegner entfernt zu positionieren, sich abzugrenzen. Das ist auch eine Form von Radikalisierung, wenn Gegner sich nicht aufeinander zu, sondern immer weiter voneinander weg bewegen.

Ich twitterte mal:

„Und wenn man, quasi als erster Schritt zur Diskussionsreparatur, mal damit anfinge, nicht jede Form von ablehnender Haltung Hass zu nennen?“

(Eingebetteten Tweet aus Datenschutzgründen entfernt. Link zum Tweet.)

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber Hass, das ist für mich Aggression, der Wunsch, seinem Gegner Gewalt anzutun, das hat viel mit Wut und Raserei zu tun, sehr heftigen, die Vernunft verzehrenden und über den Moment andauernden Gefühlen. Hass, das ist ein ziemlich großes Gefühl, anstrengend und raumgreifend, ähnlich wie Liebe. Ich lehne wirklich eine Menge Dinge ab, auch tendiere ich zu sehr heftigen Wutausbrüchen, aber wirklich hassen tue ich eigentlich nur sehr wenig. Ich schließe jetzt einfach mal von mir auf andere und vermute, dass es den meisten Menschen ähnlich geht.

"Diskussions""kultur" und andere Anführungszeichen

Person A: „Weiß!“
Person B: „Grau!“
Person A: „Nein, das ist ja fast schwarz!“
Person B: „Reinweiß ist mir zu grell, aber Hellgrau kann ich mir vorstellen!“
Person A: „Weiß!“
Person B: „Oder grau mit weißen Punkten?“
Person A: „Warum hasst Du Weiß so?“
Person B: „Ich hasse Weiß nicht, ich werde davon nur schneeblind. Außerdem sieht man darauf jeden Fleck.“
Person A: „Ah, Du stehst also Schwarz näher, na, jetzt offenbart sich endlich, wes Geistes Kind zu bist!“
Person B: „Aber ich habe doch nur gesagt, dass mich Weiß blendet und es unpraktisch ist!“
Person A: „Mit Weißhassern rede ich nicht, Du bist ja albaphob!“
Person B: „Das stimmt nicht, aber wenn Du so mit mir redest, gehe ich zu den Schwarzen, die hören mir wenigstens zu!“

Am meisten betrübt mich, dass diese Form der Abstrafung auffallend häufig aus den Lagern kommt, in denen sonst unermüdlich für eine pluralistische, vielfältige Gesellschaft eingestanden wird. Oft treiben gerade linke Aktivisten ihre Gegner so lange vor sich her, bis die da stehen, wo sie sie von Anfang an sehen wollten.
Ein Mann, der es richtig findet, dass eine Frau sich um die Kindererziehung kümmert, ist plötzlich nicht mehr von Vorgestern, sondern ein Frauenhasser, seine Meinung damit, da Ausdruck von Hass, gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Jemand, der fragt, ob man die Flüchtlingskrise auch anders lösen kann als durch völlige Grenzöffnung, ist ein erbitterter Rassist, jeder, dem die Ehe ein Bündnis zwischen Mann und Frau ist, ist ein Schwulenhasser und so weiter. Das ganze Lager der Konservativen ist den Linken abhanden gekommen, weil alles, was früher als konservativ galt, heute zu Hass umetikettiert wird. Konservative Ansichten gelten als untrügliches Zeichen dafür, dass es die Gesellschaft hier mit einem aggressiven Extremisten zu tun hat, der sofort aus der Gemeinschaft ausgeschlossen gehört.

Wer so „diskutiert“, muss sich nicht wundern, dass die Mitte nach rechts abwandert.

Was sagen dürfen

Ich halte es für richtig, Menschen, die eine wie auch immer begründete Gewaltbereitschaft zeigen, die die sexuelle Selbstbestimmung der Frau für ein verhandelbares Gut halten oder Menschen unterschiedliche Werte beimessen, deutlich zu zeigen, dass ihre Haltung nicht toleriert wird. Aber ich halte es nicht für richtig, jeden zu beschimpfen und auszugrenzen, der nicht von einer Welt träumt, in der alle „Kumbaya, my Lord“-singend am Lagerfeuer sitzen. Widerstand gegen Gewalttäter und Demagogen ist richtig und wichtig, das Dämonisieren und Kriminalisieren jeder konservativen Haltung dumm.

Viele Menschen haben dieser Tage das Gefühl, bestimmte Dinge nicht mehr sagen zu dürfen. Sie sprechen von Meinungsdiktatur und auch wenn ich ihr Gefühl nicht teile, ahne ich, woher ihr Eindruck kommt. Vor allem in den sozialen Medien formieren sich flugs größere Gruppen, die wahlweise einander oder einem Einzelnen gegenüber stehen, um den jeweiligen Gegner digital zu teeren und zu federn. Man muss gar nicht selbst Opfer eines solchen Empörungssturms geworden sein, um sich Einlassungen zu verkneifen. Zu sehen, wie es jemand anderem passiert, reicht für den Eindruck, „man dürfe nichts mehr sagen“. Natürlich wird niemand zensiert, natürlich wird niemand inhaftiert, wenn er seine Meinung sagt, aber schon die Aussicht, als nächste Sau durchs Twitterdorf getrieben zu werden, vor den Augen einer unsichtbaren Menge, dürfte den einen oder die andere zum Schweigen bringen. Menschen zum Schweigen zu bringen, ist ungefähr das Gegenteil von einer meinungspluralistischen Welt.

Die Grenze zwischen dem, was eine Gesellschaft tolerieren sollte und nicht tolerieren darf, ist schmal, sehr schmal. Und unsauber gezogen noch dazu. Aber wenn wir eines aus den Debatten Twitterstreitigkeiten der letzten Jahre gelernt haben sollten, dann dass politische Grundströmungen kaum noch an einzelnen Äußerungen festgemacht werden können. Wo es größere und kleinere Schnittmengen zwischen Impfgegnern und Nazis gibt, Feministinnen und Nazis, Besserverdienenden und Nazis, Arbeitern und Nazis, Maskulisten und Nazis und Esoterikern und Nazis, da ist eine Einordnung schon dann schwierig, wenn man aufmerksam zuhört und den Gegner ausreden lässt. Wenn man aber bereits nach dem ersten Satz loskreischt, ist sie praktisch unmöglich.

Du kommst hier ned rein

Wir leben in einer multibeschissenen Weltordnung, in der nicht mehr Gut und Böse einander gegenüber stehen, sondern nur noch unzählige Arschlöcher. Nie war es so schwierig, sich selbst zu positionieren, weil nahezu alle Lager die eine oder andere eigene Meinung für sich instrumentalisieren könnten. Solidarisierungen geschehen nicht mehr im Brustton der Überzeugung, sondern sind fisselige, halbgare Gratwanderungen unter Vorbehalt, die mitunter schon mit dem nächsten Satz revidiert werden müssen, weil der, mit dem man sich solidarisch zeigte, sich plötzlich doch als das größere Arschloch erweist.

In vielen klugen Texten der letzten anderthalb Jahre wurde die Wichtigkeit einer Differenzierung betont, die Notwendigkeit, auch unliebsame Meinungen anzuhören, es wurde vor Radikalisierung und Extremisierung gewarnt, aber wenn man sich heute umschaut, führt immer noch jeder blöde Spruch, jede kritische Nachfrage, jede von der „guten“ Linie abweichende Äußerung zu der Beschimpfung des Urhebers als wieauchimmerphober XY-Hasser. Als hätten Differenzierung nur „die Bösen“ nötig.

Man mag es als Zivilcourage feiern, bestimmten kleingeistigen Meinungen keine Plattform geboten zu haben, aber auf gesellschaftlicher Ebene habe ich damit große Schwierigkeiten. Die soziale Ausgrenzung von Konservativen beispielsweise als frauen-, schwulen- und flüchtlingshassende Nazis führt ja keineswegs dazu, dass diese konservativen Meinungen verschwinden und die Gesellschaft fortschrittlicher und offener wird. Dort am Rande versinken die Meinungen nicht in der Bedeutungslosigkeit, wie wir Linke hartnäckig hoffen, sondern erst dort bekommen sie so etwas wie gesellschaftliche Macht. Denn im Sammelbecken der von den „Gutmenschen“ Ausgestoßenen finden sich verhängnisvolle Allianzen zusammen, deren Rache bei der nächsten Wahl auf dem Fuße folgt. In dem Klima wird womöglich aus einer ursprünglich nur kleinen Schnittmenge ein strategisches Bündnis, eine Verbrüderung über die gesellschaftlichen Unterschiede hinweg, von dem beide Beteiligten in gefährlicher Weise profitieren. Der Zuwachs der rechten Parteien geht nicht nur auf ideologische Überzeugung, sondern auch auf die Verdrängung aus der Mitte zurück, an der die Linke großen Anteil hat.

Im Ernst: hört auf. Hört auf, in allem nur das zu hören, was nach maximaler Gegnerschaft klingt. Sucht zur Abwechslung mal nicht Unterschiede, sondern Gemeinsamkeiten. Nicht jeder, der sich die Welt von vor 50 Jahren zurückwünscht, ist ein hasserfüllter Hooligan oder demagogischer Seelenfänger, so simpel ist die Welt heute einfach nicht mehr. Wenn Ihr Pluralismus wollt, dann haltet ihn auch aus. Wenn Ihr Respekt einfordert, gebt ihn auch selber. Wenn Ihr eine Mitte wollt, hört auf, jeden, der weniger links ist als Ihr, als extrem rechts zu bezeichnen. Erkennt endlich, dass Ihr, obwohl Ihr für eine gerechte und gute Welt eintretet, Gefahr lauft, rechtspopulistische Trends mit Eurem undifferenzierten Ausgrenzungswillen zu befördern.

Die Welt hat sich in ein Pulverfass verwandelt, nicht nur in Deutschland, sondern überall in der westlichen Welt (in den Schwellenländern und der Dritten Welt war sie schon immer eines), und jeder falsche Schritt kann zu einer Katastrophe führen. Wenn wir Linken nicht anfangen, vorsichtiger mit unseren Feuerzeugen umzugehen, dann werden künftige Generationen uns nicht nur fragen, warum wir die Explosion nicht verhindert haben, sondern warum wir die Lunte angezündet haben.

63 Kommentare

  1. Guter Text und irgendwie längst überfällig. Der grüne Ministerpräsident von Baden Württemberg hat es richtig erkannt: die linke Hegemonie treibt die Mitte nach rechts.

  2. Hallo Frau Meike,

    Ich habe über einen geteilten facebook Link hierher gefunden und würde gerne einen Gedanken ergänzen Zuerst aber Danke für den Text und den Aufruf in den letzten Abschnitten. . Ich kann die Beobachtungen bestätigen. Ich selbst habe diese fulminante Ablehnung von unterschiedlichsten Seiten erfahren. In meinem persönlichen Umfeld bin ich bei den Konservativen als Kommunist verschrien, bei den Linken hingegen bin ich der Reaktionär.

    Mich beschleicht das Gefühl, dass in der „individualisierten Gesellschaft“ die vehemente Abgrenzung zur wichtigsten Methode der Identitätsfindung geworden ist. Eine eigene Position (Identität) zu finden bzw. zu erarbeiten ist schwieriger als sich über Abgrenzung eine (Pseudo) Identität zu schaffen. Als Indiz für diese These sehe ich die unerträglichen Auseinandersetzungen selbst über weniger wichtige Themen … Vegetarier gegen Fleischesser, Radfahrer gegen E-Bike-Fahrer, beide zusammen gegen Autofahrer, schnelle gegen langsame Radfahrer, Bahnfahrer gegen Autofahrer, Elektro-Autos gegen Verbrennungsmotoren. Kürzlich las ich in einer Auseinandersetzung sogar den Begriff des Verkehrs-Nazis :-/

    LG Eberhard Huber

  3. Danke für diesen Text. Ich kann auf weiten Strecken zustimmen. Allerdings gibt es doch zwei (kleinere) Punkte, die ich ergänzend hinzufügen möchte.
    Es stimmt, die Mitte wird immer mehr ausgedünnt, und man wandert ab zu irgendwelchen extremen Lagern. Es stimmt natürlich einerseits, dass wir durch unsere künstlich erzeugten Feindbilder dieses Abwandern forcieren. Andererseits aber, diejenigen, die bereits abgewandert sind, das sind die, die tatsächlich nur noch hassen. Und denen muss Einhalt geboten werden. Ich weiss, das ist ein heikler Punkt. Auf der einen Seite machen wir diese Extremisten zu dem, was sie sind, auf der anderen Seite müssen wir ihnen Einhalt gebieten. Es wäre wahrhaftig besser, es gar nicht erst so weit kommen zu lassen. Aber „was wäre, wenn“ hat noch keine Probleme gelöst.

    Das Zweite, das ich anmerken möchte, ist: Hass gibt es in vielen Ausprägungen. Der von Dir beschriebene „heisse“ Hass ist nicht die einzige Form. Es gibt z.B. auch einen sehr „kalten“ Hass, der nicht zu unkontrolleirten Handlungen verleitet, aber zu sehr kontrollierten und überlegten Handlungen gegen Andere. Das ist nicht minder gefährlich. Und es gibt einen eher unterschwelligen, i.d.R recht undifferenzierten, „nebulösen“ Form. Diese Art ist besonders verbreitet und besonders anfällig für Manipulationen. Durch einen halbwegs geschickten Demagogen können solche Menschen in nahezu jede beliebige extreme Richtung manövriert werden.

    Hass ist das jedoch Alles.

  4. Über Hass kann man nunmal nicht diskutieren, ganz egal woher kommt. Hass gab es schon immer und Hass wird es auch immer geben. Das ist keine neuzeitliche Erscheinung, das ist eine menschliche Erscheinung. Man sollte sich nur nicht davon anstecken lassen. Das war vor 2000 Jahren so und das ist auch heute noch so.

    • Du hast entweder Meikes Artikel nicht gelesen oder nicht verstanden. Oder es für Dich einfach trotz Lektüre bequem, alles, was Dir nicht passt, prohylaktisch mal schnell als Hass zu bezeichnen.

  5. Das ist wirklich (mal wieder) eine weise Analyse.
    Danke dafür!
    Sie Posten ja nicht mehr allzu oft Artikel hier, aber wenn, liebe Meike, dann lohnt es sich fast immer

  6. Alles hervorragend auf den Punkt gebracht.

    Anmerkungen:

    Es geht in diesen Auseinandersetzungen immer darum, „den Gegner zur Erfüllung unseres Willens zu bringen.“ Das ist laut Clausewitz Ziel eines jeden Krieges, und in den Sozialen Netzen läuft ja in Grundsatzfragen nichts anderes als ein Krieg der Meinungen.

    Freilich ist das Wort eine recht schwache Waffe. Das merkt jeder, der zu überzeugen versucht. Und nach meiner Auffassung wächst dann der Hass aus dem Erkennen der eigenen Schwäche und der damit verbundenen Frustration.

    Daraus erwachsen wiederum die ganzen Schwierigkeiten aus dem Abschnitt „Du kommst hier ned rein“.

    Die Mehrheit der Menschen, damit konfrontiert, dürften versuchen, Schwierigkeiten und handgreiflichen Streit aus dem Weg zu gehen. Also verfolgen sie eine passive Strategie und ziehen sich auf eine Basis zurück, die sie kennen und der sie vertrauen können.

    Wer mit Problemen konfrontiert ist, die er nicht allein lösen kann, ist auf die Hilfe anderer angewiesen. Und bei Fremden weiß man nie, wem gegenüber sie in einer solchen Situation loyal sind. Bei Mitgliedern der eigenen Familie und Leuten, die man schon lange kennt, ist die Wahrscheinlichkeit einfach höher, im Zweifelsfall tatsächlich Hilfe und Unterstützung zu bekommen. Es ist also klug, sich bei diesen Leuten zu positionieren, selbst wenn sie Standpunkte vertreten, die man eher für nicht richtig empfindet.

    Und um die eigenen Loyalität zu beweisen, muss man in Sprechchöre einstimmen oder wenigstens zustimmend schweigen. Womit die Lager wachsen und die Unversöhnlichkeit zunimmt.

    Ich empfehle die Lektüre von Safeta Obhodjas‘ Roman „Die Bauchtänzerin“, der beschreibt diese Entwicklung für das „multibeschissene“ Ex-Jugoslawien Anfang der 1990er nur zu gut. Hier eine Zusammenfassung: http://www.woerterwoelfe.de/?p=3473

    • „Freilich ist das Wort eine recht schwache Waffe.“

      Tatsächlich? Ich würde soweit gehen zu sagen, das Wort ist die stärkste, schärfste, mächtigste Waffe. Es kann Kriege auslösen oder verhindern, es kann Menschen Mut machen, sie motivieren, oder sie aufhetzen, es kann Dämme niederreißen und Brücken bauen. „Das gesprochene Wort bringen keine zehn Pferde zurück“ heißt es in China und entsprechend achtsam sollte man mit dieser Waffe umgehen.

  7. Ein kluger und differenzierter Text! Ich bin nicht immer in völliger Übereinstimmung mit Ihnen, Frau Meike, aber heute sprechen Sie vieles an, das ich ebenso empfinde.

  8. Das beste was ich seit langem zu diesem Thema gelesen habe. Vielen Dank für diesen Text. Was ich auch bemerkenswert finde am Spagat zwischen vermeintlich pluralistischer weltoffener Einstellung und dem Bekämpfen aller Meinungsabweichler, ist der Kunstgriff, andere Meinungen als unzulässig zu klassifizieren.

    Mit Slogans wie „Hass ist keine Meinung“ oder „Sexismus ist keine Meinung“ lügt man sich dann selber in der Tasche, ja unbedingt für Toleranz und Meinungsfreiheit zu sein, aber missliebige Äußerungen trotzdem verbieten zu wollen.

  9. Ach Meike, das stimmt ja alles so, so sehr. Ich wünschte, wir kleinen popeligen Menschen könnten uns insgesamt ein wenig weniger egozentriert durch Gegend und Netz bewegen und dafür mehr Spaß an Freundlichkeit, Respekt und Offenheit mitbringen.
    Dieses elende verbale Aufeinandereindreschen, das ist so unschön, so peinlich und klein.

    Ich bin froh, dass ich ein Hippie bin!

  10. Ein sehr kluger Kommentar, der leider zu spät kommt und auch nicht aufgenommen werden wird. Exemplarisch für die kritisierte Sichtweise war die Friedenspreisrede von Carolin Emcke, die es geschafft hat, einen langen Text darüber zu verfassen, dass man nicht ausgrenzen darf und gleichzeitig die amorphe Masse der „Hassenden“, die rein emotional und grundlos gegen „uns“ sind, auszugrenzen. Es wird nur nicht als Ausgrenzung wahrgenommen, weil sich alle im Saal darin einig waren, dass „die“ selbstverständlich nicht dazugehören und sowieso weder die geistige noch emotionale Reife besitzen, irgendwo mitzureden.
    Einen der besten Erklärungsansätze für diese grundlegende und sich immer weiter verschärfende Kluft zwischen zwei Lagern („Globalisten“ und „Nationalisten“) findet sich meines Erachtens in diesem Artikel, der Moralpsychologie in die Betrachtung einbezieht und berücksichtigt, wie verschiedene Gruppen ihre interne Moral generieren:
    http://www.the-american-interest.com/2016/07/10/when-and-why-nationalism-beats-globalism/

    • ich bin offen gestanden massivst irritiert über die rezeption des betrags von frau emcke. in dieser post findest du drei radiobeiträge, ich finde, man sollte dieser frau gut zuhören – statt nur über sie zu reden ohne die beiträge selbst zu kennen.

      neues von den arschlochmenschen

      im grunde ist es vollkommen nutzlos, darüber zu lamentieren, was wir besser machen könnten … und derweil explizite hassprediger wie broder, tichy und andere hetzen bis die schwarte kracht. die werden nicht damit aufhören, nur weil „wir“ uns weiter „zu fein“ sind, die dinge beim namen zu nennen.

      was hass ist, werde ich jedenfalls auch weiter so nennen. ich persönlich habe niemanden und nichts, was ich hasse, hass ist so eine verquere form unerfüllter liebe und für mich gilt „dinge haben immer nur die bedeutung, die wir ihnen geben und ich weigere mich schlicht, mich von anderen auf diese rutschige bahn ziehen und ihnen mehr bedeutung zu geben, als sie verdient haben.

      • Ja, q.e.d. Aber sowas von. Wer Broder und Tichy als explizite Hassprediger und Hetzer bezeichnet, ist selber einer. Da kann er sich noch so schlicht weigern.

        • @andré

          wer nicht versteht, daß sie genau das sind, selbstverliebte und die folgen ihres tuns ignorierende hassprediger, dem ist nicht zu helfen und dem sind vor allem offensichtlich die maßsstäbe schon so weit verrutscht, daß er nicht mehr bemerkt, wo das hinführt und wozu das dienen soll dieses „gutmenschen“ gefasel:

          das als „gegner“ bis hin zum „feind“ verstandene gegenüber soll mit seinen (guten) absichten so verächtlich gemacht werden, daß die eigene elendigkeit und der boshafte zynismus geradean als die „richtige“ haltung verstanden wird.

          wohin zb. boders gehetze führt, kannst du dir dabei gerne von lamya kaddor erklären lassen. nach den hetzartikeln auf der „achse der blöden“ ehielt sie morddrohungen.

          aber, hey, du kannst ja gerne weiter versuchen, deren bedeutung herunterzuspielen – aus meiner perspektive bist du dann mit verantwortlich dafür, was uns bevorsteht.

          • Wenn du meinst, meine Maßstäbe seien verrutscht, dann ist meine Frage: wogegen?

            Ich habe über Broders Artikel einen ziemlich umfassenden Überblick, und der Gipfel der „Frechheit“, die sich Broder „erlaubt“ hat, dass Frau Kaddor „einen an der Klatsche hat“. Alles andere ist reguläre Debatte. Kannst du mir auf die Sprünge helfen und mir ein Zitat zeigen, das als Aufruf zu Morddrohungen an Frau Kaddor verstanden werden kann?

            Ich verantworte im übrigen nur das, was ich selber tue und lasse.

  11. liebe meike – das ist alles so unfassbar wahr und richtig. danke für diese weitsicht, ich möchte den post ausdrucken und als flugblatt verteilen. -allderweil erstmal auf meinem blog.

  12. Ich werde den Eindruck nicht los, daß früher vor allem weniger diskutiert bzw. gestritten wurde. Der Knigge riet bei Tischgesellschaften davon ab, Themen wie Politik oder Religion überhaupt anzuschneiden. Meinung zu bestimmten Dingen war Privatsache, im Gegensatz zu Geschmacksfragen, über die sich (in gewissem Rahmen) vortrefflich auseinandersetzen ließ.
    Ich denke an meinen Vater, mit dem ich in vielerlei Hinsicht himmelweit auseinander liege. Die Mehrzahl seiner Ansichten kann ich unter keinen Umständen teilen. Trotzdem schaffen wir es, jedes Familientreffen einigermaßen zivilisiert über die Bühne zu bringen. Was wahrscheinlich daran liegt, daß meine Eltern nicht bei Facebook sind.

    • Knigge hat recht, diese Regel gilt auch heute noch für jede Party oder Familienfeier, wo man zusammen sitzt oder zusammen steht.
      Den Unterscheid macht die Anonymität im Netz. Da kann jeder seinen Frust ungehemmt nach außen tragen ohne dafür geradestehen zu müssen.
      Würde es die Anonymität im Netz nicht geben, sähe mancher Beitrag anders aus.

  13. Ein sehr guter Text! Und eine solche Radikalisierung habe ich gerade letzte Woche auf Twitter erfahren, weil ich einen moderaten, nicht der Mehrheit einer bestimmten Protestbewegung genehmen, Blogpost verfasst habe. Ich hätte mich instrumentalisieren lassen, alternativ um den Finger wickeln, nur weil ich selbst nicht mit der Brechstange zugeschlagen habe. Weil es einfach nicht mein Stil ist und die Erfahrung aus mittlerweile 43 Lebensjahrwn mich gelehrt hat, dass man im Leben ohne Brechstange viel weiter kommt. Ein Ereignis vom Montag dieser Woche gibt mir beim o.g. Thema übrigens recht: Es wurde miteinander geredet und fraktionsübergreifend erkannt, dass noch Nachbesserungsbedarf besteht. Ach nee…

  14. Ich denke nicht, dass die Menschen damit werden aufhören können. Sie haben begonnen ihre Identität damit zu verbinden.. dabei sehen sie sich nicht im Sinne von Hass, sondern im Sinne von Abgrenzung.

    Es geht also eher um das versichern, zur eigenen Seite zu stehen. Innerhalb der Gruppe gut darzustehen und daraus den eigenen Status zu erringen.

    Die Anreizsysteme der sozialen Netzwerke befördern das. Aber der Mensch scheint es auch zu wollen… egal was es kostet.

    mfg
    mh

  15. Super, vielen Dank für diesen anregenden Text!

    Ich glaube eine mögliche Lösung liegt u.a. darin, einfach mal festzustellen, das wir nicht das Recht haben, irgendjemanden von dieser Welt zu verstoßen.
    Auf dieser Basis wird es vielleicht einfacher, sich mit Meinungen auseinander (oder zusammen ;)) zu setzen, die nicht mit der eigenen identisch sind. Es ist ja gerade diese Vielfalt an Perspektiven, die das Leben interessant macht.

    Um sich nicht durch Abgrenzung definieren zu müssen, sondern als Individuum mit der eigenen Meinung auch mal allein dastehen zu können, braucht es vermutlich eine gute Portion Selbstbewusstsein.

    Insofern erscheint es mir sinnvoll, uns gegenseitig den Rücken und das Selbstbewusstsein zu stärken, uns in unserer Individualität gegenseitig anzuerkennen und Wertungen einfach mal bleiben zu lassen ;)

  16. Spannender Text! Glückwunsch! Wie wäre es, die Suche nach Gemeinsamkeiten auch auf das Feld des Politischen zu erstrecken. Fast ebenso inflationär wie die ver-hasste Sprache ist das Denken in Links-Rechts-Schemata. Sich selbst als „Links“ oder „nicht -Links“ zu definieren beinhaltet bereits eine Ausgrenzung. Positionen können eigentlich nicht viel mehr als „nachvollziehbar“ sein. Wahrheit im absoluten Sinne können sie nicht beanspruchen. Also haben die Linken weder prinzipiell recht, noch liegen sie prinzipiell daneben. Wie es vermutlich „die Rechten“ ebensowenig gibt wie „die Deutschen“. Wir unterscheiden uns in jeder Gruppe auch untereinander.
    Menschlichkeit ist das Verbindende. Wir alles sind Menschen. Nur Menschen. Aber eben alles Menschen. Flüchtlinge sind Menschen, Muslime (auch nicht geflüchtete) sind Menschen. Rechte sind Menschen. Trump ist ein Mensch. Und selbst Gandhi war auch nur ein Mensch.
    Erst wenn ein Mensch nachvollziehbar agiert, denkt, redet, entsteht Glaubwürdigkeit. Und aus Glaubwürdigkeit wächst Vertrauen. Jemandem, der nicht glaubwürdig erscheint, sollten wir kein Vertrauen schenken. Hass dagegen ist ein vergifteter Gedanke. Schon allein aus Gründen des Selbstschutzes sollte Gift aus unserem Kopf und unserem Herzen verbannt bleiben.

  17. Ich möchte an den Fall Eggert vor einem und einem halben Jahr erinnern. Eine verunglückte Lebensberatung zu einer Homo-Ehe. Zwei Nächte später wurde die Lebensberaterin eines Provinzblattes als „Fascho-Sau“ durchs digitale Dorf getrieben. Das Abhandenkommen jeglicher Maßstäbe. Hier ein link zur damaligen Geschichte zusammen mit sehr typischer Diskussion:
    https://summacumlaudeblog.wordpress.com/2015/05/26/54/

  18. liebe frau meike,

    so sehr ich die guten absichten deiner post teile – aber ich denke, daß wir das problem nicht wirklich sehen wollen: unser gesellschaftssystem, die europäische und die friedensordnung werden von aussen angegriffen, seit einem jahrzehnt und vieles von dem, was wir erleben, ist das ergebnis dieser soft-power attacke aus russland, von wo aus alles an parteien und bewegungen finanziert wird, um diese gesellschaft zu destabilisieren und die menschen in ihr gegeneinander gezielt aufzubringen. das gilt – für mich – bis hin zu solchen dingen wie der zum teil hysterischen proteste gegen CETA oder TTIP.

    als 1989 die mauer fiel, musste meine generation feststellen, wie viel von dem, was wir friedensbewegten so dachten und glaubten, von der stasi gesteuert wurde, wieviele, die wir für helden hielten, auf deren payroll standen.

    wir sitzen also gerade hier und starren selbstkritisch auf die ameise … und von oben fällt uns ein amboss auf den kopf.

  19. hass ist ein gefühl.

    wut ist ein ausbruch dieses gefühls in handlungen.

    aggression ist nicht aggressivität. raserei ist kein gefühl.

    gefühle lassen sich nicht verbieten. wir brauchen eine kultur des mitmenschlichen umgangs mit all unseren gefühlen.

    vielen dank für ihren sehr anregenden artikel. ich habe ihn mehrmals gelesen und lange überlegt, wie ich die von ihnen gezeigten aspekte weiter differenzieren wollte. es ist sicher nicht das letzte mal, dass wir darüber diskutieren können.

    .~.

  20. Einerseits ja, danke dafür. Andererseits sprechen meine persönlichen Erfahrungen damit zu versuchen, mit Andersdenkenden (in der eigenen Familie und im Freundeskreis) zu diskutieren, schon an den völlig unterschiedlichen Informationen, auf denen die Argumente basieren. Jemand, der den ganzen Tag RT oder irgendwelche „alternativen Medien“ konsumiert oder einfach nur alles glaubt, was auf Youtube so läuft – mit dem habe ich gar keine Basis zu diskutieren. Da geht es erst mal um Grundlegendes wie Medienkompetenz. Anderes wiederum ist zu komplex. Ich weiß, dass ich jede Diskussion um volkswirtschaftliche Themen verlieren werde, einfach weil mir Fachwissen fehlt. Ich kann da nur meinen gesunden Menschenverstand oder mein Bauchgefühl anbieten, aber das reicht nicht. Ähnlich geht es anderen dann bei meinen Lieblingsthemen. Und so endet man am Ende dann doch dabei zu sagen: Du bist doof. Last but not least: Jemand, der anderen Menschen genau die Rechte, die er selbst für sich in Anspruch nimmt, verweigert – worüber soll ich mit dem diskutieren? Wir leben auf verschiedenen Planeten, was unsere Werte angeht. Das war mein Beitrag am Tag 2 nach Trump. Liebe Grüße.

  21. Vielen Dank erst einmal für diesen Text.

    Eine Anmerkung habe ich – weil ich der Meinung bin, daß das ein wichtiger Puzzlestein sei.
    $WIR (die Guten, die Progressiven, whatever) haben uns angewöhnt, Kritik und Widerspruch viel zu schnell als Haß und damit als irrational und rein emotional zu markieren, weil das eine zu wohlfeile Strategie ist, um sich mit dem Inhalt der Botschaft dann gar nicht mehr auseinandersetzen zu müssen. $WIR sind unter Unseresgleichen, den aufgeklärten Menschen in den Ballungsräumen, die die Dinge wenn nicht genauso, dann doch zumindest so ähnlich sehen wie wir – und wir tun die Meinung der Leute aus den sterbenden Kleinstädten in Niedersachsen und den Dörfern in Thüringen als veraltet ab, anstatt uns zu fragen, ob diese Leute nicht irgendwo auch Recht haben könnten und unsere Gewissheiten nur in unserem direkten Umfeld tatsächlich als Gewissheiten angesehen werden. Ob wir vielleicht doch nciht immer recht haben und das Problem nicht nur ist (O-Ton dieser Tage), daß wir „den Menschen unsere Perspektive nicht vermitteln konnten“, sondern daß ihre Wirklichkeit tatsächlich eine andere ist als unsere.

    Bis dann zum Wahltag, wo die vielen, die wir nicht wahrnehmen, weil wir sie blocken, filtern, weil sie in unsere Blase so wenig reindürfen wie wir in ihre reinschauen wollen, dann ihrer Enttäuschung Luft machen.

    • „Ob wir vielleicht doch nciht immer recht haben und das Problem nicht nur ist (O-Ton dieser Tage), daß wir „den Menschen unsere Perspektive nicht vermitteln konnten“, sondern daß ihre Wirklichkeit tatsächlich eine andere ist als unsere.“

      So ist es. Während für urbane Eliten Ökostrom und laktosefreie Milch ganz selbstverständlich zum Lifestyle gehören, gucken Landbewohner auf Windräder und Solarfelder und kriegen mit dem Geld, das sie für Milch bekommen, kaum ihre Familien und Kühe satt.

  22. Deinen Artikel kann ich nur zum Teil nachvollziehen. Sicher gibt es in Teilen der Linken Leute, die schnell mit emotionaler Schuldzuweisung sind – aber das ist eher ein persönliches Problem einzelner. Erfahrungsgemäß sind das Leute, schnell die „Seiten“ und Ansichten wechseln und garnicht wirklich verstanden haben worum es geht. Und für mich ist auch die Frage von welchen Konservativen du redest. AFD-Anhänger, Teile der CDU und CSU sind für mich nicht Konservativ – sondern einfach psychisch instabil. Ein Austausch oder Diskussion ist schlicht und einfach nicht möglich, da sie nicht auf Argumente eingehen, sondern ihre Überzeugungen phrasenhaft wiederholen. Es geht hier nicht um Problemlösung eher um das Ausleben von Emotionen und Neurosen. Manchmal ist es vielleicht überzogen und man kann es vielleicht nicht mehr hören – trotzdem finde ich es wichtig faschistoide Tendenzen auch so zu benennen. Früher habe ich mich immer gefragt, wie es damals zu Hitler kommen konnte – jetzt bekomme ich einen Begriff von den Mechanismen. Das Ausgrenzen anderer durch schlichtes Behaupten vermeintlicher Tatschen. So nach dem Motto „je öfter eine Lüge wiederholt wird, desto wahrer wird sie“ Ausgrenzung funktioniert leider immer noch perfekt. Mich erschreckt es, wieviele Menschen immer noch auf solche Verarschung anspringen. Hier werden Emotionen geweckt, die mir Angst machen. Wir sollten das ernst nehmen und ausnahmsweise zusammenhalten anstatt uns grüppchenweise gegenseitig niederzumachen.

    • christine,

      ich habe das eben bei ben_/ so formuliert: wir versuchen _seit jahren_ mit den idioten der welt zu reden, es klappt nicht, weil man eben keinen liter wasser in ein schnappsglas füllen kann … und fühlen uns nun schuldig, daß es es nicht funktioniert – und schlimmer noch, wir beharren drauf, es so lange weiter zu versuchen, bis es endlich klappt.

      wir versuchen mit menschen zu reden, die schlicht nicht verstehen können, was wir ihnen zu sagen versuchen. es mangelt ihnen an empathie. da ist nichts, was wir ansprechen können.

      ich habe vor 6 jahren, als mir nach dem anschlag in norwegen der kragen geplatzt ist, bei mir zu hause, wo ich gerade erschreckend deutlich geworden bin, schon (aus meiner jetzt 20jährigen erfahrung im netz) nach zensur! zensur! zensur! verlangt, in erster linie von den betreibern großer online auftritte, die von anfang an in ihre foren einen redakteur häten abstellen müssen, der die linie des blattes vertritt.

      daß wir jetzt mit diesem „nostra culpa“ von den leuten abgespeist werden, denen offensichtlich nichts anderes als ein „weiter so!“ in sachen schnappsglas verlangen, ist bizarr und ich ziehe mir den schuh sowenig an, wie du das da oben sehr richtig beschrieben hast: natürlich gibt es auf seiten der – ich nenne die mal so – humanisten, der empathischen, unreife idioten, aber …

      sorry, ich empfinde keinen hass und bin irritiert, weil ich immer dachte, ich sei der hippie und der dàoist in der runde und eigentlich müsste ich doch nach mehr geduld und verständnis rufen.

      dumm nur: ich habe keinen hass – ich habe ernsthaft angefangen, mir sorgen zu machen, mich geradean bedoht zu fühlen … und will jetzt nicht auch noch in die pflicht genommen werden, der sache weiter zuzugucken, wie sie bislang gehandhabt wurde.

      wenn „wir“ versagt haben, dann vor jahren.

      sorry für die länge und die vielen links.

      das alles ist nicht passier

      • „wir versuchen mit menschen zu reden, die schlicht nicht verstehen können, was wir ihnen zu sagen versuchen. es mangelt ihnen an empathie. da ist nichts, was wir ansprechen können.“

        Hardy, nicht soviel reden, auch mal zuhören.

        • > zuhören

          b*llshit … du tust so, als ob ich das nicht getan und versucht hätte. ich bin nur einfach nicht mehr so blöde, die versuche dieser leute ihre a-sozialen und wirren ideen als normal in diese gesellschaft zu etwas „normalem“ zu machen, nicht als reine taktik zu verstehen.

          die meinungen dieser leute sind „volatil“. es ist ihnen vollkommen egal, was sie gestern gesagt haben, es geht ihnen ausschließlich darum, einen fuss in die tür zu bekommen, die begriffe und die „frames“ zu setzen.

          aber, du bist ja sicher erfahrener und schlauer als ich, und weisst es besser. /s

          • Es ist eine alte Erfahrung, dass jemand seine Diskussionsgegner als Idioten bezeichnet, wenn ihm selber die Argumente ausgegangen sind.

            Dass einem die Argumente ausgehen, das kann jedem passieren, das ist mir auch schon passiert. Aber das ist dann eben so, man kann schließlich nicht immer recht haben. An dieser Stelle zeigt sich dann, ob man ein guter Verlierer ist.

        • ach ja, zuhören ist seit 30 jahren meine tägliche praxis, seit 8 hier und seit einem bei DasOhrIstDerWeg tag für tag dokumentiert. in meiner liste tauchen nicht nur die dinge auf, die ich persönlich mag, da reden auch die, die mir fremd sind.

          wem hörst du denn so zu?

    • Ich habe lange überlegt, ob ich darauf antworten soll und bin zu dem Schluß gekommen, dass dieser Kommentar ein Paradebeispiel für den Beitrag von Fr. Meike ist.
      Zitat:“Teile der CDU und CSU sind für mich nicht Konservativ – sondern einfach psychisch instabil. Ein Austausch oder Diskussion ist schlicht und einfach nicht möglich, da sie nicht auf Argumente eingehen, sondern ihre Überzeugungen phrasenhaft wiederholen“.
      Genau solche Aussagen sind es, die den den politisch Andersdenkenden von vorneherein degradieren und in die Ecke stellen. Dass solche Diffamierung irgendwann eine Eskalation erzeugt ist vorhersehbar.
      Letztlich muss jeder für sich entscheiden, warum gerade seine Meinung die Beste sein sollte.

      • christine,

        das ist, denke ich mal, das größte der probleme der diskussionen, die so online geführt werden: wir sehen unser gegenüber nicht, wir können den grad an komplexem verständnis, den er/sie erreicht hat, nicht einschätzen.

        wenn also hier ein geistig pubertierender über die CDU zb. herzieht, dann gucke ich darauf und denke: der ist 18.

        gerade ihn nun zum „beweis“ für die unreife aller anderen in der runde machen zu wollen und daraus die konsequenz ziehen zu wollen, daß das bedeutet, daß alle unreif seien, ist dann eben das ergebnis.

        ich werde nächste woche 60. meine favoritin für das kanzleramt ist ursula von der leyen im team mit trittin. oooopsi. für mich ist seit den 80ern das reden mit „den anderen“ wohl geübte praxis (ich hätte da eine lustige anekdote über einen kleinen besuch bei der JU zu zeiten der nachrüstung in petto) weil ich es für sinnlos halte, die eigenen leute zu überzeugen, mir lag immer mehr daran, daß die (werte)konservativen in der CDU verstehen, daß die grünen von den selben gedanken getrieben werden, als daran, mich mit den sozen um die butter auf dem brot zu streiten.

        und nu? nun bin ich mit einem im grunde vollkommen wertefreien MOB konfrontiert, der einen scheiss auf „werte“ gibt und sich endlich austoben will.

        häng den pubertierenden, der hier seine unreifen aversionen gegen die CDU austoben und gleichdenkende affirmation sucht, nicht zu hoch. ihm z u sagen, daß es ihm an reife mangelt, oder ihn zu ignorieren, hätte gereicht

        ein beweis dafür, daß „wir“ alles falsch machen ist er nicht

    • „AFD-Anhänger, Teile der CDU und CSU sind für mich nicht Konservativ – sondern einfach psychisch instabil. Ein Austausch oder Diskussion ist schlicht und einfach nicht möglich, da sie nicht auf Argumente eingehen, sondern ihre Überzeugungen phrasenhaft wiederholen.“

      Und nochmal: q.e.d. Wunderbar, so vereitelt man von vornherein jede Diskussion, und zwar nicht, weil die anderen „psychisch instabil“ und nur zu „Phrasen“ fähig sind, sondern weil es ihnen von vornherein unterstellt wird. Sprich: einer der Klassiker der rhetorischen Unredlichkeit.

      Ich habe mal jahrelang in einem sehr großen Religionsforum mitdiskutiert. Es ist in der ganzen Zeit nicht einer vom Atheisten zum Theisten geworden, und umgekehrt ist auch kein Gläubiger von seinem Glauben abgefallen. Nun könnte man leichthin sagen, dass der ganze Diskussionsaufwand dann ja umsonst war, weil ja quasi jeder nur „seine Überzeugungen phrasenhaft wiederholt hat“.

      Das mag für missionarisch veranlagte Persönlichkeiten so sein, aber für den, der was lernen will, sind solche Diskussionen eine wunderbare Schule. Man lernt nämlich nicht nur daraus, was die anderen schreiben, sondern auch daraus, was man selber schreibt. Man ist nämlich gezwungen, seine eigenen Argumente so gut wie möglich auszuformulieren und die bestmöglichen Begründungen zu finden.

      Und da hat sich so manche Idee, die man bislang gut und richtig fand, als dünnes Brett erwiesen, und eine andere halt als besonders dickes. Um das herauszufinden, dazu sind solche Diskussionen da, aber die bekommt man nur, wenn man seine Kontrahenten nicht schon im ersten Posting als psychisch instabile Sprechpuppen hinstellt. Ansonsten spielt man nämlich ganz schnell allein in seinem Sandkasten.

    • Das ist schon merkwürdig. Ich erlebe es ganz umgekehrt. Feministinnen zum Beispiel blocken jeden, der nicht auf dem Boden ihrer Ideologie steht, und mag er noch so sachorientiert und konziliant daherkommen. Gender-Professorinnen sagen offiziell, sie könnten nur diskutieren auf der Basis ihrer Lehre. Im übrigen werden in dem Beitrag abweichende Meinungen als krank pathologisiert. Da ist es dann naheliegend, alle Männer in Zwangstherapie zu schicken, wie kürzlich in der Zeit allen Ernstes vorgeschlagen.

  23. Witzig, ich kenne das von der Arbeit genau anders herum, wie es auch schon häufiger beschrieben wurde, die Formel, nichts sagen zu dürfen, wird als Blockade abweichender Meinungen genutzt, damit man selbst seine Meinung nennen kann, aber bloß die der anderen nicht zur Kenntnis nehmen braucht, wenn sie nicht mit einem übereinstimmen. Da wird dann schon von den ekligen Türken gesprochen und die Ehe zwischen Manm und Frau nur hochgehalten, um bloß keine Schwulen in der Öffentlichkeit sehen zu müssen (bei Frauen ist das natürlich gaaaaanz was anderes *bitte dreckiges Lachen einfügen*).

    Der Hass muss aufhören, aber an vielen kleinen Stellen in meinem Alltag liegt das eben nicht an einer Entgleisung der Diskussionskultur, sondern schlicht an einer Enthemmung der Leute, deren Zweck mir noch nicht ganz klar ist, aber irgendwie wohl auch etwas mit einer Erhebung des Selbst uber die anderen zu tun hat. Es ist klar, dass „diese Leute“ nicht erreicht werden, wenn man sich uber sie lustig macht, irgendwie ist auch klar, dass ein Dialog stattfinden muss, aber es muss auch klar sein, dass diskriminierende Äußerungen eben nicht gehen und auch nicht das, was sie repräsentieren. Die Leute aus meknem Arbeitsumfeld werden nicht in die Ecke gedrängt, zu hassen, sie spielen schon damit und tun total unschuldig.

    • @Alex:
      „Der Hass muss aufhören“ – Dein Satz pars pro toto.
      Wir müssen, glaube ich, erst mal wieder Luft holen, unsere eigene Sprache überprüfen und das, was wir damit transportieren. Haß ist eine Emotion. Emotionen sind nicht wahr oder falsch, richtig oder unbegründet, Emotionen sind da – oder auch nicht. Es nützt nicht nur nicht, jemandem seine Emotionen (wenn es denn welche sind) abzusprechen, sondern ist im Gegenteil kontraproduktiv, denn es signalisiert dem Gegenüber zuallererst, daß man ihn mit seinen Gefühlen und Empfindungen nicht ernst nimmt.

      Und wir müssen aufhören, uns dahinter zu verstecken, daß wir andere Standpunkte als Haß pathologisieren, um uns mit den dahinterstehenden Motivationen nicht befassen zu müssen. Wir müssen argumentieren und überzeugen, anstatt auszugrenzen und zu verdammen. Und eben auch zuhören und in Betracht ziehen, daß unser Gegenüber vielleicht tatsächlich nachvollziehbare Gründe hat, die Welt anders zu sehen.

    • „aber es muss auch klar sein, dass diskriminierende Äußerungen eben nicht gehen“ – So klar ist das nicht. Dazu müsste man sich erstmal einigen, was diskriminierend ist, also wo die Grenze liegt. Und die Betonung liegt auf „einigen“, denn wenn jede Seite nur ihren eigenen Maßstab anlegt, kommt man nicht weiter. Über Geschmack lässt sich bekanntlich nicht streiten.

      Nun ist in letzter Zeit – insbesondere in den USA – eine zunehmende, teilweise schon absurde Empfindlichkeit in dieser Sache zu beobachten. Stichworte: Micro-Aggressions, Trigger-Warnungen. Dabei lässt sich Diskriminierung gar nicht vermeiden, weil jede Entscheidung für etwas immer auch eine Entscheidung gegen etwas anderes ist. Wenn ein Mann sagt, er stehe auf schwarzhaarige Frauen, diskriminiert er alle blonden, brünetten, rothaarigen usw. Klingt jetzt irgendwie belangslos, nicht wahr? Aber was, wenn der Mann außer einer bevorzugten Haarfarbe auch noch eine bevorzugte Hautfarbe hat? Na? Darf der das?

    • > zu Recht

      oh, wir haben zu oft über den teufel geredet und jetzt ist er da? in diesem durchaus lustigen video, dessen verurteilung von hillary ich ja durchaus zustimme, stecken eben ein paar dinge, die ich ganz und gar nicht teile.

      zb. das mit dem teufel.

      also, als diese bescheuerte kampagne lief, in der jedes nicht angebrachte verhalten frauen gegenüber sofort in ein #aufschrei futter verwandelt wurde, da ist mir ja auch der kragen geplatzt und ich würde durchaus auch den feminismus seiner mutter eine teilverantwortung für das, was dieser norweger, dessen namen man nicht nennen sollte, dann veranstaltet hat, geben … aber diese monokausalität, dieses ausblenden aller anderen faktoren, die ihn da hinbringen, wie etwa das sich erhitzen in echokammern gleichgesinnter die aus einem maskulisten am ende einen islamophobern berserker gemacht haben … _das_ ist es doch, was wir, wenn wir „nostra culpa“ geißelschwingend durch die foren ziehen, schlicht ausblenden.

      und wenn ich noch mal das wort „die linke“ höre, explodiere ich. wer soll das denn sein? ich habe mich immer als links verstanden, bis die „linkspartei“ mir jeden spaß daran verdorben hat.

      sorry, aber … ja, das video ist witzig … aber diese selbstgeißelung der (jetzt gebrauche ich mal das wort, obwohl ich lieber an der stelle, boshaft wie ich nun mal bin, lieber jonathan lidells „wohlmeinende“ verwende) „gutmenschen“, das ist so bizarr, als ob man wie im mittelalter den für das erscheinen des teufels den verantwortlich macht, der den namen ausgesprochen hat.

      das ist nichts anderes als dieser christlich/jüdische schuldkomplex, der allen das gehirn zu vernebeln scheint.

      ich sage das gerne noch mal: verwahrlostem, asozialem, empathieunfähigem pack zuzuhören zu wollen, das das klima für den hass überhaupt erst geschaffen hat, das ist – online zumindest – ein bizarrer witz.

      diese forderung ist das ergebnis einer verunsicherung in die eigene haltung, führt nur dazu, daß man zeit verschwendet und sich am ende dafür rechtfertiget, daß der humanismus, der dem zugrunde liegt, was man erreichen will, von der gegenseite – die damit nichts zu tun hat und erst recht nicht haben will, nachdem wir mit ihr geredet haben – noch mehr verachtet und schon gar nicht ernst genommen wird.

      vielmehr muss jedem einzelnen hassdelikt bis zu einer gerichtsverhandlung hin nachgegangen werden. die, die diese aufgaben in unserem auftrag (wir haben sie gewählt) nachgehen sollen, müssen endlich gezwungen werden, aus ihrem winterschlaf aufzuwachen. ein aufmarsch wie der vom 3.10. in dresden gehört mit dem wasserwerfer von der strasse geputzt.

      und man sollte jedem energischst widersprechen, der sich zu fein ist, für die eigene sache auch mal wütend zu streiten.

      was ich gerade – zu wortreich, ich weiss – getan habe. denn der ponyhof ist erst mal verwaist. wer jetzt nicht kämpft, muss mit den folgen leben lernen.

  24. und – ich füge mal ein argument hinzu, das bislang meiner meinung nach in der diskussion fehlt: obama

    obama hat 8 jahre seiner regentschaft darin vergeudet, die „nation zu versöhnen“. ergebnis: hass der einen wie trump ins amt – das zu gewinnen, wie ich gerade im dlf höre. er nicht einmal zu träumen gewagt hatte, und auf das er NULL vorbereitet ist – gespült

    ich finde, michael moore hat recht: obstrution. widerstand. den DNC zerschlagen und neu strukturieren. aufhören, auf die abwiegler zu hören. die eigene haltung schärfen.

  25. Du hast schon bessere Artikel als diesen geschrieben. Demnach ginge es darauf zu, dass es bald nur noch Rechtsextreme und Linksextreme gäbe. Vom Erstarken der Linksextremen ist aber überhaupt nichts zu merken, im Gegenteil. Die Kapitalismuskritik scheint fast verschwunden.

    Die Linke ist zur Zeit mit konservativen Aufgaben beschäftigt, nämlich Toleranz, Pluralismus und ähnliche Werte gegen massive Angriffe von rechts zu bewahren.

    Die AfD und ihre Sympathisanten sind keineswegs konservativ, sondern reaktionär. Sie wollen zurück in die 50er Jahre oder sogar in die 40er und 30er, zurück zu Nationalismus, Rassismus und Sexismus. Dass sie damit Morgenluft wittern, liegt aber nicht an ausgrenzenden Linken (das ist eine Überschätzung ihres Einflusses), sondern daran, dass mit Flüchtlingen und Muslimen endlich wieder Sündenböcke präsent sind. Man muss nur lange genug von Flüchlingskrise reden, dann erscheint sie als Realität.

    Das Links-Rechts-Schema ist ein bischen zu einfach, um die aktuelle Situation zu analysieren. Zumindest den Neoliberalismus als Richtung sollte man dabei berücksichtigen. Er ist in der Mitte zu finden, auch wenn er nicht identisch mit der Mitte ist. Eine solche Mitte würde ich nicht vermissen, doch (leider?) ist sie auch nicht in Gefahr.

    Es sind die Folgen neoliberaler Politik, die den Aufschwung der Rechten bewirkt haben und jetzt einen Gegensatz Globalisierung – Nationalismus konstruieren. Den Linken ist nicht eine zu starke Abgrenzung von Rechts vorzuwerfen, sondern eine zu schwache Abgrenzung vom Neoliberalismus. Sie sind mit den Neoliberalen von CDU,SPD und Grünen ein Bündnis gegen rechts eingegangen.

    Das ist ja nicht unbedingt ein Fehler, aber sie vernachlässigen dabei ihre eigenen Standpunkte und die Differenzen zum Neoliberalismus. Wenn aus AfD-Kreisen von einer linken CDU geredet wird, dann liegt das auch daran, dass die Linke nicht deutlich genug gemacht hat, was „Links“ eigentlich bedeutet.

    Internationalismus ist die Gemeinsamkeit zwischen Linken und Neoliberalen. Die Unterscheidung zwischen internationaler Solidarität und internationaler Ausbeutung ist aber eine wesentliche. Weil nur sie dem Sozialdarwinismus, der Gemeinsamkeit von Rechten und Neoliberalen, etwas entgegensetzt.

    • Ich weiß wirklich nicht, was das dieser Tage ist. Ich habe viele gute und m.E. treffende Analysen zur Wahl und zu den rechten Trends in der westlichen Welt gelesen, mal waren sie umfassender, mal griffen sie nur einzelne Aspekte heraus und wiesen darauf hin, dass das nur EINE mögliche Erklärung sei. Und wann immer ein Kritiker aus dem Gebüsch springt, kommt als erstes der Einwand, dass das ja gar nicht DER Grund für alles sein könne. Bitte. Lesen Sie genau. Niemand sagt, dass es DER Grund für etwas ist – die Ursachen dieser Trends und auch die Trump-Wählerschaft sind viel zu komplex und heterogen. Es wäre unredlich, dieses multikausale Ding auf einen Nenner herunterzubrechen.

      Ich gebe Ihnen insofern recht als die traditionell linken Parteien in der Gesellschaft nicht den Einfluss haben, den sie haben müssten, wenn die Radikalisierung gleichermaßen in beide Richtungen ablaufen würden. Aber: wir leben in einer gespaltenen Welt, einer digitalen und einer aus Kohlenstoff. Und in der digitalen Welt sind linksliberale Positionen genauso laut wie rechte. Im Internet, in den sozialen Medien ist die von mir beschriebene linke (oder vielleicht besser: liberale) Arroganz so spürbar, dass es mich ekelt. Ich nehme mich dabei nicht aus, auch ich habe in der Vergangenheit, den Fehler gemacht zu glauben, dass offene Feindschaft der richtige Weg ist, den immer rechter werdenden Tendenzen zu begegnen. Als ich merkte, dass das nichts bringt, bzw. den Hass der, die sich nicht mehr als Teil der deutschen Demokratie sehen, immer größer wird, schrieb ich schon vor einem Jahr, dass wir uns mehr für die Gründe interessieren müssen als für die Symptome. Ich sehe bei – ich nenne es jetzt mal in Ermangelung eines besseren Worten: meinesgleichen Weltbilder so plump wie aus einem James-Bond-Film: hier die Guten, da die Bösen, es gibt nichts mehr zu sagen. Das ist schlimm, das ist seinerseits so dumm, weil die Liberalen damit auf wertvolle Erkenntnisse über die Entstehung von Faschismus verzichten. Sie sagen: brauche ich nicht, ist egal, der Faschismus wird vom Klapperstorch gebracht! Mein Gott, wie geradezu antiintellektuell.

      Dass es bei dieser ganzen Entwicklung auch um Wirtschaft geht, um das Gefühl, zu den Verlierern zu gehören, nicht zu den Gewinnern, dass die vormals linken Parteien ihre linke Identität fast völlig verloren haben und immer näher an die graue Mitte herangerückt sind, in der die Politik eher der Wirtschaft zuarbeitet als den Bedürfnissen der Menschen, ist zweifellos richtig. Die SPD ist ja schon lange, lange nicht mehr die Partei des „kleinen Mannes“. Sven Scholz hat sich sehr umfangreich mit seiner eigenen Enttäuschung mit der linken Politik auseinandergesetzt und eine hervorragende Analyse der Situation in den westlichen Demokratien geliefert: Perspektiven.

      • Der Irrtum ist, dass es um „Gut“ oder „Böse“ ginge.
        Es geht (ich sag das mal ganz vorsichtig) biologistisch um die Vermehrung der eigenen Sippschaft und den Erhalt ihrer geschaffenen Kulturäume.
        Kriege waren immer schon und sind immer noch Kulturkriege. Und jede Kultur schafft sich ihre eigene Moral, ein eigenes „Gut“ und ein eigenes „Böse“. Innerhalb einer Sippschaft ist das Achten auf den Schwächeren häufig gar nicht das Problem. Unsere westliche Kultur der Gleichheit und der Toleranz ist der Erfolg unseres Reichtums und unserer Bildung, doch ob unsere Wertung von „Gut“ und „Böse“ global tauglich ist, wage ich zu bezweifeln.
        Jedenfalls sieht es nicht danach aus, als könne man mit Toleranz die Intoleranz besiegen. Wenn die Kultur der Toleranz und der Achtsamkeit nur mit Waffengewalt durchgesetzt werden kann, ist das dann gut oder böse?

  26. @André Olejko

    > Ich habe über Broders Artikel einen
    > ziemlich umfassenden Überblick

    ah, ich gehe dasvon aus, daß du ihn also seit nun ca 35 jahren kennst und liest, seinen abstieg von einem von mir durchaus geschätzten autor, der mich mal von der verwirrung des philosemitismus (damals noch als spiegel autor) „geheilt“ hat, hin zu einem cholerischem misanthropischen arschloch mitbekommen, es aber bloß nicht bemerkt?

    du hättest besser mal frau kaddor zu gehört. dieses „einen ander klatsche haben“ bezieht sich auf die forderung frau kaddors, daß nicht nur die zuwanderer eine „bringschuld“ haben sondern auch wir deutsche ihnen gegenüber. was das selbstverständlichste auf der welt sein sollte, aber selbstverständlichkeiten im umgang miteinander hat – sorry, ich lese den scheiss seit 20 jahren, ich habe jeden einzelnen schritt seines abstiegs in den schweinekoben en detail mitbekommen – er mit seiner verächtlichmachung des gegenüber komplett ruiniert.

    sich heute hinzustellen und so zu tun, als seien es die „gutmenschen“, die diesen ton in die debatte gebracht haben, ist schlicht obszön.

    und jetzt google dich mal durch „broder +political + incorrect“ oder lies einfach mal irgendwas, was nicht von dieser abstoßenden flachpfeife kommt.

    ach ja, dein name klingt auch irgendwie so, als hätten wir dir oder deinen eltern gegenüber eine bringschuld (um mich mal des duktus dieser neuen faschisten zu bedienen)

    , und der Gipfel der „Frechheit“, die sich Broder „erlaubt“ hat, dass Frau Kaddor „einen an der Klatsche hat“. Alles andere ist reguläre Debatte. Kannst du mir auf die Sprünge helfen und mir ein Zitat zeigen, das als Aufruf zu Morddrohungen an Frau Kaddor verstanden werden kann?

    Ich verantworte im übrigen nur das, was ich selber tue und lasse.

    • Ja, Broder ist böse. So schön böse! Ich liebe es!

      Frau Kaddor kann ja gerne fordern, aber man muss es ihr ja nicht geben. Da könnt’ ja jeder kommen. All diese Forderer können zwei Dinge besonders gut und ein Ding dafür besonders schlecht. Sie können gut fordern und sie können gut austeilen. Aber sie können nicht einstecken. Und deswegen haben sie mit Broder ein Problem. Und das ist auch gut so.

      Niemand – in Worten: niemand – auch Frau Kaddor nicht, du nicht, und ich schonmal gar nicht – auf dieser Welt ist so heilig, dass man ihn nicht auch verspotten dürfte. Und genau deswegen darfst du Broder als „Arschloch im Schweinekoben“ bezeichnen, ohne dafür wegen Staatsverleumdung, Majestätsbeleidigung oder Gotteslästerung ins Loch gesteckt zu werden. Und genau deswegen – entweder gleiches Recht für alle oder keinen – darf Broder sowas auch.

      Ja, und mein Name klingt irgendwie so nach … huh! … nichts genaues weiß zwar man nicht, aber im postfaktischen Zeitalter darf ja jeder munkeln, wie ihm beliebt.

      Lange Rede, kurzer Sinn: ich weiß immer noch nicht, womit Broder die plötzliche Flut von Morddrohungen gegen Frau Kaddor verursacht haben soll. Hast du da nun noch was faktisches oder muss ich das jetzt einfach so glauben?

  27. Hardy und André, ich glaube, Ihr beißt Euch gerade an Broder sehr fest, und ich glaube weiters, dass das weder Euch beiden noch Mitlesern etwas bringt. Tragt diese Zwistigkeit bitte unter Euch aus.

    • liebe frau meike,

      wenn wir über hass reden müssen wir auch über die reden, die ihn säen.

      @andre

      statt nur broder zu lesen, was ich, wie ich sagte, seit mehr als 30 jahren tue, hättest du auch mal frau kaddor zuhören können.

      sie hat sehr wohl das recht, daß ihre gedanken gehört und nicht verzerrt dem pöbel zum fraß vorgeworfen werden. das war früher so, daß man dem anderen zuhörte. naja. bevor hassprediger die landschaft vergiftet haben.

      • Aber nicht in einem nicht enden wollenden Schlagabtausch, aus länglichen, immer persönlicher und aggressiver werdenden Wortschwällen auf meiner Seite. Bitte das zu respektieren.

  28. ich lege mal einen klugen artikel aus dem tagesspiegel obenauf.

    das ist der effekt, den ich im zusammenhang mit dem, was lamya kaddor passierte, sehe .. die, die eben noch „das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ plärrten, tun gerade alles, um denen, mit deren meinung sie sich nicht mehr auseinandersetzen wollen, niederzumachen.

    ich kann nur empfehlen, das interview mit ihr zu hören, sie schildert den mechanismus und läßt auch nicht aussen vor, wer ihn wie in gang setzt.

  29. Ich bin mit etwas Verspätung auf Ihren Artikel gestoßen, liebe Frau Meike, habe mich aber trotzdem darüber gefreut.

    Als ehemaliger Linker (zumindest halbwegs), der sich inzwischen eher als Rechter bezeichnen würde, kann ich Ihre Analyse aus persönlicher Sicht bestätigen. Es gibt unterschiedliche Gründe, aus denen ich mich den Rechten zurechnen würde, aber die Überheblichkeit, das Sendungsbewusstsein und der dauernd erhobene moralische Zeigefinger der linksliberalen Hegemonie, die lange den Diskurs im Netz beherrscht habt, sind sicher einer davon.

    Ich freue mich deshalb, dass so langsam, ganz allmählich auch bei der Linken (wenn ich Sie mal dazuzählen darf) ein gewisses selbstkritisches Nachdenken einsetzt. Es ist schon 5 vor 12, mindestens, aber vielleicht doch noch nicht ganz zu spät, um (wieder?) miteinander zu reden…

  30. Die Autorin hat sich offenbar noch nie auf den Seiten der Leute umgesehen, denen sie hier eine Opferrolle bescheinigt.

    Wer sich außerhalb des Wertekanons der Verfassung stellt, hat keinen Anspruch auf demokratischen Diskurs, denn er befindet sich bereit im Abseits. Oder sollen wir jetzt auch noch das Grundgesetz zur Diskussion stellen, bloß damit der Gesprächsfaden nicht abreißt?

  31. Ist immer super, auf einen Blog zu stoßen, der weder zu den rechtslastig-verschwörungstheoretischen „Alternativmedien“ gehört, noch es sich einfach machen und einfach nur nachblubbern will, was „gute Menschen“ (Ich verzichte jetzt bewusst mal auf den Begriff „Gutmenschen“) so finden sollten.
    Du hast absolut recht, dass Linke (wenn ich Dich richtig verstehe) oft eine „Deutungshoheit“ (die sie sich selbst zurecht definiert haben) rigoros gegen alle, die nicht zu 100% ihrer Meinung sind, verteidigen und damit u. a. auch Menschen zu „Feinden“ („Rechtspopulisten“, „Nazis“, …) stilisieren, die ihnen ansonsten vielleicht in vielen Punkten sogar zustimmen.
    Manchmal kommt mir das so absurd vor, dass ich mich frage, ob bei solchen Leuten das „Linkssein“ so aufrichtig ist oder ob sie nicht eigentlich selbst mithaten und andere dazu anstacheln wollen, sich immer mehr zu ereifern und immer weiter nach rechts zu rücken.
    Hypothetisches Beispiel: Die Verschwörungstheoretiker von der Querfront haben jetzt Verbindungen von Trump zur „Casher Nostra“ (jüdische Kriminelle à la Meyer Lansky (Meyer ist ein Vorname)). Konkret geht es wohl um Typen wie Roy Cohn (gest. 1986 an den Folgen von AIDS).
    OK, Cohn war Jude und homosexuell (bzw. nicht homosexuell, er hatte nur gern Sex mit Männern, wie man es im republikanischen Lager der Reagan-Ära verstanden wissen wollte, vgl. Wikipedia).
    Gewissen Leuten wird jetzt das Herz aufgehen (Der Typ war doppelt diskriminiert! Zu dem muss man/frau auf alle Fälle nett sein!) und sie werden jeden, der es wagt, Cohn zu kritisieren, als Antisemiten und Schwulenhasser bzw. homophoben Menschenhasser diffamieren.
    Dabei war Roy Cohn einfach eine D….s.. sondergleichen und selbst alles andere als „links“. Aber bei einem wie dem ist das für diese aufgesetzten, einfältigen Leute okay.
    Andere werden dagegen den Eindruck haben, ihr Antisemitismus sei durchaus gerechtfertigt. Cohn sei doch ein Superbeweis, wie sch…. die sind, usw. bla bla.
    Aber Roy Cohn war einfach nur ein A….loch, das ZUFÄLLIG auch jüdisch und homosexuell (bzw. er stand ja nur auf Sex mit Männern) war.
    Was daran ist so schwer zu verstehen? Ich meine, die EINEN wollen solche Leute in den Himmel heben, weil sie jüdisch und/oder homosexuell (Flüchtlinge, schwarz, Muslime,…) sind und die ANDEREN glauben, es sei wieder okay, Leute offen zu verachten, weil sie jüdisch und/oder homosexuell, usw. sind. (Dabei liegt es auf der Hand: Auch Bernie Sanders ist Jude – und ein ganz anderer Mensch als Roy Cohn. Selbst Kindergartenkindern dürfte es einleuchten, dass es da keinen Zusammenhang gibt)
    Natürlich provoziert ein solches Verhalten, auch von linker Seite, Aggressionen.
    Und man fühlt sich innerlich wie der Vesuv kurz vorm Ausbrechen, wenn es dann auch noch absolut willkürlich ist (Die einen macht schon der schlesische Opa zum „Flüchtling“ – alle müssen also nett zu denen sein – während andere schnell zu Deutschen (Weißen, Heterosexuellen, Christen,…) „ehrenhalber“ erklärt werden, damit man zu denen NICHT nett sein muss.).
    Vielleicht wäre es einfach besser, wenn man Menschen wieder mehr nach ihrem Verhalten beurteilen und als Individuen ansehen würde, anstatt (im Guten wie im Schlechten) nach solch oberflächlichen Kategorien zu gehen.
    Ganz abgesehen davon, dass „Deutungshoheit“ nicht mit Meinungspluralismus und Demokratie vereinbar ist, auch dann nicht, wie die Leute nur das Beste wollen (Tja, das sagen sie alle!).
    Vielleicht geht das in die Richtung, die Du auch im Auge hattest – keine Ahnung – aber es erklärt evtl., warum sich Stimmungen so schnell hochschaukeln.
    WARUM sich Leute aber so verhalten, darauf kann ich mir auch keinen Reim machen …

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