Alles nicht so schlimm?

Alles nicht so schlimm?

Jetzt ist es also passiert: Donald Trump wurde zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt. Und der Rest der freiheitlich-demokratischen Welt steht sprachlos davor, sprachlos und fassungslos. Alle bemühen sich, die Form zu wahren und nicht als schlechte Verlierer dazustehen, denn das wäre schlimmer als die eigenen Werte aufgeben zu müssen. Und so stehen alle demokratischen Politiker stammelnd vor Trump, lächeln, schütteln seine Hand, reden von Kompromissen und hoffen einfach mal, dass das alles schon nicht so schlimm wird, dass er und seine Regierung sich schon an die demokratischen Grundsätze halten werden. Sie begehen den Fehler, den Generationen von Bürgerrechtlern vor ihnen begangen haben: zu glauben, der Mensch habe eine gute und vernünftige Natur, die man nur erwecken müsse.

Das ist schon nicht wahr für jeden normalen, zurechnungsfähigen Menschen. Wir alle handeln wie wir handeln auf der Grundlage von Gefühlen und Abwägungen (meist ökonomischer Natur). Diese Gefühle sind mal mehr, mal weniger in der Realität verhaftet, die Abwägungen mal weitsichtiger, mal kurzsichtiger. Alles, was wir tun, ist so fehleranfällig wie wir als Menschen fehlerhaft sind. Es gibt nicht das Gute im Menschen, das nur erweckt werden muss, das man nur mit überzeugenden Argumenten aus seiner Höhle holen muss, in die es sich vor den rohen, wilden Instinkten zurückgezogen hat. (Ebenso wenig gibt es natürlich das Schlechte im Menschen.)

Wo der Glaube an die menschliche Vernunft schon bei normalen Menschen ein Irrtum ist, ist er es bei Donald Trump erst recht. Denn Männer wie Donald Trump sind keine Demokraten, sondern Autokraten, Alleinherrscher, er stünde nicht an der Spitze eines dekadenten Imperiums, wenn es anders wäre. Donald Trump ist Narzisst und ich habe in meinem Leben genug Zeit mit Narzissten verplempert, um zu wissen, dass das unter anderem bedeutet, dass dieser Mann a) niemandem vertraut, b) kein Mitgefühl für andere und ihre Bedürfnisse empfinden kann und c) ausschließlich seine eigenen Bedürfnisse zur Grundlage seines Handelns macht. Für Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung haben andere Menschen nur eine einzige Bedeutung: dient er/sie mir zur Durchsetzung meiner Interessen? Kann er/sie mir helfen, das zu erreichen, was ich will? Ein generelles Gefühl für Gut und Böse besteht hier gar nicht, der Narzisst bewegt sich vollständig außerhalb eines solchen romantischen Referenzsystems. In diesem moralischen Vakuum hindert ihn nichts daran, seine Mitmenschen auszuquetschen wie eine Zitrone. Er hat keine Hemmung, Schwächere emotional auszubeuten, seine überlegene Position auszunutzen und Menschen zu manipulieren, wo er nur kann. Er lebt in einer Welt, in der das Recht des Stärkeren regiert, und der Stärkere ist immer er.

Narzissten umgeben sich niemals mit kritischen Geistern, mit Leuten, die ihnen Paroli bieten oder auch mal den Kopf zurechtrücken. Narzissten wollen Ja-Sager und bedingungslose Treue. Narzissten wollen für ihre egomanen Ideen Beifall, nicht Verbesserungsvorschläge. Die ersten Personalentscheidungen, die jetzt nach der Wahl an die Öffentlichkeit durchsickern, bestätigen genau diese Linie. Trump schart alle um sich, die sich in der Vergangenheit durch hechelndes Speichelleckertum oder große inhaltliche Nähe hervorgetan haben. Den Anfang macht ein überzeugter Antisemit als Stabschef Chefberater. Natürlich sind auch die eigenen Familienmitglieder im inneren Zirkel vertreten, wie es sich für ein autoritäres Regime gehört.

Und jetzt kommen die Medien und sind so erleichtert, dass Donald Trump sich in ersten Interviews ein wenig gemäßigter gibt als während des Wahlkampfes. Alles sinkt zurück in den wohligen Glauben an die grundsätzliche Vernunft des Menschen. Nun, es gab schon einmal einen solchen Moment in der Geschichte und er ist 83 Jahre her. Als die Nazis 1933 in Deutschland an die Macht kamen, waren sich die internationalen Medien genauso einig wie heute, dass das schon nicht so wild wird, weil die Nazis ja gar nicht alles einhalten können, was sie versprochen haben. Dass es letztlich nicht nur so wild wurde, sondern tatsächlich noch viel, viel schlimmer, wissen wir alle.

Denn all das Gerede, die ganze Selbsteinlullung geht von einer völlig falschen Annahme aus: dass für Autokraten grundsätzlich die gleichen selbstregulatorischen Begrenzungen gelten wie für freiheitliche Demokraten. Das tun sie aber nicht. Selbstregulation kennt der Narzisst einfach nicht, nicht ohne Grund liegt Narzissmus symptomatisch dicht am Größenwahn. Gerade Narzissten, die so reich und mächtig sind wie Donald Trump, können sich in einer Gesellschaft, in der Besitz wichtiger ist als menschliches Wohl, nahezu alles erlauben. Die Art und Weise, wie er beinahe kokett alle Fragen nach seiner Steuerhinterziehung im Wahlkampf an sich hat abperlen lassen, zeigt das überdeutlich. Dieser Mann glaubt, er sei der Gemeinschaft nicht verpflichtet, er stünde außerhalb “unseres” Wertesystems. Er freut sich, dem Staat ein Schnippchen geschlagen zu haben – genau wie der “kleine Mann” das tun würde. Ich wage es nicht, mir auszumalen, was es für Folgen hat, wenn jemand, der sich öffentlich freut, sich auf Kosten der Gemeinschaft und des Staates bereichert zu haben, plötzlich der Staat ist.

Wer einen Narzissten nicht erkennt und ihm nicht ohne Unterlass mit dem allergrößten Misstrauen begegnet, bezahlt am Ende dafür. Immer. Und ich habe Angst davor, wie hoch der Preis sein wird, wenn unsere freiheitliche Welt den Narzissmus des mächtigsten Mannes der Welt wegtätschelt, um sich selbst zu beruhigen. Ein solcher Mann an der Spitze einer Weltmacht, die niemand besiegen kann, ist eine große Gefahr.

Irgendwann während meiner Pubertät, ich fing gerade an, mich mit den großen moralischen Fragen zu beschäftigen, sprach ich mit meinem Vater über Krieg. Mein Vater war acht Jahre lang Zeitsoldat und Zeit seines Lebens Reservist und als ich versuchte, die Frage nach der Richtigkeit oder Falschheit von Krieg für mich selbst ganz grundsätzlich zu beantworten, da stellte er mir nur eine Frage: “Was machst Du, wenn ein befreundeter Staat in die Hände von Verbrechern fällt?” Ich hatte keine Antwort darauf und habe bis heute keine, aber an die Frage muss ich in diesen Tagen immer wieder denken.

42 Kommentare

  1. Liebe Frau Maike,

    leider haben Sie so recht.
    Wie das Umkrempeln eines Staates funktioniert sieht man gerade “live” in der Türkei.
    Und, leider, hatte auch ihr Vater recht, die befreundeten Staaten ebenso wie unser eigener können ganz schnell kippen, wenn wir nicht aufpassen und rechtzeitig handeln bevor es zu spät ist.

    Despite all odds wünsche ich Ihnen eine gute Woche!
    HG, D.B.

  2. Wenn alle befreundeten Staaten “kippen”, nur “wir” nicht ,sollten wir jedenfalls zumindest rechtzeitig merken, ab wann wir der Geisterfahrer auf der Autobahn sind.

    • Und wenn alle von der Klippe springen, sollen wir auch springen? Und wenn alle darauf beharren, dass Frauen hinter einen Herd und Muslime hinter eine Ziege gehören, sollen wir einsehen, dass das richtig ist? Und wenn alle in bürgerkriegsähnlichen Zuständen versinken, sollen “wir” auch?
      Entschuldigung, aber das ist wirklich ein sehr, sehr schlechtes Argument.

      • Oh je atleen,

        sehen Sie das wirklich als Geisterfahrerei, wenn Deutschland eine Demokratie mit gesetzlich verankerten Menschenrechten bleiben will?
        Nur weil alle in dieselbe Richtung rennen, heißt das noch lange nicht, dass es die richtige Richtung ist.
        Schon mal von den Lemmingen gehört/ gelesen, die rennen laut Volksmund gerne mal in den Abgrund.
        Darauf habe ich überhaupt keine Lust, und ich wünsche es unseren Kindern und Kindeskindern und den folgenden Generationen in anderen Ländern auch nicht, dass sie in Autokratien leben müssen, weil wir versagt haben das Erreichte zu schützen bzw. zu verteidigen.

  3. Also unbesiegbare Weltmacht, sehr ich etwas anders, schon der Irak war fast eine Nummet zu groß. ( Atomwaffen ausgeschlossen, rein konventionell ) Ansonsten guter Artikel.

  4. Diese Hätscheleien beweisen nur, in was für einer warmen Wohlfühlzone wir waren, in der wir es uns leisten wollten, unpolitisch zu sein. Und am liebsten würden wir dieses Paradies, in dem wir unseren Bedürfnissen nachgehen konnten, behalten. Doch angesichts einer neuen Geburt der Autokratien müssen wir in unsere gesellschaftliche Pflicht wieder genauso viel Kraft investieren, wie wir sie in unsere Familien und Freundeskreise, unsere Geschäfte und in uns selbst tun.

  5. JA ABER….

    Warum ich trotzdem glaube, dass wir mit einem blauen Auge davon kommen könnten:

    – Trump hat (anders als Hitler) keine eigene Agenda bzw. Überzeugung jenseits seines eigenen Vorteils und Prestiges. Sprich: er hat keinerlei Probleme Ideen und Versprechungen aufzugeben, solange er davon ausgeht, dass es für ihn und sein Ansehen nützlich ist

    – er ist (auch hier im Unterschied zu Hitler) letztlich eher leichtgläubig als paranoid und damit erschreckenderweise gut von einem Putin, aber eben auch von einem Obama beeinflussbar

    – er hat keine stabile Machtbasis: jenseits seiner Familie besteht sein Gefolge
    1. aus fragwürdigen Leuten, die weniger von ihm überzeugt sind, als vielmehr seine Welle abreiten, um eigenen Zielen näher zu kommen
    2. aus religiösen Rechten und republikanischem Establishment, die ihn zum Teil liebend gerne los wären, sofern sie dabei ihre Macht erhalten könnten
    3. aus Enttäuschten, die bis dato demkratisch gewählt haben und sehr schnell desillusioniert sein könnten
    4. den üblichen Verdächtigen (NRA ua.), die in Einelfällen viel Unheil anrichten und hier und da vielleicht bürgerkriegsähnliche Zustände herbeiführen könnten, aber letztlich nichts Entscheidendes ausrichten können.

    – in seiner Hybris liefert er vermutlich fast täglich Gründe, die seine Absetzung rechtfertigen und als ultima ratio eingesetzt werden können (gegenwärtig stehen dagegen noch eine erwartungsvolle/ kampfbereite Anhängerschaft und die auf Lenkbarkeit hoffenden Parteikollegen

    – weder in der Bevölkerung noch unter den Politikern gibt es (anders als z.B. in Russland) einen verbreiteten Wunsch nach autokratischen Strukturen. Ironischerweise hat Trump auch mit dem Versprechen gewonnen, undemokratsche Strukturen in Washington zu bekämpfen – und einige Sanders Anhänger konnten sich gerade aufgrund ihres Demokratieverständnisses nicht dazu durchringen, Clinton zu wählen.

    Also: es steht viel auf dem Spiel und es besteht (gerade außenpolitsch die Gefahr), dass er die Welt nachhaltig schädigt, aber es besteht auch Grund zur Hoffnung

  6. Soso, ein Spitzenpolitiker mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. In welcher Welt habt ihr eigentlich bisher gelebt, dass das für euch jetzt was ganz Neues und Ungewöhnliches ist?
    Viel seltener erscheint da doch mal ein Politiker auf dem TV-Schirm, der KEIN durchgeknallter Narziss ist. Das heutige politische System spült die Knallchargen zuverlässig nach oben. Sich hier nur auf eine einzelne, besonders extrem agierende Person einzuschießen, greift m.E. ein wenig kurz. Wir müssen als erstes komplett verstehen und anschließend benennen, was da falsch läuft.

    • Ich bin ganz Ihrer Meinung. Seit Jahr und Tag rede ich darüber, dass das besitzbasierte System, in dem es sich die westliche Industriewelt gemütlich gemacht hat, ein schlechtes ist, weil es Menschen ohne Skrupel zum Erfolg verhilft. Denn das ist ja genau das Absurde: die narzisstische Persönlichkeitsstörung führt eben nicht zum gesellschaftlichen Abseits, sondern zum Erfolg – das ist in der Politik nicht anders als in der Wirtschaft. Echte Persönlichkeitsstörungen sind zwar in der Gesamtbevölkerung selten, unter Führungspersönlichkeiten aber drei- bis viermal häufiger als unter der restlichen Bevölkerung. Das heißt nichts anderes, als dass wir in einem System leben, in dem Rücksichtslosigkeit und ein Mangel an Mitgefühl belohnt werden.

  7. Die Frage ist, wie gut sich das Regierungs-/Macht-System der USA mit Narzissten auskennt und welche Immunsysteme es dabei herausgebildet hat. In diesem Punkt traue ich dem USA-System mehr zu als der Weimarer Republik.

  8. Die Frage ist nicht, ob Trump Hitler ist oder wird oder auch nicht. Die Frage ist: Was kann man jetzt und wie konkret ändern. Meike?

  9. Alles was da über die narzisstische Persönlichkeitsstörung steht, ist weitestgehend falsch, plump und populistisch. In jedem Fall aber ungehörig oberflächlich und absolut unvollständig. So ist Narzissmus nicht!

    Leider ist das so eine vielleicht populäre aber konsequent unwirkliche Darstellung, die im übrigen alle Betroffenen diskriminiert.

    Das ändert nichts an der grundsätzlichen Richtigkeit des Beitrags, hat aber mit dem Narzissmus genauso viel und wenig zu tun, wie mit Hautfarbe, Rasse, Religionszugehörigkeit u.v.m.

    Sagt einer, der es beurteilen kann.

    • Den Artikel, den ich zum Thema verlinkt habe, gelesen? Der stützt meine Beschreibung ziemlich umfassend. Die Psychologen und Psychiater haben weniger Ahnung als Sie? Donnerwetter, wer hätte das gedacht.

      • Naja, Psychologen diagnostizieren alles wenn es sein muss.

        Heute morgen stand im Manager Magazin ein Artikel von einer Person die Trump persönlich kennengelernt hat, da klangen die Attribute nicht nach Narzissmus http://www.manager-magazin.de/politik/weltwirtschaft/trump-verdient-eine-chance-a-1120743.html

        Aber wir Wissen es nicht, daher bringt es auch wenig sich aufzuregen. Aber wie gesagt, die USA sind seit über 200 Jahren ein stabile Demokratie, das wird auch ein Trump nicht ändern, warum sollte er das tun?

        Auch wenn alle den “Faschismus” an die Wand malen, sein Programm hat keinerlei Tendenzen dahin und auch sowas wie “Mein Kampf” hat er nicht geschrieben. Er will Steuer senken, die Infrastruktur aufbauen und illegale (kriminelle?) Ausländer abschieben. Für mein Rechtsverständniss keine sonderlich verdächtigen Dinge, auch wenn ich eine Partei mit einem anderen Programm wählen würde.

        • Der Artikel im Manager Magazin ist ein schönes Beispiel dafür, dass Banker nichts auf dem Kasten haben und Sätze ohne Inhalt bereits für einen Standpunkt halten, z.B. dass Trump eine Chance verdient habe. Ja, was denn sonst? Er hat seine Chance, niemand kann sie versemmeln außer er selbst. Oder ebenso sinnleer: “Man muss seine Art, zu polarisieren und zu provozieren, nicht mögen; seine rassistischen und sexistischen Aussagen sind abstoßend. Aber wir alle müssen die Entscheidung des amerikanischen Volkes akzeptieren.” Wir alle müssen ja auch das Wetter akzeptieren oder das 0:0 gegen Italien. Allerdings gibt es augenscheinlich verschiedene Standpunkte: Der Regenschirmverkäufer findet den Regen sehr akzeptabel, der Eisverkäufer weniger. Und darum geht es doch: Wessen Interssen werden bedient? Man würde sich ja so wünschen, es entspräche nicht der Wahrheit, was einem die Medien berichten, z.B. dass Trump nicht in den Banner seiner “President-elect”-Website als erstes seine Immobilien anpreist, es ist aber leider wahr, jeder kann sich das angucken. Sein wirtschaftlicher Fachverstand steht auch in Zweifel, aber nicht nur der, sondern auch der seiner Entourage. Die Verbindung von kräftig steigender Verschuldung bei gleichzeitig steigenden Zinsen kann nicht gut gehen. Wirtschaftskrieg mit China ist auch so ein Stammtisch-Reflex – China hat gestern schon die ersten deutlichen Warnschüsse zurückgefeuert.
          Aber bitte: Es sind so viele Dummheiten, Lügen und Gemeinheiten von Trump aktenkundig – sammeln wir doch jetzt einmal, um die Sache auszutarieren, seine gescheiten Sätze, klugen Vorschläge und mitfühlenden Bemerkungen. Im Originalwortlaut. Mir sind keine bekannt, ich würde aber – wirklich – gerne die Äußerungen von ihm wahrnehmen, die das Bild differenzieren würden. Frage: Kennt jemanden einen gescheiten Gedanken aus dem Mund von Donald Trump, “den man akzeptieren muss”? Anyone? Auf Twitter war ja seit Monaten nichts als unwürdiges Gelaber. Oder? War da was “Würdiges”?

          • Ein mitfühlender Satz von ihm:
            “Die Menschen, die Amerika vergessen hat, sie sollen nicht länger vergessen sein”
            Das sagte er NACH der Wahl, es war ein Versprechen. Ich meine schon, dass daraus Empathie und Mitgefühl sprechen.

            Ein “gescheiter” Gedanke ist. z.B.: “Frauen sollen genausoviel verdienen wie Männer, wenn Sie genausogute Arbeit leisten” .
            Ist das so ein kluger Vorschlag, wie er Ihnen vorschwebt?

            Ein Versprechen an seine Wähler: “I will work for you. I will fight four you. And I will win for you.”

      • Ich will sagen, das die Verallgemeinerung über und die Ableitung aus dem Narzissmus zu eindimensional und unvollständig ist. Das hat ursächlich genauso viel mit Trump zu tun, wie Killerspiele mit Robert Steinhäuser.

        Eine Narzisstische Persönlichkeitsstörung bedeutet u.a., dass es dem Betroffenen an Liebe mangelt, er nicht lieben kann, weil er es nie gezeigt bekommen und gelernt hat und dann in die isolierte Selbstliebe flüchtet, um überhaupt geliebt zu werden. Wenn auch nur von sich selbst. Eine überlebenswichtige Strategie für Ungeliebte (Kinder).

        Dass daraus zwangsläufig egomane, egozentrische, selbstsüchtige, rücksichtslose Menschen werden, ist falsch. Das kann passieren, ist aber nur einer von vielen Entwicklungen.

        Ohne den konkreten Bezug auf die leidvolle Persönlichkeitsstörung hätte der Text auch gut funktioniert. Es ist nicht gut, wenn jede Diagnose der Narzisstischen Persönlichkeitsstörung in Zukunft dazu führt, dass Betroffene anhand der z.B. mit Trump gemachten Erfahrung stigmatisiert und vorverurteilt werden.

        Das hilft Ungeliebten nicht.

      • Und, Ja, Donal Trump ist vermutlich ein Mensch mit meiner fetten Narzisstischen Persönlichkeitsstörung, aber eben sind die meisten Menschen mit einer fetten Narzisstischen Persönlichkeitsstörung nicht annähernd so korrupt, menschenverachtend und gefährlich, wie Donald Trump.

        Gestörte sind Gestört. Arschlöcher sind Arschlöcher.

        • Korrupt? Nein. Aber menschenverachtend schon. Sie formulieren ja selber, dass es den Menschen an Liebe für andere mangelt. Das ist richtig und alles, aber aus diesem Mangel an Menschenliebe ergibt sich dann eben in der Folge auch oft Rücksichtslosigkeit und Arschlochverhalten. Gefährlichkeit fängt nicht erst da an, wo jemand Mexikaner deportieren will, sondern auch der Hang zu emotionaler und seelischer Ausbeutung machen einen Menschen gefährlich.

          Meine ehemals beste Freundin entwickelte im Laufe der Jahre eine narzisstische PS und sie ist weder eine Verbrecherin noch leitet sie ein Multimilliardenimperium. Aber sie sitzt auf einer Professorenstelle, auf der sie seit Jahren Menschen quälen kann. Mir ist bewusst, dass es dabei um Liebe geht. Diese Frau ist keine Sadistin, sondern sie sehnt sich nach Geborgenheit und genau dieses Wissen führt dazu, dass mich ihre Entwicklung eher traurig als wütend macht. Aber diese Traurigkeit wird niemals dazu führen, dass ich Narzissten nicht als die Menschenpressen bezeichne, die sie sind.
          Diplomanden und Doktoranden brechen reihenweise ihre Arbeiten bei ihr ab, es gibt kaum noch Untergebene, die noch nicht mit ihr beim Personalrat saßen. Aber weil sie extrem manipulativ und dazu noch sehr hübsch ist, kommt sie aus all diesen Situationen mit einem theatralischen, tränenumflorten Bambiauftritt wieder heraus. Außerdem hat sie – ebenfalls wie viele Narzissten – keine Hemmungen, die Wahrheit zu ihren Gunsten zu verzerren, die Grenze zwischen Narzissmus und pathologischem Lügen ist, das wissen Sie vermutlich besser als ich, sehr, sehr schmal. Sie hat keinerlei Mitgefühl mit den Bedürfnissen anderer, längere Ausfallzeiten von Mitarbeitern wegen schwerer Erkrankungen oder größerer OPs quittiert sie lediglich mit einem enttäuschten Stirnrunzeln und der Frage, wann der andere wieder arbeiten könne, es gibt nicht das kleinste Fünkchen menschlicher Wärme gegenüber Untergebenen, ihre eigenen Erwartungen und Prioritäten sind die einzigen, die ihren Kurs vorgeben, weil Narzissten nun einmal Alleinherrscher sind. Studenten gegenüber ist sie freundlich und charmant, weil sie sie braucht, um beruflich voranzukommen. Ihr Charme ist wie ein Köder, weil die Studis denken, och, die ist ja voll nett, und dann eine Doktorarbeit bei ihr beginnen. Und dann hängen sie drei Jahre in diesem Abhängigkeitsverhältnis, der Störung dieser Frau vollkommen ausgeliefert, weil ihnen eben auch der Personalrat nicht zu Hilfe kommt. Viele, die unter meiner ehemaligen Freundin arbeiteten, entwickelten Depressionen, fühlen sich gemobbt und schikaniert, wurden körperlich krank.

          Ich habe sowohl im Beruf als auch im Privatleben mehrere Menschen von diesem Schlag kennengelernt, Männer wie Frauen. Vor Narzissten muss man immer auf der Hut sein, weil man sonst sehr leicht Opfer ihrer Manipulationen wird, man kann nie sicher sein, ob sie die Wahrheit sagen. Ich beendete die Freundschaft, weil ich immer öfter Zeugin wurde, wie meine Freundin in Konflikten mit anderen log, sie sagte einfach nicht die ganze Wahrheit, damit die Realität zu ihrem Selbstbild passt, und mir klar war, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis sie das auch bei mir tut. Von ihr in dieser Form behandelt zu werden, hätte mich emotional fertig gemacht, und darin bestand ihre Gefährlichkeit.

          • Ich bin einverstanden.

            Menschen mit einer Narzisstischen Persönlichkeitsstörung, die sich derer aber bewusst sind, und vielleicht sogar daran arbeiten, stehen hier ja auch nicht in der Kritik. Vielmehr werden sich diese auch immer im Handeln positiv von den unwissendend Gestörten unterscheiden und sich anderen gegenüber respektvoll zeigen. Das geht. ;)

            Lediglich die unreflektierten und sich für die Obermotze haltenden sind in der Tat fies und mit Vorsicht zu genießen. Denn tatsächliche verursachen sie Schmerz und Leid, nicht zuletzt, um die eigene tiefe Traurigkeit, den eigenen Schmerz zu legitimieren. Oder so ähnlich.

            Also: Peace?

          • Ich muss gestehen, dass ich noch nie einen Narzissten (m/w/trans) kennengelernt habe, der seine eigene Störung eingesehen hat und bereit war, daran zu arbeiten. Das ist ja das Vertrackte: der Narzisst selber leidet ja gar nicht so sehr unter seiner Störung, sondern hat im Gegenteil oft eher beruflichen Erfolg. Um einzusehen, dass es so trotzdem nicht geht, braucht es schon ein Mindestmaß Empathie, weil der N. einsehen muss, dass es nicht nur um sein Leid geht, sondern auch um das anderer. Und an dem Punkt beißt sich die Katze dann oft selber in den Schwanz.
            Aber dass Menschen, die wegen ihrer wie auch immer gelagerten psychischen Schwierigkeiten Hilfe suchen, grundsätzlich Respekt gebührt und sie Hilfe auch immer vollumfänglich bekommen sollten, möchte ich keine Sekunde in Abrede stellen.

            Also Peace, auch wenn es keinen Krieg gab, nur einen Austausch. :)

  10. Trump wird schlimm und es leider unausweichlich.

    Er hat viele Dinge “versprochen” im Wahlkampf, von denen er wenigstens ein paar halten muss oder seine Wähler und/oder seine Partei werden rebellieren.

    Die ersten Grabenkämpfe innerhalb der Republikaner haben schon begonnen.

    Viele tausend Menschen demonstrieren aktuell jeden Tag in den Straßen – während andere hoffen, dass sich das Alles wieder beruhigt.

    Wird es aber nicht, wenn überhaupt nur kurzfristig, weil alle seine Pläne großen innen- und außenpolitischen Sprengstoff beinhalten.

    Erst gestern hat seine Kampagnenchefin die “Freedom of Speech” damit bedroht, dass sie dem Demokraten Harry Reid empfohlen hat “sehr vorsichtig zu sein”, weil er sonst rechtliche Konsequenzen zu spüren bekäme. Er hatte Trump kritisiert, aber mehr oder weniger harmlos.

    Die Leute, die Trump gerade um sich herum installiert, sind zum größten Teil äußerst fragwürdige Gestalten (oder Mitglieder seiner Familie), die teilweise schon vor Trump heftigste rechtspopulistische Propaganda betrieben haben.

    Trump könnte Amerika nur dann befrieden, wenn er tatsächlich auch die Mehrheit der Wähler, die Clinton gewählt haben, in seiner Politik berücksichtigen würde. Dafür gibt es aber keinerlei Anzeichen in seinem bisherigen Handeln, auch wenn sich seine erste Rede nach der Wahl hoffnungsvoll angehört hatte.

    Ein Mensch ändert sich außerdem nicht über Nacht. Er wird in kürzester Zeit wieder mit seinen Hasstriaden beginnen und zusätzlich seine, nicht einmal von der Mehrheit der Amerikaner unterstützen, Programmpunkte umzusetzen versuchen.

    Er will zusätzlich alle Klimawandel-Verträge der USA kündigen und keinerlei Gelder mehr dafür bereit stellen. Damit verliert das Pariser Abkommen seinen wichtigsten Fürsprecher und viele andere Länder werden folgen.

    Er will Handelsabkommen kündigen und die Nato nur noch gegen Bezahlung unterstützen. Er erwartet von Ländern ,wie Deutschland, die aktive militärische Beteiligung durch entsprechende große Truppenverbände in Krisengebieten.

    Jede Menge weitere internationale Konflikte sind damit vorprogrammiert.

    Ich bin kein Schwarzseher, aber es bleibt uns meiner Meinung nach nur die Vorbereitung auf das Schlimmste.

    Was wird ein rechtspopulistischer Politiker mit einem rechtspopulistischem Stab mit mehr Macht als jeder andere Regierungschef, auch durch die jetzt erreichten Mehrheiten in House und Senate, wohl anrichten?

    Definitiv nichts, was allen gefallen wird.

  11. Falsche Demokraten haben keine gerechte Chance verdient, falschen Demokraten tritt man mit Empörung und offenem Widerstand entgegen.

  12. Es gibt verschiedene Krankheitsbilder von Narzissmus und von Psychopathen. Die Worte selbst sind Schwammworte – wie alle Psycho-Indikationen – und sagen nichts aus über individuelle Fälle. Es sielt auch keine Rolle. Trump ist ein Graf Koks, leidet an Großmannssucht und scheint zu Außerordentlichem befähigt zu sein auf dem Gebiet des unkontrollierten Verhaltens – warum auch immer.
    Aber wieso so viel über ihn reden? Er macht ja gar nicht die Politik. Beschäftigt man sich ein wenig mit dem “Arbeiterklassenjungen” Steve Bannon (hier erzählt er relativ viel von sich und seinen Gedankengebäuden https://www.youtube.com/watch?v=0BSrJv0IpHY&t=592s ), erkennt man auch, dass Trump sich alles nur ausgeborgt hat bei den Leuten, denen er gefolgt ist, um sich von ihnen nach oben bringen zu lassen. Nicht Trump regiert, sondern Priebus, Steve Bannon, N.N., … Bannon hat dabei – teilweise! – Standpunkte und Kritikpunkte, die nach links nicht inkompatibel sind, nämlich wo er den Washingtoner Selbstbedienungsladen hasst. Wenn er die liberale Presse mit den entsprechenden Fakten füttert, dann klappt das auch mit der NYT: “it’s facts, not rumors, that resonate with the best investigative reporters,” Bannon says. http://bloom.bg/2fRj69C Der Typ ist ein Medienversteher und ein Versteher der Medienkonsumenten. Davon könnte man auch in D auf der linken Seite etwas lernen. Ich würde sogar prognostizieren, dass er in ein paar Monaten anders gesehen wird als heute aus der Perspektive der Breitband News.
    Die Frage aller Fragen ist aber, was so viele Wähler zu Trump gezogen hat. Mir leuchtet am meisten die Analyse von Joan Williams ein “What So Many People Don’t Get About the U.S. Working Class” ( http://bit.ly/2ftdTpJ ), die ich zur Lektüre empfehle. Aus dieser Sicht versteht man sowohl Bannons politische Motivation als auch das Trumpsche Mem “you will no longer be forgotten” etc. Es geht um die untere/mittlere Kleinbürgerschicht, die unter wirtschaftlichen beengten Verhältnissen mit ihren klassischen Familienprojekten ringen und obendrauf meist noch irgendein anderes Problem haben (Krankheit, Schulden, Erziehungsprobleme etc.) und die Hipster Kacke finden und sich von Schlipsträgern herumkujonieren lassen müssen. Das ist eine Schicht, mit der Grüne, Linke, CDU nicht mehr viel anfangen können. Um diese Wähler geht der Kampf in D und in F 2017. Sie werden von den Braunen angesprochen, einfach mit der Wendung, es muss doch hier in D um UNS gehen, “wer tut denn mal was für uns” etc. Der gegenseitige Hass zwischen den progressiven Metropolkulturen und den traditionellen Mittelschichtlern könnte dabei vermutlich leicht beseitigt werden. Der Klügere beginnt das Gespräch. Es hat ja auch mit Aufmerksamkeitsneid zu tun. Minderheiten und Bruchteile von Minderheiten kriegen die große Presse, “aber die im Dunkeln sieht man nicht.” Da liegt auch viel von der Attraktivität der AfD für die medial vernachlässigten Schichten – einfach weil die AfD im Kampf um mediale Aufmerksamkeit enorm erfolgreich war und alle ärgert, die “uns” bislang übersehen haben.

  13. “Seit Jahr und Tag rede ich darüber, dass das besitzbasierte System, in dem es sich die westliche Industriewelt gemütlich gemacht hat, ein schlechtes ist, weil es Menschen ohne Skrupel zum Erfolg verhilft.” Da hilft ein Blick über den Tellerrand der westlichen Industriewelt. Sämtliche nichtwestlichen nichtindustrieländer werden nämlich von selbstlosen Menschenfreunden regiert, und können Vorbild sein.

    • Was für eine plumpe Antwort. Besitz als ultimativer Lebenssinn gilt für die allermeisten Kulturen und er korrumpiert die Menschen ohne Unterscheidung von Hautfarbe oder Volkszugehörigkeit. Aber die “westlichen” Länder haben durch den geografisch-klimatischen Zufall [Hier bitte Leseempfehlung für Jared Diamonds “Guns, Germs and Steel: A short history of everybody for the last 13,000 years” hindenken] zu einem Wohlstand gefunden, der es ihnen ermöglicht hat, andere Länder in einem Ausmaß zu unterjochen und auszubeuten, das sich in der Menschheitsgeschichte kein zweites Mal findet. Und das nicht erst seit der Globalisierung, mit der das Auspressen von Niedriglohnländern plötzlich ein gesellschaftsfähiges Etikett bekommen hat, sondern seit Jahrhunderten.

      • Genau das beschriebene Phänomen findet sich in der Menschheitsgeschichte immer wieder. Geografisch-klimatisch bedingt ? Es scheint trotz aller Kritik immer das Erfolgsmodell der Sieger gewesen zu sein.
        Auch wenn es traurig ist, so funktioniert das Prinzip Mensch.
        Man kann Menschen umerziehen und ihn zum sozialen Miteinander zwingen, aber eine Garantie für ein dauerhaftes aufeinander Achtgeben, vor allem über kulturelle Grenzen hinaus, ist damit leider nicht gegeben.

    • Noch so ein platter Konter. Natürlich sitzen wir alle im selben Boot, weil unsere gesamte Zivilisation besitzbasiert ist, nicht nur das Wirtschaftssystem oder die Staatsform. Ich weiß nicht, wo man ansetzen kann, ob man überhaupt irgendwo willentlich ansetzen kann – das Streben nach Besitz ist den Menschen ja fast so nah wie das Streben nach Atmen. Vielleicht geht es nur über den völligen Zusammenbruch und anschließenden Wiederaufbau, also einen Prozess, der sich über viele Jahrhunderte, vielleicht sogar noch länger hinziehen würde und Milliarden von Menschenleben kosten würde.

      • Vielleicht geht es auch einfach gar nicht und jeder Versuch etwas anderes zu etablieren führt unweigerlich zu noch schlimmerem. Es gibt auch außerhalb der menschlichen Natur genug Dinge, die Scheiße sind aber halt besser unangetastet bleiben. Würdest du den völligen Zusammenbruch wählen, weil ein paar Theoretiker dir weismachen, danach würde eventuell alles besser?

  14. Das das Bild von Trump, was die öffentliche Meinung zeichnete und die mit aller Gewalt darauf hoffte das Clinton gewählt wird, nicht das Beste ist, ist die eine Seite. Aber die USA sind seit über 200 Jahren eine Demokratie, soweit sind wir noch lange nicht. Was wollen wir denen erzählen?

    Die andere Seite ist, dass die USA in dieser Geschichte 90% der Zeit Kriege geführt haben. Meist aber kleine Interventionen. Auch da wird sich nicht viel ändern. Das ist ein Teil der Politik und vor allem auch der Wirtschaft, die USA sind das größte Waffenexportland der Welt.

    Und alle Schwarzsehern sollten auch mal betrachten, dass Trump nicht gewonnen hat, weil ihn soviele gewählt haben, sondern weil Millionen Demokraten Clinton nicht wählen konnten oder wollten.

    Das wird wohl Gründe haben, denn wenn man unseren Medien trauen darf, sind ja eigentlich die Demokraten die Schlauen und wenn Millionen Schlaue sagen “nein, ich wähle Clinton nicht, selbst wenn Trump Präsident wird”, dann wird das wohl in Ordnung sein und wir aus der Ferne sind nur durch die vielen hetzerischen Artikel in unseren Medien über Trump etwas verwirrt, weil wir es anders gesagt bekommen haben.

    Aber das spielt auch der Lust beim Weltuntergang teilnehmen zu dürfen in die Hände. Das ist schon seit vielen Generationen so.

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