Danke für (fast) nichts, Facebook

Danke für (fast) nichts, Facebook

Ich bin nicht mehr bei Facebook, seit Monaten schon nicht mehr.
Anfangs dachte ich, es sei vorübergehend. Eine kleine Krise in unserer langen Ehe, man ödet sich plötzlich an, Dinge, die schon immer da waren, nerven einen plötzlich am anderen, man kennt das ja. Also deaktivierte ich mein Profil. Nach ein paar Wochen, vielleicht auch Monaten, so dachte ich, kann ich ja wieder zurückkehren.

Was ich will

Neben rein technischen Dingen, die mich schon länger störten (z.B. gravierende Unterschiede zwischen mobiler Browserversion, App und Desktop-Version), war mir vor allem zuwider, dass Facebook für mich die Entscheidung traf, wie die Welt für mich aussieht. Denn Facebook tut viel mehr als nur eine Blase aus Gleichgeschalteten zu bilden. Facebook verstümmelt. Es verstümmelt meine Wahrnehmung von der Welt, es verstümmelt die Charaktere meiner Kontakte, es verstümmelt meine eigene Vielseitigkeit.

Die Menschen, mit denen ich mich – virtuell und real – umgebe, schätze ich unter anderem dafür, dass sie sich nicht auf eine Linie festlegen lassen, dass sie mich auch nach längerer Zeit noch mit einem Standpunkt überraschen, dass sie ein breit gefächertes Interessenspektrum haben. An allen gibt es eine oder mehrere Seiten, die mir fremd sind, die ich anders sehe, die mich vielleicht auch manchmal ärgern. Trotzdem finde ich es gut, dass diese Seiten da sind, weil sie den Menschen exakt die Kaleidoskophaftigkeit verleihen, die ich an ihnen mag. Ebenso ist es mit der Welt und mit meinen eigenen Interessen. Nur weil ich Animationsfilme mag, heißt das nicht, dass mich Autorenkino nicht in Entzücken versetzen kann. Nur weil ich die Serie „The Walking Dead“ fantastisch finde, heißt das nicht, dass ich mit amerikanischen Serien generell etwas anfangen kann. Nur weil ich gerne Nina Simone höre, heißt das nicht, dass ich das Video über diesen wahnsinnigen finnischen, speedmetal-schrammelnden Gitarristen nicht sehen will.

Natürlich setze ich mich nicht jeden Tag allen Seiten der Menschheit aus. An manchen Tagen ertrage ich das Befremdliche, das Langweilige, das Schreckliche und an anderen Tagen nicht. So wie mir manchmal eben nach Billie Holiday und manchmal nach Billy Idol ist.
Der Punkt ist: ich möchte entscheiden, womit ich mich wann beschäftigen will.

Was Facebook macht

Diese Möglichkeit habe ich bei Facebook nicht (mehr). Ein paar Likes an falscher Stelle und schon bekommt man nur noch ganz bestimmte Käsesorten zu sehen und andere gar nicht mehr.
Ungezählt sind die Situationen, in denen ich „Wo ist eigentlich XY, von dem/der liest man ja gar nichts mehr, hoffentlich ist nichts passiert“ denkend vor Facebook saß, besorgt das Profil der Person aufrief und dann dort überrascht aktuelle Beiträge vorfand. Facebook hatte die Person einfach aus meiner Timeline getilgt – vermutlich, weil sie vorrangig über Themen postet, die ich nur selten like, oder weil ich selten mit der Person interagiere.
Unvergessen ist die Zeit, als Facebook das Abonnieren von Nutzern einführte und man von da an darauf achten musste, dass bei „Diese Person in meiner Timeline anzeigen“ ein Häkchen saß. Ebenso unvergessen sind all die Vorfälle, in denen das Häkchen richtig gesetzt war und die Menschen trotzdem nicht in meiner Timeline auftauchten. Wann und warum eine Person von Facebook angezeigt oder ausgeblendet wird, wurde mit der Zeit immer erratischer und unvorhersehbarer. Und immer schwieriger wurde es, diese Personen und/oder Themen wieder in meine Timeline hineinzuholen.

Schön demonstriert hat das der amerikanische Journalist Mat Honan, der quasi in Echtzeit verfolgen konnte, wie sich seine Timeline durch sein experimentelles Like-Verhalten veränderte.
Die Nachricht, dass Facebook bereits 2012 im Rahmen einer universitären Studie die Timelines einiger hunderttausend Nutzer absichtlich manipuliert hat, um zu sehen, wie die Veränderung sich auf das eigene Posting-Verhalten auswirken würde, erzeugte Ende Juni ein gewaltiges Rauschen im Blätter- und Blogwald. Eine Welle der Empörung verbreitete sich unter den Nutzern, gerade auch, weil Facebook geradezu lapidar antwortete mit „Was wollt Ihr denn, die Nachrichten filtern wir doch sowieso!“
Eine Programmierin versuchte daraufhin, Facebooks Manipulationen mit einer speziellen App, die mit demselben Textanalyseprogramm arbeitet wie Facebook selber, vorzuführen, was im Experiment einerseits nicht so gut und dann wieder erschreckend gut funktioniert hat, weil es die Fehleranfälligkeit und Zufälligkeit von Facebooks Algorithmus demonstriert.

Natürlich sind wir alle jeden Tag Manipulationen ausgesetzt und ich gebe mich nicht der Illusion hin, ihnen immer aus dem Weg gehen zu können. Aber wenn ich kann, dann tue ich es.
Von der menschlichen/moralischen Fragwürdigkeit dieses ganzen Gebahrens will ich gar nicht sprechen. Aber ein soziales Netzwerk, in dem ein Großteil der Meldungen meiner Kontakte ausgeblendet wird (die ich deshalb zu Kontakten gemacht habe, weil ich ihre Meldungen sehen möchte), ist kaputt. Das erfüllt einfach seinen Zweck nicht.
Und deshalb bin ich gegangen. Und komme auch nicht wieder.

Das Nachspiel

Die Veränderungen danach waren sehr vielgestaltig.
Ich war so konzentriert und konnte so gut am Buch arbeiten wie schon lange nicht mehr. Es war als hätte ich mal kräftig in meinem Kopf durchgefegt. Das empfand ich als geradezu erfrischend. Die völlig überraschende Erkenntnis, die daraus folgte, war die: man stirbt gar nicht, wenn man nicht jedes Video und jeden Artikel zu einem bestimmten Thema kennt. Ja, tatsächlich lebt man weiter, wenn man die vielen Shitstorms und X-Gates erst mitbekommt, wenn sie schon wieder vorbei sind (was sich im Übrigen sehr positiv auf mein Wutmanagement ausgewirkt hat).
Mir fehlte es allerdings, Dinge mit Menschen auszutauschen, die für Twitters 140 Zeichen zu lang waren (die Dinge, nicht die Menschen). Mal einen Artikel nicht nur verlinken, sondern auch kommentieren, mal eine längere Nachricht schreiben oder ein Foto ausufernd betiteln, so etwas eben. Außerdem gab es Menschen, mit denen ich nur bei FB verbandelt war, nicht aber bei Twitter. Bei Twitter folge ich Menschen für ihren Witz, bei Facebook für ihre Inhalte. Da beides ohne das jeweils andere geht, gibt es nur eine kleine Schnittmenge, der ganze mit Inhalten gefüllte Rest kippte plötzlich komplett aus meinem Kosmos heraus. Der nicht-zeichenbegrenzte Austausch von Meinungen und/oder Sympathien mit diesen Menschen fehlte mir.

Die Alternativen

Die Zeichenbegrenzung von Twitter ist bei allem, was über belanglose Wortspiele hinausgeht, hinderlich, da beißt die Maus keinen Faden ab. Die inhaltliche Ausdünnung, die mit der Verknappung einhergeht, schadet bei heiklen Themen mehr, als dass sie zu einem ausgewogenen, sachlichen Diskurs beiträgt. Diskussionen (a.k.a. Austausch von differenzierten und begründeten Standpunkten) sind bei Twitter schlichtweg unmöglich, weshalb ich mich ihnen durch die Bank verweigere.
Ich twitterte:

Wer glaubt, mit 140-Zeichen-Sätzen seien differenzierte Diskussionen möglich, klärt Ehestreits wahrscheinlich auch per SMS.

(Eingebetteten Tweet aus Datenschutzgründen entfernt. Link zum Tweet.)

Dennoch versuchte ich, zumindest einen Teil meiner Entzugserscheinungen über Twitter zu kompensieren, indem ich hin und wieder auch mal einen Artikel, der mir wertvoll erschien, verlinkte (und mich bei dem zugehörigen Kommentar kurz fasste). Aber bis heute fühlt sich das irgendwie an wie halbe Kraft voraus.
Auch für meine verschollenen Homies habe ich noch keine wirkliche Lösung.

Ich liebäugele momentan mit einem Microblogging-Experiment, das wir ähnlich schon beim besten Mann der Welt umgesetzt haben, das mir erlaubt, längere Texte zu schreiben, Artikel zu kommentieren und so weiter. Ich muss noch ein paar Plugins hineinschaufeln und zwei, drei Dinge durchdenken, aber man kann ja wenigstens mal probieren, den eigenen Kosmos wieder zu füllen.

PS: Die Scheinheiligkeit, unter einen Facebook-Rant einen Knopf zu setzen, damit der Facebook-Rant bei Facebook geteilt wird, ist mir bewusst. Meine moralische Empörung ist elastisch genug, um das abzufedern.
PPS: Dass mein Blog nicht mehr die Besucherzahlen erreicht wie früher, als ich Artikel noch bei Facebook ausposaunen konnte, ist geschenkt. Wie alle Blogger nicht müde werden zu betonen, blogge ich ausschließlich für mich und niemals für den Fame und es ist mir vollkommen egal, wie viele Menschen le-PIIEEEP

51 Kommentare

  1. Großartig :-) Ich bin zwar trotz einer nahezu identischen Frustration immer noch bei FB….aber mein Interesse schwindet zusehends, je mehr FB mir immer nur noch den selben Rotz anzeigt. Mich interessiert einfach nicht, ob irgendein virtueller Vollhonk nach sechs Wochen das gepostete Frühstücksei einer „Freundin“wieder rauskramt und ein üppiges „hahahahahahahahahahahahahaha“ darunter hackt…..und ich mir das nur angucke, weil ich zufällig die gleiche Mucke mag wie die „Freundin“.

  2. Glückwunsch zu dieser Entscheidung! Treppenwitz dazu: Dieser Artikel hat derzeit mit Abstand am meisten „Social Signals“ bei Facebook … :D

  3. Ich stelle mir seit längerem die gleiche Frage: kann eine Protestabmeldung mein Problem wirklich lösen? Wenn ich aufhöre zu rauchen, dann werde ich doch auch diesen Genussmoment einer Zigarette vermissen. Okay, Zigaretten haben sich in der Zeit Ihres Bestehens nicht so häufig grundlegend in ihren Eigenschaften geändert wie Facebook… Aber umgekehrt habe ich mich auch nicht bei Facebook angemeldet um ständig alles über meine Homies zu erfahren. Ist das vielleicht die Illusion, der wir aufgesessen sind, als wir uns nichtsahnend dort angemeldet haben, wie sich dieses Netzwerk Stück für Stück immer mehr verselbständigt und scheinbar nun mehr einem Selbstzweck dient als meinen eigentlichen Erwartungen entspricht? Und dachten wir nicht alle, als facebook sagte, es wird immer kostenlos bleiben: „Diese Menschen sprechen mir aus der Seele!“ Nein, taten sie nicht. Spätestens als klar war, dass es nie nie nie einen Dislike Button bekommen würden war der Drops für mich gelutscht. Illusion? Projektion? Für mich war und ist Facebook ein zweischneidiges Schwert, Polarität in seiner reinsten Form. Ich beneide dich aber um die Zeit, die du dadurch sparst. Alleine um diesen Kommentar zu verfassen, da gibt es doch eigentlich schönere Themen ;-)

  4. Toller „Artikel“ dessen Inhalt ich komplett unterschreibe. Warum ich trotzdem noch bei FB bin?
    Ein kleines bisschen Angst die lieb gewordenen Menschen, nach verlassen von FB, nicht einmal mehr separiert und bewusst aufrufen und lesen zu können. U. a. den Input von solchen Artikeln wie diesen, den ich nur über Ihren Mann finden konnte, zu verlieren.
    Wie gerne wäre ich klüger…so jedoch verteile ich meine Zuneigung in Form von „likes“ wie ein junges naives Kind bunt und giggeln unter Volk und bleibe dadurch immer manipulier- und steuerbar.

  5. Dabei wäre es so einfach. Facebook bräuchte einfach nur zwischen den Beiträgen einen Counter einblenden, wo es in der Timeline Beiträge übersprungen hat und wie viele. Der interessierte Leser könnte dann diesen Slice aufklappen und die Inhalte würde sukzessive nachgeladen und dargestellt.

    Für Werbekunden bliebe immer noch eine erhöhte Sichtbarkeit, weil sie ohne Interaktion direkt auf der Timeline angezeigt würden.

  6. Gleiches musste ich auch feststellen. Bei mir werden vorallem die Personen ausgeblendet, mit denen ich sonst nirgendwo verbunden bin, und die damit den optimalen Facebook-Freund darstellten. Schade. Würde ich aber Facebook komplett meiden, bliebe mir ja nichtmal mehr die Möglichkeit, das Profil manuell aufzurufen um festzustellen, dass die Leute noch leben.

    Twitter habe ich ein paar mal probiert, aber richtig warm werd ich damit nicht. Im Gegenteil fühl ich mich mit 25 Jahren schon zu alt für den Scheiß. Wenn ich meine Gedanken auf 140 Zeichen zurechtstutzen müsste, wären es nicht mehr meine Gedanken.

    Ich schätze man wird langfristig nicht um selbstgehostete SocialMedia-Alternativen herumkommen. Man müsste mal prüfen was aus Diaspora, MediaGoblin und GNU Social so geworden ist…wahrscheinlich schimmelt das Meiste davon in irgendwelchen Inkubatoren herum. Auch schade.

    (ich bin übrigens froh, dass die meisten Blogs automatisch Feeds anbieten – Inhalte konsumier ich lieber ohne ein Statement zum Urheber abgeben zu müssen…)

    +1 für Nina Simone.

    • Mir wären Alternativen mit besserem Datenschutz und weniger geschäftlicher Berechnung auch sympathischer. Aber sie sind witzlos, wenn sie keiner nutzt. Diaspora z. B. ist klasse, wenn man gern Selbstgespräche führt. ;-)

      • Ich nutze mittlerweile ca. 50 verschiedene „Räume“ auf kokom.net, da treffe ich nur diejenigen, mit denen mich eine bestimmte Aufgabe o.ä. verbindet. Zufallstreffer allerdings sind dort konzeptbedingt ausgeschlossen.

  7. Schöner Artikel… ich war 4 Jahre nicht bei Facebook und habe mich vor wenigen Wochen wieder angemeldet. Ganz ehrlich hatte ich nichts vermisst, aber muss sagen, dass mit meiner Anmeldung doch Dinge passiert sind, die mich überrascht haben. Plötzlich grüßen mich Bekannte aus meiner Nachbarschaft auf der Straße, obwohl ich sie ohnehin fast jeden Tag vor dem Supermarkt beim einkaufen treffe. Auch beklagte sich eine alte bekannte beim liken, warum ich sie überhaupt entliked hätte. Sie war regelrecht in Rage bis ich erklärte, dass ich ja seit 4 Jahren nicht bei facebook gewesen bin und sie daher nie entliked hätte. Hatte mich damals offiziell von allen verabschiedet :-)…
    Jetzt poste ich nichts, like keine Beiträge und mache auch sonst nichts. Wenn Bekannte eine Frage stellen, dann öffne ich meinen Mailaccount und schreibe meine Antwort als Email, wenn ich glaube helfen zu können. Ich freue mich regelmäßig Bilder eines Freundes zu sehen, der seit Jahren in Singapur lebt, oder Bilder eines Bekannten, der in Amerika lebt. Ich schaue auf die Neuigkeiten und manchmal klicke ich ein Video an. Facebook hab ich nur auf dem iPad zuhause und nur da schau ich auch mal rein. Bin mir noch nicht sicher, was ich weiter damit mache. Nach 4 Jahren muss ich sagen, dass ich mich freue wieder „erreichbar“ zu sein, auch wenn das etwas seltsam klingt. Es ist so, wie heutzutage ein Mobiltelefon zu haben, irgendwie erwartet das jeder von einem… Facebook ist jetzt sowas, wie mein Festnetzanschluss (den ich nicht habe) – es verspricht Erreichbarkeit, auch wenn das Telefon dann nicht klingelt… Meine Erwartungen habe ich abgelegt. Man könnte sagen, dass Telefon klingelt jetzt unaufhörlich. Das ist das Neue. Heute fühle ich mich nicht mehr genötigt bei jedem Klingeln „abzunehmen“. Facebook ist eine schöne Erfindung, wie das Telefon, das Auto und der Buchdruck. Trotzdem zwingt mich niemand jedes Buch zu lesen, das gedruckt wird. Wir bekommen immer mehr Werkzeuge für unser Leben geboten und müssen lernen diese sinnvoll einzusetzen. Facebook ist eines dieser Werkzeuge…

  8. Ich verstehe deinen Punkt sehr gut, finde deine Konsequenz nachahmenswert und die Tatsache, dass man sich offenbar ohne FB mehr und besser auf anderes konzentrieren kann, macht mich nachdenklich. ABER..

    ..du fehlst.

    • @Frau Haessy, ich kann Meikes Beweggründe gut nachvollziehen, nachahmenswert finde ich ihren Ausstieg aber für mich persönlich nicht. Facebook ist einfach zu hilfreich, wenn man mit Freunden, Bekannten und Kollegen im Ausland in Kontakt bleiben und/oder sich mit internationalen Interessengruppen austauschen will.

  9. So isses, hab bei Facebook auch die Biege gemacht und ebenfalls festgestellt, dass man sich sehr viel freie Zeit und einen unabhängigeren Blick auf viele Dinge verschafft. Womit ich allerdings nicht gerechnet hatte: Die wenigen Facebook-„Freunde“ die ich auch persönlich kenne waren teilweise sehr stinkig mit mir, weil sie dachten, ich hätte sie „entfreundet“. Soweit sind wir also schon: Ich muss mich auf Facebook in aller Form im Voraus bei allen entschuldigen, damit sie nicht denken, ich wolle nichts mehr mit ihnen zu tun haben. Das war gleichzeitig auch eines der deutlichsten Signale dafür, wie gut die Entscheidung war, nicht mehr bei Facebook zu sein. Wenn ein Social-Media-Kanal schon die Kraft hat, sich auf persönliche Beziehungen auszuwirken, dann stimmt etwas nicht.

    • @Peter, wie kriegt man durch einen FB-Ausstieg einen „unabhängigeren Blick“? Die Medienartikel, die zu meiner Meinungsbildung beitragen, sind doch dieselben; egal, ob ich per Facebook, Twitter, Google, Pressespiegel oder durchs direkte Lesen des betreffenden Mediums darauf stoße. Und die Meinungen meiner Freunde, auf die ich was gebe, sind doch im „wahren Leben“ dieselben wie bei Facebook.

      • …“viele Dinge“ heißt ja nicht, dass es sich automatisch um Medienartikel gehandelt hat. Das wäre ein Bereich, der noch am ehesten neutral ist. Wobei man auch da nur mitbekommt, was man a) geliked hat und b) der Algorithmus ganz nach oben spült. Das hängt ja wiederum vom Like-Verhalten ab und vom Aufwand, mit dem z.B. eine Redaktion ihre Social-Media-Aktivitäten betreibt. Ist also sicher nicht ganz so neutral wie wenn ich mir die URLs meiner Wunschmedien im Browser eintippe und dann selbstständig nach (für mich) relevanten Nachrichten filtere.

        Mir ging es auch um andere Sachen: Wenn ich mir in der Timeline die Aktivitäten meiner Freunde anschaue, die bei Facebook sind, dann geraten Dinge die Nicht-Facebook-Freunde tun in den Hintergrund. Man ist sehr beschäftigt mit dem Liken und kommentieren und vergisst dabei, dass Leute die nicht bei Facebook sind eben auch noch da sind. Es frisst halt Zeit, die man sonst für Treffen oder kleine Gespräche mit Leuten hätte, die nicht bei Facebook sind.

        Und schließlich hatte ich noch recht viele Hersteller abonniert, aus dem Bereich Radsport. Gerade dort ist es so, dass die vielen kleinen Hersteller, z.B. Rahmenbau-Schmieden und Teileersteller nicht bei Facebook aktiv sind. Wenn ich nun keine Facebook Timeline habe, dann stöbere ich schon aus reiner Neugier in meinen Bookmarks und besuche auch wieder häufiger deren Seiten.

        Also zusammengefasst: Es gab für mich einen unerwünschten Filtereffekt, der insofern nicht unabhängig war, als dass er sich nur mit der Facebook-Welt beschäftigt und auch innerhalb dieser Welt diejenigen belohnt, die fleißig mitmachen. Die anderen, die auch mal echter Arbeit nachgehen ;) fallen da raus, wenn sie nicht regelmäßog posten/liken/kommentieren.

  10. Mit einem virtuellen Blumenstrauß—–<–{@: ein sehr lesens- und noch mehr bedenkenswerter Beitrag. Wie schön, dass es in den virtuellen Weiten auch viele andere Möglichkeiten des Dialogs und Diskurses gibt. Simple Likes oder Klicks sind dafür kein passender Maßstab, denke ich. ;)

  11. Mich nervt der undurchsichtige Algorithmus von Facebook auch. Aber warum gleich aussteigen? Wenn Meldungen von Freunden ausgeblendet werden, die mir am Herzen liegen, schaue ich einfach selbst auf ihren Seiten vorbei.

    Warum soll man alles „frei Haus“ geliefert bekommen?

  12. Auch wenn ich im Grunde nur Claudia wiederhole, aber …. du fehlst wirklich.

    Bei Twitter sind wir beide nicht so verbandelt, wie wir es bei Fb waren. Ich freu mich dafür über jede Zeile hier im Blog.

    Und mit Fb habe ich persönlich Frieden geschlossen und rege mich über interna nicht mehr auf …. seitdem ich bei Twitter bin erfahre ich eh alles noch schneller.

    Liebste Grüße

  13. FB zeigt mir nichtmals mehr meinen eigenen Freund auf meiner Timeline. Dafür aber meinen Ex von vor 8 Jahren, weil der auch einen Hund hat….. Ist das nicht schön :-)

  14. Auch ich war vor Jahren bei Facebook und der Artikel spricht einem aus der Seele.
    Den Gegenentwurf habe ich bei Google+ gefunden.

  15. Gut beobachtet. Das Dumme ist nur, dass wohl die meisten Menschen Facebook inzwischen als eine Art virtuelle Haut oder zweites Ich zu betrachten scheinen und deswegen beleidigt sind, wenn ihnen auf FB die „Liebe“ entzogen wird. Noch ist das vermutlich nicht „amtlich“, aber es ist wohl schon so, dass für viele Facebook ein Synonym für das Internet ist. Sprich, alles was außerhalb stattfindet, existiert erst einmal nicht. Und ich wage einmal die Behauptung, die Menschen, die sich aktiv außerhalb von FB im Internet bewegen und mit eigenen Inhalten zum Leben im Internet beitragen, diese Menschen haben am Ende in irgendeiner Weise „was mit Medien“ zu tun. Von daher, so interessant und gut getroffen ich diesen Beitrag finde, ich denke, er wird am ehesten eher wieder bei Menschen Echo finden, „die was mit Medien“ zu tun haben. Die Gedanken erinnern mich an eine Geschichte, die wir vor zwei Jahren hatten. Da ging es um das Phänomen, dass Facebook und Co dazu beitragen, zwar einerseits Menschen auf Deine außerhalb von Facebook zu sehende Arbeit aufmerksam zu machen, gleichzeitig aber die Reaktionen auf Deine Arbeit (Kommentierungen, Hinweise, Zitate etc.) oft nicht mehr nachvollziehbar sind – weil sich nicht mehr feststellen lässt, wo und wie Dein Beitrag kursiert……

  16. Verstehe ich das richtig: Weil Du nicht willst, dass Facebook Dir *einige* Status-Updates Deiner Freunde vorenthält, meldest Du Dich ab? Was dazu führt, dass Du Dir selbst jetzt *alle* Status-Updates vorenthältst?

    Ich finde den Ärger ja berechtigt. Ich glaube nur, dass die Lösung keine geeignete Lösung für das Problem ist.

    • Das habe ich auch nie behauptet. Bitte genau lesen. Ich habe ja beschrieben, dass das Abmelden nicht nur Vorteile hat, dass es an der einen Stelle zwar Erleichertung, mich an anderer Stelle aber vor neue Probleme stellt.
      Dennoch ist es FÜR MICH der richtige Weg, weil ich es ausgesprochen unangenehm finde, nicht entscheiden zu können, von wem ich was sehe. Und Liken, um meine Timeline zu beeinflussen, finde ich absurd. Ich like, weil ich einen Beitrag gut/wichtig finde, nicht weil ich meine Timeline verändern möchte.

  17. Ich bin aus verschiedenen Gründen Facebook schon zweimal abtrünnig geworden. Und dann wieder zurückgekehrt. Die Gründe dafür kann ich nicht mal mehr nennen. Eigentlich sollte ich mich auch mal wieder abmelden. Google+ reicht bietet in mancherlei Hinsicht Besseres. Davon war hier ja schon die Rede.

  18. @Herr Jebsen:
    > Peter, wie kriegt man durch einen FB-Ausstieg einen “unabhängigeren Blick”

    wie das Benutzen von FB den Blick verbiegt, steht im Text. Wer das nicht will, liest Blogs einfach so. Ja, das geht auch. Man installiert sich einen RSS-Reader (z.B. das Firefox-Plugin mit dem schönen Namen SAGE) und abonniert sich seine Lieblings-Blogs. Und dann liest die einfach so, ohne Google, ohne Facebook, ohne wen-auch-immer..
    Im Übrigen klingen Ihre Beiträge für mich ein bisschen so als hätten Sie Angst um Ihre Aktien ;-)

    • @Herr rod,

      aus welcher Passage des Textes schließt du (warum siezt du mich???), dass „das Benutzen von FB den Blick verbiegt“?

      Bei mir mit Sicherheit nicht. Ich blogge selbst und verfolge meine Lieblings-Blogs auch ohne Facebook.

      Um welche Aktien könnte ich deiner Meinung nach Angst haben?

      Das würde mich schon sehr interessieren.

  19. Nachdem meine geschützte Kontaktliste von Facebook nicht mehr respektiert wird und selbst Kontakte, bei denen ich nur eine Anfrage gestartet habe an befreundete Dritte gegen meinen Willen weitergereicht werden verlasse auch ich Facebook. Bei mir ist es am 1.9. soweit. Bis dahin experimentiere ich.

    Thema: Timelinemanipulation

    https://www.freitag.de/autoren/daniel-luecking/liebe-sophie-das-bin-nicht-ich

    Thema: Kontakteverwaltung

    https://www.freitag.de/autoren/daniel-luecking/liebe-sophie-eine-traurige-nachricht-fuer-uns

    Thema: Gesunderhaltung (in meinem speziellen Fall)

    https://www.freitag.de/autoren/daniel-luecking/wenn-social-networks-krank-machen

  20. weshalb ich trotzdem bei fb bleibe:
    wenn ich nur ab und zu bei bekannten reinschaue, dann überrascht mich jedesmal, was fb auf meiner bequem-timeline ausblendete und ich freue mich über diese netten überraschungen :)
    (ich suche mir sowieso selber aus, wessen seite ich besuche)

  21. Hi Meike, du kannst bei Facebook Freunde Abonnieren und sogar Listen anlegen, mit denen du nur deine wichtigen Leute siehst, mit allen was sie posten.

    Facebookkritik ist gut und für einen menschlichen Umgang damit braucht man schon Selbstdisziplin. Ich finde beide Seiten gut.

  22. Ich kann glaube ich guten Gewissens und aus vollem Herzen sagen: Sie fehlen mir kein Stück bei Facebook. Nicht eine Sekunde.

    P.S.: Wann kommt denn der Herr Gemahl nach? ^^

  23. Liebe Meike,
    natürlich bin ich via Facebook zu deinem Blogpost gekommen. Haha.
    Ich kann das, was du schreibst, bestätigen. Facebook ist wegen dieser Dinge nie so recht meine Heimat geworden. Hoffentlich kriegt Twitter die Kurve und verbockt es nicht auch noch.
    Ein paar Sachen sind mir noch aufgefallen.
    1. Ich war eben mal wieder ein paar Wochen gar nicht auf Facebook, keine Posts, keine Likes. Auf meinen aktuellen Post bekam ich fast keine Reaktion. Nicht weil er kacke war (identischer Post auf Twitter gutes Feedback), sondern weil er schlicht nicht mehr auftaucht. Facebook ist inzwischen wie eines dieser Farmgames, wo man regelmäßig einloggen muss, weil sonst der erreichte Status verloren geht. Das ist ein ganz klares Fördern von Abhängigkeit, Sucht. I don’t like.
    2. Die Werbung wird immer penetranter, lässt sich auch nicht mehr wegklicken oder ignorieren. Vor einer Woche hab ich im Internet nach einer neuen Handtasche gesucht. Ich mache Facebook auf und du kommst nie drauf, was für Werbung mir entgegenspringt. Manche Leute finden so was praktisch. Ich finde das super creepy. Übrigens habe ich mir heute eine Handtasche im lokalen Einzelhandel gekauft. Eat this, Internet!

  24. Bin bei Facebook jeden Tag mal kurz. Habe trotzdem Zeit, ein Leben, kenne Menschen aus der Kohlenstoffwelt, habe einen Beruf, eine Hasenlampe, eine Hollywoodschaukel, eine Frau, eine Glühbirne die von selbst die Farbe wechselt und Shirataki-Nudeln. Was mache ich falsch?

  25. Es gibt wirklich viel bei Facebook, das auch mich stört. Natürlich können diese Algorithmen nie diese ganz normalen Sonderlinge abdecken, die sich für alles mögliche interessieren. Jeder Algorithmus, der auf Statistiken basiert, ist von der großen Masse magisch angezogen. Und das System beeinflusst sich ja selbst, so wie die Charts auch: Was viele hören, hören viele, weil viele es hören.

    Und trotzdem kann ich es nicht lassen. Grund ist eben die Musik: Von einer Band wird heutzutage erwartet, bei Facebook zu sein und dort auch aktiv zu sein. Auch wenn dank veränderter Gewichtung im Algorithmus davon kaum noch was beim Facebook-User ankommt. Da ist dann aber in der Wahrnehmung der Benutzer nicht Facebook schuld, sondern der Künstler, der nicht so aktiv ist.

    Am Ende interessiert’s auch keinen – die Masse und der Algorithmus pushen den Katzencontent und der Rest ist vergebene Liebesmüh.

  26. Endlich wieder online im Blog und gleich wieder ein so richtiger Beitrag. :) Ich mag Ihren Schreibstil.

    Meine Zeit bei Facebook war kurz, ca .. ähm. so lang her, maximal ein Jahr war ich dort. Was hatte ich von Facebook? Eine Vielzahl unwichtiger Kontakte. In „meiner Welt“ ist ein virtueller Kontakt so haltbar wie das Versprechen eines Politikers. Und da ich auch kein Kontakte-Sammler bin war ich der unnützen „ich kenne Dich“-Anfragen schnell überdrüssig. Als ich FB verließ war es noch unbefleckt, noch keine Aufschreie über Manipulationen und Filter.. Wie ich sehe habe ich nichts verpasst.
    Das Argument des Kontakthaltens.. Naja, wer möchte kann das auch ohne..

    Ich kann jeden Aussteiger beglückwünschen, weniger Futter für die Krake!
    (Aber ich hab doch nichts zu verbergen…..)

  27. Wie das Leben so spielt. Ich habe FB mit einem in der Tür verbliebenen Fuß verlassen und bekomme noch unregelmäßig Statusupdates eines Users per Mail zugeschickt. Was hier her führte. Auch nicht verkehrt *find*. Was mich vor allem störte war, von Leuten gefunden und behelligt zu werden, denen ich seit Jahren aus Gründen aus dem Weg gehe, dass die Seite auf für den Rechner ungesunde Weise verskriptet ist und die Spiele. Social Web war mal ne Tolle Sache – bevor sich alle auf FB konzentriert haben, brummte das Forenleben. Da hatte man zwar seine Pappenheimer, konnte aber auch echt tolle Leute treffen. Jetzt vegetiert das meiste davon irgendwie mit nicht mal einem Drittel der Vitalität vor sich hin. Und das liegt nicht an FB, sondern an den Usern.

    Naja, Liebe Grüße aus dem Norden,

    ich werd mal wieder reinschauen

  28. […] und und. Um das, worum es dort mal eigentlich mal ging, geht es doch schon lange nicht mehr. Danke für fast nichts, Facebook. /frau […]

  29. ich deaktiviere immer wieder und komme dann dohc immer einmal mehr zurück – weil es mittlerweile schwierig ist, viele leute, mit denen man noch lose kontakt hatte, nicht ganz aus den augen zu verlieren. natürlich kann man fragen: was nützen mir diese losen kontakte? aber ich mag sie. es gibt menschen, die sehe ich eben alle paar heiligen zeiten und das ist schön und ich weiß, ohne facebook wäre das viel schwieriger. es entwickelt sich nur dahingehend, dass man selbst auch ein stillerer teilnehmer wird und dass die sache an sich auch nicht mehr sonderlich interessant ist und mehr gewohnheit als hobby. seinen ursprünglichen sinn erfüllt es leider seit langem schon nicht mehr, aber das ist wohl der lebenszyklus von internetplattformen.

  30. Anfänglich habe ich meinen „Sendeschluss“ auf Facebook ähnlich argumentiert, doch letztlich musste ich mir auch eingestehen, dass FB wie auch Twitter & Co. wohl den Mainstream an Interessen der Gesellschaft bzw. meines Freundeskreis spiegelt. Dass uns also in den Netzwerken so viel Belangloses umgibt, verantworten wir mit unseren Likes, Kommentaren und Teilen selbst. Hier endlich das richtige Maß zu finden, sollten wir alle uns vielleicht zur Aufgabe machen. Dann könnten die Netzwerke auch wieder interessanter werden. Wer möchte schon jedes Jahr immer wieder umziehen. Dazu auch gebloggt: http://thomasbrasch.wordpress.com/2014/09/30/eure-dummheit-macht-uns-das-netz-kaputt/

  31. Da hab ich mich also bisher so intensiv mit Facebook beschäftigt, dass mir außer großem Wundern nichts dazu eingefallen ist, dass mir die neuen Beiträge vieler Kontakte nicht angezeigt werden. Eigentlich dachte ich, ich wäre ein prinzipiell mißtrauischer Mensch, vor allem was Manipulation angeht, aber ich glaube wohl trotzdem noch zu sehr an das Gute im Menschen an sich und gleichzeitig an meine eigene Unfähigkeit, mit den Errungenschaften des digitalen Zeitalters korrekt umzugehen, so dass dort das passiert, was ich will und mir nützt. Und dann das. Umpf. Man möchte manchmal, öfter, dauernd Arschtritte verteilen und wünscht sich mehr Konsequenz in der Abstinenz.

    LG, Katja

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