Das Gesetz der Serie

Das Gesetz der Serie

Serien sind ja heißer Scheiß, sagt man. Le dernier cri, das Neueste vom Neuen, muss man gemacht haben, sonst hat man nicht gelebt. “Breaking Bad”, “Game of Thrones”, “Mad Men”, “True Detective”, hoppsassa und trallala. Ich bin nicht für Serien gemacht. Serien sind wie Heißhunger, ohne dass das Gewünschte im Haus ist, wie Sex mit Rausziehen, wie dieser Albtraum, den ich jahrelang hatte, in dem ich immer wieder versuche, jemanden zu ohrfeigen, aber die Luft ist wie Wackelpudding und bremst meinen Schlag so sehr ab, dass er nur noch ein Stupsen ist. Serien sind gelebte Nicht-Erfüllung.

Filmische Erzeugnisse schaue ich nicht einfach nur, sondern ich verbinde mich damit auf eine emotionale und empathische Art. Wenn ich nun aber zehn Folgen lang jemandem nachfühle und dann ist die Staffel zu Ende und die nächste ist gerade erst “in Planung”, dann ist das wie ein Liebeskummer. Dann spüre ich Wut und Frustration, Verzweiflung, weil ich nicht weiß, was aus dieser Person wird. Wenn ich das dann ein Jahr später, wenn ich schon über meinen Liebeskummer hinweg bin, erfahren soll, weiß ich ja nicht einmal mehr, was ich an der ersten Staffel so toll fand. Neue Staffeln sind wie eine Droge, die man sich immer dran drückt, wenn man gerade den Entzug erfolgreich hinter sich gebracht hat.

Nach der fünften Serie, die mich irgendwo im Nichts stehen lässt, habe ich den Stecker gezogen, dem Mann viel Spaß und alles Gute bei seiner Serienbegeisterung gewünscht und mir ein Buch zur Hand genommen. Nun ist es aber ärgerlicherweise doch auch so, dass bei meiner Serienannäherung das eine oder andere Juwel dabei war, das mich bereichert und berührt, erfüllt und nicht frustriert hat, und davon hätte ich gerne mehr. Also musste ich meine Pauschalablehnung aufgeben und Bedingungen formulieren, unter denen Serien vielleicht doch mehr sind als eine einzige Verschwendung von Lebenszeit und Gehirnzellen.

1.) Die Serie muss abgeschlossen sein. Das heißt entweder eine Miniserie mit wenigen Teilen und nur einer Staffel oder eine Serie, die schon etwas älter ist und deshalb bei den üblichen Streamingdiensten bereits vollständig mit allen Staffeln verfügbar.
2.) Die Serie muss eine durchgehende Entwicklung haben mit langsamer, aber sehr intensiver Erzählweise, psychologisch detaillierten Charaktere, die durchaus unpopulär oder in sich widersprüchlich sein dürfen, und einer Handlung, die man nicht schon siebenhundert Mal gesehen hat.
3.) Kein Fantasy- und Mittelalterquatsch. Fünf Filme aus Mittelerde haben mir gereicht, um meinen Hunger auf Orks, Drachen und Leute mit bescheuerten Namen nachhaltig zu stillen.
4.) Pardon: ich bestehe auf einer synchronisierten Fassung. Ich verstehe die englische Sprache, aber ich kann sie nicht fühlen, und damit geht mir zu viel verloren.

Serien, die ich ausgesprochen gut fand, waren “Top of the lake”, “The Killing”, “Fargo”, “The Returned”, “Ripper Street”, “Misfits”, “Sherlock”, “Whitechapel”.
Serien, die ich eher flach fand, waren “Orphan Black”, “American Horror Story”, “Torchwood”, “Dr. Who”, “Grimm”, “Jeckyll & Hyde”.
Unter “Kommt drauf an” laufen bei mir “The Walking Dead” (wird mit jeder Staffel vorhersehbarer) und “Luther” (Story und Charaktere schwanken stark zwischen den Staffeln, Serie funktioniert hauptsächlich durch Idris Elba).
Nicht sehen möchte ich “Breaking Bad”, “Game of Thrones” und “True Detective”. Aus Gründen.
Bereits empfohlen worden und für interessant befunden: “The Code”, “Broadchurch”.

Und nun: bitte.
Sollten Sie Serienerzeugnisse kennen, die obige Bedingungen erfüllen, so kommentieren Sie nun oder schweigen Sie für immerdar.
Firma dankt und ich auch.

39 Kommentare

  1. Ich empfehle House of Cards und würde es nicht ertragen, eine Serie nicht von vorn bis hinten durchgucken zu können. Einzige Ausnahme: Downton Abbey ;) True Detective ist aber auch sehr zu empfehlen, ist ja in sich abgeschlossen.

    • Sie empfehlen House of Cards und können es nicht ertragen eine Serie nicht von vorn bis hinten durchgucken zu können. Dies ist bei House of Cards der Fall.

  2. The Wire (auch mit Idris Elba) ist großartig – wie eigentlich alles von David Simon. Besonders empfehlen kann ich “Treme” – die Serie trifft m.M. genau das, wass Du oben beschrieben hat.
    The Newsroom ist in der ersten Staffel ganz OK, hat in den Folgenden allerdings eine dermaßen antiklimaktische Story, dass man sich über jede Minute, die man der Serie gewidmet hat, ärgert.

  3. Die schon ältere Miniserie “Cracker“, dt. „Für alle Fälle Fitz“ aus England besteht aus 9 oder zehn in sich abgeschlossenen Folgen in Spielfilmlänge, die aber natürlich einem grösseren Handlungsbogen folgen, ähnlich wie Sherlock. Ob es sie als Stream oder DVD gibt, weiss ich nicht, aber da das ZDF die Folgen damals ausgestrahlt hat, dürfte zumindest eine synchronisierte DVD-Fassung vorliegen.
    Mehr zur Serie hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Für_alle_Fälle_Fitz

    • Hui, stimmt! Von der hatte ich damals auch ein oder zwei Folgen gesehen und fand die ganz klasse, vor allem, weil ich völlig verrückt nach Robbie Coltrane bin. Danke für’s Erinnern! Ich werde mal schauen, ob ich den irgendwo kriege.

  4. Ich habe mir letztens auf Youtube die alte 3teilige DDR Seewolf-Verfilmung nochmal angeschaut. Ist zwar was total Anderes als das was Du oben erwähnst, ist aber trotzdem prima.

    • Ich auch und ich war geflashed wie entschleunigt in meiner Kindheit doch gedreht wurde. Das hat mich umgehauen. Gelesen habe ich danach seit langem mal wieder Jake London, ein wunderbarer und grandioser Schriftsteller mit einem verrückten Leben und Leiden.

  5. Ich schließe mich der Empfehlung für “House of Cards” an. Das haben wir nach “The Killing” geguckt und es hatte einen ähnlichen “Ach komm, eine gucken wir noch”-Effekt.

    Jetzt sind wir bei “Orange is the New Black” gelandet, da haben wir aber erst die erste Folge, also kann ich da noch nicht viel zu sagen.

    • Ich muss gestehen, dass ich bei Filmen und Serien völliger Politikmuffel bin, insofern ist “House of Cards” bei mir auch ohne Anschauen schon ausgesiebt.
      Ich habe eine leichte Tendenz zu nicht-amerikanischen Serien bei mir entdeckt, vielleicht bin ich da den Amerikanern gegenüber auch nicht mehr ganz unvoreingenommen.

  6. handwerkliche güte, die sich in dialogen und bildern zeigt, die man schon um ihrer selbst willen, unabhängig von der spannung der handlung sehen will, beherrscht man jenseits des atlantiks nach wie vor besser. auch das kriterium weitestgehend fehlender vorhersagbarkeit der handlung wird in europa leider gern vernachlässigt. um us-serien kommt man also nicht herum.

    in diese reihe gehören – neben house of cards, das auch ohne politik sehr spannend ist, allein schon wegen der bilder und der “psychologie” der charaktere, deren beziehungen, und weil es einfach auch ein extrem spannender krimi ist -:

    the americans. im o-ton mit untertiteln gut und flüssig zu sehen. eine wunderbare parabel über liebe, ehe und einfach auch ein spannender thriller aus der zeit des kalten krieges (2 staffeln, die man am liebsten am stück durchschauen will).

    homeland. gibts auch synchronisiert. ist aber im o-ton mit untertiteln besser. 4 staffeln, jede spannender als die vorhergehende. geniales remake der israelischen serie hatufim, die zu sehen sich ebenso lohnt (gibts auf deutsch, wenn man kein ivrit versteht:-)). homeland ist der “faust” von goethe für serien. auch wenn man es nicht mag, muss man es kennen.

    the bridge america. remake des skandinavischen originals mit diane kruger und demian bichir. charaktere wie skulpturen, spannende handlung, die aber vor dem hintergrund der phänomenalen bilder nicht wirklich wichtig ist. das dänisch-schwedische original wirkt dagegen wie ein billiges urlaubsvideo (so wie das original von the killing auch). wurde leider nach 2 in sich abgeschlossenen staffeln beendet, weil es wohl für den einen oder anderen nicht leicht genug verdaulich war.

    tyrant. kinderarzt kehrt als erbe eines arabischen diktators nach hause zurück. spannende parabel darüber wie sehr der weg zur hölle mit guten absichten gepflastert ist. von einem kenner des nahen ostens, gideon raff (hatufim, homeland).

    das schon erwähnte the wire. am anfang sehr zäh, dann aber ein selbstläufer und nebenher eine doku über drogen.

    • um us-serien kommt man also nicht herum.
      Pardon, dass ich das etwas anders sehe. “The Returned” ist französisch, “Top of the lake” australisch-englisch, “Ripper Street”, “Misfits”, “Sherlock” und “Whitechapel” englisch. Diese Serien finde ich sehr gut.

      Für die Tipps danke ich, “The bridge America”, das mir auch schon von anderen empfohlen wurde, klingt wie etwas, das mir gefallen könnte. Ansonsten bestimme ich ganz allein, was “man kennen muss”, dankeschön.

  7. Ich wollte auch gerade “House of Cards” schreiben, aber gut, hat sich erledigt. “The Wire” wurde auch schon mehrfach genannt. Großartig. Gründe habe ich mal hier aufgeschrieben: https://buggisch.wordpress.com/2014/03/10/ach-und-ubrigens-24-the-wire/ … Auch sehr gut: Boardwalk Empire – Prohibition, Steve Buscemi, tolles Drehbuch, unglaublich detailverliebte Ausstattung. Und was ganz anderes: Schon mal in Der Tatortreiniger reingeschaut? Einzige deutsche Serie, die ich empfehlen würde. Abgeschlossene Episoden, sehr skurril und großartig.

  8. Hast du “Die Brücke” schon gesehen?

    Das haben wir hier mit Begeisterung geguckt und ist auch mal so gar nicht amerikanisch und in sich pro Staffel abgeschlossen.

  9. Die Kriterien kann ich gut nachvollziehen, doch manchmal schließt eine Staffel für sich so gut ab, dass ich Anforderung 1 nicht absolut setze. Bspw. bei The Killing, das mich auch sehr beeindruckt hat, könnte man nach dem großen Who-Killed-Rosie-Larsen-Bogen auch gut Schluss machen. Wenn Sie damit also leben können, würde ich gerne auf die feine Serie Ray Donovan hinweisen, bei der ein wesentlicher Strang mit dem Ende der ersten Staffel abschließt. Die zweite ist auch schon durch, und auch wenn es eine weitere geben soll, kann ich das Warten hier gut aushalten. (Bin allerdings generell kein TV-Gucker mehr und vielleicht weniger sucht- und frustgefährdet.)

  10. Von Fernsehen habe ich wenig Ahnung, von Serien eigentlich noch weniger, aber eine gab´s, die mir gefiel und deine Kriterien m.E. erfüllt: Hospital der Geister (Lars van Trier).

  11. Vielleicht ist ”Die Erbschaft” etwas für dich. Ganz neu, auf DVD in deutscher Sprache. Die dänische Serie kommt mit einer Staffel aus. Keine Politik, keine Brutalität, keine Morde, auch wenn natürlich alle ihre Leichen im Keller liegen haben. Wie der Titel unschwer ahnen lässt, geht es … um’s erben, nämlich das Testament der Mutter, einer bohemistischen Künstlerin. Machtverhältnisse, Familienstrukturen, Männer, Frauen, Liebe, Lügen, Betrug, Geheimnisse und Verletzungen emulgieren zu standfester Spannung. Leider, ich muss es sagen, kommen die letzten Folgen dann etwas enttäuschend betulich daher. Egal!

  12. Erstreckt sich das bei Dir auch auf Bücher? Kann Serien auch bei Büchern nicht leiden. Reicht schon, dass das Leben häppchenweise vorankommt.

  13. “Im Angesicht des Verbrechens!” von Dominik Graf ist eine 1.) zehnteilige – in sich abgeschlossene – Miniserie, die 2.) gekonnt inszeniert, gut besetzt und spannend anzusehen ist. Sie handelt 3.) von polizeilichen Ermittlungen im Milieu der russischen Mafia und spielt in Beriln – wo 4.) hauptsächlich Deutsch gesprochen wird…

  14. “Elementary” – für viele das schlechtere Sherlock. Aber es hat seinen eigenen Reiz, und es gibt mehr Folgen. Wird mit der Zeit immer besser.

    “Black Box” – Wirkt ein bisschen wir Dr. House auf weiblich im Psycho-/Neuro-Bereich, ist aber verschieden genug, um nicht als Abklatsch durchzugehen.

    “Boston Legal” – Justizserie mit James Spader in Höchstform, mit Shattner als Sidekick. Eine Ode an die Macht des Wortes und der Argumentation. Liebt man oder hasst man. Wirkt schon fast ein bisschen anachronistisch, obwohl noch nicht sooo alt, die Serie.

  15. vielleicht einen Blick wert:

    – Rectify
    – The Leftovers
    – Justified

    – Black Mirror (Anthologie-Serie: jede Episode wie eine abgeschlossene Kurzgeschichte)

    …und ich mochte “Enlightened” sehr, fürchte aber, dir ist das zu langsam und zu viel Comedy. Episode 9 steht für sich allein und ist ein kleines, stilles, kluges Meisterwerk. große Empfehlung – nur diese eine Episode.

    Zustimmung für “Broadchurch” und “The Americans”. Außerdem vielleicht die Miniserie “The Lost Room” und in ein paar Wochen, wenn die Staffel abgeschlossen und die Geheimnisse gelöst sind, “The Affair”.

  16. “Dr. House”? Sehr lang, abgeschlossen, für deine Bedürfnisse eventuell etwas zu Episodenhaft.
    “Les Revenants” – abgeschlossene, französische Kurzserie, würde ich so als Grusel-Mystery beschreiben.
    “Sons of Anarchy” – etwas brutale Story um eine Bikergang in den USA, dürfte auch abgeschlossen sein.
    Vielleicht noch der Klassiker: “Lost”? ;)

    Ach, wenn ich mir das so ansehe, dann hält meine Seriensammlung deinen Anforderungen nicht stand und ich komme mir auf einmal nicht mehr so versiert vor, wie ich dachte – außer allseits bekanntem Mainstreamkram habe ich nur wenig zu bieten, was nicht schon 20 andere geschrieben haben.
    Ich bin von mir selbst enttäuscht… ;)

  17. Zwei französische Perlen, die auch auf Arte liefen:
    Xanadu, mit 8 Episoden in einer Staffel und Kindkind mit nur vier Folgen (by the way: ab wann wird ein Mehrteiler zur Miniserie?). Erst genannte fand ich spannend aufgrund des irgendwie ungewöhnlichen und eher nicht-voyeuristischen Blich aufs Porno-Business, letzt genannte hat großartige Laiendarsteller – insbesondere der Kommissar (im echten Leben wohl Gärtner).

  18. The Wire – wobei ich nicht weiß, wie das auf Deutsch funktioniert.

    Und dann auf jeden Fall Six Feet Under. Erfüllt alle Anforderungen.

  19. Liebe Meike,

    schade, dass Sie “Breaking Bad” nicht sehen möchten. Mich hätte sehr Ihre Ansicht zu den beiden Protagonistinnen Marie, vor allem aber zur meistgehassten Frauenfigur des jungen Jahrtausends – Skyler White – interessiert. Schade, wirklich schade.

  20. -“Ein Mann will nach oben” (keine Probleme mit der Synchronisation.
    -“Malcolm mittendrin” (Sehr intelligenter Humor, keine Dutzendware)

  21. Nachdem ich jahrelang (oder schon immer?) Serienmuffel war, bin ich mir vor kurzem untreu gewesen und habe begonnen, Serien, die eine überschaubare Anzahl an Staffeln oder sogar Folgen haben, zu schauen. Zunächst war ich ganz grundsätzlich überrascht, dass es mir gefiel, daran teilzuhaben, wie sich eine Story gemächlich und mit teilweise langen Pausen (mein Verschulden) entwickelte und zuspitzte. Vor allen Dingen aber hatte ich das Gefühl, dass mir die Serien von mal zu mal besser gefielen und mich mehr und mehr fesselten – habe ich nur ein glückliches Händchen, oder bin ich dann doch langsam süchtig nach diesem Prinzip “Serie”…?

    Mein Weg ging von “True Detective” über “Fargo” dann nun zu “Top of the lake”, das ich eben intensiv gefesselt mit der letzten Folge und beklommenen Gefühlen in der Magengegend abgeschlossen habe… War das atmosphärisch wirklich so gut gemacht oder sollte ich mal eine Pause machen…

  22. Dead Like Me
    Hat nur zwei Staffeln, ist aber leider nicht so wirklich abgeschlossen. War wohl nicht erfolgreich. Ist aber trotzdem sehr schön: Mädchen muss nach ihrem Tod die Seelen anderer Sterbender einsammeln. Viel schwarzer Humor und wandelt recht erfolgreich auf dem schmalen Grat zwischen Kalenderpoesie und tiefgehender Philosophie. Vergleichbar vielleicht mit Pushing Daisies, aber nicht so überzuckert. Vielleicht zu episodenhaft für deine Ansprüche, aber die Charaktere entwickeln sich. Ich fands schön, bin damit aber recht allein auf weiter Flur…

    Downton Abbey
    Ist ne Soap, keine Frage. Aber trotzdem irgendwie gut. Herrlich British. Ich hatte da eigentlich gar kein Interesse dran, bin nach einer Folge dann aber trotzdem hängen geblieben. Ist allerdings noch nicht abgeschlossen, aber es gibt immerhin schon ganze 4 Staffeln auf deutsch.

    Deadwood
    Falls du Western magst. Die übliche Gauner/Mafia-vs-Good-Guy-Konstellation, nur eben im Wilden Westen. Abgeschlossen nach drei Staffeln. Aus einer Zeit, wo HBO zwar schon HBO war, sich aber noch mit dem übermäßigen Abschlachten von Hauptcharakteren zurückgehalten hat.

  23. Liebe Meike,
    ich empfehle (außer bereits genannte »The Wire«) vor allem »Mad Men«.
    Die letzte (siebte) Staffel liegt nun fast vollständig vor. Die Erzählweise ist
    langsam, aber auch irgendwie passend zu einem 60er-Jahre-Setting. Mit den ersten
    Folgen, so kam es mir vor, betritt man eine Vergangenheit, die einen in ein Parallel-
    universum verfrachtet, dass einem der Atem stockt. Naja, jedenfalls bei mir.
    Sozusagen der »Ulysses von Joyce « unter den Serien. Sag ich mal so.
    Bin ja aber auch Doctor Who-Fan, sehe auch gern mal alte Classic-Folgen aus den 70ern dieser Serie. Der Showrunner der letzten Who-Staffeln ist übrigens auch für
    »Sherlock« verantwortlich (nebst einigen Drehbüchern). Könnte jetzt noch viel über
    diese beiden Serien … naja. Gruß.

  24. Falls es doch irgendwann mal eine Politikserie sein soll, könnte ich noch “Borgen” emfpehlen. Kommt aus Dänemark, sollte aber auch auf Deutsch erhältlich sein, da bei ARTE bereits ausgestrahlt. 3×10 Folgen, jeweils in sich geschlossen.

    Es wird viel Zeit und Aufwand auf das Ausleuchten der Charaktere und ihren Beziehungen untereinander verwendet und zwar in einer nicht vorhersehbaren Art, die dennoch nachvollziehbar und schlüssig ist. Fernab von jeglichem gut/böse Eingeteile.

    Bezüglich Politserie noch dies: Da es in Dänemark spielt, sind die politischen Probleme sehr real und auch etwas provinziell und nicht so gigantomanisch wie etwa bei House of Cards. Das könnte unter Umständen auch bei Politmuffeln funktionieren.

    Auch schauspielerisch von (fast) allen auf sehr gutem Niveau.

    (Hoffentlich) viel Spass!

  25. vielleicht ist die serie “life” etwas für dich? die serie ist abgeschlossen und ist defintiv keine fantasy-serie … einfach mal reinschauen und testen! mir gefällt die serie, da die charaktere nicht flachgebügelt sind und jeder sein privates päckchen mit sich herumträgt, bzw. es zu meistern versucht.

  26. Ich bin zufällig hier rein gestolpert (über den Nachruf zu Terry Pratchett) und lasse es mir nicht nehmen dann auch noch eine Empfehlung dazulassen.

    Der Übergang von einer Abneigung gegen Fantasy-Mittelalter-Quatsch zu einer Abneigung gegen Science-Fiction ist ja oftmals fließend, da Science-Fiction-Serien eigentlich nur Fantasy in der Zukunft ist… aber trotzdem will ich da auf eine Perle darunter hinweisen – zumindest meiner Ansicht nach eine Perle.

    Firefly – eine Staffel + abschließender Film

    Humorvoll und intelligent. Ich verstehe bis heute nicht, warum man so eine Serie absetzt. Aber das ist wohl eher Geschmackssache.

  27. Zum Thema “Die Brücke”, von der schon einige andere oben berichtet haben, wollte ich gerne noch ergänzen, dass ausschließlich die Dänisch-Schwedische Coproduktion wunderbar ist. Von der amerikanischen Adaption würde ich die Finger lassen. Da stimmt der Charakteraufbau nicht im geringsten und eine Diane Kruger nuschelt sich mit dauerzusammengebissenen Zähnen durch sämtliche Dialoge.

    Sofia Helin als Saga Norén jedoch, aus der dänischen Brücke, ist wirklich hinreißend. Nie wurde für mich Asperger intensiver gespielt. Ihr Konterpart der von Kim Bodnia verkörpert wird und in der Serie Martin Rohde heißt, ist ein weicher, gebrochener und sehr einfühlsamer Mann, der leider am Ende der ersten Staffel ausgestiegen ist, weil ihm das rechtsradikale Real-Klima im Öresund nicht mehr zugesagt hat. Man kann getrost einfach nur die erste Staffel der Brücke schauen. Damit ist alles erzählt und sie ist in sich abgeschlossen. Alle Staffeln gibt es in der ZDF Mediathek und die Synchronstimmen sind wunderbar gewählt.

    Ich bin übrigens auch ein großer Fan der dt. Synchron und schaue Staffeln immer in der synchronisierten Version; aus den selben Gründen wie du. Ansonsten bin ich was Serien angeht ein echter Junkie. Fast alle der oben genannten habe ich natürlich gesehen. Wenn du mit Crime und Kriminalfällen keine Probleme hast und dir der eine oder andere intensive Blutstropfen nichts ausmacht, würde ich, ungeachtet deiner amerikanischen Serienaversion noch DEXTER empfehlen. Dexter ist auch deswegen so interessant, weil man durch die Realitätskomponente, die sich während des Drehs der Serie abgespielt hat, noch eine Metaebene hat. Der Hauptdarsteller Michael C. Hall war einige Jahre mit seiner Serien-Schwester Jennifer Carpenter verheiratet und bewältigte während des Drehs zur vorletzten Staffel sogar eine Krebserkrankung. Ich behaupte mal, das schlägt sich merkwürdigerweise in der Serie was ihre Authentizität angeht nieder. Außerdem ist keine andere Serie so dialektisch lebensbejahend sonnig und mit berauschender Kamera gedreht. (Ich sehe Filme auch gerne aus dem technischen Aspekt und ihrer Qualität hinsichtlich Kamera/Musik/Schnitt etc. heraus) Am wichtigsten sind mir natürlich die Dialoge, was das angeht mach Marc Cherry, der die wunderbar genialen Desperate Housewives geschrieben hat, so schnell keiner was vor.

    Vermutlich sind dir die Housewives zu trivial, weil komplett unrealistisch, schräg und überzeichnet. Aber gerade das und der Wortwitz der Serie macht sie zu einem der absoluten Klassiker im Serien-Jungle. Der Vorteil liegt hier klar auf der Hand, abgedreht, synchronisiert und nach anfänglichem Dauerkopfschütteln mit garantierter Suchtgefahr.

    Aber wenn du Luther mochtest, dann liege ich mit der dänischen Brücke bei dir sicher nicht daneben. Schreib doch mal, was du seither gesehen hast. Würd mich interessieren. Der Beitrag ist ja schon älter.
    Liebe Grüße Tina

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