Wer sind eigentlich “Die da oben”?

Wer sind eigentlich “Die da oben”?

Im Niemandsland zwischen der zurückliegenden US-Wahl und der bevorstehenden Bundestagswahl ähneln liberale Medien derzeit einem Käfer, der auf den Rücken gefallen ist und nicht wieder hochkommt. Da ist der Wille zur Gegenwehr gegen Rechtspopulisten, doch es fehlt an Konzepten, Halbwahrheiten, Lügen, gefühlten Wahrheiten und Behauptungen beizukommen. Ein feste Adresse der Enttäuschten, der Verunsicherten, der Wütenden sind “Die da oben”. Die da oben sind schuld. Die da oben bereichern sich auf Kosten des Volkes. Die da oben kümmern sich nicht um den kleinen Mann. Und so weiter. Dabei vermischen sich im bunten Durcheinander Feindbilder, mal sind mit “Die da oben” Politiker gemeint, mal Konzernchefs, mal die Medien, mal Linke, mal Banker. Die da oben markiert eine schwammige Elite, eine Personengruppe, die sich zumindest gefühlt auf den oberen Plätzen der Gesellschaftshierarchie herumlümmelt. Denen da oben wollen die Abgehängten eine Lektion erteilen, weshalb sie alle freiheitlichen Grundsätze und jede Form der Selbstbestimmung aufgeben und autoritären Anführern hinterherlaufen, die ihnen suggerieren, einer von ihnen zu sein.

Dass Menschen abgehängt wurden, ist nicht zu leugnen, ausgeblutete, entvölkerte, jeder Hoffnung beraubte Landstriche geben Zeugnis davon, wie wirtschaftlicher Aufschwung und wirtschaftliche Perspektivlosigkeit direkt nebeneinander leben können. Zeit Online hat vor ein paar Tagen beispielhaft die Verhältnisse in Bitterfeld-Wolfen analysiert, der Stadt, in der die AfD die meisten Wählerstimmen verbuchen konnte. Für jeden, der sich nur ein bisschen für den Rechtsruck in der Gesellschaft interessiert, sollte dieser Text Pflichtlektüre sein, weil er so erschreckend transparent macht, dass Rassismus und Fremdenhass meist die Folge einer Entwicklung sind, die die meisten von uns nachvollziehen können dürften.

Mir machte der Text aber noch etwas klar: wie wenig ich eigentlich darüber weiß, wie alltägliche Lebensumstände zustande kommen. Ich habe natürlich in der Schule die politische Machtverteilung in Deutschland gelernt, Bundestag, Landtage, Kommunen und so weiter. Nicht gelernt habe ich, wie sich diese Machtverteilung auf meinen Alltag auswirkt. Welche Demokratieabteilung gerade die Verantwortung für diese oder jene Veränderung trägt. Ich habe die Bildung, das Umfeld, die Möglichkeiten, mir die Antworten auf diese Fragen zu erarbeiten, aber wie sieht es mit jemandem aus, der diese Möglichkeiten nicht hat? Etwa, weil ihm die Bildung fehlt oder der Zugang zu Antworten. Oder weil er nach zwölf Stunden Schichtdienst keine Energie mehr übrig hat, sich am Abend Grundfragen der Demokratie zu erarbeiten. Gerinnt für so jemanden nicht die Beobachtung von Missständen, verursacht durch unbekannte Urheber, zu einem “Die da oben”?

Wenn die Mülleimer auf dem Spielplatz gegenüber viel zu selten geleert werden, woran liegt das? Ist die Stadt Berlin schuld oder das Entsorgungsunternehmen? Oder dass, bleiben wir beim Beispiel Bitterfeld, an dem Badesee, der früher für alle zugänglich war, nun private Uferbereiche abgesperrt werden, in denen Villen gebaut werden mit eigenen Bootsanlegern? Wie ist das gekommen, dass ich kurz nach der Einführung des Euro für Schuhe dieselben Summen wie früher bezahlt habe – aber in Euro? Wer hat Schuld daran, dass es in der Grundschule durchregnet, weil kein Geld für Sanierungen da ist? Sind es Politiker? Wenn ja, welcher Partei? Wird über so etwas auf Bundes-, Landes- oder Kommunenebene entschieden? Warum tut niemand etwas dagegen, dass technische Alltagsgegenstände wie Handys so teuer sind, dass man dafür schon einen Kredit aufnehmen muss, wenn man nur wenig verdient? Wie kommt es zustande, dass erzählt wird, mit etwas Flexibilität und Fleiß käme der Wohlstand, aber der kommt gar nicht? Nach 20 Jahren im Betrieb bekomme ich immer noch nur einen Lohn, der kaum zum Leben und erst recht nicht zum Reichwerden reicht. Und wenn also kein Geld für Schulen und Altersheime da ist, warum dann für Notunterkünfte? Wieso muss ich, der ich mein Leben lang malocht habe und nun vor der Altersarmut steht, plötzlich teilen, weil ich angeblich zur wohlhabenden Hälfte der Weltbevölkerung gehöre? Warum soll ich die Globalisierung gut finden, wenn es durch sie in meiner Region weniger Arbeitsplätze gibt und die Bevölkerung nichts von den Gewinnen hat, die Unternehmen dank der Globalisierung machen?

Barack Obama hat viele seiner Wahlversprechen nicht gehalten – das ist die Beobachtung. Dass das aber nicht an der Verlogenheit eines demokratischen Präsidenten liegt, sondern zum Großteil an einem republikanischen Kongress, der viele von Obamas Vorhaben rundheraus sabotiert hat – wissen das alle? Bleibt am Ende nicht ein Gefühl von Enttäuschung über Obamas Präsidentschaft, die nicht die gewünschte Lebensverbesserung gebracht hat? Ist diese Enttäuschung nicht auch das Resultat daraus, dass man den konkreten Ablauf und die konkreten Auswirkungen der Demokratie gar nicht richtig gecheckt hat, weil Politik oft nur abstrakt vermittelt wird, als symbolische Größe, bei der man gar nicht weiß, wie sie umgesetzt wird und ins tägliche Leben hineinreicht?

Ich ahne die Reaktion: es ist die Pflicht des Bürgers, sich zu informieren. Aber wie realistisch ist denn das, wenn Menschen immer mehr arbeiten müssen, um über die Runden zu kommen, oder trotz Job unter der Armutsgrenze leben? Fakt ist doch, dass man freie Kapazitäten braucht, um bestimmte Dinge zu hinterfragen. Zeit, Energie, Intelligenz, Geld. Nachdenken zu können, recherchieren, sich bilden und fragen, ist ein Luxus, den sich viele Menschen, die in einer 40plus-Stunden-Tretmühle gefangen sind, gar nicht leisten können. Die Welt besteht ja nicht nur aus digitaler Boheme, intelligenten, gebildeten Freiberuflern, deren Arbeitsalltag zu 60% aus Prokrastination dem Lesen im Internet besteht. Auch jemand, der nur eine duchschnittliche Bildung und wenig Zeit hat, muss doch die Möglichkeit erhalten, herauszufinden, warum zur Hölle das Dach in der Grundschule nicht geflickt wird oder warum der Lohn trotz jahrelanger Schufterei nicht fürs Leben reicht. Hier liegt ein Wissensvakuum vor, das wie in Bitterfeld bislang nur von der AfD befüllt wird – allerdings nicht mit Fakten, sondern mit Propaganda.

Die – zugegeben noch sehr unreife – Idee, die mir seit ein paar Tagen im Kopf herumschwirrt, ist eine Anlaufstelle, bei der jeder Mensch einfach fragen kann, wer die Verantwortung trägt für eine bestimmte Sache, die ihn stört. Und die darauf mit für jedermann verständlichen Worten wahrheitsgemäß antwortet. Die Auskunft gibt darüber, ob eine politische Entwicklung auf Schwarz, Rot, Grün oder Hellblau zurückgeht – ohne Ideologie, ohne Lagerbildung. Ich meine nicht so etwas wie Schmalbart oder Bildblog, zwei wichtige Korrekturportale, die mediale Lügen und tendenziösen Journalismus im Allgemeinen und im Besonderen aufdecken. Was mir vorschwebt, ist eine Art Bürgerportal, das aber nicht von staatlichen Stellen betrieben wird, das würde nur wieder zu den gleichen unklaren Wischiwaschi-Antworten führen, mit denen etablierte Politiker heute schon reihenweise Wähler verlieren. Ein privates Portal, in dem Menschen nicht für mangelhafte Grammatikkenntnisse verhöhnt werden, sondern in dem jeder Nutzer ungeachtet seiner Bildung, seines Hintergrundes und seiner Herkunft eine verständliche und überprüfbare Antwort für seine enttäuschte Frage bekommt. Es geht nicht um Wertung, nicht um Rede und Gegenrede, darum, Rechte von Links zu überzeugen, sondern darum, dass Menschen, die eine diffuse Wut gegen “die da oben” haben, erfahren, auf wen genau sie wütend sein können.

Ein Beispiel:

F: Warum soll der Kindergarten im Ort geschlossen werden?
A: Der Kommune fehlt es an Geld, weil nach der letzten Kommunalwahl die Partei XY die Gelder abgezogen hat, um Projekt YZ zu fördern. Davon erhoffte sie sich einen wirtschaftlichen Aufschwung. Der blieb leider aus und nun ist das Kindergartengeld weg. Derzeit arbeiten die Parteien AB und XY mit folgenden Mitteln daran, die Gelder für den Kindergarten wieder zurückzubekommen: Erstens, zwotens, drittens. Diese Angabe können Sie im Rathaus überprüfen, dort liegen die betreffenden Erlasse der Partei XY aus und können auf Anfrage eingesehen werden.

Die Verständlichkeit ist mir dabei besonders wichtig, weil Wissen und Erkenntnisse in unseren westlichen Gesellschaften viel zu sehr zwischen (hoch-)gebildeten Akademikereliten hin und her gereicht und weniger gebildete Schichten davon ausgeschlossen werden. Solange kaum Wissen seriös an die weniger Gebildeten weitergereicht wird, muss sich niemand wundern über wachsendes Misstrauen und das Gefühl des Abgehängtwerden. Das Konzept “Explain it like I’m 4 years old”, also “Erkläre es mir als sei ich ein Kind” scheint mir hier ein guter Richtungsweiser zu sein. Auch die Neutralität und die bedingungslose Wahrheitsverpflichtung der Portalschreiber sind dabei essentiell. Wenn eine Instanz Entscheidungen getroffen hat, die die Menschen in der Region überwiegend negativ wahrnehmen, dann muss das exakt so benannt werden, ganz gleich ob es sich bei der Instanz um eher linke oder eher rechte, eher freiheitliche oder autoritäre, um politische, unternehmerische oder mediale Urheber handelt. Eine Lagerbildung oder ideologische Beeinflussung ist um jeden Preis zu vermeiden. Das Wissensvakuum soll nicht länger mit gefühligem Populismus gefüllt werden, sondern mit Wissen.

An der Hierarchie mag sich dadurch zwar nichts ändern, aber vielleicht löst sich dieses diffuse Gefühl, das sei alles eine (linksgrün versiffte) Sauce, auf. Vielleicht merkt der eine oder andere Mensch, dass er zwar bisher dachte, Schuld seien Linke, aber tatsächlich entpuppt sich der ein oder andere Gesetzesentwurf als Resultat der braunschwarzen CSU. Oder wo man glaubte, Angela Merkel trage die Verantwortung für ein Ausbluten der Region, da war es vielleicht in Wirklichkeit der SPD-Bürgermeister, der jahrelang in die eigene Tasche gewirtschaftet hat. Vielleicht kann es ein Anfang sein, Menschen wieder weg von gefühlten Wahrheiten zu bringen, hin zu “Was geschah wirklich?”

Vielleicht ist das alles eine Quatschidee, weil nicht realisierbar, weil sich nicht genügend neutrale Antwortschreiber mit stählernen Nerven finden, weil so ein Portal von den beschriebenen Personengruppen gar nicht genutzt werden würde. Ich weiß es nicht. Aber ich finde, es lohnt sich, einfach mal laut zu denken, Ideen, Ergänzungen und Vorschläge zusammenzutragen und Möglichkeiten auszuloten. Jeder ist ausdrücklich eingeladen, mitzudenken, zu erweitern, zu korrigieren, wo ich falsch liege.

Also?

(Titelfoto: Ariel Dovas/Flickr)

51 Kommentare

  1. Das ist eine hervorragende Idee. Können Sie das bitte initiieren? Wie hilft man da? Webschnittstelle, Reputationspunkte, lokale Recherche-Gruppen? Fördermittel für politische Bildung muss es doch auch geben, respektive e-Government? Kann seit dem Lesen nicht aufhören vor mich hin zu spinnen.

    • Fördermittel muss man sehen, ich glaube, dass es ganz wichtig ist, dass so ein Portal am Ende nicht “vom Staat” bezahlt wird, weil das ja genau die Adresse ist, der die Menschen am meisten misstrauen. Crowdfunding wäre eine Idee, Spenden sammeln. Ich kaue selber noch sehr auf der Idee herum. Dieser Blogartikel ist absichtlich so halbfertig an den Start gegangen, weil ich tatsächlich ein bisschen sammeln will. Mit etwas Glück finden sich noch Stimmen hier zusammen, die etwas beitragen können.

      • Ah stimmt, guter Punkt gegen staatliche Förderung. Schade. Crowdfunding klingt gut, fürchte regelmäßig Spendenaufrufe à la Wikipedia. Auf jeden Fall weiter dran knabbern.

  2. Tolle Idee! Besonders wichtig finde ich dabei auch die Idee der leichten – oder sagen wir – einfachen Sprache! Behördenbriefe oder Nachrichten sind oft unverständlich. Wenn man das bundesweit betreiben wollte, wäre das ein ziemlich großes Unternehmen, aber die Idee gefällt mir. Vielleicht ein bundesweit tätiger Verein?

  3. Ja, die Idee ist gut und vermutlich wesentlich wirkungsvoller, als sich immer nur über die armen Irren zu echauffieren, die einfach nicht verstehen wollen (hier Lieblings-Aggrothema einsetzen). Bin freie Texterin und würde gerne an dem Projekt mitarbeiten, wenn es mal soweit ist.

  4. Spalte ich die Öffentlichkeit mit einer solchen Lösung – ich nenne sie mal: das Trotteltelefon – erst recht? In einen Teil, der weiß, wo er den Gesetzesvorschlag, destatis, den Abgeordneten, findet. Und einen Teil, der sich möglichst handliche, notwendig simplifizierende Antworten vorkauen lässt? Zudem sind viele Fragen kaum eindeutig und leicht zu beantworten. Da gibt es wenig Wahrheiten, aber viel Meinung. Ich bin bei Dir, dass wir mehr politische Bildung brauchen, aber eine Schrumpfform politischer Bildung, eine Öffentlichkeit ad usum delphini, ist und bleibt mir suspekt.

    • Man kann Menschen durch Kommunikation ausschließen und man kann sie einschließen. Nicht Bildungsangebote, die Menschen mit geringerer Bildung auch nutzen können, schließen aus, sondern Formulierungen, die nur die oberen Zehntausend verstehen. Leuten “ad usum irgendwas” vor die Füße zu rotzen, schließt aus.
      Ich spreche über Menschen mit durchschnittlicher Bildung, Sie setzen diese Menschen gleich mit “Trotteln”. Ich wäre sehr vorsichtig mit solchen Ableitungen. Wirklich sehr vorsichtig. Sie diskriminieren und verletzen ganz ohne Not. Ich komme aus einer Familie, in der ich weit und breit die einzige Akademikerin bin. Niemand in meiner Familie ist ein Trottel, aber über ein kommunikatives Entgegenkommen gewisser Kanäle hätte sich sicher der eine oder die andere gefreut. Ich übrigens auch, weil ich unnötig komplizierte Sprache zeitraubend, ausschließend und so unnötig wie einen Kropf finde.

      Natürlich kann man bis in alle Ewigkeit weiter von der Politik (denen da oben?) bessere Bildungsangebote fordern, nur passieren wird dann überhaupt nichts. Es ist die letzten Jahre auch nichts passiert. Ich glaube, dass ein solches Portal Klüfte überbrücken kann, die durch Nichtwissen entstehen. Nebenbei: das Portal soll sich wie gesagt nicht nur an Menschen geringerer Bildung richten, sondern auch an solche, die sich aus Zeit- und Energiemangel die Alltagsauswirkungen der Demokratie nicht in Volkshochschulkursen erarbeiten können.

      PS: Gerade erst bemerkt, dass wir uns von Twitter kennen. Ersetze also Sie durch Du.

      • Ich glaube nicht, dass sich alles in leichter Sprache ausdrücken lässt ohne einen ganz gehörigen Bedeutungsverlust. Wirklichkeit ist kompliziert, vielleicht muss man das auch einfach einmal respektieren. Niemand von uns versteht alles, was was wissenswert ist. Manchmal muss man Autoritäten auch einfach glauben. Mir geht es oft in den Naturwissenschaften so.

        Tatsächlich ärgert mich das schnelle und oft ungerechte Urteil derjenigen, die sich über “die da oben” echauffieren, ohne sich mit dem harten Geschäft des Gesetzgebers, den Schwierigkeiten der Wahrheitsfindung im Wissenschaftsbetrieb, mit den Problemen der Justiz zu beschäftigen. Es gibt im Übrigen einen Haufen an öffentlich zugänglichen Informationen, die leicht verständlich sind. Die bpb veröffentlicht so etwas, es gibt haufenweise Bücher, die schnell gelesen und für Laien konzipiert sind. Mir ist insofern schleierhaft, wie die Leute beschaffen sein sollen, die trotz bester Absichten an den Mauern einer unzugänglichen Sprache und zu viel Informationen abprallen.

        Ich sehe insbesondere im Netz nicht die armen Kerle, denen man sträflicherweise das Wissen nicht hinterhergetragen hat. Ich sehe da am ehesten grund- und ahnungslose Arroganz und einen Mangel an Demut am Werk, den ich oft ausgesprochen irritierend finde, kurz: ich sehe hier nicht mangelnde Informationsmöglichkeiten, sondern einen Charaktermangel am Werk. Wenn ich die Kommentare in den Foren der Zeitungen allein zu Rechtsfragen und Gerichtsprozessen lese, könnte ich jedesmal aus der Haut fahren angesichts dieser Mischung aus hochfahrender Selbstgerechtigkeit und Ahnungslosigkeit.

        • Nichts für ungut, aber Du hast schon bei Twitter klargemacht, dass Dir jede Handreichung für die, die die Gesellschaft im Moment in Scharen nach rechts verliert, zuwider ist. Du wirst Deine Gründe für Dein knallhartes, in schwarz-weiß plakatiertes Weltbild haben, aber mit überheblicher Bildungsbürgerrhetorik wird man dieses Abwandern eher noch beschleunigen. Kann man machen, ist dann aber kontraproduktiv.

          Was die Verständlichkeit angeht: das sehe ich anders. Ich glaube, viele Intellektuelle geben sich einfach nicht genug Mühe, verstanden zu werden, weil es ihnen darum auch gar nicht geht. Ich lass Dir mal Karl Popper da, der folgendes sagte (und ich liebe ihn sehr dafür): “Wer’s nicht einfach und klar sagen kann, der soll schweigen und weiterarbeiten, bis er’s klar sagen kann.”
          In diesem Sinne.

          • Ich empfinde es also wenig hilfreich, mir “überhebliche Bildungsbürgerrhetorik” vorzuwerfen. Tatsächlich sehe ich die Personen, die Du Dir als Zielgruppe vorstellst, nicht als arme Kerle an, denen ich arroganterweise nicht die Hand reichen will. Ich sehe diese Leute völlig anders als Du:

            Hinter Deinem Vorschlag steckt die Annahme, die Leute, die nach rechts abwandern, seien schlecht informiert. Wüssten sie besser Bescheid und würden sich ernster genommen fühlen, würden sie ihre Positionen überdenken.

            Ich habe auf twitter inzwischen mehrfach versucht, mich mit politisch Andersdenkenden auszutauschen. Mein Befund ist recht eindeutig: Mir erscheinen diese Leute nicht uninformiert. Die würden nicht mit einem “danke, endlich habe ich es verstanden” reagieren. Die meisten meiner Gesprächspartner auf twitter sind tatsächlich Rassisten und Sexisten. Sie haben keine grundlosen Ängste, sie haben auch keine Ängste vor dem sozialen Abstieg. Sie wünschen sich tatsächlich eine Gesellschaft, in der sie von vornherein als weiße Männer mehr Rechte haben als Du oder ich. Jedes Entgegenkommen würde die Rechte nicht schwächen, sondern stärken.

          • Es ist mir bekannt, dass Du diese Menschen als rundheraus böse empfindest, und nun ja, das ist Dein gutes Recht. Ich bin tatsächlich überzeugt davon, dass es immer und unabhängig von jemandes Bildung besser ist, Menschen ernst zu nehmen und nicht lächerlich zu machen, weil letzteres garantiert zu “Bösartigkeit” führt. Bösartige Gedanken und Taten sind in vielen Fällen die Folge von etwas und ich will eingreifen, bevor der letzte Schritt dahin vollzogen ist. Man muss Menschen ernst nehmen, solange sie noch “nur” unzufrieden sind, enttäuscht, verunsichert. Man muss sie auffangen, bevor ihnen die AfD ein gemütliches Kissenlager bereitet.
            Ob Twitter dafür allerdings ein geeignetes Diskussionsmedium ist, wage ich nach einigen eigenen zaghaften Versuchen sehr zu bezweifeln.

        • “Ich glaube nicht, dass sich alles in leichter Sprache ausdrücken lässt ohne einen ganz gehörigen Bedeutungsverlust.”

          Das wird so sein, wenn man “leichte Sprache” gleichsetzt mit “mal so nebenbei dahingesagt”. Aber so ist es nicht gedacht und so funktioniert die Welt auch nicht. „Einfachheit ist die höchste Form der Raffinesse“, sagten einst da Vinci und später Steve Jobs, und wie wir sehen, ist dies anscheinend eine Kunst oder Mühsal, die nur wenige beherrschen bzw. auf sich nehmen wollen. Das heißt, es geht schon, aber es ist eben anstrengend. Und genau das ist das Symptom für die besagte intellektuelle Überheblichkeit, nämlich sich nicht anstrengen zu wollen, weil man halt keine Perlen vor Säue werfen möchte.

    • Einerseits denke ich, dass es sich bei denjenigen, die kompetent dazu sind und sich die Arbeit machen, eher um die Minderheit handelt. Ein Polit-Wiki würde demnach eher für einige die Aufwandsgrenzen, sich über Hintergründe zu informieren, reduzieren. Gleichzeitig würde es anderen den Anreiz zu vielleicht spannender Recherche, die dann auch der Community zugute kommt, geben. Ganz persönlich bin ich akademisch gut gebildet, aber es wäre mir nicht möglich, die meisten politischen Abläufe ohne größeren Aufwand wirklich nachzuvollziehen — primär weil ich aus einer ganz anderen Fachrichtung komme.

      Andererseits finde ich den Hinweis aufs “Trotteltelefon” wichtig, weil klar werden müsste, dass es sich eben darum nicht handelt. Kein Werkzeug, mit dem die Schlauen den Trotteln was erklären, sondern eines, mithilfe dessen mündige Bürger Informationen teilen können. Das geht auch in Richtung einfache Sprache — man sollte darauf achten, dass die Beiträge möglichst klar formuliert sind, aber das nicht z.B. im Sinne der umstrittenen “leichten Sprache” kommunizieren.

      Schließlich noch ein Hinweis, habe gestern abend noch ein bisschen mit einem Politikwissenschaftler über die Idee gesprochen: Der wies darauf hin, dass gerade lokalpolitische Abläufe sehr von der jeweiligen Kommune und partei-interne Entscheidungen sogar innerhalb einer Partei über die Zeit und über Persönlichkeiten sehr unterschiedlich getroffen werden können. Die Antworten müssten also klar danach unterschieden werden, und würden im Zweifelsfall die Undurchsichtigkeit des Systems eher hervorheben. Kein echtes Argument gegen die Idee als solche, fand ich, aber etwas, was zu beachten wäre.

      • “Der wies darauf hin, dass gerade lokalpolitische Abläufe sehr von der jeweiligen Kommune und partei-interne Entscheidungen sogar innerhalb einer Partei über die Zeit und über Persönlichkeiten sehr unterschiedlich getroffen werden können. Die Antworten müssten also klar danach unterschieden werden, und würden im Zweifelsfall die Undurchsichtigkeit des Systems eher hervorheben.”

        Wenn das so ist, dann muss das genau so kommuniziert werden. Vielleicht auch ein Missverständnis: es geht mir mit einer solchen Plattform nicht darum, die Menschen wieder “auf Linie” zu bringen, sie wieder auf die Mitteparteien einzuschwören oder sie glauben zu machen, dass alles gut so ist wie es ist (was es nach meiner Ansicht nicht ist). Ich glaube, dass die Zeit für Wandel überreif und dass ein solcher auch bitternötig ist. Aber ein Wandel sollte auf der Basis von Gerechtigkeit und Menschenrechten und vor allem Fakten passieren und nicht auf Basis von Lügen, gefühlten Wahrheiten und blankem Egoismus. Diesen letzteren Punkt will ich angehen. Wenn das System also undurchsichtig ist, sollten alle Menschen das wissen. Es ist ja nur ein Grund mehr für grundlegenden Wandel.

        • Mit der Komplexität solcher Systeme habe ich beruflich zu tun. Das meine ich, wenn ich sage, dass Dinge nicht einfach auszudrücken sind, ohne dass das einer sprachlichen Unfähigkeit oder einem Unwillen der politischen und administrativen Entscheidungsträger zu tun hätte. Jede kommunalpolitische Planungsentscheidung ist unendlich kompliziert. Das geht mE auch nicht einfacher, weil so viele Belange gegeneinander abzuwägen sind. Nehmen wir nur eine Umgehungsstraße: Da gibt es das Interesse der Pendler. Das Haushaltsinteresse, weil so etwas teuer ist und ausgewählt werden muss, welche an sich wünschenswerten Vorhaben umgesetzt werden. Dann leben da zB Eulen und geschützte Gräser. Da gibt es eine übergeordnete Landesplanung, die Verkehrswege plant. Da gibt es Anwohner, die ihre Grundstücke gekauft haben, ohne zu wissen, dass da eine viel befahrene Umgehungsstraße kommt. Und, und, und. Ich wäre völlig außerstande, so etwas einfach zu erklären. Ich glaube nicht einmal, dass diese Prozesse durch eine “Wandel” einfacher würden, den die Belange, die betroffen sind, verschwinden ja nicht einfach.

          Das Problem, das man als Vorhabenträger gegen solche Vorhaben protestierenden Wutbürgern regelmäßig hat, ist kein Verständnis- und Erklärungsproblem. Sondern der Umstand, dass viele Bürger ihre Interessen einseitig durchsetzen wollen. Denen ist völlig egal, was es noch für Belange gibt.

          • “Nehmen wir nur eine Umgehungsstraße: Da gibt es das Interesse der Pendler. Das Haushaltsinteresse, weil so etwas teuer ist und ausgewählt werden muss, welche an sich wünschenswerten Vorhaben umgesetzt werden. Dann leben da zB Eulen und geschützte Gräser. Da gibt es eine übergeordnete Landesplanung, die Verkehrswege plant. Da gibt es Anwohner, die ihre Grundstücke gekauft haben, ohne zu wissen, dass da eine viel befahrene Umgehungsstraße kommt.”

            “Ich wäre völlig außerstande, so etwas einfach zu erklären.”

            Aber schau, Du hast doch genau das gerade getan. Du hast mit ganz einfachen Worten erklärt, warum politische Entscheidungen sich manchmal über Jahre hinziehen. Und ich glaube, solche grundlegenden Infos sind ein ganz hervorragender Anfang, um Menschen die Welt, die sie als überkomplex, erschlagend und überfordernd empfinden, und vor der sie in die Arme von Rechtsparteien flüchten, wieder greifbarer zu machen.

          • Meine berufliche Erfahrungen aus der Begleitung von Infrastrukturprojekten sprechen leider eine ganz andere Sprache. ich versuche immer, das Vorhaben mit allen Gründe dafür und dagegen transparent zu machen, Sorgen zu entkräften, auch offen zu legen, wenn wir uns in letztlich unauflösbaren Interessenkollisionen befinden. Ich versuche gerade nicht, das Vorhaben mit sprachlichen oder juristischen Winkelzügen zu verstecken. Trotzdem bemüht sich ein erheblicher Teil der Betroffenen nicht einmal, Argumente für gegenläufige Positionen nachzuvollziehen. Für diese Leute gibt es nur den eigenen Standpunkt. Sie nennen das oft “gesunden Egoismus”. Das sind keine intellektuell oder wirtschaftlich Abgehängten, sondern Leute, die rücksichtslos ihre Interessen verfolgen, völlig egal, was dabei auf der Strecke bleibt.

    • Es gibt sicher beides: Die unverbesserlichen Rassisten, Sexisten, denen keine Argumentation aus ihrer Weltsicht hilft und die von der Politik enttäuschten, die Zurückgelassenen (oder die, die sich dafür halten).
      Für Zweitere ist eine neutrale Presse hilfreich und einfache Erklärungen über die politischen Zusammenhänge wirklich eine gute Idee. Vor allem auch deswegen, weil focussierte Versprechen einer Partei nie das gesamte Ausmaß dessen erkennen lassen, was passiert, wenn andere Parteiinhalte unhinterfragt mitgewählt werden.
      Die Menschen bevorzugen in ihrer Wut und Enttäuschung einseitige Lösungen (siehe Trump, Erdogan).
      Gerade weil die Schere Akademiker/Bildungsschwache (auch wegen zunehmender Migration) immer mehr auseinander trifften wird (wir erleben gerade erst den Anfang), ist die Idee einer neutralen Anlaufstelle für Fragen nach politischen Zusammenhängen eine gute Idee, finde ich.
      Meine einzige Befürchtung ist, dass niemand, der sich für dieses Thema stark machen könnte, wirklich frei von eigener politischer Färbung ist.

  5. Wie kann denn sichergestellt werden, dass die Antworten (und Fragen selbst?) tatsächlich nicht politisch eingefärbt sind?

    “Eine Lagerbildung oder ideologische Beeinflussung ist um jeden Preis zu vermeiden.”

    Ja, das kann man so schreiben, aber wie soll man das erreichen?

    Es geht ja schon los bei der Förderung:
    Wenn da der Bund oder ein Land hinter steht, wird von gewisser Seite natürlich die “Kritik” kommen, das Ganze wäre politisch gesteuert.
    Ebenso bei Stiftungen, etc.

    Als zweites Problem sehe ich die Anonymität.
    Derjenige, der auf eine Frage antwortet, wird sofort ins Visier derer gelangen, denen die Antwort nicht in den Kram passt. Konsequenz ist wahrscheinlich eine Social-Media Schmierenkampagne gegen diese Person, wäre ja auch nichts neues.
    Und anonyme Antworten kann ich mir nicht vorstellen, da kann ja dann niemand mehr nachvollziehen, inwiefern die Antwort politisch gefärbt ist.

    Beispiel:
    “(…) weil nach der letzten Kommunalwahl die Partei XY die Gelder abgezogen hat, um Projekt YZ zu fördern (…)”
    Könnte man ja auch anders formulieren:
    “Weil die Partei A nach Regierungsübernahme eine Umverteilung der Gelder zugunsten Projekt X vornahm.”

    Die eintliche Frage dahinter:
    Wer kontrolliert, ob eine Formulierung neutral genug ist und wie kann man sich der Neutralität des Kontrolierenden vergeswissern?

    Ich habe selbst schon viel über das Thema nachgedacht und bin eigentlich bei einem Reddit-ähnlichen Q&A angelangt, allerdings ohne Downvote-Funktion, damit keine Troll-Brigaden die Abstimmungen sabotieren.
    Die Antworten und auch Fragen können “geliked” werden und die sinnvollste steht dann oben. Ähnlich gutefrage.net oder so.
    Zusätzlich könnte ein kleines Moderatorenteam dafür sogen, dass etwaige Fragestellungen, die in eine politische Richtung drängen transparent neutralisiert werden. Dieses Team wäre dann natürlich den gleichen Kritikpunkten ausgesetzt, die ich oben erwähnte.

    • Ich glaube schon, dass Neutralität in einem Bürokratiestaat wie Deutschland gewährleistet werden kann. Es geht ja nicht darum, in den Antworten Parteiprogramme und Wahlversprechen (die immer gelogen sein können) runterzunudeln, sondern darum, wer wann wo welchen Antrag eingereicht, bei welcher Abstimmung wie gewählt und welchen Gesetzesentwurf durchgewunken hat. Und so etwas ist ja in der Regel nachzuvollziehen. Irgendwo steht am Ende eine Unterschrift drunter, ein Stempel, ein Abstimmungsergebnis und das kann erfragt werden.

      • Ich habe auch den Eindruck, dass die öffentlich-rechtlichen Medien noch vor ein paar Jahren deutlich mehr um Neutralität bemüht waren. Wenn noch nicht einmal dies gewahrt werden kann, sehe ich ziemlich schwarz.

        • Ich glaube, der Schein trügt. Was abgenommen hat, ist nicht so sehr die Neutralität einzelner Medien, sondern die Vielfalt der Medienlandschaft. Ich rede jetzt nicht von ausdrücklich rechten und ausdrücklich linken Medien, aber die Krise des Journalismus war lange genug (Internet-)Thema. So oft konnte man lesen, dass dieses oder jenes Fachblatt dicht macht, dass diese oder jene Lokalredaktion den Schlüssel an den Nagel hängt. Sie alle haben den Anschluss an die Informationsgesellschaft nicht geschafft und ich kenne viele, mich eingeschlossen, die gesagt haben: “Geschieht ihnen recht, was sind die auch so unflexibel”. Aber weniger Stimmen bedeutet natürlich ganz automatisch auch weniger Meinungen, die Striche, die die Welt beschreiben, werden automatisch gröber, skizzenhafter. Da wo früher Mittepositionen noch zahlreiche Schattierungen hatten, so dass viele Menschen “ihre” Schattierung wiederfanden, werden die Grauabstufungen immer größer. Und wo die Grauabstufungen größer oder gröber werden, finden immer weniger Menschen ihren Ton.
          Vielleicht war das groe Redaktionssterben der letzten Jahre auch eine Voraussetzung für die Meinungsradikalisierung der Gesellschaft.

  6. Menschen, die ein solches Portal nutzen würden, wären ja ohnehin schon Menschen, die eh eine gute Portion Aufgeschlossenheit mitbrächten. Und diesen würde ich auch zutrauen, dass sie einfach nur nächsten Gemeinderatssitzung gehen und dort mal wegen des Kindergartens nachfragen.

    Das große Problem ist ja die Resignation und der Eindruck, dass “Die da oben” sich nicht um “Die da unten” kümmern. Ich sehe da bei der Politik eine Bringschuld und die Menschen müssen dort abgeholt werden, wo sie gerade stehen. Die AfD macht es ganz gut und auch die NPD fährt eine gute Strategie, wenn sie sich in Sportvereinen engagiert.

    Ich glaube auch nicht, dass es viele Menschen nach einem anstrengenden Tag interessiert, weshalb nun genau der Kindergarten geschlossen werden muss. Sondern es interessiert sie, dass der Kindergarten (wie auch immer) offen bleibt. Sie interessieren sich für das Ergebnis, nicht für Prozesse. Nicht umsonst haben wir hier eine repräsentative Demokratie in der man eigentlich annehmen sollte, dass dort Menschen gewählt wurden, die sich fürs Gemeinwohl einsetzen.

    Möglicherweise kann ein solches Portal partiell helfen, aber solange zum Beispiel die CSU meint, dass es eine gute Idee ist, wenn man mittellose Renter und mittellose Geflüchtete gegeneinander ausspielt wird sich nicht viel ändern, fürchte ich.

  7. Toll geschrieben!
    Die Idee einer neutral berichtenden “Zeitung” mit Hintergrundwissen über Ursache und Wirkung finde ich hervorragend.
    Immer los damit!
    Wäre bestimmt weltweit einzigartig.
    Ich würde Richard David Precht mit ins Boot nehmen.
    Viele Grüße

  8. Saugute Idee und wie immer angenehm verständlich [;)] geschriebener Text.

    Eventuell könnten wir/könnte man speziell LehrerInnen ins Boot holen, die ja im Erklären geübt sind und zumindest in der Theorie auch einer gewissen Neutralität mächtig sein sollten!

  9. Wenn ich die Debatte hier so lese, habe ich den Eindruck, dass manche Menschen glauben, in einfachen Worten ließen sich komplexe Zusammenhänge nicht darstellen. Das ist aber gar nicht so. Viele akademische Begriffe können auch einfach umschrieben werden, Schachtelsätze und hochkompliziertes Juristendeutsch kann man vermeiden. Ich selbst stamme aus einer Familie von Fabrikarbeitern, in meiner Kindheit konnten wir uns intensiv über Politik unterhalten, ohne es besonders kompliziert zu tun, aber informiert waren wir, und so habe ich Politik gelernt. Mir selbst fällt es heute schwer, einfach zu sprechen, weil ich viel blogge, aber ich sollte mich mal wieder dran gewöhnen.
    Natürlich kann man damit nicht alle ansprechen. Es gibt auch immer die, die gar keine Argumente hören wollen. Ich finde, es muss uns um die Verunsicherten gehen, die wütenden, denen es um ihre ganz ureigensten Bedürfnisse geht. Ich weiß nicht, wer von euch die Dokumentation der ARD über Haßloch gesehen hat. Die Menschen verlangten von den Politikern, endlich auf das Volk zu hören. als man sie dann nach konkreten Dingen fragte, konnten sie keine Auskunft geben, aber als sie auf dem Marktplatz mit dem Bürgermeister sprachen, ging es plötzlich um Spielplätze, Jugendfreizeitangebote und ähnliches, nicht mehr um die Flüchtlingsfrage. Ich denke, in vielen Fällen lässt sich die Unzufriedenheit mit dem Großen und Ganzen auf die Unzufriedenheit mit Problemen im eigenen Umfeld herunterbrechen. Und wenn dort die Entscheidungen transparent gemacht würden, wüssten die Leute auch besser, wie sie gegen solche Entscheidungen vorgehen könnten.
    Das Problem, das ich sehe, und ich habe in den letzten Tagen darüber nachgedacht, ist, dass es eine solche Anlaufstelle nicht nur im Netz und für die große Politik, sondern in jeder Gemeinde geben muss, eben weil es sich oft um regionale Probleme handelt, die man zuerst anpacken muss. Warum hat die Gemeinde plötzlich kein Geld mehr für den Kindergarten? – Weil eine große Firma absichtlich ein paar Jahre lang zu viel Steuern bezahlt hat, die jetzt mit einem Zinssatz zurückgezahlt werden müssen, der viel höher ist als die üblichen Zinsen. So steht es im Gesetz. Damit hat die Firma Geld gemacht. – Hab ich gerade in meiner Heimatgemeinde erlebt, und die Menschen verstehen es nicht, man muss es ausführlich erklären. Für den ganzen Bund kann das ein extrem kleines Team nicht leisten. Man müsste also tatsächlich einen Verein mit Landesverbänden aufbauen, mit Menschen, die sich engagieren wollen.

    • Das Steuerbeispiel gefällt mir, aber ich frage mich: Ist das tatsächlich so? Steckte da wirklich eine Absicht seitens der Firma dahinter oder hat die Gemeinde einfach zuviel Steuern verlangt und muss diese jetzt, dummerweise mit Zinsen, wieder zurückzahlen?
      Schon hier beginnt die politische Färbung die Erklärung zu beeinflussen.
      Meine Anmerkung: Die Firma konnte nicht wissen, ob die Zinsen fallen oder steigen, zum Zeitpunkt der Versteuerung.

  10. Unsere mitteldeutsche Kleinstadt ist zwar Provinz, aber nicht so weit weg vom Schuss, wie manche glauben. Es soll von Zeit zu Zeit der Kontakt zur großen weiten Welt bestehen, habe ich mir sagen lassen. Und es soll sogar Leute geben, die Außerirdische in Kornkreisen gesichtet haben, ohne dass es der MDR mitbekommen hätte. Aber das sind natürlich Ausnahmen von der Regel.
    Bevor Ihr nun gleich wieder aufhört mit lesen, möchte ich daran erinnern, dass ich bereits vor 2 Jahren die Einberufung eines autodidaktischen Gesprächskreise für notwendig befunden habe; leider waren die meisten anderer Ansicht. Es gibt bekanntlich nichts Gutes, außer man tut es. Da sich in den letzten Jahren nun Einiges angesammelt hat, was der ideologisch-therapeutischen Aufarbeitung bedarf, rufe ich die noch verbliebenen geistig beweglichen Mitteldeutschen Provinzler zur Räson und gebe jedem Freund der Region die Gelegenheit in seinen trüben Inneren zu fischen, den Ballast loszuwerden und sich mal richtig auszu…. ähm, auszusprechen.
    Selbstverständlich hat es wenig Sinn über den Unterschied von Edeka und Netto zu referieren, den letzten Ski-Urlaub auszuwerten oder die Handy- und Holzpreise zu vergleichen; das macht Ihr ja sonst schon genug und es wäre Verschwendung von wertvoller Lebenszeit das noch weiter zu befördern.
    Stattdessen richtet Euren Blick bitte auf die Abgründe der real existierenden Globalisierung und seiner Protagonisten. Wer weiß, ob menschliches Leben vor 40 oder 60 Jahren ohne Computer, Mobilfunk, Internet und mit verschiedenen Währungen und festen Grenzen in Europa existierte, und wenn ja, wie sah das aus?

    Oder gehen wir noch einen Schritt zurück in der glorreichen Entwicklung der Moderne und fragen uns wie Menschen vor 100, 200, 500 Jahren sich von A nach B bewegt haben und ihre Möbel und Lasten transportiert haben?
    Das sind wir gleich beim Kern des Problems und das heißt Pferd bzw. die Abwesenheit desselben. Ohne Pferde lief gar nichts und man stelle sich die innige Verbundenheit zwischen Mensch und Tier einmal heute vor. Alles hing vom Wohlergehen und der Bereitwilligkeit deines Pferdes ab. Besitzbürger, Musiker und Pfarrer vertrauten ihr Leben und ihre Gesundheit dem Pferd und seiner „Pflegekräfte“ ebenso an, wie der Bauer, dessen Feld und Ernte davon abhingen.
    Heute nun fehlt etwas im Leben des Menschen, sein alter ego überhaupt und ich vermute es ist das Pferd. Globalisierung und technische Überformung der Landschaft und der Zivilisation insgesamt, haben in dem Maße zugenommen wie die Pferde weniger wurden und schließlich verschwanden. Ich könnte mir viele Risikogruppen, Benachteiligte, Erniedrigte und Beleidigte vorstellen, denen wirklich geholfen wäre, kümmerten sie sich täglich um ihr Pferd und fuhren damit herum. Man könnte extra Pferdewege ausweisen und Städte pferdefreundlich zurückbauen und renaturieren. Es gäbe keine Arbeitslosen mehr, denn alleine die Beseitigung der Pferdeäpfel…. Na gut, lassen wir es dabei bewenden.

    • Ich sehe über das Gerede von den Pferden mal als überspitzendes Verdeutlichungsstilmittel hinweg, gebe Ihnen aber insofern Recht, als auch ich der Meinung bin, dass es einiger Schritte zurück braucht. Das ist schwer zu artikulieren, weil Evolution und Kultur eigentlich nur den Weg nach vorne kennen, aber verdammt nochmal, wir sind ja nicht die klügste Spezies auf dem Planeten, um uns dann von irgendwem irgendwas widerspruchslos vorzusetzen zu lassen.
      Ich glaube, wir müssen anfangen zu lernen, dass Weiterentwicklung nicht zwingend Verbesserung bedeutet. Nicht alles, was technisch möglich ist, bringt auch ein schöneres Leben. Viele Entwicklungen der Vergangenheit entstanden mit den besten wissenschaftlichen Absichten (Kernspaltung, yay!), erwiesen sich aber im Nachhinein als sagen wir mal schwierig. Das abartige Tempo, in dem heute Weltgeschehen passiert, halte ich nicht für ausnahmslos gut. Es ist zu gleichen Teilen auch überfordernd und gnadenlos. Es lässt niemandem einen Moment zum Durchatmen, zum Nachdenken, zum Verarbeiten, zum Prozessieren, es verlangt Reaktion hier und jetzt.

      Wenn wir also darüber reden, dass eine Welt, in der nicht alles convenient, also bequem, ist, sondern vielleicht auch mal langsam oder anstrengend, dann halte ich das grundsätzlich für eine bedenkenswerte Idee.

      • Sie haben das gut formuliert!

        Aber ich habe hier wirklich niemanden gefunden, der bereit wäre, mit mir über solche Dinge zu reden – in seiner eng bemessenen Freizeit. Ein Geographie-Lehrer, Stadtrat hier, in meinem Freundeskreis findet die Merkel gut und hat sich ausdrücklich versagt mit mir über Politik zu reden, es wäre das Ende auch unserer Freundschaft und er würde alles ablehnen was nur nach “Extremismus” riecht.
        Am ehesten kann man noch mit dem Pfarrer unter vier Augen solche Fragen anschneiden.

        Dass die AfD über keine Probblemlösungskompetenz verfügt, wissen hier alle, das tut dem aber keinen Abbruch. Die bekommen ihre 20% bei der BT-Wahl. Die anderen wie der o.g. Stadtrat halten sich für was Besseres und fühlen sich – seltsamerweise- gar nicht dem Gemeinwohl verpflichtet. Die U40 wissen gar nicht was das ist- das allgemeine Wohl.

        • Extremismus lehne ich auch ab, weil der – egal aus welchem Lager – früher oder später zu Gewalt als Durchsetzungsmittel greift, die meistens auch Menschenleben fordert oder zumindest gefährdet. Das ist immer ein beschissener und dummer Weg. In einem anderen Artikel hatte ich schon einmal vorgeschlagen, dass man vielleicht Menschenfeindlichkeit als Kriterium “zum Ablehnen” macht. Nimmt mein Gegenüber die Verletzung von Menschen billigend in Kauf oder wünscht ihnen sogar absichtlich schlechtes? Ist er oder sie der Meinung, dass manche Ethnien/Hautfarben/Religionen besser oder wertiger sind als andere? Dann disqualifiziert es sich für Diskussionen, denn dann sind wir ganz schnell bei Herrenmenschen und Untermenschen und solche Weltbilder werde ich niemals diskutieren.
          Solange aber die Grundprämisse, dass alle Menschen, egal welchen Geschlechts, welcher Hautfarbe oder Abstammung, das Recht haben, in Frieden, Freiheit und Sicherheit zu leben, bejaht wird, ist das eine Basis, auf der man über alle Ideen reden können sollte, auch über die radikalen, das System grundsätzlich in Frage stellenden.

          Das Problem ist, dass der Zustand der Welt die zwingende Folge der Geldwirtschaft und des Kapitalismus ist. “Der Westen” ist nur deshalb so stabil und wohlhabend, weil er seit Jahrunderten andere Regionen der Erde, ihre Bodenschätze und ihre Arbeitskraft, mit einer Gnadenlosigkeit ausgebeutet hat, die in der Menschheitsgeschichte ihresgleichen sucht. Wir sind reich, weil diese Völker dafür gelitten haben. Und deshalb ist es aus meiner Sicht so unredlich zu sagen “Die Konsumgüter, die Freiheit, den Wohlstand, den wir dank dieser Nationen haben, nehmen wir gerne, aber die Leute sollen bitte nicht zu uns kommen, weil ich nichts abgeben will davon”. Natürlich kann man sagen “Ich will keine Wirtschaftsflüchtlinge in Deutschland”, aber dann muss man auch so konsequent sein und auf die Annehmlichkeiten verzichten, die wir durch die Ausbeutung armer Länder haben. Ist man dazu nicht bereit, hat man – verdammt nochmal – ein bisschen Demut vor den Menschen zu zeigen, die in ihren Heimatländern vielleicht unter giftigsten Bedingungen die Rohstoffe geschürft haben, die in unseren Smartphones verbaut sind.

          • “Ist er oder sie der Meinung, dass manche Ethnien/Hautfarben/Religionen besser oder wertiger sind als andere? Dann disqualifiziert es sich für Diskussionen,…”

            Hierbei sollte man zumindest zur Kenntnis nehmen, dass dieses Ideal der Gleichheit der Menschen in erster Linie ein Ideal ebendieser westlichen Welt ist. In den allermeisten weniger entwickelten Ländern ist der Glaube an die Minderwertigkeit der Nachbarvölker etwas zutiefst selbstverständliches.

          • Das stimmt zwar, aber die Haltung wird deshalb für mich nicht weniger richtig. Ein anderes Volk als Untermenschen zu versklaven, ist nun einmal scheiße, ganz gleich, ob es sich bei den Sklavenhaltern um weiße oder andere Schwarze handelt. Es geht mir übrigens nicht darum, dass alle Menschen gleich sind, sondern dass sie die gleichen Rechte haben, das ist ein Unterschied.

          • Political Correctness is supposed to fight against white supremacy – but it is actually white supremacy on a new level.

          • Jetzt bitte sehr vorsichtig. Political correctness befasst sich mit der Form von Sprache, nicht ihren Inhalten. Political correctness stehe ich kritisch gegenüber aus vielen Gründen, aber bei dem Beispiel Sklaverei geht es um etwas anderes.
            Es geht nicht um die Form, sondern um den Inhalt.
            Sklaverei abzulehnen ist nicht, die Form der Ausbeutung abzulehnen, sondern Ausbeutung abzulehnen, ist also eine moralische Grundsatzfrage. Vergleichbar mit der Frage, ob es okay ist oder nicht, Menschen zu bestehlen, zu schlagen, zu töten. Solche Fragen sind nicht political correctness und sie damit gleichzusetzen, überschreitet die Grenze zum Populismus. Das ist billigste Pseudoargumentation, um den Wunsch nach Befreiung von moralisch begründeter Selbstkontrolle anzusprechen.

            Wenn Sie anfangen, Moral als hinfälliges, weißes Selbstgeißelungskonstrukt abzulehnen, können Sie auch gleich wieder Kleidung ablegen, in Höhlen leben und Fleisch roh essen. (Dann aber bitte auch das Buch über prä-neolithische Lebensweise zuende lesen und sich auf eine Rückkehr zur female choice freuen.)

            (Sollte ich Ihren Einwurf falsch verstanden haben, bitte ich um Erläuterung, worauf Sie political correctness beziehen.)

  11. Mir fällt der Refrain aus einem Joe-Jackson-Song ein: “How do you now / that the man in the street don’t care / And why don’t you care, when the man in the street don’t know.”

    Ich denke, ein solche Portal erfordert das Zugehen des uninformierten Bürgers. Das setzt aber eine Aktivität voraus, die vielen abgeht. Warum also nicht zu den Leuten hingehen? Im kleinsten Kreis, im nahen Umfeld?

    Konkretes Beispiel: Ich wohne in einem Viertel, in dem es kaum noch Infrastruktur gibt, Bäcker, Bank, Apotheke sind verschwunden. Um dorthin zu gelangen, muss man, sofern man kein Auto sein eigen nennt, mit Fahrrad oder zu Fuß über eine Brücke gehen. Nun war diese Brücke wochenlang gesperrt, ein Ende der Sperrung nicht in Sicht. Mitten im Winter. Grund: Die Brücke wurde saniert. Parallel baute allerdings ein großer Konzern die Brache unterhalb der Brücke aus. Im Viertel machten sich Gerüchte breit: Der Konzern will die Brücke abreißen. Wie kommt man dann zur Apotheke, zum Supermarkt? Klar, die Bonzen können das einfach machen, wir sind auf dem Abstellgleis, niemand kümmert sich um unsere Belange usw. Ich hörte die Gerüchte an der Bushaltestelle. Und rief bei der Stadt an. Fragte konkret: Wird die Brücke wirklich saniert oder wird sie abgerissen? Wer ist dafür verantwortlich? Wen kann man ansprechen? Und: Wissen Sie, wovor die Leute hier Angst haben? Wäre eventuell mal eine Stellungsnahme des Konzerns oder der Stadt angebracht? Die Auskunft, die ich erhielt: Dass die Brücke vom Land saniert wird, nicht von der Stadt. Dass der Ansprechpartner xy heißt und unter Rufnummer xy erreichbar ist. Ich gebe das weiter, sagte ich, und das habe ich getan: Zurück an der Bushaltestelle mit den üblichen Verdächtigen. Ich sagte den Leuten, die Brücke wird vom Land tatsächlich saniert, rufen Sie xy unter Rufnummer xy an, wenn Sie mir nicht glauben. Woher ich das wisse? Ich habe bei der Stadt angerufen, sagte ich. Nummer aus dem Netz rausgesucht, angerufen, Punkt. Verblüffung: Internet? Dafür? Und dann zum Telefon greifen und das ANRUFEN? Einfach so????

    Die Leute, zu denen ich sprach, waren Menschen, die auf den Fußweg über die Brücke angewiesen sind: Leute, die kein Geld haben für ein Auto. Ältere Frauen ohne Führerschein.

    Diese Leute muss man abholen. Vor Ort und ganz konkret.

    • Schönes Beispiel, finde ich. Die Gerüchteküche kocht oft schneller als die Stadtverwaltung Informationen zum Thema herausgeben kann. Menschen ohne Internet und Telefon haben bei Interesse schon immer die Möglichkeit gehabt sich in der Stadtverwaltung direkt umzusehen und zu -hören.
      Und genau hier tut sich auch gleich das Problem auf: Es gibt Interessierte und Uninteressierte.
      Es gibt Meckerer, Nörgler und Schuldzuweiser, die an den wahren Hintergründen und vor allem an den komplexen Zusammenhängen gar nicht interessiert sind. Ich glaube auch nicht daran, dass man diese Gruppen mit Argumenten belehren kann, schon gar nicht ungefragt.
      Einfache Propaganda erweckt den Eindruck man hätte die Schuldigen gefunden und ihre Abschaffung wäre die Lösung aller Probleme und genau deswegen ist sie so erfolgreich.

  12. Finde die Idee auch richtig gut. Es gäbe auch einen Rahmen in dem man mit einigen Leuten weiter oder überhaupt daran abeiten könnte.

    In Hamburg gibt es eine Initiative, die Hackdays (der nächste ist am 18.2.) zu allem rund um SAVE DEMOCRACY NOW veranstaltet.

    Wie wäre es das Portal da zu pitchen? Ich bin überzeugt, es finden sich Leute, die da sofort mitmachen – es entspricht sehr den Projekten, die da voran getrieben werden sollen.

    http://savedemocracy.camp/

    Ich fände es toll!!

    • Danke Caren für den Hinweis auf Save Democracy! Wir verstehen uns als Plattform für die Unterstützung und Entwicklung genau solcher Ideen und würden uns deshalb tatsächlich sehr freuen, die Idee auf unserem nächsten Hackday am 18.2. dabei zu haben – dort fänden sich sicher etliche Interessierte, um a) die Idee (auch kritisch) weiterzuentwickeln und b) bei einer Umsetzung mitzuhelfen bzw. diese zu konzipieren und zu planen.

      Die Anmeldung zum Hackday gibt’s hier: https://www.eventbrite.de/e/save-democracy-hackday-2-tickets-31024273437

      Rückfragen dazu gern direkt an mich!

  13. Ich bin geneigt, Ihnen in vielen Punkten zuzustimmen und halte das auch für eine gute Idee. Nur:

    1) Wenn so eine “Wiki” konkret “Schuldige” benennt – z.B. die Bürgermeisterin von Posemuckel sei verantwortlich für die Schließung eines Kindergartens oder der Bundesfinanzminister für die Kürzung von Geldern für sozio-kulturelle Projekte. Wer garantiert, dass die nicht Mord- und sonstige Drohungen erhalten, denn das wäre ja in jedem Fall wohl kaum gewünscht, oder?

    2) Niemand garantiert, dass die Angesprochenen (Anhänger populistischer Parolen zum Beispiel) auch glauben, was diese “Wiki” ihnen erzählt, auch wenn alles doppelt und dreifach mit Fakten belegt wird. Der Trend unter diesen Leuten geht ja zu “alternativen Fakten” und zum Bashen der “Lügenpresse”. Breitar…. Breitbart Deutschland ist jetzt auf FB vertreten und legt schon fleißig los. Oder man sehe sich nur mal die FB-Seite der “Besorgten Bürgerin” an, die schon genau das tut, was Sie vorschlagen. Da wimmelt es von Reichsbürgern und ähnlichem Gelichter, die laut schreien, das alles seien Lügen. Hier etwa:
    https://www.facebook.com/DieBesorgteBuergerin/posts/1832271567050182

    Sollten Sie jedoch so ein Projekt ins Leben rufen wollen, bin ich als Schlussredakteurin ehrenhalber gern dabei.

    :)

    (Es steht vor den Kommentarfeldern immer noch: “Hinterlasse ein Kommentar”. Wann wird das endlich mal korrigiert?)

  14. Zum Thema Rationalität von Entscheidungen der kurze Lesehinweis auf Daniel Kahneman – Thinking, Fast and Slow ISBN: 9780141033570

  15. Liebe Meike, hat sich hieraus eigentlich etwas ergeben? Bist du weitergekommen? Weißt du, ob andere [ggf. mit dir zusammen] weitergekommen sind?

    Nach der Wahl empfinde ich die Grundidee der neutralen Information immer drängender.

  16. Ich denke ein größeres Problem als politische Neutralität wäre das der allgemeinen Neutralität. VieleMenschen, die ich im gehobenen Bildungsstand kennengelernt habe, scheinen aus mir unbekannten Gründen mit so etwas wie Verzweiflung eine unüberwindbare Trennung zwischen wertschöpfenden Menschen und intellektuellen Menschen herbeireden zu wollen. Wie oft musste ich mir anhören, es könne ja gar nicht sein das ein Bäcker so intelligent sei wie ein Ingenieur, sonst wäre er ja nicht Bäcker. Wenn ich darauf hinweise das ich Bäcker bin und dennoch mein Abi mit 1,6er Schnitt nachholen konnte als ich meine Familie los war, in der es obendrein ausser mir nicht einer zur Uni geschafft hat, erntete ich bisher nichts als betretenes Schweigen. Immer wieder kommt man mir mit Genetik und was nicht alles, um den Arbeiter aus dem erlauchten Kreis der Intellektuellen fernzuhalten. Wie werden solche Kreise wohl auf solch ein Projekt reagieren, das dazu führen könnte das alle Ideen vom naturgemäß populistischen Proletariat wie Krankenhäuser zusammenfallen? Wenn man erkennt, das Menschen vielleicht doch gleicher sind als mancher sie gern hätte, wenn sie nur eine Chance bekämen?

  17. Erkläre es mir als sei ich 4 Jahre alt…. In den Kommentaren lese ich jede menge Fremdwörter die, dem normalen Arbeitnehmer nicht geläufig sind und genau so läuft es immer, der kleine Normal Bürger wird damit aus dem Gespräch ausgeschlossen. Wir brauchen einfach nur mehr Demokratie, und die wird es nur geben ohne Parteien. Wir brauchen die Personen-Wahl. In jedem Wahlkreis wird der Abgeordnete gewählt ( je nach Größe, auch mehrere) die dann als Abgesande in den Bundestag einziehen und nur Ihrem Wahkreis verpflichtet sind. Überhangmandate usw. darf es nicht geben. Im Bundestag kann es auch keine geheime Wahl geben. Jeder Bürger muss wissen, wie sein Abgesander abgestimmt hat. Nur dann kann der Bürger sicher sein, dass er korekt vertreten wird. Ich frage mich warum hat noch nie Jemand diesen Vorschlag gemacht. Denke mal die Parteien sind zu mächtig, also Undemokratisch. Also gibt es doch die da Oben die , die da unten nicht respektieren wollen.

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