#Ehefüralle: Alles/nichts verändert sich

#Ehefüralle: Alles/nichts verändert sich

Die Ehe für alle ist da und ohne jetzt näher auf meine Ablehnung der staatlichen Institution Ehe einzugehen freue ich mich sehr über diese Entstigmatisierung und Gleichstellung homosexueller Beziehungen. Ich hoffe sehr, dass die heutige Abstimmung Menschen dazu ermutigt, offen, selbstverständlich und frei (hier stand gerade ohne Witz ‚freu‘) ihr Leben, ihre Liebe und ihre Sexualität zu leben. So selbstverständlich wie ich und jede andere heterosexuelle Person das tun kann, weil wir nicht für unsere Partnerwahl angefeindet und verurteilt werden.

Die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften ist ein großer Schritt, auf den viele Menschen schon lange gewartet haben. Entsprechend groß ist das Getöse heute in meiner Twittertimeline. Freudentränen fließen, alkoholische Kaltgetränke sowieso, alles liegt sich lachend und seufzend in den Armen. Beim Blick aus der Filterblase heraus tun sich die üblichen Abgründe auf, die ich hier nicht mehr anführen muss. Bei Gegnern wie Befürwortern fällt jedoch auf, dass es im Wesentlichen zwei Reaktionen gibt: die einen glauben, dass sich für Heterosexuelle mit der Öffnung der Ehe alles zum Schlechten verändert, und die anderen, dass sich überhaupt nichts verändert. Auf der einen Seite steht also der Untergang der heteronormativen Abendlandskultur, auf der anderen der Stillstand.

(Edit: zwei eingebettete Tweets aus Datenschutzgründen gelöscht. Link zu Tweet 1, Tweet 2.)

Was fehlt, ist die Möglichkeit einer positiven Gesellschaftsveränderung, die auch heterosexuelle Menschen betrifft. Ist das tatsächlich so unvorstellbar? Dass unsere seit fünftausend Jahren auf beinahe unveränderten Pfeilern stehende, überwiegend heterosexuelle Kultur durchgerüttelt und besser wieder zusammengesetzt wird? Ist es unvorstellbar, alles, was bisher war, durch etwas Besseres zu ersetzen? Etwas, das alle Menschen betrifft, ungeachtet ihrer sexuellen Orientierung oder Identität?

Ich muss gestehen, dass ich nicht weiß, ob sich durch die Ehe für alle etwas ändert. Wer kann heute schon sagen, welchen Einfluss ein von der Norm abweichendes Elternpaar auf die Weltsicht, das Selbstverständnis, auf soziale und emotionale Fähigkeiten eines Kindes hat? Wer kann sagen, ob ein solches Kind sich in der gleichen Weise in unser bestehendes System aus Konsum und Lohnarbeit einfügen wird? Wer kann sagen, ob durch die Entstigmatisierung der Homosexualität nicht viel mehr Menschen den Mut finden, sich zu ihrer Orientierung zu bekennen, die bisher ein unterdrücktes Dasein in bitterer heterosexueller Selbstverleugnung führten? Wenn plötzlich nicht mehr rund 10 % Bevölkerungsanteil homosexuell sind, sondern 20 oder 30, weil die aus dem gesellschaftlichen Stigma resultierende Dunkelziffer plötzlich gut ausgeleuchtet im Zentrum der Gesellschaft steht? Und welche Auswirkungen das wiederum auf Geburtenraten, Geschlechterverhältnis und Gesellschaftshierarchien hat? Entsprechende Gesellschaftsmodelle in anderen Ländern sind viel zu jung, um die langfristigen Auswirkungen, die sich ja in vielen Bereichen oft erst nach Jahrzehnten zeigen, sichtbar zu machen.
Die Wahrheit ist: ich habe nicht den blassesten Schimmer, ob sich durch die Gleichstellung von homosexuellen Beziehungen etwas an den überwiegend von Heterosexuellen gestalteten Gesellschaftsstrukturen und Werten verändert, aber ich finde die überwiegend von Heterosexuellen gestalteten Gesellschaftsstrukturen und Werte so menschenfeindlich, so selbstausbeutend, unfrei und von Zwängen geprägt, dass ich denke: Warum nicht?

Warum nicht alles anders machen werden lassen als die letzten fünftausend Jahre?
Die heterosexuelle Ehe (jetzt muss ich doch kurz herumstänkern) ist als unmittelbare Folge von Ackerbau und Viehzucht entstanden, als der Mann ein System brauchte, um seinen plötzlich vorhandenen materiellen Überfluss zu verwalten, zu behalten und an seine Nachkommen weiterzugeben. Übrigens nur der Mann, denn Frauen besaßen selber nichts, sondern waren im Gegenteil Teil des männlichen Besitzes. Aus diesem Besitz ging direkt die Erfindung des Geldes hervor und daraus die Lohnarbeit. Das sind heterosexuell-männliche Werte, die genau dahingeführt haben, wo wir heute stehen – im Positiven wie im Negativen. Wir leben hier zwar in Wohlstand, Sicherheit und guter gesundheitlicher Versorgung, doch zu den katastrophalen systematischen Nebenwirkungen dieser Entwicklungen gehören Klimawandel, Ausbeutung der Dritten Welt, Gewalt gegen Frauen gerade auch innerhalb des Familienkonstruktes und das zehrende Streben nach einem materiellem Wohlstand, den 98% der Menschen niemals erreichen werden.

Ich habe keine Angst davor, dass sich diese Dinge verändern könnten. Ich habe nur Angst vor einer Gesellschaft, die sich keine andere Welt vorstellen kann als die, in der sie lebt.

25 Kommentare

  1. Sehr interessanter Text. Betreff Ihren Gedanken am Textende: Im Blick auf vorgeschichtliche Mythologie scheinen die Ideen der klassischen Ehe
    eher doch der Natur abgeschaut. Die Beiden, die ein Kind zeugen, sind auch für die Wohlfahrt des Kindes zuständig, und im Alter ist das erwachsene Kind in der Verantwortung für seine Eltern.
    Viele Grüße

    • Ich muss Sie enttäuschen: weder die Monogynie noch die lebenslange Bindung zwischen Nachwuchs und Eltern ist sonderlich weit verbreitet im Tierreich und – pardon, Ihnen das sagen zu müssen – gerade das Beispiel mit den Störchen, das Sie bei Twitter posteten, ist besonders schlecht gewählt, da sich Störche regelmäßig mit Partnern gleichen Geschlechts zusammentun.

      • Der Zusammenschluß von gleichgeschlechtlichen Partner in der menschlichen Gemeinschft, oder im Tierreich steht doch nicht im Widerspruch zu dem, was zurStorchenmythologie führt,
        sondern die Beobachtung, das hier die Beiden, die ein Kind zeugen, treu die Verantwortung für das Kind wahrnehmen.
        Im Ausbau dieser Projektion und „klassischen Ehe“ sorgt später das erwachsene Kind für die nun alternden Eltern.
        Das ist ein Sozialprinzip.

        Dieses Prinzip ist im Land heute aktuelle geschwächt.
        Etwa seit 1978 reicht ein einfacher Helferlohn nicht mehr aus, eine Familie zu gründen, nun müssen beide Partner arbeiten, ein Kind ist da oft zusätzliche Last.
        Für die Demographie und den Generationenvertrag ein Desaster.
        Nun nimmt der Staat die klassischen Aufgaben wahr: Kita und Altenheim.
        Vielleicht dumm gelaufen?

  2. „…aber ich finde die überwiegend von Heterosexuellen gestalteten Gesellschaftsstrukturen und Werte so menschenfeindlich, so selbstausbeutend, unfrei und von Zwängen geprägt, dass ich denke: Warum nicht? “

    Also den Teil verstehe ich nicht, da taucht aber ein ganz großes Fragezeichen in meinem Kopf auf.
    Gesellschaftliche Konstruktionen, Werte oder Lebensweisen auf die (Hetero-) Sexualität zurückzuführen ist ja wohl mehr als fraglich. Zudem ist nun wirklich nicht alles schlecht, was die Mehrzahl lebt, denkt und tut („menschenfeindlich“, what?).
    Und im Umkehrschluss sagst du, Homosexuelle würden alles anders machen, wären die besseren Menschen? Natürlich nicht, ne?

    Es kann nicht angehen, dass Menschen überhaupt auf Sexualität oder viel mehr auf ihr Geschlecht reduziert werden. Es gibt, was Sexualität angeht nichts „abnormales“, alles ist richtig und gut, solang niemand zu irgendwas gezwungen wird.

    Ich glaube allerdings nicht, dass sich die „Sache“ nun erledigt hat, kann nun jeder heiraten unabhängig von Geschlecht und Sexualität. Ich weiß jetzt schon, dass sich eine große Zahl aufs Thema „Adoption“ gleichgeschlechtlicher Paare stürzen wird.

    Dann wird es schwierig mit der Haltung (die ich auch habe, bin hetero): „Nun, sollen Menschen doch tun, was sie möchten.“ und dergleichen. Denn wenn es um nicht mündige Kinder geht, sieht die Sache ein wenig anders aus.

    • „Und im Umkehrschluss sagst du, Homosexuelle würden alles anders machen, wären die besseren Menschen? Natürlich nicht, ne?“ Nein, das sage ich nicht, weder direkt noch im Umkehrschluss. Ich maße mir nur nicht an zu behaupten, dass sich ganz sicher nichts für die Gesellschaft ändert.

      • ja, da stimme ich dir voll zu. und ich glaube auch nicht, dass es gut ist, alle Gegner der „offenen Ehe“ zu ignorieren, oder ihre Aussagen perse abzuwatschen.

        • Vielleicht ein Missverständnis: ich sehe mich als Befürworterin der offenen Ehe und ich glaube, dass die Argumente der Gegner keine Argumente sind, sondern nur ihre Angst vor der Veränderung kaschieren. Eine Veränderung, die, sollte sie denn eintreten, mich angesichts des Zustands unserer überwiegend heterosexuell geprägten Zivilisation nicht ängstigt.

  3. Betagter Ehemann zu seiner betagten Ege-Frau am Frühstückstisch hinter der Zeitung: „Ehe für alle kommt!“
    Sie antwortet: „Find ich gerecht. Warum sollten es andere besser haben als wir“
    :-)

  4. Danke Meike für deinen Beitrag. Erst mal lachen, dann geht´s weiter. Demnächst kommt Debatte, ob nicht auch Geschwister heiraten können. Unter Anderem. Es gibt wirklich noch sehr viel mehr als das. Ich persönlich finde den Besteuerungsunterschied zwischen Eheleuten und Alleinstehenden ungerecht sowie die Sozialversicherungs-Bevorteilung für Leute, die kurz mal füreinander einstehen wollten. Danach muss ich auch für Ex-Männer, deren Ex-Frauen und deren Nachwuchs die Sozialversicherung mit tragen. (War nie verheiratet, erarbeite aber zum Beispiel mit die Rente für junge Thailänderinnen die alte Männer hier geheiratet haben)
    Der Staat fördert die Ehe nur, weil er damit Verantwortung abschieben kann. Is aber nich. Die lenken uns nur vom wirklichen Thema ab. Das war´s.

  5. „Die heterosexuelle Ehe (jetzt muss ich doch kurz herumstänkern) ist als unmittelbare Folge von Ackerbau und Viehzucht entstanden, als der Mann ein System brauchte, um seinen plötzlich vorhandenen materiellen Überfluss zu verwalten, zu behalten und an seine Nachkommen weiterzugeben. “

    Gibt es für diese etwas simpel klingende These irgendeinen Beleg? Sogar auf Wikipedia liest sich das doch deutlich komplexer.

    • Sie haben Recht: ich habe den gesamten Komplex Sexualität weggelassen, der natürlich den zweiten Grund für die Ehe darstellt, aber hier zu komplex gewesen wäre, um die nachfolgende Diskussion zu bestreiten.

      Ich dachte, es sei mittlerweile schon beinahe Allgemeinplatz, dass die Ehe in erster Linie als Antwort auf ökonomische Fragen entstanden ist. Friedrich Engels hat das schon vor rund 130 Jahren in „Der Ursprung der Familie, des Privateigentums und des Staates“ formuliert. Sie müssen sich ja immer fragen, was sich geändert hat, dass der Mensch plötzlich in Zweierbeziehungen lebte und nicht mehr in der Horde. Und die gravierendste Änderung, die die Neolithische Revolution mit sich gebracht hat, war eben so etwas wie Besitz. Vorher lebten die Menschen von der Hand in den Mund, zur Lagerung und Haltbarmachung von Nahrung fehlte das Wissen, zur Lagerung von Gegenständen fehlte die immobile Behausung, man „hatte“ immer nur das, was man mit sich nehmen und verbrauchen konnte. Mit der Landwirtschaft änderte sich das und die Menschen hatten plötzlich ein Plus an Ressourcen – sie hatten Besitz. Das war vollkommen neu. Aus dem Drang, diesen Besitz zu erhalten, entstand die neue Form des Zusammenlebens.

      Die ältesten überhaupt überlieferten Gesetzestexte (ab etwa 2100 v. Chr.) widmen der männlichen Besitzverwaltung und -weitergabe innerhalb der familiären Erblinie ganze Abschnitte (siehe z.B. Codex Hammurapi). Der Mann ist der Besitzer von Haus, Land und Geld und selbst nach seinem Tod fällt sein Besitz nicht etwa an die Witwe, sondern an die Söhne, die der Mutter lediglich ein Bleiberecht im väterlichen Haus einräumen. Anspruch auf Versorgung hat die Ehefrau nur, wenn a) die Ehe vollzogen wurde (sexueller Aspekt) und sie b) dem Mann einen männlichen Erben (ökonomischer Aspekt) geboren hat, andernfalls steht es dem Mann frei, sich eine Nebenfrau zu nehmen. Töchter bekommen nichts, sondern werden vom Vater entweder an einen Bräutigam verkauft (ja, richtig mit harter Münze) oder jungfräulich zum Tempeldienst verdonnert. Es gibt bei Wikipedia eine ganze Liste mit antiken Gesetzestexten, bei denen nicht nur Feministen die Kinnlade herunterklappen dürfte.

      • Danke für die ausführliche Erläuterung. Tatsächlich war mir das teilweise neu. Ich hatte einfach noch nie Bock, Marx oder Engels zu lesen.

        Trotzdem finde ich es seltsam eindimensional, dass Sie die Ehe monokausal auf ökonomische Interessen reduzieren und dabei alle zivilisatorisch-ethischen Gründe für die Ehe, wie das Für-einander-da-sein, die Treue, Verlässlichkeit (gerade auch gegenüber Kindern) etc. ausblenden.

        Lustigerweise sind das aber doch die Gründe, die wir seit Jahren als Argumente für die Homo-Ehe präsentiert bekommen. Und das gibt es in Wirklichkeit alles gar nicht? Jede Art von Romantik ist Schwachfug? Alles ein rein männlich-ökonomisches Konstrukt, von dem (natürlich, *gähn*) auch nur Männer profitieren? Und den Homosexuellen geht es dann in Wirklichkeit auch nur darum, Ihren Besitztümer zu erhalten?

        Ich befürchte, Ihre Theorie steht auf etwas wackeligen Beinen. Ausser man glaubt wirklich an den Homo oeconomicus.

        • Zunächst einmal blende ich nicht aus, sondern Sie fragten nach den Ursachen für das zivilisatorische Konstrukt Ehe und die haben nun einmal nichts mit Anziehung, Liebe oder Romantik zu tun. Häufig war es so, dass die Eheschließung von den Vätern der Brautleute oder vom Brautvater und dem Bräutigam vereinbart wurde – die Willensentscheidung der Frau kam da gar nicht vor, das haben meist Männer unter sich ausgemacht, wer die Frau „bekommt“. Nur weil wir heute in Deutschland überwiegend freiwillig heiraten, ändert das nichts daran, dass die Institution ursprünglich die Frau vollkommen entrechtet hat. Im Übrigen lohnt es sich, diesbezüglich mal über den eigenen Tellerrand zu schauen: in vielen Ländern/Kulturkreisen der Erde besteht dieses Urprinzip der arrangierten, die Frau entrechtenden Eheschließung heute nahezu unverändert fort.

          Wenn Sie glauben, es sei eindimensional zu sagen, dass hauptsächlich Männer von der Monogynisierung/Ehe profitiert haben, googeln Sie mal „Female choice“. Dieses Paarungssystem ist bei fast allen sich sexuell fortpflanzenden Tierarten und allen höheren Säugetieren verbreitet und neben vielen Details, die Sie sicher selbst herausfinden können, sei herausgestellt, dass in female choice-Systemen ungefähr 3/4 aller Männchen gar keine Partnerin abbekommen und sich nicht fortpflanzen, weil sie im Wettbewerb der Männchen nicht bestehen können (salopp gesprochen: 80% der Weibchen wollen Sex mit 20% der Männchen). Die Enstehung des Privatbesitzes hat female choice beim Menschen komplett abgelöst gegen ein System, in dem die Frau in höchstem Maße vom Manne abhängig ist. Aus sexuell unversorgten Männern wurde die schöne und gerechte Verteilung von 1 Frau für jeden Mann.

          Ethik hat im Übrigen meines Erachtens nichts mit der Ehe zu tun und die Monogynie, vulgo: Treue, halte ich für das krasseste und überflüssigste Korsett, das sich die Menschen je angelegt haben. Ich glaube an die natürliche Anziehung zwischen sexuell reifen Menschen, an nichts sonst. Ob diese Anziehung ein paar Wochen hält oder ein Leben lang, ob man einen, zwei oder sieben Partner begehrt/liebt und ob diese Partner das gleiche oder unterschiedliche oder beide Geschlechter haben, das ist für mich völlig irrelevant. Warum man diese persönliche Angelegenheit überhaupt positiv (z.B. Steuergeschenke, Auskunftsrecht) oder negativ (Stigmatisierung) bewerten muss, leuchtet mir nicht ein.

          • Faszinierend, wie man komplexe gesellschaftliche Entwicklungen, die sich vor tausenden von Jahren abgespielt haben, monokausal in 5 Zeilen erklären kann und jeden Einwand, dass das evtl. etwas komplizierter gewesen sein könnte, wegbügelt.

            „in vielen Ländern der Erde besteht dieses Urprinzip der arrangierten, die Frau entrechtenden Ehe heute nahezu unverändert fort.“
            Dazu nur ein kleiner Denkanstoss: Evtl könnte diese Praxis auch für den Bräutigam „entrechtend“ sein.

            Ansonsten verstehe ich nicht, was das Prinzip der Female Choice im Tierreich mit zivilisatorischen Gepflogenheiten des Menschen zu tun hat, zumal wir heutzutage in der westlichen Welt ja de facto eine Female Choice haben, ohne dass sich 80% der Frauen 20% der Männer aufteilen.

            Ihr letzten Absatz zum Thema Treue lässt mich etwas ratlos zurück. Wenn Sie wirklich meinen, dass es ausser der sexuellen Anziehung zwischen zwei Menschen nichts gibt, tut mir das leid. Vielleicht hilft diese Sichtweise, wenn der eigene Partner wild durch die Gegend vögelt und man das nicht ändern kann. Für mich bedeutet aber „Treue“ sowieso etwas anderes als „sexuelle Treue“.

            Insgesamt fällt mir in letzte Zeit vermehrt auf, dass Leute, die sich selbst progressiv nennen, ein unfassbar negatives Menschenbild haben. Das ist m.E. nicht unbedingt die beste Vorraussetzung, wenn man gleichzeitig die Gesellschaft und das Verhalten des Menschen ändern will.

            Und abschliessend: Bei so akuten Systempessimimus-Symptomen wie bei Ihnen, empfehle ich fünf mal täglich einen Aufruf der Seite https://ourworldindata.org/

          • Es besteht kein Grund, persönlich zu werden.
            Sie haben meine Ausführungen zur Entstehung der Ehe angezweifelt und ich bin auf jeden Ihrer Einwände mit Belegen und Argumenten eingegangen. Sie ignorieren diese Belege vereinfacht mit einem „Aber trotzdem“ und biologisch falschen Aussagen über Female Choice und unterstellen mir, ich würde etwas wegbügeln. Also bitte. Wenn Sie nicht an einem faktenbasierten Austausch interessiert sind, sondern nur Ihr einzementiertes Weltbild propagieren möchten, sind Sie hier falsch.

  6. mal sehn, wie weit diese „Ehe für Alle“ noch ausartet ! Wenn es nach den Grünen geht, ist das noch nicht das Ende, vermute ich mal ! Ich bin dafür, daß man die Ehe ganz abschafft, wer zusammen bleiben will, bleibt zusammen, auch für das Ausleben der Sexualität braucht man keinen Trauschein !

  7. und daß mit der „Ehe für Alle“ die Vorurteile verschwinden , das glaube ich nicht, könnte sogar ins Gegenteil umschlagen.

  8. Aber ein wenig sind wir alle doch daran mit Schuld, weil wir fast alles mit uns machen lassen …

    Zwei Männer unterhalten sich über Traditionen im Zusammenhang mit Werten, Sex, Heiraten, usw. Sagt der erste: „Ich habe bis zu unserer Hochzeit nicht mit meiner Frau geschlafen. Du etwa?“ Fragt der zweite: „Weiß nicht, wie war denn ihr Mädchenname?“

    Paula: „Nein Hans! Ich will erst nach der Heirat mit Dir schlafen …“ Hans: „Nun, dann ruf‘ mich an, wenn Du geheiratet hast …“

    Westliche Wertegemeinschaft
    https://aufgewachter.wordpress.com/2017/02/28/westliche-wertegemeinschaft/

  9. Als nächsten Schritt würde ich mich über ein Hinterfragen monogamer Beziehungsstrukturen freuen. Du, Meike, hattest es ja schon ein bisschen angerissen in deinen Ausführungen über den Wandel von Ehe in der Geschichte der Menschheit. Es gibt von Theorie.org aus dem Schmetterling-Verlag ein schickes kleines Büchlein über Polyamorie, welches über weite Teile die Ausnahmesituation beschreibt, die gerade die gesellschaftliche Norm darstellt. Wie das gewachsen ist und welche Einflüsse (wahrscheinlich) dafür verantwortlich sind, dass die Dinge heute in Deutschland so sind, wie sie sind.

    Rechtlich gesehen sind Mehrfachbeziehungen in Deutschland verboten, aber auch Besuche eines lieben Menschen im Krankenhaus nach einem Unfall kann unmöglich sein, weil dort nur Familie und die*der Partner*in hindarf. Naja… Da ist auf jeden Fall noch Luft nach oben. Vielleicht ändert sich in der Beziehung (höhö) auch was in den nächsten Jahren. Ich hab gehört, poly* sei das neue vegan und das hat ja auch Einfluss auf die Gesellschaft genommen.

    Liebe Grüße und danke für deinen Text

  10. Ich glaube was einige Leser hier vergessen oder noch nicht realisiert haben, ist das Meikes Artikel keines wegs zu stark vereinfachen, sondern eher ein hoch konzentriertes Destillat langer Recherche und Gedankenarbeit darstellen.
    Die meisten Menschen sehen die Welt in einem Maßstab von 1:25000 (und dafür sind unsere Gehirne nunmal ausgelegt). Betrachtet man aber die Welt von weiter weg, verschwinden natürlich eine Menge kleine Details, jedoch werden andere Strukturen und Muster plötzlich erkennbar. Allen Faktoren hier Rechnung zu tragen würde nicht in einem Artikel, sondern in einer wissenschaftlichen Arbeit enden, die hier einfach keiner lesen würde.
    Sich mit den „großen“ Problemen und Zusammenhängen zu beschäftigen ist jedoch essenziell, wollen wir irgendwann einmal über unseren Schatten springen um wirklich einmal zu zeigen, das wir mehr als nur zufällig etwas inteligentere Affen sind.
    Dem Menschen wurde zum Beispiel Hunderte von Jahren eingetrichtert er sei die „Krone der Schöpfung“ und „Herrscher über die Natur“, eine ziemlich bequeme Sichtweise, die bedeutet man sei ja eigentlich schon „perfekt“. Diese Haltung ist leider so tief in uns verwurzelt (und spätestens jetzt werden vermutlich einige aufschreien….), das der Blick auf unsere Defizite verschleiert wird.
    Wollen wir uns jedoch wirklich weiter entwickeln, brauchen wir Mechanismen die unsere Schwächen (wie zum Beispiel die nicht vorhandene Fähigkeit größere Zeiträume zu erfassen) ausgleichen. Denn entweder wir warten auf einen richtig großen Knall, um dann nochmal von vorne zu beginnen, oder aber wir gestehen uns endlich ein das es eben nicht reicht die nächsten paar Jahre zu überblicken, bzw. immer nur zu reagieren und nachzuregulieren.

    Liebe Grüße und vielen Dank an Dich Meike, Du bist der erste Mensch den ich „kennenlernen“ durfte der dies scheinbar genau so sieht…..

      • Bitte…schreib endlich DAS BUCH feddich. Da kann man dann lesen, Quellen anschauen, hinterfragen, auf ner Basis diskutieren. Und es erspart Dir hier das Wiederholen und erklären. Wär das nich schön…

  11. Für eine romantische/sexuelle Zweisamkeit braucht es überhaupt keine Eheschließung, die schadet eher dem freiwilligen Charakter der Beziehung.
    Die Ehe, die ich Hetera mit meinem Hetero ein paar Jahre nach der Geburt unseres Kindes eingegangen bin, hatte und hat den Hauptzweck, unser Kind gleichberechtigt großzuziehen mit allen Rechten und Pflichten.
    Gleichgeschlechtliche Paare können nun mal auf natürlichem Wege keine Kinder zeugen, daher wird es für mich erst interessant zu sehen, wie sich das Adoptionsrecht verändern wird. Und das neue Gesetz schafft dazu die Vorbedingungen.

  12. Sorry, aber ich hatte die Leserschaft dieses Blogs liberaler eingeschätzt. #Ehefueralle meint auch: kannst Deinen Bruder oder Deinen Hund heiraten? Nö, meint es nicht. ist bloß ein Wortgeschwurbel, das zum Ausdruck bringen soll, dass jede Liebe – sei sie nun hetero- oder homosexuell – mit dem Bund der Ehe gekrönt werden kann, sofern die Liebenden genau das eben für nötig halten und wünschen. Also nur ein Akt der Gleichberechtigung, nicht mehr. Wer Ehe blöd findet oder der Meinung ist, dass Homosexuelle krank sind und eine richtige Familie aus Vati, Mutti, Kind besteht, kann das weiterhin so finden bzw. der Meinung sein – für sich selbst halt. Wer Onno oder Anna mit der gigadicken Brille und den Loser-Klamotten kacke findet, muss irgendwie damit klarkommen, dass andere das anders sehen, und Onno und Anna halt trotzdem ein recht auf medizinische Behandlung, Rechtsschutz, usw. haben …
    Das mit Adoption + Kindern: vergesst einfach „Queer“ als DEN angesagten Lifestyle des 21. Jahrhunderts! Bitte, vergesst es! Bei Homosexualität kommt es nicht darauf an, das beleidigte Ego damit aufzupäppeln, dass man/frau/mensch sich damit aufspreizt, auf eine maximale Anzahl an Sexpartner*Innen zu kommen (aus eigener Erfahrung weiß ich, dass „dumm Anmachen“ bei solchen Leuten als „Sex gehabt“ gewertet wird), es kommt nicht auf den Körperbau vulgo die überflüssigen Pfunde an oder dass man/frau/mensch gern hätte, dass jemand vor ihm/ihr kuscht, weil, wie gesagt, Ego … Nope! „Homo“ meint, dass Du Leute deines eigenen Geschlechts sexuell anziehend findest – nicht jedeN, wohlgemerkt -, während das andere Geschlecht Dir eher schnurz ist (Bi bedeutet, dass es nicht ganz so schnurz ist, Du aber irgendwie auch „homo“ bist, NICHT (!!!) wahlloser Sex mit allem, was sich nicht wehren kann, mondänes SM-„Luder“ oder welche schwülstigen Fantasien auch immer hier herumgehen mögen. NACHEINANDER, d. h., wenn ne Lesbe sich in ne andere verguckt oder der Hetero-Mann/die Hetero-Frau sich plötzlich neu verliebt, ist das auch bei der Bi-Frau/dem Bi-Mann der fall – evtl. NIE, falls, die Person, mit der man zusammen ist, halt einfach die große Liebe ist …). Vergesst also diese kaputte queere Szene … Wenn das nicht anders ist, als bei, na sagen wir mal, „Meike + Sascha“ (nur eben: „Meike + Maria“ oder „Sascha + Sebastian“) – dann wäre das doch mit Kinder adoptieren ganz ok, oder?
    Also, Zusammenfassung: Homosexualität ist KEIN Lifestyle, man kann nichts dafür und es auch nicht ändern. Manche sind spießig bzw. familiär eingestellt, andere nicht – wie bei Heten. Manche sind stramm-rechts, andere links, Mitte oder unpolitisch (bitte nicht glauben, mit Homosexualität ginge eine bestimmte politische Einstellung einher!), manche sind echte Kotzbrocken (bitte nicht denken, mensch müsse besonders nett sein, weil jemand sich gerade als „homosexuell“ geoutet hat – wer das verlangt, ist vermutlich gerade nicht homosexuell, möchte aber, dass die Leute nett zu einem sind, wie gesagt …), anderesind wirklich nett oder „so là là, keine Ahnung“ …
    Überdenkt Eure Einstellung noch mal! Drücke jedem/jeder hier die Daumen, demnächst auf einer tollen „Homo“-Hochzeit eingeladen zu sein!

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