Die Sonne der eigenen Anständigkeit

Die Sonne der eigenen Anständigkeit

Die Welt ändert sich. Sie ändert sich dramatisch und – machen wir uns nichts vor – für viele, sehr viele Menschen nicht zum Besseren. Während wir in unserer Sicherheit dekadent und bräsig werden und glauben, dass das alles nichts mit uns zu tun hat, „dass die Welt nun einmal so ist wie sie ist“ – oh, wie oft habe ich selbst diesen Satz gesagt! -, sind diese Menschen bedroht von Armut, Hunger, Krieg und der Verschleppung durch religiöse Fanatiker, die sie zu barbarischen Taten gegen die Menschlichkeit zwingen wollen. Der Krieg, der die halbe Welt umspannt, ist dezentral und wird geführt von kleinen Splittergruppen, von Warlords, Terrorzellen, religiösen Lagern. Er ist so kleinteilig, dass er Dörfer und Städte von innen aushölt, indem er die Menschen „da abholt, wo sie sind“. Kinder, Frauen und Männer werden zwangsrekrutiert und der so stetig wachsenden Armee einverleibt. Dieses Schicksal ist vielen Menschen weit grausamer als der eigene Tod und sie flüchten lieber und verlassen alles, was sie kennen, was ihnen vertraut und eine Heimat ist, um frei zu bleiben. Frei und in Sicherheit.

Heute gibt es weltweit mehr Flüchtlinge als jemals zuvor, fast 60 Millionen Menschen befanden sich Ende 2014 auf der verzweifelten Suche nach einer neuen Heimat und es werden ständig mehr. Die wachsende Anzahl von Konflikten, ausgelöst durch religiöse Einfalt, die eingebildete Angst vor dem Verlust von Ressourcen und Überbevölkerung führt dazu, dass die Welt zu einem Pulverfass wird.

Auf ihrer gefährlichen Reise – viele Flüchtlinge werden auch von Schmugglern und Schleusern bestohlen und misshandelt – stranden sie immer öfter auch an Deutschlands Grenzen. Und stehen hier oft genug vor verschlossenen Menschen und verschlossenen Türen. Prallen ab an einer menschenfeindlichen, auf Egoismus basierenden Ausländerpolitik, einer Ausländerpolitik, „die nicht alle nehmen kann“, die angesichts einer humanitären Katastrophe, die man kaum in ihrer ganzen Größe wahrnimmt, weil sie in verdaulichen Häppchen daherkommt, hart bleibt, kalt, und deren Schutzheilige Angela Merkel ist, dieses Urvieh des Nichtstuns und der Emotionslosigkeit. Die Flüchtlinge prallen auch ab an den Menschen, die sie beschimpfen, die Notunterkünfte anzünden und vor unbegleiteten Jugendlichen Transparente gegen die vermeintliche Geldgier der Geflüchteten hochhalten.

Ich schäme mich

Vor 22 Jahren, im Herbst 1992, wurden im schleswig-holsteinischen Mölln zwei von türkischen Familien bewohnte Häuser angezündet. Ich war damals 18 Jahre alt und trug bei einem Protestmarsch gegen die Nazis, den meine Schule nach den Anschlägen organisiert hatte, ein Schild, auf das ich „Ich schäme mich“ geschrieben hatte.
Heute schäme ich mich wieder.

Ich schäme mich für die Nazihetze im Netz, ich schäme mich für eine Politik, die verzweifelte Menschen allenfalls duldet, aber niemals willkommen heißt, ich schäme mich aber auch für alle, die immer noch glauben, das alles habe nichts mit ihnen zu tun. Die glauben, es sei ausreichend, bei der Hetze nicht mitzumachen und die Idioten zu ignorieren. Denn das ist es nicht. Es reicht nicht mehr, sich innerlich von der Hetze zu distanzieren und dann nichts zu sagen, weil das alles Idioten sind. Es reicht nicht, sich in der eigenen Anständigkeit zu sonnen.
„Idioten ignorieren“ ist nämlich eine gefährliche Beschönigung dafür, zum Hass und der Verfolgung von Menschen zu schweigen und sie damit zu dulden.

Die rechtsradikalen Menschenhasser, die fremdenfeindlichen Hetzer, die Stammtischpolterer, die Populisten, AfD, Pegida und der ganze Abschaum, der Menschen in Not Hilfe und Mitgefühl verwehrt, er ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Fremdenfeindlichkeit ist nicht länger ein Nischenproblem ostdeutscher Dörfer mit hoher Arbeitslosigkeit und niedriger Intelligenz und vielleicht war sie das auch nie. Die sozialen Medien haben offenbart, dass Fremdenfeindlichkeit und Menschenhass mitten unter uns sind, dass sie zwar auch etwas mit der mangelnden Bildung ostdeutscher Neonazi-Gruppierungen zu tun haben, aber eben nicht nur. Die Facebook-Posts, über die sich das Netz in lustigen Tumblr-Blogs moralisch erhebt, wimmeln zwar oft von Rechtschreibfehlern, doch ebenso oft sind die Schreiber ganz normal scheinende Menschen. Menschen, die der Hausmeister von irgendwem sind oder die Kassiererin in jemandes Stammsupermarkt oder der besitzorientierte Nachbar mit großem Auto und großem Haus, der – verdammt nochmal! – „hart dafür gearbeitet“ hat. Leute, die keiner Gruppierung angehören und nicht durch entsprechende Kleidung, Frisur und musikalische Vorlieben als Nazis erkennbar sind. Ignorieren stärkt diese Rechtsnationalen „aus der Mitte“.

Machen

Es ist deshalb jetzt wichtig, laut zu sein. Wichtig für die Qualität der Gesellschaft, wichtig für die Menschen, die gerade eben alles verloren haben, was für sie Zuhause bedeutet hat, wichtig für eine lebenswerte Zukunft. Bloggt, twittert, facebookt, kommentiert Eure Haltung gegen den Menschenhass. Hallo, Ihr Twitterer mit den zehntausenden Followern: macht den Mund auf. Bitte. Ihr erreicht so viele Menschen mit einem Statement, einem Spendenaufruf, einem Urteil. Für Geldspenden gibt es die UNO Flüchtlingshilfe und das Deutsche Rote Kreuz, unsere Sachspenden (Kleidung, Bettwäsche, Puzzles, Drogerieartikel, Stifte und Malbücher) konnten wir bei der Initiative flüchtlingshilfe.berlin abgeben.

Ich selbst habe lange gebraucht, um aufzuwachen, um zu merken, was nicht weit von meiner sicheren Wohnung entfernt passiert, aber als ich es merkte, wusste ich, dass es keine Ausflüchte gibt. Vor der Verteilstelle für die Notunterkünfte des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (#LaGeSo) warteten unzählige Menschen mit Hunger und Durst ohne Schutz vor der prallen Sonne, weitgehend ignoriert von der Politik, und nur freiwilligen Helfern und privaten Hilfsorganisationen ist es zu verdanken, dass bis jetzt keine Katastrophe passiert ist. Und selbst wenn man die direkte Begegnung mit den verzweifelten und emotional aufgewühlten Flüchtlingen nachvollziehbarerweise scheut: um ein paar Euro per Paypal zu spenden und seine Stimme zu erheben, muss man weder reich sein, noch vor die Tür. Sachspenden wie Kleidung, Bettwäsche, Handtücher, aber auch Hygieneartikel, Windeln, Seife, Shampoo, Spielzeug, Babybedarf können über Annahmestellen abgegeben werden. Dort gibt es auch Listen, welche Gegenstände am dringendsten gebraucht werden. Bei uns in Berlin war die nächste Stelle einer Flüchtlingshilfeinitiative zwei (!) Straßen entfernt, der Weg dauerte noch nicht einmal fünf Minuten. Googelt einfach nach „Flüchtlingshilfe“ und Eurer Stadt, um herauszufinden, wie Ihr diesen Menschen am besten helfen könnt. Zu helfen ist erschreckend einfach, wenn man es will.

Einen tollen Anfang macht das Blog Kurzhaarschnitt mit diesem Artikel, der zeigt, weshalb das Flüchtlingsthema viel mehr von uns betrifft als wir vielleicht meinen.

Meine eigene Oma mütterlicherseits musste ihre Heimat in Ostpreußen 1945 verlassen und mit ein paar Habseligkeiten, ihrer 12-jährigen Schwester und ihrem gerade einmal einjährigen Sohn fliehen. Die Details ihrer Flucht sind zwar nur durch vage Andeutungen überliefert, doch die russische Armee holte sie auf ihrem Flüchtlingsmarsch ein und für Frauen und Mädchen bedeutete das damals nichts Gutes. Als meine Oma schließlich nach langer Reise in Hankensbüttel ankam, einem winzigen Dorf zwischen Uelzen und Wolfsburg, da rang mein Onkel mit den Folgen der Mangelernährung und es war nicht sicher, ob er überhaupt durchkommt. Die Frau des Dorfpolizisten nahm meine Omi und ihr unterernährtes Kind bei sich auf und half ihnen, wieder Fuß zu fassen, Tante Schönemann gehörte später praktisch zur Familie und wurde die Patentante meiner Mutter.

Ich bin den Menschen, die sich meiner Oma angenommen haben, die ihr Hilfe und Freundschaft angedeihen ließen, noch heute unendlich dankbar, denn wer weiß, ob es meine Mutter und damit mich ohne ihre Unterstützung gäbe. Es gibt in vielen Familien Omas und Tante Schönemanns und ich möchte, dass wir uns alle sowohl an ihr Leid als auch ihre Großzügigkeit erinnern, wenn wir das nächste Mal dabei sind, Idioten zu ignorieren.
Denn Anständigkeit bedeutet mehr als ein paar warme Gedanken, Anständigkeit bedeutet, Unanständigkeit nicht hinzunehmen.

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Update mit einigen erschütternden, lesenswerten, wichtigen, aufrüttelnden Links

Kurzhaarschnitt: Jetzt lernen Sie meine Oma kennen – und meine Meinung

Tagesspiegel: Rechte Hassbürger und Meinungsfreiheit – Eine Kapitulationserklärung

Charming Quark: Eine wahre Geschichte von Krieg, Flucht, dem Leben danach und was das mit dem Heute zu tun hat

40 Kommentare

    • Ich danke Dir. Meine Abwesenheit in den sozialen Medien der letzten Zeit hat auch den Grund, dass ich all das Ignorieren nicht mehr ausgehalten habe.

  1. Klasse Text!

    So richtig und wichtig, es gibt nix abzuwarten oder stumm zu bleiben. Die Ohnmacht ob der Geschehnisse, der 1000 Fragen die mich im Einzelnen, gesellschaftlich und auf politischer Ebene umtreiben ist mit Nichtstun nicht zu ertragen. Jeder wie er kann – aktiv sein, Haltung zeigen, anpacken!

    LG M

  2. Danke von Herzen für diese Zeilen… danke auch für das Detail über die Flucht Deiner Grossmutter – viele von uns vergessen, dass den Vorfahren Hilfe und Unterschlupf in Zeiten der Flucht und Not geholfen haben zu überleben und für sich selber und ihre Familien und Nachkommen eine Zukunft aufzubauen…

    Jeder von uns kann mithelfen die Welt zu verändern…. packen wirs an!

  3. […] Frau Meike sagt: Die Sonne der eigenen Anständigkeit Die Welt ist scheiße. Sie ist Scheiße, weil der Kapitalismus eine Gesellschaft aufgebaut hat, in denen es wenigen Gut geht und vielen schlecht. Sie ist scheiße, weil es Menschen gibt, die meinen – unter Ausnutzung von Religionen – mit Fanatismus ihre Überlegenheit zu beweisen und sie ist scheiße, weil es eben auch Menschen gibt, die durch Not und Leid in die Arme dieser fanatischen Menschen getrieben werden. Wollen sie das nicht, so bleibt ihnen nur Flucht und wenn diese Flucht in Europa endet, in Deutschland, dann schlägt diesen Menschen, die vor Gewalt, Hass, Not, Elend und Hunger geflohen sind, auch noch Hass entgegen. Das ist Scheiße, doch genau hier offenbart sich das Gesicht des kapitalistischen Systems und die dadurch antrainierte Unmenschlichkeit. Obwohl für jeden genug da wäre, ist es der Mangel, der diese Welt formt. […]

  4. liebe grüße aus der garage für eine schöne post.

    ich bin ein bißchen entsetzt, wenn im spiegel es dem einen oder anderen in der „sonne seiner eigenen anständigkeit“ ein bißchen das gehirn weggeschmolzen zu sein scheint, die hasserfüllt herausgebrüllte barbarei als „jugendsünde“ wegretouchiert und der „shitstorm“ denen angelastet werden soll, die bei den „perlen aus freital“ nicht bis ins mark erstarren, eil sie welt eben scheisse finden.

    nur erstarren, sich lustig machen oder einfach ignorieren nutzt leider nichts mehr, das hat auch das letzte jahrzehnt nichts genutzt, als man noch dachte, man könne das problem selbst nach diesem norwegischen verbrecher ignorieren, der sich in maskulistischen foren aufheitzte, dann zum fremdenhasser in den „echokammern gleichgesinnter“ „hocharbeitete“ und am ende landsleute umbrachte, die ihm einfach irgendwie zu „nett“ waren.

    vier jahre her, fast 20 seit rostock lichtenhagen, die dinge haben sich nicht gerade zum besseren verändert und die ursache dafür liegt wahrscheinlich in der ignoranz, in der immer noch debatten für mehr toleranz mit höhlenmenschen geführt werden.

    wir sollten wissen, wo das endet.

  5. Hallo, Frau Meike.
    Ich habe deinen Artikel aufmerksam gelesen und stimme größtenteils zu. Man darf sich nicht verschließen, aber man darf auch nicht blindlings ins Verderben laufen. Ich bin kein Nazi, nur weil ich sage, das wir nicht die ganze Welt hier in Deutschland aufnehmen können. Das ist einfach irgendwann nicht mehr bezahlbar. Vielmehr sollte es unser Anliegen sein, in den Fluchtländern so viel zu bewegen, das dort keiner mehr flüchten will. Das ist die Aufgabe der Politik, und nicht Kriege führen und mit Waffengewalt drohen und damit noch mehr Unheil bringen. Ich bin der Überzeugung, das es Möglichkeiten für friedliche Lösungen gibt, aber diese werden gar nicht erst bemüht, weil man denkt, das es eh nichts bringt.
    Es gibt in der ganzen Welt Unglück, Hunger und Verzweiflung. Doch wir alleine können nicht alle Konflikte und Probleme lösen, dazu Bedarf es den Zusammenhalt sogenannter Unionen und Bündnisse in dieser Frage. Und da stimme ich zu, derzeit ist es den Bonzen wichtiger, ihre ach so teure Kohle zu behalten und zu mehren. Das Schlagwort hört man überall: „Wachstum Wachstum Wachstum“. Warum nicht: „der Gewinn reicht reicht reicht“?
    Aber eines ist mir bei ihrem Artikel sauer aufgestoßen: Das sie Menschen, die anders denken und handeln, als Abschaum bezeichnen, ist zwar verständlich aber eben auch nicht menschlicher als deren Gerede und Verhalten. Damit geben sie denen eine Platform, und die haben diese Menschen nicht verdient. Und je mehr wir diese „Menschen“ eine Platform geben, um so mehr Aufmerksamkeit bekommen die. Deshalb appeliere ich eher, diese Volksverhetzer zu ignorieren und ihnen keine Macht zu geben. Aufklären und darüber reden, wenn da andersdenkende sind, solange, bis die entnervt sind und ihre Parolen nicht mehr äußern.

    • So aufmerksam können Sie nicht gelesen haben, denn a) habe ich nicht Menschen, die „anders denken“, als Abschaum bezeichnet, sondern Kreaturen, die Menschen in Not Mitgefühl und Mithilfe verweigern. Das ist ein Unterschied. Und b) habe ich lange dargelegt, weshalb ich es für fahrlässig, beinahe kriminell, in jedem Fall aber für gefährlich halte, aggressive Hetzer zu ignorieren. Weil es sie stärkt und ihnen die Möglichkeit gibt, sich unbehelligt von den Anständigen zu organisieren.

  6. Der Kolumnist, dessen Artikel „Friede, Freude, Freital?“ die Petition „HeimeOhneHass“ gegen fremdenfeindliche Demonstrationen vor Asylheimen anregte, steigt aus. Heinrich Schmitz will in Zukunft auch keine politischen Kommentare mehr veröffentlichen, weil seine Familie eingeschüchtert wurde.

  7. Danke für diesen Artikel. Ich denke, daß Du den kern gut getroffen hast, was unsere Pflicht angeht, Flüchtlinge hier aufzunehmen. Dazu kommt, dass Deutschland durch seine extreme Exportorientierung mit Lohndumping erst die Wirtschaftsprobleme in den Ländern, aus denen heute viele der Wirtschaftsflüchtlinge kommen verursacht hat. Wir sins also nicht nur aufgrund unserer eigenen Vergangenheit moralisch verpflichtet, den Flüchtlingen zu helfen, wir sind auch dazu verpflichtet, weil wir wesentlich Schuld sind an ihrer Misere.

    Es kommt aber noch ein Aspekt hinzu. Viele argumentieren ja damit, dass wir uns diese Flüchtlinge nicht mehr leisten können, dass wir das irgendwann nicht mehr bezahlen können. Ich denke, das Gegenteil ist der Fall. Wir werden es nicht mehr bezahlen können, diese Flüchtlinge _nicht_ aufzunehmen. Einen guten Artikel dazu habe ich neulich in der TAZ gefunden: http://www.taz.de/Debatte-Europas-Fluechtlingspolitik/!5217002/

    Ja, ich weiss, diese Flüchtlinge werden zu einem Problem für uns, für unsere Generation und unsere Kinder und vermutlich auch noch Enkel. Aber erstens ist das ein von uns selbst verursachtes Problem, und zweitens müssen wir auch an spätere Generationen denken, und hier sind die Flüchtlinge eine kleine Chance, dass es unseren Urenkeln mal besser geht. Gerade die Nachfahren der Wirtschaftsflüchtlinge werden Deutschland eines Tages wirtschaftlich tragen.

    Die rücksichtslose Ausbeutung und Übervorteilung anderer Völker über Jahrzehnte holt uns jetzt eben wieder ein. Und je länger wir versuchen, den Deckel drauf zu halten, desto größer wird der Druck werden. Wird Zeit, dass wir einen Teil des von uns verursachten Schlamassels selber schultern. Wird nicht leicht werden, aber das ist tatsächlich mal alternativlos.

  8. „Bloggt, twittert, facebookt, kommentiert Eure Haltung gegen den Menschenhass.“

    Eben nicht. Der ganze Müll entsteht doch erst durch diese Datenkraken, die unmündige Deppen so gerne benutzen: Twitter & Facebook.

  9. Es ist leider nicht so, das Rassismus und Fremdenfeindlichkeit – und somit auch der Rechtsextremismus als Ganzes – ein Phänomen ist, das ursprünglich nur eine extreme Randerscheinung war, und jetzt quasi über die Zeit in die sogenannte „Mitte der Gesellschaft“ gewandert ist.

    Die gesellschaftliche Mitte war schon immer der Ursprung solcher Tendenzen. Das war auch schon bei den Nationalsozialisten so. Entgegen des Namens („Arbeiterpartei“) waren Arbeiter in der Mitgliederstruktur der NSDAP eher unterrepräsentiert, sondern Selbstständige, Lehrer, Beamte und Landwirte stellten einen überproportionalen Anteil.

    Rassismus, Antisemitismus und andere Formen der Ausgrenzung sind immer Ausdruck für einen Wohlstandschauvinismus, d.h. man möchte niemand anderen am Wohlstand teilhaben lassen, sondern alles für sich behalten. Und das trifft ja vor allem für den Mittelstand zu, der nicht wirklich vermögend ist wie die Superreichen, aber jetzt sein kleines Eigenheim in Gefahr sieht.

  10. Nein!

    Nein, ich mache nicht mit. Nein, ich öffne nicht mein Herz. Nein, ich öffne nicht meine Brieftasche. Nein, ich sage nicht „Ja“ zu einer bedingungslosen Einwanderung von Flüchtlingen, seien es nun Kriegsgeschädigte oder Wirtschaftsflüchtlinge.

    Kriegsgeschädigte und Verfolgte haben ein Recht bei uns zu sein. Das Gebietet die Menschlichkeit. Wirtschaftsflüchtlinge haben kein Recht bei uns zu sein. Das Gebietet die Logik.

    Europa ist ein System, ein fein austariertes System. Wie viele Flüchtlinge erträgt es? Was passiert, wenn dieses System zusammenbricht? Wenn die Zahnrädchen wegen der Mehrbelastung plötzlich nicht mehr ineinandergreifen?

    Ihr denkt an diesen schönen Moment, wenn man die vertriebenen Familien hier Willkommen heißen und in die Arme nehmen kann. Da wird euer Herz warm. Ihr lebt für diesen Moment. Ihr leben generell für DEN MOMENT. YOLO. Ihr denkt aber nicht weiter. Was ist am Tag danach? Im Monat danach? 10 Jahre danach? Wenn die Wirtschaftsleistung – unsere heilige Kuh – leidet? Wenn die Armut zu Kriminialität führt? Bei Ausländern wie Einheimischen. Und wenn das dann zu einer größeren Ausländerfeindlichkeit zieht?

    FLÜCHTLINGE SIND EINE WIRTSCHAFTLICHE BELASTUNG – Das ist eine Tatsache. Trotzdem nehmen wir viele auf. Es ist ein Balanceakt zwischen schlechtem Gewissen, innerer Moral und wirtschaftlichen Gegebenheiten. Wenn wir die wirtschaftlichen Gegebenheiten ignorieren, geraten wir aus der Balance. Und was passiert dann?

    Wenn WIR ins Wanken geraten? Wenn das Rettungsboot auch schwankt?

    Ihr WEIGERT euch DARAN zu denken. Ich aber nicht. Und deswegen bin ich ein Nazi und Abschaum. Danke! Danke, ihr Supertoleranten, dass ich mich von euch Abschaum nennen lassen muss. Und Nazi. Danke, dass ihr mir eure Kampfbegriffe an den Kopf schmeisst.

    Danke dafür, dass ich nicht im TRAUM daran denken kann, dies hier unter richtigem Namen zu verfassen, weil ich sonst ernsthaft Gefahr laufe, dass ein Internetmob eine Hexenjagd auf mein Leben veranstaltet und nicht eher Ruhe gibt, bis es in Trümmern liegt.

    Deutschland muss und kann helfen. Aber Deutschland kann nicht allen helfen. Europa kann nicht allen helfen. Flüchtlinge sollten nicht zu UNS kommen (müssen). WIR sollten zu IHNEN gehen und ihnen dabei helfen, ihre Länder aufzubauen. Ich will keinen Flüchtling bei mir in der Stadt. Ich glaube auch gar nicht, dass der Flüchtling überhaupt in meiner Stadt sein will. Ich will dass der Flüchtlig erst gar keiner ist, dass er gar nicht nacht Deutschland will, weil es ihm in seiner Heimat gut geht. Der Flüchtling sollte ein Urlauber sein, der aus Syrien, der aus den afrikanischen Staaten zu uns kommt, um dem ALLTAG zu entfliehen. Nicht Bomben, Granaten und Armut.

    Können wir DAS nicht angehen? Wieso haben wir diese Rettungsboot-Mentalität? Wieso sind wir kein Eisbrecher, kein Reparaturboot?

    • Das Problem dieser ganzen „Das ist meins!“-Polterer, zu denen Sie offenbar auch gehören, und das gleichzeitig das Problem der Menschheit insgesamt ist, dass wir alle diese heilige Kuh Wirtschaftsleistung für absolut unantastbar, richtig und alternativlos halten. Jeder glaubt, dass Geld ein beschissener Fixstern ist, dass es uns ohne Geldwirtschaft auf jeden Fall schlechter geht. Unsere gesamte Zivilisation beruht auf auf der unterschiedlichen Wertung von Menschen nach ihrer wirtschaftlichen Leistung. Nicht nach ihrer intellektuellen. Oder ihrer gemeinnützigen. Nein, was sie tun, muss in möglichst hohen Geldwerten ausdrückbar sein, dann sind sie unserer Gesellschaft wertvoll und willkommen.

      Ich sage, ein System, das den Wert eines Menschen in Geld ausdrückt, das ist nicht gut oder fortschrittlich oder um jeden Preis erhaltenswert, sondern das ist scheiße. Das ist einfach ein falsches System, weil es nicht die tatsächliche Gemeinschaftsleistung eines Menschen anerkennt, die ungleich wertvoller sein kann als Wirtschaftsleistung. Das ist nicht nur unmenschlich, sondern es ist auch schlecht für die Gesellschaft, weil Arbeiten, die zwingend erforderlich sind, die das Rückgrat jeder Zivilisation bilden, aber nur wenig Gewinn erzielen, pflegerische und erzieherische Berufe, praktisch keine Wertschätzung erfahren. Die erbringen keinen Profit, also sind sie unwichtig. Die Folge ist, dass kaum noch jemand diese Jobs machen will, die früher überwiegend von Frauen erledigt wurden, was bei der bereits jetzt schlechten Kinderbetreuungssituation und dem Pflegedefizit schon in wenigen Jahren zu einer sozialen Katastrophe führen wird. Die Geringschätzung von Menschen, die nur wenig zur Wirtschaftsleistung eines Landes und gleichzeitig aber viel zum Wert einer Gesellschaft beitragen, ist eine viel größere Bedrohung für unsere Zivilisation als die Teilung des armseligen Besitzes, an den sich alle klammern.

      Weil der Mensch aber diesen Kardinalfehler, die „Erfindung“ von Reichtum und die Knüpfung der gesellschaftlichen Stellung an monetäre Werte, bereits im allerersten Schritt der Zivilisationsentstehung, nämlich unmittelbar nach der Neolithischen Revolution, gemacht hat, stehen wir heute auf unserer Welt knietief in Scheiße, können uns keine Alternative zu der einzigen Zivilisation, die wir kennen, vorstellen, glauben, eine Welt ohne Geld, ohne Besitz ist in jedem Fall eine Verschlechterung, und geifern gegen Menschen, die ärmer sind als wir es im Mitteleuropa der Post-Industrialisierung je waren.

      Und jetzt kommen Sie und haben Angst, dass Sie sich nur noch eine kleine Wohnung leisten können, statt einer großen, nur noch einen kurzen Urlaub an die Ostsee statt drei Wochen Karibik, nur noch ein statt drei Familienautos? Kurz: Sie haben Angst davor, dass sich auch nur das kleinste Bisschen an Ihrem wirtschaftlichen Wohlstand ändern könnte, weil Sie Menschen etwas abgeben sollen, die noch viel weniger haben als Sie? Gehen Sie mir aus den Augen oder ich vergesse mich.

    • Wunderbar stereotyper Kommentar von Sephan. Das sind so viele Denkfehler enthalten, dass es schon grotesk ist.

      „Nein, ich sage nicht „Ja“ zu einer bedingungslosen Einwanderung von Flüchtlingen, seien es nun Kriegsgeschädigte oder Wirtschaftsflüchtlinge.“

      „Bedingungslose“ Einwanderung ist weder real, noch wird sie gefordert.

      „Wirtschaftsflüchtlinge haben kein Recht bei uns zu sein. Das Gebietet die Logik.“

      Die Logik gebietet, dass ein Land, welches einen Großteil seiner Wirtschaftskraft aus Waffenexporten und Ausbeutung anderer Länder bezieht, für die damit ausgelösten Konflikte und Katastrophen mitverantwortlich ist.

      „FLÜCHTLINGE SIND EINE WIRTSCHAFTLICHE BELASTUNG – Das ist eine Tatsache.“

      Nein. Das ist eine völlige Verdrehung von Tatsachen und Realitäten. Sie unterstellen, die Flüchtlinge hätten entweder keine Lust zu arbeiten oder würden es aus anderen Gründen nicht tun. Viele der Menschen die hierher kommen, sind gut ausgebildet und WOLLEN arbeiten. Allein um etwas zu tun zu haben und zur Gemeinschaft beizutragen. Man lässt sie aber nicht. Da sollte der Staat dringend die Gesetzgebung ändern. Im übrigen bringen Flüchtlinge unterm Strich mehr ein, als sie kosten.

      „Aber Deutschland kann nicht allen helfen. Europa kann nicht allen helfen.“

      Zum Einen verlangt das so Niemand. Zum Anderen könnten wir sehr wohl denen helfen, die hierher kommen wollen. So Viele sind das nämlich gar nicht. Die meisten Flüchtlinge kommen in ihren Nachbarländern unter, die wenigsten wagen überhaupt die weite Reise nach Europa. Entweder weil ihnen die Mittel fehlen, oder weil sie möglichst schnell wieder in ihre Heimat zurück wollen. Denn kaum ein Mensch flieht freiwillig aus der Heimat in der er aufgewachsen ist und die er mag.

      „WIR sollten zu IHNEN gehen und ihnen dabei helfen, ihre Länder aufzubauen.“

      Vielleicht wäre es schon ein Anfang, wenn wir aufhören würden Krieg, Leid und Elend aktiv zu befördern. Sei es militärisch oder wirtschaftlich. Was glauben sie eigentlich, warum es Deutschland finanziell so gut geht?

      Und last and least:

      „Ihr WEIGERT euch DARAN zu denken. Ich aber nicht. Und deswegen bin ich ein Nazi und Abschaum.“

      Nein, Nazi und „Abschaum“ sind sie deshalb:

      „Ich will keinen Flüchtling bei mir in der Stadt.“

      Und weil sie, entgegen der Realität und der Fakten, ihrem Bauchgefühl und ihrem offenbar recht beschränktem Weltbild Raum geben, statt sich sachlich mit dem Thema zu befassen. Aber da käme das Weltbild ja vielleicht in’s wanken.

  11. Dieser Text hat mir sehr gut gefallen. Er spricht mir aus dem Herzen.

    Ich habe in meinem Blog Stellung bezogen. Das tue ich das auch via Twitter, Facebook und sonstwo. Aber all das, so gut es gemeint ist, ersetzt nicht das Defizit, das unsere Gesellschaft an diesem Punkt offenbart.

    Ich muss sagen, dass ich verzweifelt bin über den Hass, der sich an dieser Aufgabe entlädt. Ja, es ist eine Aufgabe. Sie besteht darin Menschen in einer großen Notlage zu helfen. Aber scheinbar sind wir mit denen, die da sind, bereits hoffnungslos überfordert.

    „Das Boot ist voll“. Dieser elende Satz wird es sein, den die Politik aufnimmt und die Medien in öffentliche Meinung verwandeln.

    Die Eliten können das für uns nicht richten. Die Gesellschaft als Ganzes muss das schaffen. Sie sollte das schaffen. Und zwar, ohne, dass kluge VWLer vorrechnen müssen, dass wir von der Not der anderen sogar profitiert haben (s. Griechenland).

  12. […] der eigenen Großelterm, Urgroßeltern, Vorfahren. Die einen heute noch motivieren sollte, nicht hartherzig zu sein, wenn man dafür denn überhaupt einen Motivation braucht. Und die einen auch motivieren […]

  13. […] Einen sehr persönlichen und ehrlichen Zugang findet Frau Meike in ihrem Text „Die Sonne der eigenen Anständigkeit„, den ich hier gerne auszugweise ziteren […]

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