Ich früher

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Vor vielen Jahren hatte ich mal ein Blog. Das muss wohl so sechs Jahre her sein, was ungefähr 42 Internetjahren entspricht. Damals hießen Blogs noch nicht “Blog”, sondern “Online-Tagebuch”, Du liebes Bisschen.

Ich war einsam, wütend und traurig damals und ich dachte, es würde besser werden, wenn ich die Welt in regelmäßigen Abständen anbrüllte. Und drolligerweise glaubte ich auch, die Welt würde besser werden, wenn ich sie anbrüllte. Sie musste ja erstmal wissen, wie bescheuert sie ist, um etwas daran ändern zu können.
“Die Welt”, das ist für mich übrigens in neun von zehn Fällen “die Menschen”.

Also sagte ich den siebzehneinhalb Lesern, die mein Tagebuch damals jeden Tag lasen, dass sie rücksichtslos waren. Rücksichtslos und gedankenlos und unauthentisch. Na, und noch ein paar andere Dinge mehr.
Die Welt wurde natürlich nicht besser dadurch, aber dafür wurde ich etwas weniger wütend. Und irgendwann war der Wunsch, die Welt anzubrüllen, ganz weg. Oder fast ganz weg, denn manchmal ist er noch da. Dann breche ich meist ein paar Brücken ab. Manchmal reale und manchmal virtuelle. Manchmal wechsele ich auch den Beruf. Oder den Wohnort. Oder wenigstens die Frisur.

Mittlerweile bin ich also nicht mehr wütend und einsam bin ich auch nicht mehr, denn ich habe den besten Mann auf der Welt geheiratet. Traurig bin ich noch. Seitdem mein Vater sehr überraschend an Lungenkrebs starb. Und meine Mutter an Darmkrebs erkrankte.

Ich mag Bewegung, ich mag Veränderung. Ich mag es, mich den Scheißehaufen meines Lebens zu stellen und sie zu verändern, anstatt vor ihnen davonzulaufen. Also habe ich mich in therapeutische Behandlung begeben, um meinen Vater loszulassen und meine Mutter auf ihrem Weg der Genesung zu begleiten. Manchmal gelingt mir das besser und manchmal träume ich nachts davon, meinen Vater wieder und wieder sterben zu sehen.

Manchmal sagen mir Menschen, dass es irgendwie gut wäre, wenn ich mich der Welt mitteilen würde. Vor allem für die Welt.
Das schmeichelt mir.
Jemand sagte mir mal eine narzisstische Persönlichkeitsstörung nach.
Das schmeichelt mir auch.

Jedenfalls. Jetzt schreibe ich wieder.

Leben, Tod und alles. Darum geht es hier.
Und so sehe ich aus.

"Das Dorf bin ich." (Grobianix, Bd. XXV, "Der große Graben")

“Das Dorf bin ich.” (Grobianix, Bd. XXV, “Der große Graben”)

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