Kommentarpolitik

Kommentarpolitik

Noch ein Wort zur Kommentarpolitik, die ich auf meinem Blog verfolge.
Das Internet hat zwar zu mehr Austausch über gesellschaftliche Themen geführt, doch nicht zwangläufig zu qualitativ hochwertigem Austausch. Immer weniger Menschen lesen Texte ganz, sondern reagieren häufig schon nach einem Überfliegen von Überschriften und Teasern. Dieses spontane Reagieren auf Reizworte führt meist nicht zu differenziertem Diskurs, sondern nur zu blindem, rechthaberischen Gemotze. Die Folge ist ein stetiges Auseinanderdriften der Lager und eine Verschärfung von Ablehnungsgefühlen für die Menschen des jeweils anderen Lagers. Auf diese Weise hat sich ein hasserfüllter Ton in Kommentarspalten, Twitter- und Facebookdiskussionen eingeschlichen, der es nahezu unmöglich gemacht hat, gemeinsam an Lösungen für die drängenden gesellschaftlichen Probleme zu arbeiten.

Das spontane Verurteilen von Menschen ohne Rücksicht auf ihre individuellen Geschichten, ihre Erfahrungen und Verletzungen, halte ich für ein Armutszeugnis für eine aufgeklärte, empathische Gesellschaft. Dieses Verurteilen sehe ich rechts der Mitte genauso wie links der Mitte, es ist in der Gerechtigkeitsbewegung genauso verbreitet wie in konservativen Lagern, nur die Beleidigungen unterschieden sich. Ich glaube daran, dass ideologische Verkürzung von Sachverhalten, und die reflexartige Beleidigung von Menschen mit anderer Weltsicht die Welt nicht besser, sondern schlechter machen. Ich versuche deshalb, in meiner Kommentarspalte zurück zu echtem Dialog zu finden, also Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen anzuhören, ihre Punkte zu erwägen und darauf mit Argumenten einzugehen. Ich habe eine rote Linie der Menschenfeindlichkeit, jenseits derer auch ich nicht mehr zum Dialog bereit bin, aber reflexartiges Dichtmachen versuche ich zu vermeiden.

Ich erwarte, dass Sie das auch tun. Dass Sie Artikel und Kommentare genau lesen, dass Sie nachdenken, bevor Sie kommentieren, dass Sie ein Mindestmaß an Respekt vor mir und anderen Kommentatoren zeigen. Hören Sie anderen Menschen so zu wie Sie möchten, dass man Ihnen zuhört. Öffnen Sie sich für Argumente anderer wie Sie erwarten, dass andere für Ihre Argumente offen sind. Vermeiden Sie reflexartiges Lospoltern und versuchen Sie zu berücksichtigen, dass hinter den Sätzen, die Sie so erbost haben, ein Mensch mit einer Geschichte sitzt. Wenn Sie bereit dazu sind, freue ich mich über Ihre Beiträge. Wenn Sie nicht dazu bereit sind, sehen Sie bitte von einem Kommentar ab.

Wenn Sie sich Reaktionen von mir auf Ihre Anregungen, Ergänzungen und Kritik wünschen, kommentieren Sie bitte hier im Blog, denn auf Twitter diskutiere ich wegen der aus der Kürze entstehenden Verfälschungen nicht.

Danke für die Aufmerksamkeit.

Eine Reaktion

  1. rowa

    Hallo,

    sie haben sicherlich recht und ich kann diesem Eintrag weitestgehend zustimmen. Allerdings fehlt die Erwähnung, dass es auch innerhalb der „Mitte“ diese Kultur gibt. Wie auch schon in anderen Beiträgen zu diesem interessanten Thema an anderer Stelle wird erwähnt, es gäbe das Lager „links“ und das Lager „rechts“ und weil beide tendenziell zu Extremen und Radikalen neigen sind sie beleidigend und würden sich schwer tun am zuhören.

    Dabei ist dieses Verhalten auch in der selbsternannten Mitte zu finden. Gerade da habe ich die Neigung erlebt, andere Meinungen als „extrem“ zu definieren und die eigene Meinung als „Mitte“. Denn wer einmal von sich sagt, man sei in der Mitte, kann unter dieser selbst definierten Stellung alles verbreiten. Diese Taktik gibt es m.E. in der Form „Meine Äußerung soll radikal und beleidigend sein? Wieso, ich lehne links und rechts ab und stehe doch in der Mitte!“ und diskreditiert dadurch automatisch andere Meinungen, welche davon abweichen als „radikal“.

    Viele Grüße.




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