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	<title>Fuck you, I&#039;m human.</title>
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	<description>Abandon all hope, ye who enter here.</description>
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		<title>Dinge, verändert</title>
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		<pubDate>Thu, 23 May 2013 11:53:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Meike</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Lieber Vater]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>

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		<description><![CDATA[Tod bedeutet Veränderung. Das weiß jeder, der schonmal einen Film mit einer Kartenlegerin gesehen hat. Die Kartenlegerin ist natürlich eine ältere Frau mit krummer Nase, die seltsamerweise mit russischem Akzent spricht. Die junge Klientin, denn natürlich ist es eine Frau, zieht mehrere Karten, deren letzte den Tod zeigt. Erschrocken lässt die Frau die Karte fallen, doch die Kartenlegerin beruhigt sie: &#8220;Todd is&#8217; gutt. Todd bädeittet Verränderruung!&#8221; Die junge Frau geht [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Tod bedeutet Veränderung. Das weiß jeder, der schonmal einen Film mit einer Kartenlegerin gesehen hat. Die Kartenlegerin ist natürlich eine ältere Frau mit krummer Nase, die seltsamerweise mit russischem Akzent spricht. Die junge Klientin, denn natürlich ist es eine Frau, zieht mehrere Karten, deren letzte den Tod zeigt. Erschrocken lässt die Frau die Karte fallen, doch die Kartenlegerin beruhigt sie: &#8220;Todd is&#8217; gutt. Todd bädeittet Verränderruung!&#8221; Die junge Frau geht daraufhin nach Hause und verliert meist kurz darauf ihren Verlobten oder ihre beste Freundin durch einen wahnsinnigen Axtmörder.</p>
<p>Wie viel sich für mich und mein Leben verändern würde, als mein Vater im November 2009  &#8211; für mich völlig überraschend &#8211; starb, konnte ich damals noch nicht absehen. Über den Tod habe ich zwar mein Leben lang viel nachgedacht, aber über Trauer fast gar nicht. Während ich alle Eventualitäten meines eigenen Todes und nahestehender Menschen durchdacht hatte, hätte ich auf die Frage &#8220;Was ist Trauer und was macht sie mit einem Menschen?&#8221; fast nichts sagen können.<br />
Trauer, so dachte ich, ist der Prozess des Loslassens nach einem schweren Verlust. Trauer äußert sich bei jedem anders. Aber vor allem ist Trauer endlich. Man kommt über den Verlust hinweg und fertig. Kehrt zurück zu seinem alten Leben, seinem Alltag, macht die Dinge so, wie man sie immer gemacht hat.<br />
In diesem letzten Punkt lag ich total falsch.</p>
<p>Durch den Tod meines Vaters und die sich unmittelbar anschließende Krebsdiagnose meiner Mutter hat sich sehr viel verändert. An unserem Familiengefüge natürlich, aber auch in mir drin, wie ich Dinge tue und wahrnehme.</p>
<p><em>[Ein kurzer Einschub für die zeitliche Einordnung: an einem Dienstag im November 2009 bekam ich von meiner Mutter einen Anruf, dass mein Vater sehr krank sei und sie beide deshalb mit meinem Bruder und mir reden wollen. Ich fuhr sofort nach Hamburg und blieb dort, bis mein Vater eine Woche später, am darauffolgenden Dienstag an seinem Lungenkrebs starb. Nur gut drei Monate danach wurde bei meiner Mutter ebenfalls Krebs festgestellt. Sie wurde sofort operiert und musste eine sechsmonatige Chemotherapie über sich ergehen lassen, die bis Ende Oktober 2010 ging. Bis zum heutigen Tag ist der Krebs nicht zurückgekommen.]</em></p>
<h2>Ch-ch-changes</h2>
<p>In unserer Familie war ich meinem Vater immer am ähnlichsten und als er tot war und meine Mutter von der Last der Chemo niedergedrückt wurde, glaubte ich, meinen Vater ersetzen zu müssen. Meine Mutter auffangen, Probleme lösen, Stärke und Zuversicht geben und dafür sorgen zu müssen, dass nicht alles auseinanderbricht. Viele Gespräche, mit meiner Therapeutin, mit meiner Mutter und mit meinem Mann, waren nötig, um mich von dem Druck zu lösen. Um meinen <a href="http://www.fraumeike.de/2012/der-unglueckskomplex/" title="Zum Blogartikel 'Der Unglückskomplex'">Unglückskomplex</a>, zumindest innerhalb meiner Familie, auf ein erträgliches Maß herunterzufahren. Um aus dieser Dauerschleife von Mitgefühl, Sorge und gefühlter Verantwortung für alles und jeden ausbrechen und mir Raum für andere Gefühle geben zu können. Schmerz oder Wut zum Beispiel.</p>
<p>Zu meinem Bruder habe ich kaum noch Kontakt seit all dem. Nicht, weil wir uns nicht mögen, sondern weil wir in so verschiedenen Welten leben, dass immer ein Ausgleich nötig war, um uns zusammen zu bringen. Mein Vater hat diese Schleusenfunktion immer übernommen. Das wurde mir erst klar, als ich im Laufe der Zeit merkte, wie mein Bruder und ich immer mehr auseinanderdiffundieren.</p>
<p>Die Idee, mich nicht von den Menschen verabschieden zu können, die mir wichtig sind, war mir schon immer zuwider, aber nach all den schmerzhaften Erfahrungen bekam meine Fixierung auf Abschiede etwas Seltsames. Wenn mein Mann und ich eine Autofahrt machten, sagte ich spätestens beim Auffahren auf die Autobahn immer &#8220;Wenn wir auf dieser Fahrt sterben, dann sollst du wissen, dass ich Dich sehr liebe&#8221;. Dieses Ritual hatte manchmal etwas Komisches und manchmal etwas Bedrückendes. Es ist besser geworden, ich sage das nicht mehr so oft, aber die Idee, dass Dinge unausgesprochen oder ungeklärt bleiben, ist für mich ein Albtraum.<br />
Als mein Vater anfing, mit einem seltsamen Husten herumzulaborieren, habe ich ihm immer wieder gesagt, wie wichtig es mir ist, dass er mir etwaige Diagnosen, egal wie vernichtend sie auch sein mögen, sofort mitteilt, damit ich Abschied nehmen und <em>Dinge bereden</em> kann. Jeder Mensch hat <em>Dinge</em> mit seinen Eltern zu bereden, bei mir war es die Zeit meiner Pubertät. Ich weiß gar nicht, ob ich tatsächlich die Kraft aufgebracht hätte, ihm zu sagen, wie es sich <em>wirklich</em> angefühlt hat, unter einem so dominanten Vater groß zu werden, dem man auf so schwierige Weise auch noch so ähnlich ist. Aber ich hätte die Option haben wollen.<br />
Mein Vater hat letztlich trotz meiner Bitte einen anderen Weg gewählt und uns erst informiert, als es gar nicht mehr anders ging, obwohl er die Diagnose schon einige Zeit vor jenem besagten Dienstag bekommen hatte. Ich habe meinen Frieden mit seiner Entscheidung gemacht, aber dieses Gefühl, mir nahestehenden Menschen noch schnell etwas sagen zu müssen, weil es sonst jede Sekunde zu spät sein kann, ist geblieben.</p>
<p>Die stärkste Veränderung aber, die sich am meisten auf mein tägliches Leben ausgewirkt hat, war die Entwicklung einer ausgeprägten Hypochondrie.<br />
Ich hatte immer eine robuste Gesundheit und viel Vertrauen in meinen Körper. Krankheiten habe ich mir nie eingebildet und ich habe auch nie unter Todesangst gelitten. Das änderte sich nach den gemachten Krebserfahrungen. Diese Veränderung setzte erst mit großer zeitlicher Verzögerung nach dem Tod meines Vaters und der Krebsdiagnose meiner Mutter ein, etwa im Frühsommer 2011.<br />
Ein Husten war nicht mehr nur ein Husten, sondern ein fortgeschrittenes Lungenkarzinom.<br />
Eine leichte Konzentrationsschwäche war keine Zerstreutheit, sondern ein irreparabler Gehirntumor.<br />
Eine Unregelmäßigkeit in der Verdauung war Darmkrebs.<br />
Ich war davon überzeugt, dass ich innen drin vollgestopft bin mit Metastasen. Dass ich jeden Krebs habe, den man sich nur vorstellen kann.<br />
Jeden Tag musste ich gegen Panikattacken angehen, musste mir selber laut sagen, dass das alles Blödsinn ist. Ich bin noch nie bei so vielen Ärzten gewesen wie in den Sommermonaten 2011. Hautscreening, Koloskopie, Mammographie, Bluttests, ich habe alles machen lassen. Die Untersuchungen (sie waren natürlich alle negativ) machten es ein bisschen besser und ganz langsam, in winzig kleinen Mauseschrittchen erkämpfte ich mir mein Vertrauen in meinen Körper und meine Gesundheit zurück. Es ist besser, ich habe es im Griff, aber wie früher ist es nie wieder geworden.<br />
Als ich mir letzte Woche einen Magen-Darm-Virus eingefangen habe, lag ich am Dienstag mit Fieber flach. Ich bekomme nie Fieber, nie, und sofort merkte ich wieder, wie diese hässlichen kleinen Trolle aus meiner Kehle heraufkrabbeln, um mir zu sagen, dass ich in 2 Wochen tot bin. Ich habe mittlerweile eine gewisse Routine darin, die Trolle im Zaum zu halten, aber es ist immer Anstrengung, ich muss immer darum kämpfen, keine Todesangst zu bekommen.</p>
<p>Was sich ebenfalls geändert hat, ist die Rückkehr zu mir selbst. Das Aufgeben jeglicher Masken.<br />
Im Angesicht des Todes, wenn einem einer der wichtigsten Menschen entrissen wird und die ganze Welt wie Sand zwischen den Fingern zerrinnt, wird einem die eigene Verletzlichkeit so brachial vor Augen geführt, dass jeder Versuch, den Schmerz zu kaschieren, zum Scheitern verurteilt ist. Ich brach zusammen. Mit allem, was ich davor war und sein wollte. Die kantige Selbstschutzfassade, die ich mit mir herumtrug, klappte zusammen wie ein Kartenhaus. Die Coolness, die Souveränität, das Gefühl, die Kontrolle über mein Leben zu haben, all das löste sich in Rauch auf. Ich habe mich noch nie so nackt und so hilflos gefühlt wie in den Monaten nach diesem doppelten Schicksalschlag. Früher war ich stolz darauf, niemanden zu brauchen, und Menschen um Hilfe zu bitten, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Ich kann alles und ich kann alles alleine, so war das.<br />
Aber nachdem sich meine Welt in einen Albtraum verwandelt hatte, gab es nichts zu vertuschen: ich brauchte. Ich brauchte Menschen so dringend, ihr Verständnis, ihre Anteilnahme, ihre Zuneigung, ihr Verzeihen. Und wenn es überhaupt etwas Gutes an all dem gibt, dann vielleicht das. Ich kann heute Hilfe annehmen, ich mache nicht mehr alles mit mir alleine aus, ich glaube nicht mehr, dass ich niemanden brauche.</p>
<p>Ich brauche und das war vielleicht die beste Lektion in Demut, die mir der Tod meines Vaters beibringen konnte.</p>
<p>Ich habe gelernt, dass Trauer keinen Anfang und kein Ende hat, denn es ist tasächlich wahr: &#8220;Todd bädeittet Verränderruung!&#8221;</p>
 <p><a href="http://www.fraumeike.de/?flattrss_redirect&amp;id=1043&amp;md5=1e942db048a21e901d198c645a8be9b9" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.fraumeike.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Es ist mir eine innere Kontinentaldrift</title>
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		<pubDate>Mon, 20 May 2013 14:09:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Meike</dc:creator>
				<category><![CDATA[Natur]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich bin krank. Seit letzter Woche &#8211; und zum ersten Mal in meinem Leben übrigens &#8211; habe ich wohl so etwas wie eine Magen-Darm-Infektion. Vielleicht ist es auch ein Bandwurm. Oder ein Hybridwesen, das Außerirdische mir mit einer Sonde- schon gut, lassen wir das. Genaueres weiß man erst, wenn ich beim Arzt war. Mit Magen-Darm ist übrigens alles blöd. Wetter blöd. Katzen blöd. Ausflüge blöd. Essen blöd. Internet blöd. Am [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich bin krank. Seit letzter Woche &#8211; und zum ersten Mal in meinem Leben übrigens &#8211; habe ich wohl so etwas wie eine Magen-Darm-Infektion. Vielleicht ist es auch ein Bandwurm. Oder ein Hybridwesen, das Außerirdische mir mit einer Sonde- schon gut, lassen wir das.<br />
Genaueres weiß man erst, wenn ich beim Arzt war.</p>
<p>Mit Magen-Darm ist übrigens alles blöd.<br />
Wetter blöd.<br />
Katzen blöd.<br />
Ausflüge blöd.<br />
Essen blöd.<br />
Internet blöd.<br />
Am allerblödesten ist allerdings, dass ich durchaus mit einem regen Appetit gesegnet bin, mir aber jeden Happen gut überlegen muss, weil er so etwas wie eine innere Kontinentaldrift zur Folge hat, die dann über Stunden an- und mich nachts wachhält und natürlich blöd ist.<br />
Folglich habe ich Hunger, was auch blöd ist.<br />
Sitzen ist auch blöd, klar, wegen Bauch eindrücken.<br />
Liegen natürlich auch, weil ich einfach keine Lust dazu habe, im Bett zu sein.<br />
Tee: na klar, blöd.<br />
Beweisführung abgeschlossen. Wie Sie sehen, ist mit Magen-Darm alles blöd, keine weiteren Fragen, Euer Ehren.<br />
Also. Ich bin hungrig, passionierter Klogänger und, vorsichtig ausgedrückt, ziemlich unleidlich.</p>
<p>Um mich und alle, die meine Magen-Darm-Berichterstattung der letzten Tage etwas, sagen wir mal: einseitig fanden, aufzumuntern, abzulenken, frohlocken zu machen, habe ich heute endlich mal die Babyfüchse verwurstet, die der beste Mann der Welt und ich letzten Sonntag (a.k.a. damals, als ich noch kein Magen-Darm hatte) gesehen haben.</p>
<p>Und bitte.<br />
(Hinweis: Das &#8220;Aaaaww!&#8221; nach Gebrauch bitte in die dafür vorgesehenen Behälter werfen. Danke.)</p>
<p>Ironisch leben ist übrigens völlig überbewertet, weshalb ich freimütig bekenne, dass wir uns spätestens, als aus dem Wald der Gesang eines weiteren Pirols erklang, einfach mit feuchten Augen auf den Boden sinken ließen und uns der Verliebtheit in den Moment hingaben.<br />
So schön.</p>

<a href='http://www.fraumeike.de/2013/es-ist-mir-eine-innere-kontinentaldrift/fuchs1/' title='Babyfüchse'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/fuchs1-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Entfernung ca. 150m." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/es-ist-mir-eine-innere-kontinentaldrift/fuchs2/' title='Babyfüchse'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/fuchs2-e1369058511985-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Beim Anschleichen wurden wir ziemlich schnell entdeckt. Entfernung ca. 100m." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/es-ist-mir-eine-innere-kontinentaldrift/fuchs3/' title='Babyfüchse'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/fuchs3-e1369058442735-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Der Kleine hatte sich dösend zusammengerollt und wachte auf, als wir näherkamen, ca. 50m." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/es-ist-mir-eine-innere-kontinentaldrift/fuchs4/' title='Babyfüchse'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/fuchs4-e1369058365143-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Um uns als echte Bedrohung wahrzunehmen, waren die kleinen Säckchen wohl noch zu klein." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/es-ist-mir-eine-innere-kontinentaldrift/fuchs6/' title='Babyfüchse'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/fuchs6-e1369058266747-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Der hier tauchte plötzlich am Waldesrand auf und bellte uns mit einem allerliebsten &quot;Arr-arr!&quot; kurz an, Entfernung ca. 15m." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/es-ist-mir-eine-innere-kontinentaldrift/fuchs5/' title='Babyfüchse'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/fuchs5-e1369058311707-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Als wir nicht gingen, traut er er sich hervor und schnupperte an einem Schuh herum, der dort lag. Ca. 12m." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/es-ist-mir-eine-innere-kontinentaldrift/fuchs7/' title='Babyfüchse'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/fuchs7-e1369058195996-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Und tat auch sonst sehr angelegentlich herum. Angelegentlich und flauschig. 12m." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/es-ist-mir-eine-innere-kontinentaldrift/fuchs9/' title='Babyfüchse'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/fuchs9-e1369058568466-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Etwas weiter entfernt tauchten dann auch seine Geschwister wieder aus dem Wald auf. Ca. 20m." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/es-ist-mir-eine-innere-kontinentaldrift/fuchs8/' title='Babyfüchse'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/fuchs8-e1369058607814-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Und der warf uns noch einen sehr skeptischen Blick aus dem sicheren Wald heraus zu." /></a>

<p>Oh, ach so: biologische Facts ganz vergessen. Also, Füchse paaren sich im Januar/Februar und werfen dann im März/April etwa 3 bis 5 Jungtiere. Dieser Wurf ist mit 5 also ziemlich ordentlich. Die Mutter haben wir nicht gesehen, vermuten aber, dass sie auf der Jagd war. Aussehen und Laune der Kleinen ließen jedenfalls darauf schließen, dass sie ziemlich gut beieinander waren.</p>
<p>Und unfassbar niedlich waren sie auch.</p>
 <p><a href="http://www.fraumeike.de/?flattrss_redirect&amp;id=1911&amp;md5=3cf563976a9bf4d77bbaec8514068527" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.fraumeike.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<pubDate>Mon, 13 May 2013 12:23:45 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Meike</dc:creator>
				<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Internet]]></category>

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		<description><![CDATA[Als ich heute Morgen das Internet aufschlug, erhob sich ein lautes Jammern und Wehklagen. Das war noch lauter als mein eigenes Wehklagen, in das ich immer ausbreche, wenn ich im Internet ein generisches Femininum oder die Mädchenmannschaft erblicke. Es war das selbstmitleidige Rumgeweine von diversen Online-Nachrichtenmagazinen, die sich bitterlich darüber beklagten, dass ich einen Werbeblocker benutze und damit aller Voraussicht nach alleinverantwortlich dafür sein werde, dass sie ihr Onlineangebot zeitnah [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Als ich heute Morgen das Internet aufschlug, erhob sich ein lautes Jammern und Wehklagen. Das war noch lauter als mein eigenes Wehklagen, in das ich immer ausbreche, wenn ich im Internet ein generisches Femininum oder die Mädchenmannschaft erblicke.<br />
Es war das selbstmitleidige Rumgeweine von diversen Online-Nachrichtenmagazinen, die sich bitterlich darüber beklagten, dass ich einen Werbeblocker benutze und damit aller Voraussicht nach alleinverantwortlich dafür sein werde, dass sie ihr Onlineangebot zeitnah aufgeben müssen.</p>
<p>Dazu möchte ich zunächst folgendes festhalten:<br />
Eher sterbe ich an einem Herzinfarkt und verfaule mit größtmöglicher Geruchsbelästigung vor meinem Computer sitzend, als dass ich meinen Werbeblocker ausschalte.</p>
<p>Denn Werbung ist in 100% der Fälle Lüge. Werbung ist in 100% der Fälle Manipulation. Werbung degradiert Menschen in 100% der Fälle zu Geldvieh. Werbung vermittelt in 100% der Fälle falsche Bilder, Werte und Erwartungen. Und selbst Werbung, bei der wir sagen &#8220;Oh, die ist aber witzig und originell, so lass ich mir Werbung gerne gefallen&#8221; ist immer noch in 100% der Fälle Mitverursacher des Untergangs des Abendlandes, weil wegen siehe oben.<br />
Werbung wurde dafür erfunden, Menschen zu manipulieren. </p>
<p>Und nur für den Fall, dass noch nicht ganz genau klargeworden ist, was ich damit sagen will: ich hasse Werbung.<br />
(Ich entschuldige mich hiermit ganz formvollendet bei denjenigen meiner Sozialkontakte, die Werber waren, sind oder werden möchten, Ihr wisst, ich schätze Euch sehr, aber es bleibt dabei: Werbung ist für mich wie Brechdurchfall mit Schmerzen und Fieber.)</p>
<p>Bei Werbung im Fernsehen schalte ich um (das Privatfernsehen hat vor der Werbeunterbrechung übrigens noch nie gesagt &#8220;Bitte, gehen Sie jetzt nicht auf Klo, sondern bleiben Sie bis zum Ende der Werbeunterbrechung auf Ihren Sitzen!&#8221;).<br />
Bei Werbung in Zeitschriften überblättere ich die Seite/n (da stand auch noch nie &#8220;Achtung, auf der nächsten Seite kommt eine großformatige Anzeige. Bitte schauen Sie sich diese genau an!&#8221;).<br />
Und Werbung im Internet blocke ich eben weg. Denn neben der grundsätzlichen Pestilenzartigkeit von Werbung im Allgemeinen kommt bei Werbung in Onlinemagazinen noch dies hinzu: ICH KANN NICHT LESEN, WENN SICH DA AN DER SEITE IMMER ETWAS BEWEGT!</p>
<p>Selbst die dezenteste Werbung beinhaltet Bewegung, in Form von Filmen zum Beispiel oder als Schrift und andere Elemente, die eingeblendet werden. Nun verhält es sich so, dass ich leichter abzulenken bin als ein junges Kätzchen. Und wenn ich gerade einen wichtigen Artikel lese, der meine Konzentration erfordert, und rechts daneben blendet etwas hin und her als könnt&#8217; sich&#8217;s nicht entscheiden, dann kann ich nicht IN RUHE lesen! Liebes Bisschen, manche Magazine bauen die Werbefenster sogar IN den Textfluss des Artikels ein! Mir fällt keine einzige Methode ein, wie man es noch störender und ablenkender machen kann.<br />
Hinzu kommt die oft sehr ausladende Werbungsgestaltung, die es nötig macht, erstmal sieben Meter inhaltsleere (vulgo: werbevolle) Bereiche hinwegzuscrollen, um zum eigentlichen Inhalt zu gelangen. Hier hat ein &#8211; haha! &#8211; Werber mal das <a href="http://www.dh2publishing.info/Blogged/2013/05/ohne-adblock-design-desaster/" title="Auf zum Design-Dilemma!" target="_blank">Design-Dilemma von Werbung auf Internetseiten</a> eindrucksvoll dokumentiert.</p>
<p>Und, liebe Onlinemagazine, Ihr merkt es selbst: wenn ich Eure Artikel erst suchen muss und sie dann noch nicht einmal IN RUHE lesen kann, dann muss ich mir schon irgendwelche flauschigen Sympathiegründe ausdenken, um Euer Onlinemagazin ÜBERHAUPT zu besuchen.</p>
<p>Ich verstehe, dass Onlinemagazine sich finanzieren müssen und möglicherweise wurde all das, was ich jetzt sage, schon ausprobiert und als (unrealistischer) Käse verworfen. Aber. Ich lasse mir nicht gerne unterstellen, ich sei Teil der Gratiskultur, der Kostenlosmentalität, der Umsonsthabenwoller. Erst recht lasse ich mir das nicht unterstellen, wenn die Unterstellung als Begründung benutzt wird, warum ich mich jetzt durch diese ganze blinkende Werbungsscheiße zu quälen habe.</p>
<p>Ich bezahle für alles, was mir gut und sinnvoll erscheint. Für Bildlizenzen, für Programme, für Schriftarten, für Onlineartikel, für Lieder, für Filme, für Computerspiele, für Apps, für freiwillige Spenden. </p>
<p>Liebe Onlinemagazine, die ich zum Teil seit Jahren lese oder gelesen habe:<br />
Ihr habt in all der Zeit noch nie versucht, auch nur einen Cent Geld von mir für Euer Onlineangebot zu bekommen.<br />
Ihr habt mir noch nie ein Online-Abo angeboten für X Euro im Monat, bei dem ich dann erfrischt und konzentriert auf einer aufgeräumten, werbefreien Website surfen und alles IN RUHE lesen kann.<br />
Ihr habt mir noch nie die schnelle und unkomplizierte Möglichkeit einer Onlinespende geboten, mit der ich für Teile Eures Angebotes oder auch das große Ganze bezahlen kann.<br />
Ihr habt noch nie einen Flattr-Button unter die Artikel gesetzt oder eine freiwillige Bezahlschranke eingebaut, wie das die TAZ tut. (Ich weiß, dass Flattr nicht ausreicht, um etwas zu finanzieren, das über eine Flasche Wein hinausgeht, aber es ist ein Anfang.)<br />
Ihr habt mich nicht ein einziges Mal gefragt, ob ich Euer Angebot gratis oder gegen Geld nutzen möchte, Ihr habt es mir <em><strong>einfach gratis vorgesetzt</strong></em>!</p>
<p>Mir jetzt die Ohren vollzujammern, dass ich nichts bezahle und Ihr deshalb das Internet mit Werbung vollkleistern müsst, die ich mir bitte ansehen soll, ist grotesk.</p>
<p>Ich würde zur TAZ wechseln, wenn die mir nicht zu seltsam wäre.<br />
Aber vielleicht fange ich einfach mal damit an, mir jeden Morgen eine Zeitung am Kiosk um die Ecke zu &#8211; Achtung, hier jetzt gut aufpassen! &#8211; <em>kaufen</em>. So richtig. Mit Geld. </p>
<p>Guter Journalismus, Journalismus von Journalisten also, die mich jeden Tag auch unter schwierigen Bedingungen und z.T. Einsatz ihres Lebens objektiv, unabhängig und seriös über die Vorgänge in dieser Welt informieren, ist mir nämlich einiges Wert.<br />
Und ich kenne eine ganze Menge Leute, die das ganz ähnlich sehen.</p>
<p><strong><u>Update</u></strong></p>
<p>Eine kleine, sehr unvollständige Linksammlung zum Thema:</p>
<ul>
<li>Christian Zimmer hat sich <a href="http://chriszim.com/2013/warum-wir-adblocker-nutzen" title="Auf zur Werbungsanalyse von Christian Zimmer!" target="_blank">mal etwas genauer angeschaut</a>, was und wie viel an Werbung den Lesern der jammernden Nachrichtenmagazine vorgesetzt wird. Beeindruckend, könnte man sagen, wenn man Werbung nicht so hassen würde.</li>
<li>Thomas Knüwer macht das WIE der Werbung Bauchschmerzen und <a href="http://www.indiskretionehrensache.de/2013/05/ad-blocker-verlage/" title="Auf zu Thomas Knüwers Anmerkungen!" target="_blank">möchte etwas weniger Störendes</a>.</li>
<li>Golem gibt u.a. <a href="http://www.golem.de/news/in-eigener-sache-bitte-schalte-deinen-adblocker-aus-1305-98523.html" title="Auf zu Golem, wo nur bestimmte Werbung erlaubt ist." target="_blank">Einblick in seine Richtlinien</a> zur Werbungsgestaltung und sagt, was alles nicht darf. Sehr löblich, dass es überhaupt Einschränkungen gibt, aber mir ist das, was Golem erlaubt, immer noch zu nervig.</li>
</ul>
 <p><a href="http://www.fraumeike.de/?flattrss_redirect&amp;id=1884&amp;md5=44bad1021c05ef5707cc2c6f3c16140d" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.fraumeike.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Nachts sind alle Geräusche bunt</title>
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		<pubDate>Tue, 07 May 2013 09:00:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Meike</dc:creator>
				<category><![CDATA[Natur]]></category>

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		<description><![CDATA[Nacht ist ja mein Ding. Ich liebe Nacht. Früher, als ich noch alleine war, habe ich oft Spaziergänge gemacht, kleine Streifzüge durch&#8217;s Viertel, immer nachts. Nacht in der Stadt, das ist angenehm. Die Wege sind frei, keine Deppen (gerne auch mit Kinderwagen) bleiben an der engsten Stelle des Gehwegs stehen, um Schwätzchen zu halten, niemand quatscht einen an, wo es zum Bahnhof geht, und &#8211; ach! &#8211; es geht in [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Nacht ist ja mein Ding. Ich liebe Nacht. Früher, als ich noch alleine war, habe ich oft Spaziergänge gemacht, kleine Streifzüge durch&#8217;s Viertel, immer nachts. Nacht in der Stadt, das ist angenehm. Die Wege sind frei, keine Deppen (gerne auch mit Kinderwagen) bleiben an der engsten Stelle des Gehwegs stehen, um Schwätzchen zu halten, niemand quatscht einen an, wo es zum Bahnhof geht, und &#8211; ach! &#8211; es geht in der Nacht so wunderbar leise zu.<br />
Kurzum: nachts sind die Menschen einfach ein Tickchen weniger blöd. In erster Linie, weil sie zuhause bleiben.</p>
<p>Als also am Sonntag der beste Mann von allen eine Nachtwanderung in die Natur vorschlug, war ich sofort in Ekstase. Wir beschlossen, an die <a title="Auf zu den Linumer Teichen!" href="http://www.bfn.de/0323_aba_id006.html" target="_blank">Linumer Teiche</a> zu fahren, nordwestlich von Berlin. Die Teiche sind umgeben von ausgedehnten Weide- und Ackerflächen, die regelmäßig von Knicks und kleineren Kanälen durchzogen sind. Insgesamt eher offenes und gut einsehbares Gelände, was mir für unsere erste Nachtwanderung überhaupt ganz angemessen erschien. Man weiß ja nicht, welche Monster nachts unter den Betten der Natur hervorkriechen.<br />
Wir stellten unser Auto gegen 21 Uhr in Linum ab, eine Nachtigall schrie uns an, woraufhin ich sie erschoss. Dies mag zunächst nicht weiter spektakulär erscheinen, aber Nachtigallen sind ziemlich lichtscheues Gesindel und unauffällig noch dazu, es war also für mich das erste Mal, dass ich einer so nahe kam.</p>
<p>(Was jezt folgt, ist übrigens die Parade der verwackelten Fotos, denn ich habe zwar eine gute Kamera, weiß aber nicht, wie man sie richtig bedient, weshalb bei einbrechender Dunkelheit dann also nur Verschwommenes herauskommt. Sei&#8217;s drum.)</p>
<p><a class="cboxElement" title="Nachtigall" href="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/2013-05-05-20.11.58.jpg" rel="gallery1"><img class="size-medium wp-image-1801" title="Nachtigall" alt="Sie hätte sich wirklich eine hübschere Joppe übertun können!" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/2013-05-05-20.11.58-449x449.jpg" width="449" height="449" /></a></p>
<p>Im nächsten Moment fiel eine wüste Abendstimmung über uns her, komplett mit Rosa und Kühen.</p>

<a href='http://www.fraumeike.de/2013/nachts-sind-alle-geraeusche-bunt/2013-05-06-12-19-05/' title='Abend'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/2013-05-06-12.19.05-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Alt: Abendstimmung" /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/nachts-sind-alle-geraeusche-bunt/2013-05-05-20-22-12/' title='Kuh'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/2013-05-05-20.22.12-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Ich will Kühe!" /></a>

<p>Wir ließen uns davon nicht beirren und folgten einem Geräusch, das wir schon beim Aussteigen aus dem Auto bemerkt hatten. Ein hohes, eintöniges Summen, wie eine weit entfernte Autobahn oder ein riesiger Schwarm Fliegen. Beim letzten Tageslicht führte uns das Geräusch etwa zwei Kilometer weiter schließlich an einen kleinen Teich mit dichten Schilfgras. Hier bekam das Summen Konturen und wurde zu einem vielstimmigen Chor von Irgendwassen. Vielstimmig wie in &#8220;Hunderte!&#8221; Der See war förmlich übersät mit dem Summen, das jetzt als einzelne Rufe erkennbar war.<br />
Da wir von der gegenüberliegenden Uferseite ein Rohrdommel-Männchen hören konnten, tippten wir auf nistende Weibchen oder fordernde Küken (MEIN GOTT, MEIN BIOLOGIESTUDIUM IST 12 JAHRE HER!). Zehn Minuten standen wir herum, machten Tonaufnahmen und ich versuchte im letzten Tageslicht, noch etwas zu fotografieren. Als das nicht ging, suchten wir das Ufer mit Taschenlampen ab, aber wir konnten keinen endeutigen Verursacher ausmachen. Unverrichteter Dinge zogen wir also weiter, grimmig entschlossen, später zuhause das ganze Internet nach diesem Geräusch zu durchgoogeln, bis wir wissen, was es war.</p>
<p>Später auf dem Rückweg, es war mittlerweile ganz dunkel, war das Geräusch immer noch da und einem gnädigen Schicksal ist es vermutlich zu verdanken, dass wir diesmal über die 1 Meter mal 1 Meter große Hinweistafel stolperten, die das Gewässer als Unkenteich, als Reproduktionszentrum für Rotbauchunken gar auswies.<br />
Ja, es war uns peinlich.</p>
<p><strong>Und bitte:</strong><br />
<a href="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/20130505-211537.mp3">Rotbauchunken</a></p>
<p>(Ganz am Anfang hört man zweimal, bei Sekunde 2 und 5, das dumpfe Hupen eines Rohrdommel-Männchens, leider nur leise und kurz, aber diese tiefen Töne, die man bisweile eher spürt als hört, waren den ganzen Abend über hörbar, mal lauter, mal leiser, aus verschiedenen Richtungen.<br />
Im Hintergrund zentnerweise Nachtigallen und etwa in der Mitte ein Rohrschwirl mit seinem monotonen Schnarren.)</p>
<p>Im Ernst, Dunkelheit ist toll. Man hört Dinge, die man nie zuvor (a.k.a. tagsüber) gehört hat. Zum Einen, weil es manche Geräusche nicht im Hellen gibt, zum Anderen, weil das Gehör im Dunkeln so dermaßen geschärft ist, dass einem nichts entgeht (und wir erinnern uns, dass es sowieso <a title="Zum Blogartikel 'Grundeinstellung: gestresst.'" href="http://www.fraumeike.de/2012/grundeinstellung-gestresst/">nicht zu meinen größten Problemen gehört</a>, <i>zu wenig</i> zu hören).</p>
<p>Nacht am See ist ein akustisches Kaleidoskop: verwirrend, ein bisschen unheimlich und wunderschön.<br />
Die Fledermäuse fliegen so dicht vorbei, dass man das Flattern ihrer ledrigen Flügel hören kann. Jede Maus, jeder Frosch und jede Ringelnatter hinterlässt einen akustischen Abdruck im Gras. Die Tagvögel in den Bäumen schnattern leise, weil sie aus dem Schlaf aufschrecken. In der Ferne tröten die Kraniche noch eine Weile unter der Bettdecke, bevor sie schlafen gehen, und Fische zerwühlen hin und wieder die Wasseroberfläche.</p>
<p>Die visuellen Eindrücke so einer Nacht sind dagegen fast vernachlässigbar, weil meine Augen schon im Hellen eine Schande für ihre Zunft sind, im Dunkeln aber bekommt mein Sehvermögen etwas, sagen wir: Symbolisches.</p>
<p>Zweimal sahen wir Augen über der Wiese leuchten, einmal entpuppten sich diese als zu einem Steinmarder gehörig, der ein paar Meter parallel zu uns am Wegesrand entlanghoppelte, an einem kleinen Häuschen hielt, sich aufrichtete und dann im Dunkel verschwand, als wollte er den Batman-Gedächtnispreis abgreifen.<br />
Ein Igel, noch schlank vom Winter, kreuzte schließlich unseren Weg, um seinen Igel-Angelegenheiten nachzugehen.</p>

<a href='http://www.fraumeike.de/2013/nachts-sind-alle-geraeusche-bunt/2013-05-05-21-40-18/' title='Augen'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/2013-05-05-21.40.18-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Diesen Augen konnte kein Besitzer zugehordnet werden." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/nachts-sind-alle-geraeusche-bunt/2013-05-06-12-15-24/' title='Igel'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/2013-05-06-12.15.24-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Igel bei Igelangelegenheiten." /></a>

<p>Auf der Dorfstraße nahmen dann einige Dorfbewohner unsere Verfolgung auf, was mich nicht unbedingt mit Frohlocken erfüllte. Ich war angespannt, vor Menschen war ich schließlich in die Wildnis geflüchtet. Die drei Männer hielten Abstand, blieben aber in der Nähe, als wir in einen der Schilfpfade abbogen. Mit dem besten Mann von allen sprach ich kurz die Optionen durch, falls die beschließen würden, unangenehm zu werden. Als wir schließlich wegen fortschreitender Kälte wieder zurückgehen mussten, mussten wir die Männer passieren und wieder kamen sie uns hinterher.<br />
Als wir den Igel mit Blitz fotografierten und die Männer uns zuriefen, wir sollten ihn nicht blenden, wurde uns klar: WIR waren die Bösen, nicht sie. Vermutlich hatten sie uns gesehen &#8211; beide in Schwarz gekleidet, beide mit Glatze, beide mit Taschenlampe &#8211; und wegen fortgesetzter Verdächtigkeit unsere Überwachung eingeleitet.</p>
<p>Hier, aber Nacht ist toll. Ganz im Ernst.</p>
<p><a title="Schilfgras-Dekoration" href="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/2013-05-05-21.15.18-e1367846177773.jpg" rel="gallery1"><img class="alignnone size-medium wp-image-1803" alt="Schilfgras-Dekoration" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/2013-05-05-21.15.18-449x449.jpg" width="449" height="449" /></a></p>
<p>Ach ja, Samstag waren wir auch in der Natur und haben dort einen Pirol erst gehört, dann gesehen. Ich musste weinen und ein bisschen schwarz wurde mir auch vor Augen.</p>
<p>Ein Pirol!</p>
<p>In unsere Tonaufnahme von dem exotisch anmutenden, wunderschönen und unverwechselbaren Gesang quatschten leider so viele andere Vögel rein, dass ich hier der Einfachheit halber auf die <a title="Auf zum Pirol im Soundarchiv!" href="http://www.soundarchiv.com/Geraeusche/Download/1110/Pirol_Gesang" target="_blank">Pirolstimme im Soundarchiv</a> verlinke.</p>
<p><a href="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/2013-05-04pirol_klein.jpg" rel="lightbox"><img class="alignnone size-medium wp-image-1860" alt="Eindeutig ein Kandidat für den Unschärfepreis 2013, aber immerhin." src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/2013-05-04pirol_klein-449x449.jpg" width="449" height="449" /></a></p>
<p>KREISCH, EIN PIROL!</p>
 <p><a href="http://www.fraumeike.de/?flattrss_redirect&amp;id=1800&amp;md5=0f80825f19efca2459427fcf1671e1d8" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.fraumeike.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Ah und Oh und ganz viel Demut</title>
		<link>http://www.fraumeike.de/2013/ah-und-oh-und-ganz-viel-demut/</link>
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		<pubDate>Thu, 25 Apr 2013 13:29:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Meike</dc:creator>
				<category><![CDATA[Natur]]></category>

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		<description><![CDATA[Ich erwähnte wohl schon, dass es für mich mitunter sehr anstrengend ist, unter Menschen zu sein. Menschliches Verhalten ist mir manchmal rätselhaft, manchmal unheimlich und ziemlich oft ziemlich zuwider. Allein schon, dass Menschen andere Menschen anlügen und es Höflichkeit nennen. Jemand fragt &#8220;Wie findest Du das, was ich gemacht habe?&#8221; oder &#8220;Möchtest Du mit mir eine Beziehung haben?&#8221; und schon fangen sie an, sich zu winden wie die Würmer, nur [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Ich <a title="Zum Blogartikel 'Der Unglückskomplex'" href="http://www.fraumeike.de/2012/der-unglueckskomplex/">erwähnte </a>wohl <a title="Zum Blogartikel 'Grundeinstellung: gestresst.'" href="http://www.fraumeike.de/2012/grundeinstellung-gestresst/">schon</a>, dass es für mich mitunter sehr anstrengend ist, unter Menschen zu sein. Menschliches Verhalten ist mir manchmal rätselhaft, manchmal unheimlich und ziemlich oft ziemlich zuwider.</p>
<p>Allein schon, dass Menschen andere Menschen anlügen und es Höflichkeit nennen. Jemand fragt &#8220;Wie findest Du das, was ich gemacht habe?&#8221; oder &#8220;Möchtest Du mit mir eine Beziehung haben?&#8221; und schon fangen sie an, sich zu winden wie die Würmer, nur um nicht die Wahrheit über ihre Empfindung sagen zu müssen. Ich verstehe das nicht, ich kann mir das nicht erklären. Wenn ich jemanden frage, möchte ich immer die Wahrheit hören, und wenn jemand mich fragt, möchte ich immer die Wahrheit sagen. Bei allem anderen fühle ich mich verarscht, in die eine wie in die andere Richtung.</p>
<p>Und dann müssen diese Menschen natürlich immer laut sein, immer! Sie schreien, sie gröhlen (am liebsten betrunken), sie gackern, sie plappern, sie bewegen sich laut, sie kreischen, sie lachen, sie hören laute Musik, sie fahren laute Motorräder und lassen sie extralaut aufheulen, wahrscheinlich schlafen diese Menschen auch laut.<br />
Ob die nicht einfach mal alle auf einen Schlag die Fresse halten können, frag ich mich da. Ruhig sein, schauen, staunen, zuhören, nachdenken, die Stille aushalten &#8211; einfach mal fucking leise sein.</p>
<p>Um es kurz zu machen: sie können es nicht.</p>
<p>Ach, die Geschichte der Menschen ist eine Geschichte voller Ärgernisse für mich. Weshalb ich ihnen lieber aus dem Weg gehe. Am liebsten in die Wildnis. Klar, Wildnis, das ist Dreck, das ist Unordnung, das sind Stechinsekten, da gehen die Menschen nicht freiwillig hin.<br />
Umso besser: bleibt mehr für mich übrig! In der Natur wird für mich aus Chaos Ordnung, aus Dissonanz Harmonie, aus Lärm Ruhe.</p>
<p>Im Sommer machen der beste Mann und ich so oft es geht Ausflüge in die Natur. Meist haben wir ein kleines Picknick dabei, das wir dann irgendwo auf einem umgefallenen Baum oder so einnehmen, der Wind weht uns dabei um die Nase und ein oder zwei Stechinsekten sicherlich auch.<br />
Weil wir bei diesen mehrstündigen Wanderungen immer schrecklich viel lernen und noch mehr sehen, dokumentiere ich unsere Ausflüge ab sofort hier. Wann, wohin, mit Fotos und &#8211; soweit wir es bestimmen konnten &#8211; was darauf zu sehen ist. </p>
<p>Damit Sie auch mal was lernen, ist ja nicht mehr auszuhalten mit Ihnen, wie wollen Sie denn überhaupt das Bio-Abi schaffen usw. usf.</p>
<p>Den Anfang machen zwei Ausflüge in der letzten Woche. Der erste in die Döberitzer Heide bei Potsdam, der andere in den Grumsiner Forst zwischen Eberswalde und Angermünde.<br />
Und dies kam dabei heraus:</p>
<p>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/ah-und-oh-und-ganz-viel-demut/feldsandlaufkaefer2_042013/' title='Feld-Sandlaufkäfer'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/feldsandlaufkaefer2_042013-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Die Sandlaufkäfer sind alle ziemlich schnell und ziemlich hübsch und ziemlich beeindruckend, aber der Feld-Sandläufer (Cicindela campestris) ist der Grünste unter ihnen." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/ah-und-oh-und-ganz-viel-demut/feldsandlaufkaefer_042013/' title='Feld-Sandlaufkäfer'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/feldsandlaufkaefer_042013-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Im eintönigen Laubbraun springt einem das schillernde Grün förmlich ins Auge." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/ah-und-oh-und-ganz-viel-demut/dachs3_042013/' title='Dachsspur'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/dachs3_042013-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Spur eines Dachses, gut erkennbar die Abdrücke der langen Krallen rechts.  *)" /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/ah-und-oh-und-ganz-viel-demut/dachs2_042013/' title='Dachsspur'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/dachs2_042013-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Auch hier haben sich die langen Krallen deutlich in den Schlamm gedrückt. *)" /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/ah-und-oh-und-ganz-viel-demut/dachs1_042013/' title='Dachsspur'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/dachs1_042013-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Hier sind besonders die klar abgrenzbaren Fingerballen und &#039;Querformat&#039; des Abdrucks gut zu erkennen. *)" /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/ah-und-oh-und-ganz-viel-demut/waschbaer_082012/' title='Waschbärspur'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/waschbaer_082012-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Von einem früheren Ausflug zum Moorgebiet Plagefenn im Biosphärenreservat Schorfheide-Chorin im August 2012 stammten diese knusperfrischen Waschbärspuren." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/ah-und-oh-und-ganz-viel-demut/biberpartey2_042013/' title='Biberbau'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/biberpartey2_042013-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Ein Biberbau, rund um den See im Grumsiner Forst haben wir drei davon entdeckt." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/ah-und-oh-und-ganz-viel-demut/biberpartey_042013/' title='Biber-Fiesta'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/biberpartey_042013-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Wir waren erst nicht sicher, ob es sich bei dem vorigen Bild wirklich um einen Biberbau handelt, aber diese Nagestelle und zahlreiche gefällte Bäume brachten Gewissheit." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/ah-und-oh-und-ganz-viel-demut/zitronenfalter_042013/' title='Zitronenfalter Matrix-Style'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/zitronenfalter_042013-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Der Mann hat einen Zitronenfalter im Flug erwischt, hurra!" /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/ah-und-oh-und-ganz-viel-demut/storch_042013/' title='Der Storch und der Rabe'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/storch_042013-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Storch auf einem Feld nahe dem Dörfchen Fahrland südlich der Döberitzer Heide. Im Hintergrund ein Rabe." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/ah-und-oh-und-ganz-viel-demut/waldeidechse_042013/' title='Waldeidechse'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/waldeidechse_042013-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Waldeidechsen (Lacerta vivipara) sehen wir eigentlich auf jedem Naturspaziergang. Sie sind scheu und gut getarnt, aber wenn man still ist und gut hinschaut, sieht man sie." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/ah-und-oh-und-ganz-viel-demut/mueckenlarven_042013/' title='Mückenlarven'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/mueckenlarven_042013-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Hurra, die zukünftige Generation Stechinsekten." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/ah-und-oh-und-ganz-viel-demut/raben_042013/' title='Kolkraben'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/raben_042013-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Raben waren lange ziemlich selten in Deutschland und ich freue mich immer, wenn wir welche sehen." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/ah-und-oh-und-ganz-viel-demut/leberbluemchen_042013/' title='Leberblümchen'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/leberbluemchen_042013-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="In Botanik war ich während meines Biologiestudiums ja nicht da oder habe mir zumindest große Mühe gegeben, alles wieder zu vergessen. Deshalb mussich nachschlagen, wenn wir mal eine hübsche Blume sehen. Voila: Leberblümchen (Hepatica nobilis)" /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/ah-und-oh-und-ganz-viel-demut/idylle2_042013/' title='Picknickstelle'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/idylle2_042013-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Zu unserer Linken fand sich ein weiterer Biberbau, in dessen Nähe wir Bisamratten bei der Paarung **) belauschen konnten, wir Schweine." /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/ah-und-oh-und-ganz-viel-demut/idylle_042013/' title='Idylle'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/idylle_042013-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="Ein Teil des Bibersees mit Idylle zum Ausrasten." /></a>
<br />
<br style="clear:both;" /></p>
<p>*) Disclaimer: Ich bin ziemlich fast genau 100%ig sicher, dass es Dachsspuren sind, aber nicht frei von Fehl und Tadel. Wenn es jemand besser weiß und belegen kann, möge er sprechen oder für immer schweigen.<br />
Anfangs hatte ich noch Zweifel, ob das wirklich von Dachsen stammte, aber <a title="Auf zu den Trittsiegeln von Dachsen!" href="http://www.dassenwerkgroepbrabant.nl/deutsch/trittsiegel_dachs.html" target="_blank">alle Merkmale</a> passen: sehr breite, fast querformatige Spur, deutlich abgrenzbare Fingerballen, sehr lange Krallen, die sich mal mehr, mal weniger deutlich eingedrücken, und Tritt in die eigene Spur, wodurch viele Spuren direkt auf- oder zumindest sehr dicht nebeneinander lagen. Der ganze Wald wimmelte nur so von diesen Spuren, die sich häufig auf Wegen fanden. Freundlicherweise hatte es in den Tagen zuvor geregnet, so dass viele der Spuren sehr gut zu erkennen waren.</p>
<p>**) <a href="http://www.soundarchiv.com/Geraeusche/Download/253/Bisamratte_drei_Tiere_eines_lautgebend" title="Bisamratten-Sex, geil!" target="_blank">Bitteschön</a>. </p>
 <p><a href="http://www.fraumeike.de/?flattrss_redirect&amp;id=1754&amp;md5=b05530232b580a2d365a57f7ac80bb2b" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.fraumeike.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Restricted Area</title>
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		<pubDate>Sun, 07 Apr 2013 16:02:19 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Meike</dc:creator>
				<category><![CDATA[Entscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Komplexe]]></category>
		<category><![CDATA[Seltsam]]></category>

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		<description><![CDATA[Die letzten Wochen waren schwierig. Begonnen hat alles mit &#8220;Das Schreien der Lämmer&#8220;, dann ging es weiter mit dem Petitionswahn bei Facebook und wurde schließlich abgerundet von den Recherchen zu meinem Buch, die alles andere verblassen ließen. Hinzu kam die berufliche Richtungslosigkeit. Ja, ich schreibe ein Buch, aber ich bin keine Schriftstellerin. In Deutschland hat man etwas zu sein. Hallo, ich heiße Meike und bin Hm-hm-hm. In Wirklichkeit bin ich [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Die letzten Wochen waren schwierig.<br />
Begonnen hat alles mit &#8220;<a href="http://www.fraumeike.de/2013/das-schreien-der-laemmer/" title="Zum Blogartikel 'Das Schreien der Lämmer'">Das Schreien der Lämmer</a>&#8220;, dann ging es weiter mit dem <a href="http://www.fraumeike.de/2013/petitionen-im-dutzend-billiger/" title="Zum Blogartikel 'Petitionen, im Dutzend billiger!'">Petitionswahn</a> bei Facebook und wurde schließlich abgerundet von den Recherchen zu meinem Buch, <a href="http://www.fraumeike.de/2013/phantomschmerz/" title="Zum Blogartikel 'Phantomschmerz.'">die alles andere verblassen ließen</a>.<br />
Hinzu kam die berufliche Richtungslosigkeit. Ja, ich schreibe ein Buch, aber ich bin keine Schriftstellerin. In Deutschland hat man etwas zu sein. Hallo, ich heiße Meike und bin Hm-hm-hm. In Wirklichkeit bin ich nichts, erst recht nichts richtig.<br />
Früher war ich richtig Biologin (angestellt), danach war ich richtig Webdesignerin (selbstständig). Dann brüllte mein Bauch auf mich ein, dass ich ja wohl bittschön keine Webdesignerin mehr sein könne. Und jetzt bin ich nichts mehr.<br />
Mehr als fünf Jahre kann ich offenbar nicht demselben Beruf nachgehen, ohne Atemnot zu bekommen. Wie kann man das machen, x Jahre immer dasselbe? Jeden Tag der gleiche Ablauf. Die gleichen Probleme mit wechselnden Protagonisten. Ich kann das nicht. Ich brauche das Neue, immer wieder. Ich brauche das Gefühl, mich selbst neu zu erfinden. Ich brauche auch das Gefühl, Kontrolle über mein Leben zu haben. Einfluss zu nehmen auf die Sachen, die mir nicht schmecken. Ich <em>will</em> das nicht hinnehmen.</p>
<p>Eine Komfortzone ist die wichtigste Voraussetzung für solche Schritte. Ein geheimer, innerer Bereich, in dem ich mich wohl und sicher fühle und unantastbar in meinen Entscheidungen.<br />
In den letzten Wochen habe ich meinen inneren Elfenbeinturm verloren. Nach den vielen Interaktionen mit den vielen Internetmenschen musste ich mir eines eingestehen: ich habe alle und alles viel zu dicht an mich herangelassen. Die Petitionsposter, die Feministen, die Gutmenschen und natürlich die vielen Idioten, die diese Welt so bevölkern. Ich konnte die Glaswand, die mich von ihnen trennt, und die dazu führt, dass ich mir nicht alles zu Herzen nehme, dass ich nicht über alles wütend werde und über Dinge hinwegsehen kann, nicht mehr aufrecht erhalten. Es gibt viele Dinge auf der Welt, die mich wütend machen, und ich habe diese Dinge in der Vergangenheit gemieden, weil mich nichts so auslaugt wie meine eigene Wut. Nun ist es aber so, dass ich in meinen Timelines viele Menschen habe, die sich bevorzugt ausgerechnet mit den Themen beschäftigen, die mich wütend machen.<br />
Wie es dazu gekommen ist, weiß ich gar nicht, die Filter-Bubble ist in meinem Fall jedenfalls ein Mythos. Ich bin nicht umgeben von Menschen, die die Welt ähnlich sehen wie ich, sondern es ist genau umgekehrt. Das geht eine Zeit lang gut, aber auf Dauer löst es die gesunde und nötige Distanz, die ich dazu habe und brauche, auf wie Schwefelsäure eine Plastikpuppe. Denn das ist nicht die &#8211; tirili! &#8211; bunte Welt der Meinungsvielfalt, sondern ein Konzentrat aus Dissenzen, ein Destillat aus Gegensätzen. Und wenn es mir an irgendetwas nicht gemangelt hat in meinem Leben, dann an dem Gefühl, ein ständiger Gegensatz zu allem und allen zu sein.</p>
<p>Ich ertrage das einfach nicht mehr, wenn pro Tag gefühlt zehn feministische Artikel (erweiter: 10 Artikel über Genderthemen) in meine Timeline gespült werden, 70% der feministischen Forderungen (erweitere: 100% der Genderthemen) mich aber mit Fremdscham und Wut erfüllen. Ich ertrage es nicht mehr, wenn der 20. Weltverbesserer mir erzählt, wie schlimm es um die Welt steht und ich wohl ein verlogener, oberflächlicher Kapitalist sein muss, wenn ich nicht ab sofort nur noch von Grünkernbratlingen lebe und Schuhe aus Biobaumwolle mit Sohlen aus Naturkautschuk trage. </p>
<p>In den letzten Wochen habe ich pro Tag maximal fünf Minuten in die sozialen Medien hineingeschaut. Ich dachte, das hilft mir, meine Distanz wiederzufinden. Eine Weile zurückziehen. Aber wie der Zufall so will, tickerten immer (!) genau in den fünf Minuten (!) irgendwelche Beiträge aus obigen Themenbereichen über meinen Bildschirm und ich war sofort (!) wieder mit Wut erfüllt.<br />
Ich kann das nicht mehr.</p>
<p>Ich brauche meinen Elfenbeinturm, einen soliden, ruhigen Rückzugsort, an dem nicht alles Krieg und Hitler ist. Einen Ort, von dem aus ich Entscheidungen treffen und der Welt mit der nötigen Gelassenheit entgegentreten kann. Ein Ort, an dem ich mich selber kenne und noch wichtiger: mich selber mag. Ich kann eine Menge Unfrieden aushalten, ich bin cholerisch und aufbrausend, aber wenn ich immerzu wütend bin, mag ich mich nicht mehr. Die Welt wird zu einem echten Höllenloch, wenn man sich selber nicht mag. Dass ich mit meinen 38 Jahren fröhlich vor mich hinaltere und mein Körper sich jeden Tag verändert, ist bei dem Versuch, mich kennenzulernen, nicht eben hilfreich.</p>
<p>Ich brauche einen neuen Blick auf die Welt und einen neuen Blick auf mich.<br />
Und dazu brauche ich Brüche. Brüche mit Altem, Brüche mit Kontakten, Brüche mit Traditionen.<br />
Und Ruhe brauche ich auch. </p>
<p>Damit ich wieder sagen kann &#8220;Ich heiße Meike und ich bin so&#8221;.</p>

<a href='http://www.fraumeike.de/2013/restricted-area/april2013_1/' title='april2013_1'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/april2013_1-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="april2013_1" /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/restricted-area/april2013_3/' title='april2013_3'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/april2013_3-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="april2013_3" /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/restricted-area/april2013_4/' title='april2013_4'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/april2013_4-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="april2013_4" /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/restricted-area/april2013_5/' title='april2013_5'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/april2013_5-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="april2013_5" /></a>
<a href='http://www.fraumeike.de/2013/restricted-area/april2013_6/' title='april2013_6'><img width="150" height="150" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/april2013_6-150x150.jpg" class="attachment-thumbnail" alt="april2013_6" /></a>

<div id="attachment_1707" class="wp-caption alignnone" style="width: 449px"><a class="img" href="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/out.jpg"><img class="size-full wp-image-1707" title="Aussetzer" src="http://www.fraumeike.de/wp-content/uploads/out_thumb.jpg" alt="" width="439" height="102" /></a><p class="wp-caption-text">Outtakes</p></div>
 <p><a href="http://www.fraumeike.de/?flattrss_redirect&amp;id=1706&amp;md5=de7d27e200c0609db205b9a5900564b9" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.fraumeike.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Phantomschmerz.</title>
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		<pubDate>Thu, 21 Mar 2013 15:38:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Meike</dc:creator>
				<category><![CDATA[Komplexe]]></category>
		<category><![CDATA[Seltsam]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>

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		<description><![CDATA[Vor einer Weile habe ich mich aus dem Internet operativ entfernt. Weil es nötig war, weil ich Schmerzen litt, weil es mich ausgelaugt hat, weil ich Ruhe brauchte. Es war so schlimm, dass ich nicht einmal senden wollte. Leute mit meinem Ego wollen eigentlich immer senden, ein bisschen Aufmerksamkeit macht alles besser, normalerweise. Diesmal nicht. Diesmal will ich Ruhe. Ich will nicht da sein, wo die Menschen sind, ich will [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Vor einer Weile habe ich mich aus dem Internet operativ entfernt. Weil es nötig war, weil ich Schmerzen litt, weil es mich ausgelaugt hat, weil ich Ruhe brauchte. Es war so schlimm, dass ich nicht einmal senden wollte.<br />
Leute mit meinem Ego wollen eigentlich immer senden, ein bisschen Aufmerksamkeit macht alles besser, normalerweise.<br />
Diesmal nicht. Diesmal will ich Ruhe. Ich will nicht da sein, wo die Menschen sind, ich will nicht da sein, wo die Medien sind, ich will nicht da sein, wo Interaktion ist.<br />
Und das kam so.</p>
<p>Ich schreibe ein Buch. Dieses Buch spielt in der Zeit von Anfang 1900 bis tief in die Weimarer Republik hinein. Eine Zeit, die für mich früher nur aus Worten bestand, Worten in der neunten Klasse. Nerviges Politikzeug ohne Bezug zu irgendwas und mit jeder Menge bekloppter, internationaler Verwicklungen, die sich kein Schwein merken kann. Jedenfalls nicht, wenn dieses Schwein ich ist und 15 Jahre alt.</p>
<p>Heute sehe ich das anders.<br />
Da ist ein Krieg, der deutschem Machthunger geschuldet ist, da ist ein Volk, das von seiner Regierung verraten wird, da ist ein so ungeheures Elend im Fahrwasser des Krieges, dass man es kaum in Worte fassen kann. Hunger, Armut und Verzweiflung höhlen das Volk auch nach dem Krieg so weit aus, dass Ehrgefühl, Wertevorstellungen und Unrechtsbewusstsein wie in einem Zerrspiegel grotesk verbogen werden.<br />
Das Geld ist nur noch Papiermüll, mit Sand gestreckter Zucker wird den ausgezehrten Menschen untergejubelt, das Brot kostet mehr als ein Tagessatz Arbeitslosenunterstützung, 1914-1918 sterben 750.000 Deutsche an den Folgen der Unterernährung. Um den knappen Wohnraum zu vergrößern, werden auf die Schnelle dünne Tapetenwände in Wohnungen eingezogen, die die Anzahl der möglichen Mietparteien auf wundersame Weise vermehren, gleichzeitig aber die Menschen zusammenpferchen wie Vieh. Mörder wie Karl Denke, Fritz Haarmann und Carl Großmann leben und töten in dieser Enge, mitten unter den Menschen, Wand an Wand mit den Nachbarn jenseits der Tapete. Schwarzhandel, Plünderungen, Gewalt gegen Lebensmittelhändler, eine völlige Entwurzelung der Menschen.</p>
<p>Ich habe viel Respekt vor den historischen Fakten, weshalb ich die Recherche sehr genau nehme, vielleicht ein bisschen zu genau. Ich sauge alles auf, jedes Detail, auch Details, die nicht nötig sind und mir wehtun. Ich lese mich immer tiefer hinein; in das Überleben in den Schützengräben, in den Alltag an der &#8220;Heimatfront&#8221;, in die Verzweiflung, den Hunger und immer wieder: in den Tod. Tote Kinder, tote Jungen, tote Frauen, tote Männer. Verhungert, ermordet, im Krieg gefallen. Ich sehe Bilder von Toten, Bilder von Verletzten, Bilder von Orten, an denen Menschen getötet oder verletzt wurden. Alles. Ich will das alles wissen und ich will das alles erzählen.</p>
<p>Aber dann kommt irgendwann der Punkt, an dem die Zahnräder blockieren. </p>
<p>Wikipedia definiert Empathie so:</p>
<blockquote><p>Der Begriff Empathie (altgriech. ἐμπάθεια empátheia ‚Leidenschaft‘; vgl. auch συμπᾰθεία sympatheía ‚Sympathie‘; Substantiv aus dem Verbum συμπάσχειν sympás|chein ‚mit leiden‘) bezeichnet die Fähigkeit, Gedanken, Emotionen, Absichten und Persönlichkeitsmerkmale eines anderen Menschen oder eines Tieres zu erkennen und zu verstehen.</p></blockquote>
<p>Für mich heißt Empathie, diese Dinge zu fühlen. Ich lese Beschreibungen, sehe Bilder und plötzlich bin ich dort. Plötzlich fühle ich, was die Leute fühlen.<br />
Dann knirscht es hässlich, ich weine für längere Zeit und dann ist Stille. Leere. </p>
<p>Ich schaue aus dem Fenster und weiß nicht, was ich sagen soll. Was ich twittern soll, facebooken, bloggen. Ich weiß auch nicht, was ich lesen soll. Plötzlich erscheint mir meine Timeline voll mit Nebensächlichkeiten. Ich lese von den Dingen, die soziale Medien zum Summen bringen, kleine und große Dramen von den Menschen, die ich irgendwie mag und schätze, und in meinem Kopf ist alles leer. Mein Gehirn glotzt verständnislos.<br />
Vor dem Hintergrund dieser Dinge, die ich lese, kommt es mir albern vor, kleinlich, peinlich bisweilen, worüber wir alle uns jeden Tag so aufregen, was uns alle jeden Tag beschäftigt. Und da, wo ich es nicht kleinlich finde, finde ich es so schlimm, dass ich nicht kann.<br />
Ich kann nicht mehr, ich kann einfach nicht mehr zuhören. In meinem Kopf ist so viel Entsetzen, so viel Mitleid, so viel Fassungslosigkeit über die Dinge, die ich in mein Buch hineinschreiben will, dass nichts mehr reinpasst.</p>
<p>Und damit ich nicht ungerecht werde, damit ich nicht anfange herumzugiften, um diesem grässlichen Phantomschmerz, den ich seit zwei Wochen in mir spüre, ein Ventil zu schaffen, bleibe ich lieber für mich. Und komme irgendwann wieder und mag die Menschen meiner Timeline noch und werde vielleicht auch von ihnen noch gemocht.</p>
<p>Jetzt im Moment geht es nicht.<br />
Weil mir alles wehtut.</p>
 <p><a href="http://www.fraumeike.de/?flattrss_redirect&amp;id=1687&amp;md5=0e0058116a2e7bf228f95a43629362fb" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.fraumeike.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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	</item>
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		<title>Petitionen, im Dutzend billiger!</title>
		<link>http://www.fraumeike.de/2013/petitionen-im-dutzend-billiger/</link>
		<comments>http://www.fraumeike.de/2013/petitionen-im-dutzend-billiger/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 19 Feb 2013 14:06:31 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Meike</dc:creator>
				<category><![CDATA[Entscheidungen]]></category>
		<category><![CDATA[Gesellschaft]]></category>
		<category><![CDATA[Leben]]></category>

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		<description><![CDATA[Hier, ausgebeutete Fischfanggründe: schnell mal eine Petition unterschreiben! Oha, Todesstrafe für Homosexuelle in Afrika: wo geht&#8217;s zur Petition? Mein Gott, die Haltungsbedingungen deutscher Mastschweine: lassen Sie mich durch, ich muss eine Petition unterzeichnen! Rindfleisch in Tortelloni, Leiharbeiter bei Amazon: gibt&#8217;s schon was zum Unterschreiben? Jeden Tag spülen mir die Medien, soziale und asoziale, Ungerechtigkeiten, Skandale, Enthüllungen in mein Sichtfeld, alles schrecklich, alles so, dass man da doch sofort etwas dagegen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Hier, ausgebeutete Fischfanggründe: schnell mal eine Petition unterschreiben!<br />
Oha, Todesstrafe für Homosexuelle in Afrika: wo geht&#8217;s zur Petition?<br />
Mein Gott, die Haltungsbedingungen deutscher Mastschweine: lassen Sie mich durch, ich muss eine Petition unterzeichnen!<br />
Rindfleisch in Tortelloni, Leiharbeiter bei Amazon: gibt&#8217;s schon was zum Unterschreiben?</p>
<p>Jeden Tag spülen mir die Medien, soziale und asoziale, Ungerechtigkeiten, Skandale, Enthüllungen in mein Sichtfeld, alles schrecklich, alles so, dass man da doch sofort etwas dagegen tun muss. Schnell die Petition mitzeichnen. Kaffee trinken. Nächste Petition: Zustände in brasilianischen Kinderheimen. Zeichnen, Kaffee. Rettung für ungarische Straßenhunde. Zeichnen, Toilettengang. Mindestlohn für bengalische Textilarbeiter. Zeichnen, essen. Freiheit für Maxi und Schnute. Zeichnen, atmen.<br />
Um Gottes Willen, die armen [hier gequälte Kreatur einsetzen].</p>
<p>Ich kann nicht mehr.<br />
Und ich will auch nicht mehr. </p>
<p>Ich halte mich für einen anständigen Menschen. Wenn ich so etwas wie eine Lebensmaxime habe, dann vielleicht diese: lebe so, dass Du Dir jeden Morgen im Spiegel in die Augen sehen kannst.<br />
Dazu gehört für mich, meine eigenen Werte nicht zu verraten und meinen Rücken gerade zu halten.<br />
Dazu gehört aber auch, dieser Welt mit allen Menschen und Tieren, die in ihr leben, nicht mutwillig Schaden zuzufügen. </p>
<p>Ich lüge nicht, ich lasse keinen Müll und, als ich noch rauchte, keine Zigarettenkippen in der Natur liegen und sobald ich es mir leisten konnte (denn wie Vera richtig ausführt, <a href="http://opalkatze.wordpress.com/2013/02/19/die-falsche-emporung/" title="Auf zur Opalkatze!" target="_blank">hat Anstand ja erschreckend häufig etwas mit Geld zu tun</a>), habe ich darauf geachtet, dass die Hühner, von denen meine Eier stammen, Sonnenlicht kennen, und dass die Kleinbauern, die freundlicherweise am anderen Ende der Welt unseren Kaffee anpflanzen und ernten, auch etwas von unserem Geld bekommen. Ich kaufe keine Möbel aus Tropenholz und finde Pferde nur deshalb blöd, weil sie ständig traurig aussehen und ich deshalb in ihrer Gegenwart in einem Dauerzustand von Mitgefühl verharre. Nationalität, Hautfarbe, Glaube, sexuelle Ausrichtung interessieren mich bei anderen Menschen nicht, sondern nur, ob sie gute Menschen sind und klug. Ich versuche, mir selber und anderen gegenüber immer aufrichtig zu sein. Ich bin mir bewusst darüber, dass das Stück Fleisch auf meinem Teller mal ein Tier war, und esse es mit der größtmöglichen Demut. Ich bin auf einem Dorf großgeworden, Schlachtungen gehörten zum täglichen Leben, das mit dem Respekt kommt da von ganz alleine.</p>
<p>Manchmal scheitere ich an meinem moralischen Eigenanspruch, aber immerhin habe ich einen.<br />
Also wie gesagt: ich halte mich im großen Ganzen für einen anständigen Menschen. </p>
<p>Es gibt mithin viele Dinge, die ich an dieser Welt einfach unerträglich finde und die geändert werden sollen/müssen/können. Wut und Empörung sind bei der Veränderung exzellente Antriebsfedern. Wut verleiht den eigenen Forderungen und Maßnahmen den nötigen Nachdruck. Empörung hilft mir, mein Anliegen überzeugend zu formulieren und andere Menschen zu motivieren, auch etwas dagegen/dafür zu tun.<br />
Aber.<br />
Die Wahrhaftigkeit von Wut ist nicht unendlich. Die Aufrichtigkeit von Empörung nicht endlos teilbar.</p>
<h3>Wut im Promillebereich</h3>
<p>Alle zwei Minuten auf eine Petition aufzuspringen, sie zu unterzeichnen und auf allen Kanälen zu teilen, macht die Empörung vor allem eines: beliebig. </p>
<p>Wenn ich meine Wut auf 79.137 Skandale aufteile, dann bleibt für jeden einzelnen nicht mehr als ein leises Seufzen.<br />
Wenn ich an 32.192 Organisationen spende, dann bekommt jede einzelne nicht mehr als 1 Cent.</p>
<p>Jede Hilfe, jede Aktion, jeder Änderungswille verpufft zur völligen Bedeutungslosigkeit, weil alles bis zur homöopathischen Dosis verdünnt ist. Wut im Promillebereich: für die zu ändernden Zustände so beeindruckend wie das Platzen der kleinsten Seifenblase der Welt. Für mich selber: kräftezehrend und bis zur Don-Quixote-Haftigkeit sinnlos.<br />
Denn meinem Nervenkostüm ist es ja erstmal egal, ob ich mich über ein oder über 27 Dinge aufrege. Ich rege mich auf, schlafe schlecht, mein Herz rast und irgendwann beginnt zuverlässig mein Augenlid zu zucken, als hätte ich es auf die Inspektor-Dreyfus-Gedächtnismünze abgesehen.</p>
<p>Sehen kann man diese Sinnlosigkeit, diese Beliebigkeit jeden Tag im Internet. Alle paar Tage wird eine neue Sau durch&#8217;s Dorf getrieben, ein Shitstorm, eine Debatte oder eine Gemeinschaftsaktion vom Zaun gebrochen, und exakt einen Tag später kümmert sich &#8211; haha! &#8211; keine Sau mehr darum, als hätte es die Empörungswelle nie gegeben.</p>
<p>Am eindrücklichsten fand ich das im Zuge der Twitteraktion #Aufschrei. Nur einen Tag nachdem sich Zehntausende von Frauen zu recht über (sexuelle) Übergriffe gegen Frauen empört hatten, erschien am 28.01.13 bei sueddeutsche.de ganz unten auf der Seite eine kurze Meldung darüber, dass in Berlin eine <a href="http://www.sueddeutsche.de/panorama/berlin-moabit-obdachlose-von-zwei-maennern-vergewaltigt-und-schwer-verletzt-1.1584795" title="Zur Nachrichtenmeldung bei sueddeutsche.de" target="_blank">33-jährige Obdachlose von mehreren Männern vergewaltigt</a> worden war.<br />
Über diese Degradierung zur Randnotiz war ich sehr wütend, weil es mir zeigte, dass die Süddeutsche aus dem vorangegangen Empörungssturm über Sexismus und Gewalt gegen Frauen nichts gelernt hat.</p>
<p>Noch mehr enttäuscht hat mich allerdings, dass keine mir bekannte Frau, die sich in der Aufschreiaktion lautstark eingesetzt hat, in der Vergewaltigung und der knappen Berichterstattung unter &#8220;Ferner liefen&#8221; einen Anlass für Wut oder einen Grund, #Aufschrei voranzutreiben,  sah. Als ich über den Artikel stolperte, hatte er 87 Facebook-Shares, mittlerweile steht er bei 96.<br />
Ich war damals ziemlich fassungslos über diese Gleichgültigkeit &mdash; nicht zuletzt auch deshalb, weil mir zu einem nicht unerheblichen Teil wegen meines Artikels <a href="http://www.fraumeike.de/2013/das-schreien-der-laemmer/" title="Zum Blogartikel 'Das Schreien der Lämmer'">&#8220;Das Schreien der Lämmer&#8221;</a> ausgerechnet unsolidarisches Verhalten vorgeworfen worden war.<br />
Ich brauchte ein paar Tage, um diesen bizarren Widerspruch, der mir angesichts der Wutwelle nur einen (!) Tag zuvor wie blanke Ironie erschien, zu verdauen. </p>
<p>Heute, gerade einmal drei Wochen später, gibt es keine Sexismusdebatte mehr.<br />
Stattdessen schimpft alle Welt über die Arbeitsbedingungen bei Amazon und es mutet fast satirisch an, dass mir genau in der Sekunde, in der ich beginne, diesen Satz zu schreiben, bei Facebook eine Petition anempfohlen wird, die eine Verbesserung dieser Arbeitsbedingungen fordert.</p>
<p>Ich werde diese Petition nicht mitzeichnen.</p>
<h3>Reduktion aufs Maximum</h3>
<p>&#8220;Drei Pfund Wut, bitte.&#8221;<br />
&#8220;Gerne, geschnitten oder am Stück?&#8221;<br />
&#8220;Am Stück, bitte.&#8221;</p>
<p>Meine Wut soll nicht sinnlos sein. Wut ist das anstrengendste Gefühl, das ich habe, und ich will, verdammt nochmal, dass sich die Kraft lohnt, die ich in dieses Gefühl stecke. Oft genug wird mein Engagement trotzdem umsonst sein, manchmal braucht es eben mehr als eine Petition oder eine Spende, um etwas zu ändern, aber ich will wenigstens mit ganzem Herzen und ganzer Energie dabeigewesen sein. Meine Wut soll nicht beliebig sein, ich will nicht hauptberuflicher Wüterich sein und Homöopathie halte ich sowieso für Quatsch.</p>
<p>Statt also meine sozialen Netzwerke mit immer neuer Empörung zu nerven (a.k.a. &#8220;Gottchen, was hat sie denn jetzt schon wieder?&#8221;), setze ich Prioritäten. Ich spende lieber nur für wenige Organisationen, die dafür dann aber auch Summen oder Sachwerte erhalten, die wirklich helfen. Ich schreibe meine Artikel lieber nur über wenige Themen, die mir wirklich am Herzen liegen, als jeden zweiten Tag Billigempörung in Konservendosen (im Zweifel aus Pferdefleisch) zu verschleudern. Ich glaube, wenn man sich bei <em>zu vielen</em> Dingen einsetzt, dann ist das so, wie wenn man sich bei <em>keiner</em> Sache einsetzt, jeder hat schließlich nur eine begrenzte Menge an Zeit, Geld und Energie. </p>
<p>Welche Prioritäten der Einzelne setzt, ist sein Bier und über jedes Urteil erhaben, finde ich. Wichtig ist für mich, <em>dass</em> man versucht, Dinge zu ändern, nicht aber, welche. Dem Einen liegen eben ungarische Straßenhunde mehr am Herzen, dem Anderen portugiesische Leiharbeiter und einem Dritten ein <a href="http://www.fraumeike.de/guter-zweck/" title="Zur Seite "Guter Zweck"">würdevoller Umgang mit todkranken Menschen</a>. </p>
<p>Und deshalb mache ich von meinem Recht Gebrauch, eine Petition nicht zu unterzeichnen, einem Spendenaufruf nicht zu folgen, Straßenhunde auszublenden oder Leiharbeiter oder Kinderheime.</p>
<p>Das macht mich nicht zu einem schlechten Menschen. Auch nicht zu einem verantwortungslosen.<br />
Es bedeutet nur, dass ich mich lieber woanders engagiere.</p>
 <p><a href="http://www.fraumeike.de/?flattrss_redirect&amp;id=1625&amp;md5=5f7dedf1fd0a57013bfc9e9895e1129f" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.fraumeike.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Lieber Vater: Noch zwei Tage.</title>
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		<pubDate>Mon, 11 Feb 2013 09:52:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Meike</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben]]></category>
		<category><![CDATA[Lieber Vater]]></category>
		<category><![CDATA[Tod]]></category>

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		<description><![CDATA[22. November 2009. Sonntag. Vati ist noch da. Er lebt. Mutti und ich sind fast ein wenig ungläubig darüber. Wir sagen, wir dachten, dass B.s Geburtstag die letzte Etappe sein würde. Das Letzte, was er noch erleben und erledigen will. Dass er danach in Frieden einschlafen wird. Unter uns sprechen wir offen; das, was gerade passiert, ist für uns alle entsetzlich. Mutti schläft keine Sekunde, bei jeder Atemunregel-mäßigkeit von Vati [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p><strong>22. November 2009. Sonntag.</strong><br />
Vati ist noch da. Er lebt.<br />
Mutti und ich sind fast ein wenig ungläubig darüber. Wir sagen, wir dachten, dass B.s Geburtstag die letzte Etappe sein würde. Das Letzte, was er noch erleben und erledigen will. Dass er danach in Frieden einschlafen wird. Unter uns sprechen wir offen; das, was gerade passiert, ist für uns alle entsetzlich. Mutti schläft keine Sekunde, bei jeder Atemunregel-mäßigkeit von Vati schreckt sie hoch, weil sie denkt, es ist soweit. Bei Lungenkrebs im Endstadium gibt es viele Atemunregelmäßigkeiten.<br />
Für Vati, den dominanten Kontrollmenschen, ist all das hier ohnehin die Hölle auf Erden. Schwach sein, anderen ausgeliefert sein, nicht mehr bestimmen können. Vati steht an der Schwelle zum Hades und der Cerberus lacht ihn aus und sagt, Du kommst hier nicht rein. Vati <em>will</em> tot sein.</p>
<p>Mutti und ich sitzen also für einen Moment am Tisch und schauen uns an und schütteln ungläubig die Köpfe. Wieso geht es denn noch weiter? Wieso ist es denn nicht in der Nacht vorbeigegangen? Wir dachten doch, B.s Geburtstag.<br />
Wir schämen uns nicht. Die Worte, die wir sagen, kommen uns nicht grotesk vor oder egoistisch. Dieses Entsetzen ist unser Leben, jeden Tag, und wir wissen nicht, wie lange es noch dauert.</p>
<p>Vati isst einen hochkalorischen Ernergiedrink aus der Apotheke &mdash; Schokolade, nicht Erdbeer, obwohl er Erdbeer immer geliebt hat, Erdbeereis, Erdbeerpudding, Erdbeermilch, frische Erdbeeren &mdash; und setzt sich danach auf den Sessel im Wohnzimmer. Er dämmert weg und Mutti und ich sprechen leise, um ihn nicht zu wecken. Vati hat ja genauso wenig geschlafen wie wir alle und muss unglaublich erschöpft sein. Aber jedes Mal, wenn wir zu flüstern beginnen, öffnet er die Augen und fragt, was? Er sagt, und seine Stimme klingt wie die eines Kindes, redet doch lauter, ich möchte auch hören, was Ihr sagt.</p>
<p>Später sitzen wir alle auf dem Sofa und blättern in Photoalben. Mutti links, Vati in der Mitte, ich rechts. B. ist nicht da, er hat es nicht ausgehalten und will heute ans Angelgewässer. So haben sie das immer gesagt, er und Vati: Ich fahre heute ans Angelgewässer, nicht, ich gehe angeln. B. ist also am Angelgewässer, es ist sein Weg, loszulassen, Abstand zu finden.<br />
Wir sitzen also zu dritt und schauen alte Photos an, auf den meisten sind B. und ich noch kleine Kinder. Mutti sagt, kannst Du Dich daran noch erinnern?, und reicht mir Bilder herüber. Oder hieran? Vati dämmert. Wir beginnen wieder, leiser zu reden, doch sofort ist er wieder wach.<br />
So gerne würde ich mal einen Moment ungehindert mit Mutti sprechen. Sie fragen, wie es ihr geht. Ihr sagen, wie es mir geht. Sie umarmen, mit ihr weinen. Bitte, Vati, schlaf doch ein. Es geht nicht. Die Batterie, die uns funktionieren lässt, ist nicht alle, sie geht einfach nicht alle, das Scheißding. </p>
<p>Am Vormittag kommt der beste Mann von allen, um nach uns zu sehen. Uns etwas zu essen zu machen, uns einen Moment zum Atmen zu verschaffen oder mich zu einem kurzen Spaziergang aus diesem Pfuhl aus Geruch, Tod und Verzweiflung herauszuholen. Er setzt sich neben Vati, Mutti und ich gehen in die Küche, um Brote zu schmieren. Wir hören nicht, was die Männer sprechen, wir nehmen uns in den Arm. Wir kommen mit den Tellern zurück und setzen uns.<br />
Vati greift plötzlich rüber zu dem besten Mann von allen, streichelt ihm sehr liebevoll die Wande und legt ihm dann die Hand in den Nacken. Du bist ein lieber Kerl, sagt er.<br />
Es ist mir in diesem Augenblick nicht klar, aber das ist die Begrüßung und der Abschied, Vati übergibt mich an meinen Mann und uns seinen Segen. Er reicht die Verantwortung für mein Heil weiter. Mein Herz verwandelt sich in eine Rosine.</p>
<p>Für Vati war ich immer das Nesthäkchen, das man beschützen muss. Mich hat das immer wahnsinnig gemacht, weil ich auf mehr und höhere Bäume geklettert bin als alle Jungs der Nachbarschaft zusammen. Aber jetzt, hier, ist alles in Ordnung. Ich schaue den Mann an, wir lächeln uns an, mit liebevoller Hilflosigkeit. Wir kennen uns gerade etwas über zwei Monate und auch, wenn wir uns absolut sicher sind, unseren Seelenpartner gefunden zu haben, kann es doch sein, dass dies alles zu viel sein wird. Dass unsere Liebe diesen Schmerz nicht aushalten wird.</p>
<p>Irgendwann geht der Mann wieder, zu einem Freund oder in ein Hotel, ich weiß immer noch nicht, wie er in Hamburg untergebracht ist, und Mutti und ich sind wieder allein mit Vati. Wir machen den Fernseher an, auf 3Sat gibt es ein klassisches Konzert. Ich kann mich an keinen einzigen Tag meines Lebens erinnern, an dem bei uns zuhause ein klassisches Konzert gelaufen wäre, weder im Fernseher noch über die Musikanlage. Aber heute scheint es genau das Richtige. Vati dämmert.<br />
Mein Handy klingelt, es ist B., ich gehe nach nebenan, um das Konzert nicht zu stören.<br />
Wir reden, ich sage, der Tag war ruhig, Vati ist ganz gelöst, wir haben Photos angeschaut. Es war schön. </p>
<p>Plötzlich kommt Mutti ins Zimmer gestürmt, mein Gott, Vati will sich anziehen und zu B. ans Angelgewässer fahren. Der Satz kommt mir absurd vor, Vati hat doch den ganzen Tag gedämmert, so schwach war er.<br />
B. bleibt ruhig, mir kommt das in dem Moment nicht seltsam vor. Kann Vati noch fahren? Ich sage, um Himmels Willen, nein, er kommt noch nicht mal heil bis runter in die Garage! Was, wenn er auf der Treppe stürzt und sich was bricht? Krankenwagen will er nicht und Mutti und ich können ihn nicht alleine in die Wohnung zurücktragen. Und wenn er doch bis zur Garage kommt, dann nicht heil durch den Straßenverkehr! Er ist mit Morphium voll bis oben hin. Die Gefahr ist viel zu groß, dass dabei fremde Menschen zu Schaden kommen und das würde ich mir nie verzeihen.<br />
B. sagt, eigentlich müsste man ihm den Wunsch erfüllen. Ich denke, er meint, dass ich Vati zum Angelgewässer fahren soll, und sage, bitte, B., verlang das nicht von mir. Ich bin seit Jahren nicht mehr Auto gefahren, ich kenne die Strecke nicht, habe seit Tagen zu wenig gegessen und geschlafen.<br />
B. sagt, dann sag ihm, 1.) dass ich schon wieder dabei bin, zusammenzupacken, weil nichts beißt, und 2.) dass die Ausfahrt [Name, den ich vergessen habe] gesperrt ist, weil da ein Unfall war. Sag es ihm genau so.</p>
<p>Ich renne zu Vati, er sitzt auf der Bettkante und zieht sich gerade die Schuhe an, und rede zehn Minuten mit Engelszungen auf ihn ein. Schließlich gibt er die Gegenwehr auf und zieht sich wieder aus. Er wirkt niedergeschlagen, jeder Hoffnung beraubt.</p>
<p>In der Nacht, als er schon im Bett liegt, gehe ich zu ihm, um ihm Gute Nacht zu sagen. Ich stehe am Fußende und streichle seine Füße, die über die letzten Tage auf doppelte Größe angeschwollen sind, weil sich Wasser in ihnen sammelt. Vati wirkt müde, so unendlich müde. </p>
<p>Drück mir die Daumen, sagst Du, dass ich bald erlöst werde. Ich schaue Dich an, lächle, mein erster Impuls ist, den Wunsch abzuwehren, aber dann drücke ich leicht Deinen Fuß und sage, das mach&#8217; ich.</p>
<p>Noch zwei Tage, dann bist Du tot.</p>
<hr />&nbsp;<br />
<a href="http://www.fraumeike.de/2012/lieber-vater-prolog/" title="Lieber Vater: Prolog">Lieber Vater: Prolog.</a></p>
<p><a href="http://www.fraumeike.de/2012/lieber-vater-noch-sieben-tage/" title="Lieber Vater: Noch sieben Tage">Lieber Vater: Noch sieben Tage.</a></p>
<p><a href="http://www.fraumeike.de/2012/lieber-vater-noch-sechs-tage/" title="Lieber Vater: Noch sechs Tage.">Lieber Vater: Noch sechs Tage.</a></p>
<p><a href="http://www.fraumeike.de/2012/lieber-vater-noch-fuenf-tage/" title="Lieber Vater: Noch fünf Tage.">Lieber Vater: Noch fünf Tage.</a></p>
<p><a href="http://www.fraumeike.de/2012/lieber-vater-noch-vier-tage/" title="Lieber Vater: Noch vier Tage.">Lieber Vater: Noch vier Tage.</a></p>
<p><a href="http://www.fraumeike.de/2012/lieber-vater-noch-drei-tage/" title="Lieber Vater: Noch drei Tage.">Lieber Vater: Noch drei Tage.</a></p>
<p>Lieber Vater: Noch zwei Tage.</p>
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		<title>Das Monster</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Feb 2013 12:29:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Meike</dc:creator>
				<category><![CDATA[Film]]></category>
		<category><![CDATA[Rezension]]></category>

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		<description><![CDATA[Eva lebt wie eine Geächtete am Rande der Vorstadt, allein, so weit wie möglich entfernt von den Menschen. Die Nachbarn beobachten sie misstrauisch, Unbekannte werfen Farbbomben auf ihr Haus, sie selbst verschanzt sich wie in einer Burg, die Gardinen sind immer zugezogen. Evas Haare sind strähnig, tiefe Falten durchziehen ihr Gesicht, nicht der kleinste Funken Lebensfreude leuchtet in ihren Augen, das frühere Charisma liegt nurmehr als Echo in ihren Zügen [...]]]></description>
				<content:encoded><![CDATA[<p>Eva lebt wie eine Geächtete am Rande der Vorstadt, allein, so weit wie möglich entfernt von den Menschen. Die Nachbarn beobachten sie misstrauisch, Unbekannte werfen Farbbomben auf ihr Haus, sie selbst verschanzt sich wie in einer Burg, die Gardinen sind immer zugezogen. Evas Haare sind strähnig, tiefe Falten durchziehen ihr Gesicht, nicht der kleinste Funken Lebensfreude leuchtet in ihren Augen, das frühere Charisma liegt nurmehr als Echo in ihren Zügen verborgen.</p>
<p>Siebzehn Jahre früher.</p>
<div><div class="wp-caption alignright" style="width: 124px"><a class="img" target="_blank" href="http://www.amazon.de/gp/product/B009B4UDSA/ref=as_li_ss_il?ie=UTF8&#038;camp=1638&#038;creative=19454&#038;creativeASIN=B009B4UDSA&#038;linkCode=as2&#038;tag=fraumeike-21"><img style="border: 0pt none;" src="http://ws.assoc-amazon.de/widgets/q?_encoding=UTF8&#038;ASIN=B009B4UDSA&#038;Format=_SL110_&#038;ID=AsinImage&#038;MarketPlace=DE&#038;ServiceVersion=20070822&#038;WS=1&#038;tag=fraumeike-21" alt="" border="0" /></a><p class="wp-caption-text">Amazon-Link (bitte <a href="http://www.fraumeike.de/guter-zweck/">Hinweise</a> beachten!)</p></div> <img src="http://www.assoc-amazon.de/e/ir?t=fraumeike-21&#038;l=as2&#038;o=3&#038;a=B009B4UDSA" width="1" height="1" border="0" alt="" style="border:none !important; margin:0px !important;" /></div>
<p>Eva ist Mitte dreißig, autark, intelligent, voller Neugier auf das Leben. Ihren ungeheuren Lebenshunger stillt sie auf langen Reisen um die Welt, über die sie anschließend Bücher schreibt. Sie reist immer allein, ihr Partner Franklin, mit dem sie eine liebe- und lustvolle Beziehung führt, wartet zuhause auf sie.<br />
Die beiden sind im besten Wortsinn ein modernes Paar: selbstbestimmt, unabhängig, frei.</p>
<p>Alles ändert sich, als Eva ungewollt schwanger wird. Es gelingt ihr nicht, Freude über die Schwangerschaft zu entwickeln. Es ist dabei nicht etwa so, dass Eva nicht Mutter werden will; sie <em>ist</em> ganz einfach keine Mutter und daran wird auch die bevorstehende Geburt nichts ändern.<br />
Der Babybauch wirkt wie ein Fremdkörper an ihr, und genau das ist er auch: ein fremder Körper. Er gehört nicht zu ihr.</p>
<p>Das Kind ist ein Schreikind, jedes Lächeln der Mutter, mit dem sie versucht, ihr Baby zu erreichen, wirkt wie eine groteske Fratze, unaufrichtig und verzweifelt.</p>
<p>Als Kleinkind verweigert Kevin alle Aufforderungen zum Spiel, als Sechsjähriger straft er Evas Versuche, zu ihm durchzudringen, mit Häme und Verachtung. Schnell wird klar: nicht nur die Mutter liebt das Kind nicht, das Kind hasst auch die Mutter.<br />
Der hochbegabte Kevin provoziert sie, führt sie vor, demütigt sie.<br />
Alles, was er tut, scheint Berechnung zu sein, ein sorgsam ausgelegtes Schlageisen für die Mutter. Und sie tappt in jedes einzelne. Bei einer dieser Gelegenheiten verliert sie die Beherrschung und bricht ihm versehentlich den Arm. In jedem anderen Fall wäre diese Verletzung ein grober und kaum wiedergutzumachender Bruch des kindlichen Vertrauens. Hier nicht, denn es gibt kein Vertrauen, das zu zerstören wäre.</p>
<p>Vor dem Vater ist Kevin freundlich, zugänglich, lebhaft, die beiden spielen Videospiele, bolzen im Garten, der Vater bringt dem Sohn das Bogenschießen bei, und natürlich glaubt er Eva kein Wort, als sie ihm vom destruktiven und soziopathischen Verhalten Kevins erzählt.<br />
Eva wird erneut schwanger und bringt ein Mädchen zur Welt, zu dem sie ein warmherziges und gesundes Verhältnis hat. </p>
<p>Als das Meerschweinchen der Tochter verschwindet und im Müllhäcksler wieder auftaucht, als die Tochter im Beisein des Bruders einen &#8220;Unfall&#8221; mit chemischem Abflussreiniger hat, der sie ein Auge kostet, wird Eva endlich klar, dass es um mehr geht als nur ein schlechtes Familienklima.<br />
Den unvermeidlichen Gewaltausbruch, den Kevin schließlich auslöst, als Tragödie zu bezeichnen, wäre falsch. Es ist keine Tragödie, als Kevin in seiner Schule mit Pfeil und Bogen Amok läuft, seinen Vater und seine Schwester tötet und nur die Mutter am Leben lässt.<br />
Es ist ein Großes Finale, die Krönung und der inszenatorische Höhepunkt seines Lebens.</p>
<p>Und hier findet sich vielleicht die einzige dramaturgische Schwäche in &#8220;We need to talk about Kevin&#8221;, dem ansonsten meisterhaften Film der schottischen Regisseurin Lynne Ramsay. Sie inszeniert Kevin so lustvoll dämonisch, als Kind, das bösartig zur Welt kommt, dass er sich nicht recht fügen will in diesen Film, der vor allem durch seine sehr karge Erzählweise auszeichnet. Auch kommt dadurch der psychologische Aspekt zu kurz: der Mangel an mütterlicher Liebe, das Fehlen einer Bindung als mögliche Ursache und Erklärung für seine tiefe Störung.</p>
<p>Das eigentliche Monster dieses Films, die Sprachlosigkeit von Mutter und Sohn, tritt hinter Kevins Boshaftigkeit zurück.<br />
Der winzige Moment Offenheit, der sich in den letzten Minuten des Films zeigt, hätte dieses Monster offenbaren und der gesamten Geschichte einen Sinn geben können. Er hätte die Stille betonen können und die Vehemenz, mit der Mutter und Sohn jahrelang nicht über ihre Gefühle sprechen. So aber wirkt er nach dem tiefen Hass zwischen beiden seltsam künstlich.</p>
<p>&#8220;We need to talk about Kevin&#8221; ist nichtsdestotrotz ein Meisterwerk. Die wunderbare Tilda Swinton verkörpert Eva mit einer verzweifelten Intensität, die bisweilen kaum auszuhalten ist. Diese Frau, deren Leben sich mit der Geburt des Sohnes in einen Albtraum verwandelt hat, aus dem es kein Entrinnen gibt. Diese Frau, die am Ende alles verloren hat, sogar sich selbst.<br />
Es ist schwierig, den Impuls zu unterdrücken, sie als Opfer zu sehen.<br />
Denn tatsächlich ist nicht nur der Sohn unfähig, sich mitzuteilen, die Mutter ist es auch. Miteinander reden ist der allerletzte Schritt, beide tun ihn erst, als sie nichts mehr zu verlieren haben.</p>
<p>Diese Frau ist kein Opfer und sie hat kein Mitleid verdient. Eva bereitet den Amoklauf genauso akribisch vor wie der Sohn. Ihr Schweigen und ihre Verdrängung sind es, die die monströse Sprachlosigkeit am Leben erhalten und so den Boden bereiten für die grausame Tat des Sohnes. Und als Kevin den gespannten Bogen gegen seine Mitschüler richtet, da ist Eva mit im Raum. Ohne es zu wissen oder gar zu wollen, lenkt sie seine Hände.</p>
<p>In dieser Geschichte gibt es keine Opfer, nur Verlierer.</p>
 <p><a href="http://www.fraumeike.de/?flattrss_redirect&amp;id=1475&amp;md5=080a8ff339055e44073b19bcc787f630" title="Flattr" target="_blank"><img src="http://www.fraumeike.de/wp-content/plugins/flattr/img/flattr-badge-large.png" alt="flattr this!"/></a></p>]]></content:encoded>
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