Das Gesetz der Serie

Das Gesetz der Serie

Serien sind ja heißer Scheiß, sagt man. Le dernier cri, das Neueste vom Neuen, muss man gemacht haben, sonst hat man nicht gelebt. „Breaking Bad“, „Game of Thrones“, „Mad Men“, „True Detective“, hoppsassa und trallala. Ich bin nicht für Serien gemacht. Serien sind wie Heißhunger, ohne dass das Gewünschte im Haus ist, wie Sex mit Rausziehen, wie dieser Albtraum, den ich jahrelang hatte, in dem ich immer wieder versuche, jemanden zu ohrfeigen, aber die Luft ist wie Wackelpudding und bremst meinen Schlag so sehr ab, dass er nur noch ein Stupsen ist. Serien sind gelebte Nicht-Erfüllung.

Filmische Erzeugnisse schaue ich nicht einfach nur, sondern ich verbinde mich damit auf eine emotionale und empathische Art. Wenn ich nun aber zehn Folgen lang jemandem nachfühle und dann ist die Staffel zu Ende und die nächste ist gerade erst „in Planung“, dann ist das wie ein Liebeskummer. Dann spüre ich Wut und Frustration, Verzweiflung, weil ich nicht weiß, was aus dieser Person wird. Wenn ich das dann ein Jahr später, wenn ich schon über meinen Liebeskummer hinweg bin, erfahren soll, weiß ich ja nicht einmal mehr, was ich an der ersten Staffel so toll fand. Neue Staffeln sind wie eine Droge, die man sich immer dran drückt, wenn man gerade den Entzug erfolgreich hinter sich gebracht hat.

Nach der fünften Serie, die mich irgendwo im Nichts stehen lässt, habe ich den Stecker gezogen, dem Mann viel Spaß und alles Gute bei seiner Serienbegeisterung gewünscht und mir ein Buch zur Hand genommen. Nun ist es aber ärgerlicherweise doch auch so, dass bei meiner Serienannäherung das eine oder andere Juwel dabei war, das mich bereichert und berührt, erfüllt und nicht frustriert hat, und davon hätte ich gerne mehr. Also musste ich meine Pauschalablehnung aufgeben und Bedingungen formulieren, unter denen Serien vielleicht doch mehr sind als eine einzige Verschwendung von Lebenszeit und Gehirnzellen.

1.) Die Serie muss abgeschlossen sein. Das heißt entweder eine Miniserie mit wenigen Teilen und nur einer Staffel oder eine Serie, die schon etwas älter ist und deshalb bei den üblichen Streamingdiensten bereits vollständig mit allen Staffeln verfügbar.
2.) Die Serie muss eine durchgehende Entwicklung haben mit langsamer, aber sehr intensiver Erzählweise, psychologisch detaillierten Charaktere, die durchaus unpopulär oder in sich widersprüchlich sein dürfen, und einer Handlung, die man nicht schon siebenhundert Mal gesehen hat.
3.) Kein Fantasy- und Mittelalterquatsch. Fünf Filme aus Mittelerde haben mir gereicht, um meinen Hunger auf Orks, Drachen und Leute mit bescheuerten Namen nachhaltig zu stillen.
4.) Pardon: ich bestehe auf einer synchronisierten Fassung. Ich verstehe die englische Sprache, aber ich kann sie nicht fühlen, und damit geht mir zu viel verloren.

Serien, die ich ausgesprochen gut fand, waren „Top of the lake“, „The Killing“, „Fargo“, „The Returned“, „Ripper Street“, „Misfits“, „Sherlock“, „Whitechapel“.
Serien, die ich eher flach fand, waren „Orphan Black“, „American Horror Story“, „Torchwood“, „Dr. Who“, „Grimm“, „Jeckyll & Hyde“.
Unter „Kommt drauf an“ laufen bei mir „The Walking Dead“ (wird mit jeder Staffel vorhersehbarer) und „Luther“ (Story und Charaktere schwanken stark zwischen den Staffeln, Serie funktioniert hauptsächlich durch Idris Elba).
Nicht sehen möchte ich „Breaking Bad“, „Game of Thrones“ und „True Detective“. Aus Gründen.
Bereits empfohlen worden und für interessant befunden: „The Code“, „Broadchurch“.

Und nun: bitte.
Sollten Sie Serienerzeugnisse kennen, die obige Bedingungen erfüllen, so kommentieren Sie nun oder schweigen Sie für immerdar.
Firma dankt und ich auch.