Ich früher

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Drei Jahre

Drei Jahre ist es her, seit Du weg bist.
Drei Jahre.

Deine letzten Worte höre ich so deutlich in meinem Kopf als hättest Du sie gestern erst gesagt. Ich höre das Rasseln Deines Atems, dieses unerträgliche Rasseln, das so klingt als ob Du ertrinkst. Ich sehe die Geste, mit der Du Dir immer über den Kopf gestrichen hast beim Nachdenken. Am Ende konntest Du die Bewegung nicht mehr beenden, aber Deine Hand fuhr immer noch zum Kopf.
Die Erinnerung an eine Angewohnheit.
Ich sehe immer noch, wie die Anstrengung beim Husten Deinen Körper verkrampfen ließ. 58 Kilo, mehr warst Du nicht. Ich erinnere mich an die immer längeren Pausen zwischen Deinen Atemzügen. Und daran, dass der letzte Moment so plötzlich kam, dass wir es kaum geschafft haben, alle rechtzeitig an Deinem Bett zu sein. Und wie froh ich bin, dass wir es doch geschafft haben.
An Deine Hand erinnere ich mich, die ich einfach immer weiter gehalten und gestreichelt habe. Auch als sie begann, kalt zu werden.

Heute vor drei Jahren, mein Vati, um Schlag 17 Uhr nachmittags, bist Du einfach weggegangen und Worte können nicht beschreiben, wie sehr ich Dich vermisse.

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Kommentare (10 Kommentare)

# 1 / Reinhard Huchthausen / 24.11.2012, 14:39

Was für ein Text! Was für eine Haltung!
Zum Niederknien…
Wie unglaublich liebevoll und human hier ein Mensch mit dem Tod seines Vaters umgeht.
Glücklich, wer so jemanden in der Nähe hat, wenn’s an’s Sterben geht…

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# 2 / Carsten / 24.11.2012, 16:56

Beim Lesen hatte ich sofort feuchte Augen. Wow. Jeden, der einen Vater im hohen Alter hat, bewegt dieser Text.

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# 3 / Ângela / 24.11.2012, 19:03

Mein Vater ging 1 Jahr und 2 tage zuvor einfach davon. Wie sehr ich es verstehen kann, dieses Vermissen.

(Zeit Danke zu sagen für all die “Lieber Vater” Posts, die so oft wiedergeben, was auch ich erlebte, fühlte, fühle…was ich aber niemals so wunderbar in Worte fassen kann. Danke!)

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# 4 / Uschi aus Aachen / 25.11.2012, 09:46

Oh Mann. Bei mir ist es 10 Jahre länger her, doch das Vermissen wird nicht wirklich weniger.

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# 5 / serotonic / 27.11.2012, 19:50

Ein Herz, ein Punkt. Und eine Träne.

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# 6 / MW / 30.11.2012, 11:42

Auch nach vier Jahren: Tränen in den Augen nach diesem Text. Danke.

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# 7 / Jamie / 13.12.2012, 14:40

2 1/2 Jahre. Er war allein.
Der Schmerz wird nicht weniger, aber es hilft, Deine Worte zu lesen.
Danke.

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# 8 / Ute Gisela / 22.12.2012, 18:47

“Drei Jahre” hat mich sehr berührt, auch weil es mich an die
Hommage meines Sohnes an den verstorbenen Vater erinnerte:
“Wie es war”
http://www.dasblauevomhimmel.de/

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# 9 / Alrxander / 14.01.2013, 22:27

Es gibt ein tolles Lied “Vatermorgana” (oder so ähnlich) von Pe Werner, das kam mir in den Sinn, als ich Ihren Text gelesen habe.

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# 10 / D. / 29.01.2013, 11:54

What thou lovest well remains,
The rest is dross
What thou lov’st well shall not bereft from thee
What thou lov’st well is thy true heritage

Ezra Pound, Pisan Cantos LXXXI

Bald 17 Jahre jetzt, dass mein Vater starb, wichtigster Mensch meiner frühen Jahre. Die Trauer vertrautes Echo.

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