Die großen Schuhe von Lana Del Rey

Update: Häufigster Suchbegriff für mein Blog ist putzigerweise „Wie groß ist Lana Del Rey?“ Ich finde, da kann ich ruhig auch mal antworten.

1,69m.
(Quelle: IMDB)

Kaum eine Künstlerin polarisiert derzeit so stark wie Lana Del Rey. Das Internet hat sie bekannt gemacht und dort liebt man sie entweder mit hysterischer Hingabe oder wünscht ihr mindestens drei Geschlechtskrankheiten. Dazwischen gibt es nichts.
Die einen sehen in ihr eine Künstlerin, die nicht nur außergewöhnlich talentiert ist, sondern auch den nötigen Glamour hat. Die anderen „eine 12-Jährige, die im Schlafzimmer so tut als wäre sie eine Sängerin“ (Juliette Lewis über Lana Del Reys Fernsehauftritt bei ‚Saturday Night Life‘).

Lana Del Rey ist wie ein Engel, der in einen Hundehaufen getreten ist. Wie eine Göttin, deren Deo versagt hat.
Lana Del Rey ist seltsam. Denn sie ist auf betörende Weise unangenehm.

Die Stimme ist zauberhaft, schmerzhaft zerbrechlich und gleichzeitig selbstbewusst dunkel. Und sie ist so groß, dass diese junge Frau sie scheinbar nur schwer kontrollieren kann.
Die Musik kommt getragen, schwermütig und mit einer so unfassbar großen Bedeutsamkeit daher, dass man fast ein wenig lächeln muss darüber. Aber wann – bitteschön – soll man sich selbst denn wahnsinnig ernst nehmen, wenn nicht mit 25?
Die Bewegungen wirken ungelenk und sind tatsächlich von einer gewissen Zwölfjährigkeit. Ein junges Mädchen, das die Bewegungen erwachsener Frauen nachmacht. Das wirkt manchmal rührend und manchmal fremdschämig.
Die Lippen sollen vermutlich sinnlich wirken, aber weil Lana Del Rey dafür entweder einem guten Chriurgen zu wenig oder einem schlechten zu viel bezahlt hat, sind sie nur pralle Fremdkörper in ihrem zarten Gesicht. Beim Singen schürzt sie die Oberlippe als versuche sie, den Lippenkontakt auf ein Minimum zu reduzieren. Das sieht ein wenig nach Herpes aus. Und sehr seltsam.

Das Image, das sich die eher farblos wirkende und nur mäßig bekannte Sängerin Lizzy Grant zugelegt hat, scheint ihr auf merkwürdige Weise zu groß zu sein. Die abgeklärte Trash-Diva mag man der jungen Frau, die unsicher und zweifelnd wirkt, einfach nicht abnehmen.
Dieses Schwanken in den zu großen Schuhen mag irritieren, vielleicht von Zeit zu Zeit sogar peinlich berühren. Hass und Gespött hat es indes nicht verdient.
In Zeiten, wo das Internet Justin Biebers und Rebecca Blacks gebirt, banales Zeug für unmündige Zuhörer, bin ich dankbar für jeden Künstler mit Ambition und Talent.
Und irgendwie denke ich, hat so jemand nicht ein kleines Quäntchen Respekt verdient, selbst wenn man die Musik nicht mag und die Optik scheiße findet?